Egoismus?
Hallo eddie09,
Dein Bericht stimmt mich nachdenklich, denn spätestens, wenn jemand nach Hilfe fragt und sich ganz klar in einer Notsituation befindet, dann sollte man nicht groß zögern zu helfen - soweit es einem möglich ist. Ein Telefonanruf ist in der heutigen Zeit lächerlich günstig und es hat allem Anschein nach auch nicht so ausgesehen, als wärst Du mit dem Telefon abgehauen.
Für mein Verständnis haben mittlerweile etliche Leute ein Problem mit der Realität, die sie entweder verleugnen oder nicht mit beschäftigen wollen. Hilfe könnte ja Unannehmlichkeiten mit sich bringen, einem den Tag versauen.
Solch ein rücksichtsloses Verhalten sind für mich deutliche Verfallserscheinungen der Gesellschaft.
Ich selbst unterscheide auch, wo und wann ich helfe, aber ich ich bin davon überzeugt, Situationen überwiegend richtig einschätzen zu können und dementsprechend zu handeln.
Bettelt mich jemand an, gibt es kein Geld, aber wenn ein Supermarkt in der Nähe ist, bin ich gerne bereit, etwas zum Essen oder trinken zu spendieren.
In einem medizinischen Notfall traue ich mir auch noch zu begrenzt erste Hilfe zu leisten oder wenigstens 112 zu wählen, bzw. Zuschauer zum Helfen zu ermahnen und nicht wegzugehen, bis das Thema in trockenen Tüchern ist.
Ich habe auch schon selbstlos gehandelt und nicht auf mich geachtet, was mir hinterher nicht leid getan hat:
Vor acht Jahren erholte ich mich gerade von einem Bandscheibenvorfall, als ich mein Auto an der Tankstelle volltankte; nebenan stieg ein altes Mütterchen aus ihrem Auto und vergaß, den Gang einzulegen oder die Handbremse festzuziehen.
Ihr Auto rollte rückwärts, sie versuchte sich erfolglos (da sie gerade am Kofferraum stand) dagegen zu stemmen und wäre mit Sicherheit überrollt worden. Mit einem Satz sprang ich in ihr Auto (die Fahrertür hatte sie zum Glück offen gelassen, stolperte, weil ich noch ein ziemlich taubes linkes Bein hatte und mein Fuß noch halb gelähmt vom Bandscheinbenvorfall war, fiel auf den Fahrersitz, schaffte es aber noch, die Handbremse schnell anzuziehen.
Niemand und nichts kam zu Schaden und hey - wer hätte helfen sollen, wenn nicht ich?
Ein anderes Mal stand am Straßenrand ein Mann mit seinem Auto, welches im Motorraum brannte; ich wendete bei der nächsten Gelegenheit und fuhr zurück, aber der Mann hatte bereits einen Feuerlöscher zur Hand und kam gut zurecht - also habe ich wenigstens gefragt, ob der Hilfe nötig hat, was er verneinte.
Man muss sich nicht selbst in Gefahr bringen oder alles bei derartigen Aktionen riskieren, aber man sollte da sein und bereit zu helfen, wenn es niemand anders tun will, denn ganz schnell kann man selbst der Betroffene sein.
Nie würde ich Dank für meine Hilfe erwarten, ich persönlich habe schon genug von der Gewissheit, alles getan zu haben, um eine mehr oder minder große Notsituation entschärft zu haben.
Wäre ich vor Ort gewesen, dann hätte ich garantiert gefragt, wie Dir zu helfen ist und es auch getan.
Gruss, Fairlane