TTIP, Devisen-SWAP und Währungsreform

Diego2 @, Mittwoch, 02.11.2016, 15:59 vor 3414 Tagen 2539 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 03.11.2016, 13:24

Hallo zusammen,

das ist mein erster echter Beitrag / meine erste Threaderöffnung, daher die Bitte um Nachsicht, wenn jemanden dieser Beitrag zu dumm vorkommen mag. Ich habe vor einigen Tagen ein sehr interessantes Gespräch mit jemanden geführt, der sich sehr gut mit der globalen Finanzpolitik auszukennen schien und auch recht gut vernetzt schien.

Hier ein paar seiner Thesen:
1) TTIP/ CETA wird in erster Linie deshalb versucht, mit Gewalt einzuführen, um eine einheitliche westliche Währung vorzubereiten. (Erst gemeinsamer Wirtschaftsraum mit gleichen Regeln, dann gleiche Währung. Siehe EWG, EU und Euro).
2) Angeschlossen sind die 6 grossen westlichen Notenbanken, die dauerhafte Dollardevisen SWAPs vereinbart haben. (http://www.faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/devisen-tausch-vereinbarungen-zentralbanken-leihen-sich-dauerhaft-devisen-12643223.html)
3) Die entsprechenden Währungen sind daher jetzt schon alle vom USD abhängige Derivate und nicht mehr eigenständig.
4) Es wird alles versucht, das Schuldenproblem durch Hyperinflationierung zu beseitigen, damit es nicht zum (deflationären) Crash kommt.
5) Am Ende wird es zwangsläufig eine globale (oder westliche) Währungsreform geben.
6) Möglicherweise neues Bretton Woods System mit Dollarkopplung als Vorstufe / Zwischenstufe möglicherweise goldgedeckt, Golddeckung ist nicht zwingend.
6) Neue globale / westliche Währung, ggf. basierend auf Sonderziehungsrechten des IWF (praktisch schon jetzt unendlich herstellbar, problematisch wäre, dass sich SZR schon jetzt am Wert der wichtigsten (und dann evtl. hyperinflationierten) Währungen orientieren, ggf. goldgedeckt oder aber auch nicht.

Ich muss gestehen, dass ich TTIP noch nie als Vorstufe einer gemeinsamen Währung betrachtet habe und dies auch noch nicht so (hier) diskutiert wurde. Ich halte dieses Szenario aber im Vergleich zur Euroeinführung wirklich als naheliegend (Ich bestreite nicht die anderen TTIP Folgen, die hier und anderswo ernsthaft diskutiert werden). Gibt es dazu andere Meinungen?

Weiss jemand, ob es Devisen SWAP Vereinbarungen in Westeuropa vor der EURO Einführung gab?

Sonstige Meinungen zu diesen Thesen ?

Herzlichen Gruss
Diego

Willkommen im Forum!

Langmut @, Mittwoch, 02.11.2016, 22:25 vor 3414 Tagen @ Diego2 1619 Views

Hallo in die Runde, Grüß dich Diego2,

das ist mein erster echter Beitrag / meine erste Threaderöffnung, daher
die Bitte um Nachsicht, wenn jemanden dieser Beitrag zu dumm vorkommen mag.

Nö, hier darf wohl jeder einfach loslegen, nur keine falsche Bescheidenheit.

Ich habe vor einigen Tagen ein sehr interessantes Gespräch mit jemanden
geführt, der sich sehr gut mit der globalen Finanzpolitik auszukennen
schien und auch recht gut vernetzt schien.

Das ist hier im Forum nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal.

Hier ein paar seiner Thesen:
1) TTIP/ CETA wird in erster Linie deshalb versucht, mit Gewalt
einzuführen, um eine einheitliche westliche Währung vorzubereiten. (Erst
gemeinsamer Wirtschaftsraum mit gleichen Regeln, dann gleiche Währung.
Siehe EWG, EU und Euro).

Das alleine wäre nicht verachtenswert.

2) Angeschlossen sind die 6 grossen westlichen Notenbanken, die dauerhafte
Dollardevisen SWAPs vereinbart haben.
(http://www.faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/devisen-tausch-vereinbarungen-zentralbanken-leihen-sich-dauerhaft-devisen-12643223.html)

Na und?!?

3) Die entsprechenden Währungen sind daher jetzt schon alle vom USD
abhängige Derivate und nicht mehr eigenständig.

Gähn, aber worauf willst du hinaus.

4) Es wird alles versucht, das Schuldenproblem durch Hyperinflationierung
zu beseitigen, damit es nicht zum (deflationären) Crash kommt.

Sehr löblich, aber wer oder was ist "es"?

5) Am Ende wird es zwangsläufig eine globale (oder westliche)
Währungsreform geben.

Huch, da wird sich Herr Eichelburg aber freuen. EM long!!!

6) Möglicherweise neues Bretten Woods System mit Dollarkopplung als
Vorstufe / Zwischenstufe möglicherweise goldgedeckt, Golddeckung ist nicht
zwingend.

Nö, olle Kamelle aufwärmen, ist nicht mehr des Pudels Kern.

6) Neue globale / westliche Währung, ggf. basierend auf
Sonderziehungsrechten des IWF (praktisch schon jetzt unendlich herstellbar,
problematisch wäre, dass sich SZR schon jetzt am Wert der wichtigsten (und
dann evtl. hyperinflationierten) Währungen orientieren, ggf. goldgedeckt
oder aber auch nicht.

Jetzt geht es aber ein bißchen durcheinander. Mit "oder auch nicht" schmeißt du jede Hypothese direkt um, siehe Killerphrase.

Ich muss gestehen, dass ich TTIP noch nie als Vorstufe einer gemeinsamen
Währung betrachtet habe und dies auch noch nicht so (hier) diskutiert
wurde. Ich halte dieses Szenario aber im Vergleich zur Euroeinführung
wirklich als naheliegend (Ich bestreite nicht die anderen TTIP Folgen, die
hier und anderswo ernsthaft diskutiert werden). Gibt es dazu andere
Meinungen?

??? Die drei Fragezeichen!

Weiss jemand, ob es Devisen SWAP Vereinbarungen in Westeuropa vor der EURO
Einführung gab?

Ich nicht, bin aber kein Meinungsführer.

Sonstige Meinungen zu diesen Thesen ?

Ein wenig viel für den Einstand. Als ehemaliger Lehrer würde ich dir als Hausaufgabe mitgeben, den Begriff "Demut" zu definieren und herzuleiten.

Ggf. kann man ja auch ein eigenes Forum eröffnen.

Aller Anfang ist schwer!

Gruß
Langmut

--
Skat- und Schafkopfweisheit: Besser geimpft als überhaupt keinen Stich.

Der Unterschied zwischen schlau und dumm.
Ein schlauer Mensch kann sich dumm stellen.

Arbeit finde ich gut, da könnte ich anderen stundenlang zuschauen.(Diogenes von Sinope)

Willkommens-Polemik.

BillHicks ⌂ @, Wien, Donnerstag, 03.11.2016, 01:02 vor 3414 Tagen @ Diego2 1814 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 03.11.2016, 13:23

Hallo zusammen,

Hallo Diego2,

das ist mein erster echter Beitrag / meine erste Threaderöffnung, daher
die Bitte um Nachsicht, wenn jemanden dieser Beitrag zu dumm vorkommen mag.

Du stellst gute Fragen bzw. wirfst interessante Punkte auf. Benutze gerne die Forumssuche bzgl. bestimmter Stichworte, die Dich beschäftigen und lies' Dich einfach ein wenig ein bzw. stell weiter konkrete Fragen, wenn die Forensuche nichts ergibt.

Ich habe vor einigen Tagen ein sehr interessantes Gespräch mit jemanden
geführt, der sich sehr gut mit der globalen Finanzpolitik auszukennen
schien und auch recht gut vernetzt schien.

Na dann [[freude]]
Ist das einer derjenigen Superstar-Experten, die vor 2008 alle brav an die Taylor Rule geglaubt haben und nun als genau die intellektuellen Dünnbrettbohrer da stehen, die sie mindestens bis 2008 waren?
Inwiefern hat sich seine Sichtweise seit 2007/08 geändert? Was ist die dramatischste Neuerung in seiner Weltsicht seit 2007/08?

Hier ein paar seiner Thesen:
1) TTIP/ CETA wird in erster Linie deshalb versucht, mit Gewalt
einzuführen, um eine einheitliche westliche Währung vorzubereiten. (Erst
gemeinsamer Wirtschaftsraum mit gleichen Regeln, dann gleiche Währung.
Siehe EWG, EU und Euro).

Ja, eh klar. Nur... das mit dem Euro... hm... Eurokrise? Da war doch irgendwas?

Ich bin jetzt mal ein wenig provokant und polemisch:
Die Staatswissenschaftstotalagnostiker, die das institutionelle Design der EU hervorgebracht haben, scheinen die Fresse noch nicht ordentlich genug von der Wirklichkeit poliert bekommen zu haben, weil sie diesen geistigen Dünnpfiff nun auf die gesamte westliche Welt anwenden wollen.
Aus der Sicht der Superprofiteure kann ich das sogar verstehen. Es funktioniert aber SCHON JETZT politisch nicht mehr.
Davon abgesehen, dass Staatswissenschaftler einen solchen Quatsch erst überhaupt gar nicht machen würden.
Ich möchte mal gerne wissen wie viele Leute in der deutschen Verwaltung mit der Faust geballt in der Tasche und ungläubig auf die Idiotie der politischen Entscheidungsträger und ihrer ökonomischen Einflüsterer (die ihre grotesk schlechten Landkarten der Wirtschaftswirklichkeit regelmäßig mit der Wirtschaftswirklichkeit verwechseln) schauen und nur darauf warten, dass es mal irgendwann wieder eine Regierung gibt, die versteht was ein Staat eigentlich ist.

2) Angeschlossen sind die 6 grossen westlichen Notenbanken, die dauerhafte
Dollardevisen SWAPs vereinbart haben.
(http://www.faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/devisen-tausch-vereinbarungen-zentralbanken-leihen-sich-dauerhaft-devisen-12643223.html)

Ja, das stimmt.

3) Die entsprechenden Währungen sind daher jetzt schon alle vom USD
abhängige Derivate und nicht mehr eigenständig.

Dafür hätte es die Swaps aber nicht benötigt.
Der Eurodollar ist seit den Anfängen in den 1950ern zu dem Zahlungsmittel der Welt geworden. Global Money.

4) Es wird alles versucht, das Schuldenproblem durch Hyperinflationierung
zu beseitigen, damit es nicht zum (deflationären) Crash kommt.

Ja, das schon.
Aber mit Geldpolitik alleine kann es nicht funktionieren. Ich glaub bis auf die deutsche Regierung weiß das auch so ziemlich jeder heute. Immerhin steht die deutsche Regierung an der Spitze einer Exekutive, die den Namen verdient. In Europa ist der "moderne Staat", d.h. eine meritokratische und bürokratische Verwaltung, statt einer (neo-)patrimonialen bzw. klientelistischen Verwaltung, ja leider nicht der Standard. Staaten wie Griechenland, Bulgarien, Italien (Süditalien), ... sind leider nur Abziehbilder von funktionierenden Staaten. Das kann die deutsche Regierung freilich selbst dann nicht so sagen, wenn sie es wüsste. Wobei ich Schäuble als Juristen es eher zutraue die institutionellen Unzulänglichkeiten in der Peripherie zu sehen, als seinem ehemaligen, aus einem solchen klientelistischen Staat kommender postkeynesianischer Gegenpart Yanis Varoufakis.
Freilich betrifft jeden Staat das Phänomen der Repatrimonialisierung (Fukuyama).

In €uropa - und damit sind wir wieder bei den Staatswissenschaftstotalagnostikern - gibt es außer der Zentralbank gleich mal gar keine Institution, die Fiskalpolitik überhaupt machen könnte.

Wir haben es in Europa wirklich mit Schildbürgern in der Regierung zu tun.

Ach ne... halt... genau! Es gibt ja gleich auch gar keine europäische Regierung! Wozu auch? Das hat sich ja bewährt einfach keine Regierung zu haben. Kennt man ja aus der Geschichte.
Es lief immer dann am besten, wenn es gar keine Regierung gab.
Nein?
Die €uropäer scheinen noch immer wenigstens leidlich überzeugt, dass "Standortwettbewerb" ins Glück führt.
Auch heute wieder: "Systemwettbewerb" im Jahresbericht des "Sachverständigenrates"... da muss ich lachen.[[lach]]
Staatswissenschaftstotalagnostiker. Ich kann es nicht freundlicher sagen. Die Inkompetenz in Festlandseuropa ist wahrlich schwer auszuhalten.

5) Am Ende wird es zwangsläufig eine globale (oder westliche)
Währungsreform geben.

Was genau soll mit "Währungsreform" gemeint sein?

6) Möglicherweise neues Bretton Woods System mit Dollarkopplung als
Vorstufe / Zwischenstufe möglicherweise goldgedeckt, Golddeckung ist nicht
zwingend.

Also dass das "Non-System" seit Anfang der Siebziger Jahre sich gerade in seine Einzelteile zerlegt (gedeckte Zinsparität galt immer als das einzige auf das man sich verlassen kann - nun - das kann man heute auch nicht mehr) bemerkt ja sogar schon die Wirtschaftspresse. Übrigens gibt es selbstverständlich nicht nur Vollpfosten: Paul Volcker nannte den Wechsel zu flexiblen Wechselkursen eine gesteuerte "Desintegration der Weltwirtschaft". Wie recht er hatte.

Und Gold? Wenn man sich die Geschichte ansieht, dann wurde Gold - als Geld der Kreditlosen - immer weiter in die oberen Sphären der Geld-Hierarchie gedrängt und ist dort seit dem zweiten Weltkrieg, bzw. allerspätestens seit 1971 sogar völlig raus (und weltweit durch den Eurodollar ersetzt). Gold braucht man nicht unbedingt für ein Weltwährungssystem, ein Weltwährungssystem dagegen braucht man schon.
Ich möchte gerne daran erinnern, dass wir uns nicht mehr in Zeiten des Welthandels mit nationaler Produktion, sondern längst in einer Zeit der Weltproduktion befinden.

Das ganze "Zurück zum Nationalstaat" Gedöns, das von ahnungslosen Linken und Rechten gleichermaßen gehört werden kann, kann man getrost in die intellektuelle Tonne verfrachten. Was tatsächlich politisch gemacht wird freilich steht in den Sternen.
Denn dieser Trend ("Zurück zum Nationalstaat") kommt ja gerade daher, dass es zu wenig Staat (d.h. Öffentliches Recht) an den nötigen Stellen (oben in der Hierarchie) gibt, weil man diesen neoliberalen Unsinn geglaubt hat, dass "der Markt" schon irgendwie alles richten werde. Eine Zentralbank bräuchte man halt, wegen der inhärenten Instabilität des Finanzsystems (so weit hat der Friedman ja immerhin auch noch gedacht). Dieser neoliberale Unsinn wiederum konnte in den 1980ern deshalb Platz greifen, weil der Keynesianismus in den 1970ern durch den Wechsel von Käufer- zu Verkäufermärkten intellektuell überfordert war. Diese wichtige Unterscheidung haben Keynesianer nicht auf dem Radar und deshalb würden sie auch heute - wären sie am Ruder - mit ihren Maßnahmen ("Industry Policy" oder weiß der Geier was), die letztlich "mehr Geld in die Peripherie" bedeuten würden absolut nichts sinnvolles bewirken. Es sei denn freilich dieses Geld würde zum Aufbau funktionierender Staatlichkeit genutzt.
Staat ist nicht das selbe wie Nation.

Europäer werden irgendwann beginnen müssen wahr zu nehmen, dass es zwar einerseits genuin europäische Interessen aber andererseits noch keine Institutionen, die sie wirksam vertreten könnte, gibt. Einen europäischen "Nationalismus" in just diesem Sinne wird es schon benötigen um zu einem funktionierenden europäischen Bundesstaat zu kommen, der genau das auf der Bundesebene erledigt, was auf der Landesebene eben nicht erledigt werden kann. Ansonsten ist Europa halt "Toast", wie Clinton in ihren gestern veröffentlichten E-Mails schreibt. Kann auch gut passieren.

6) Neue globale / westliche Währung, ggf. basierend auf
Sonderziehungsrechten des IWF (praktisch schon jetzt unendlich herstellbar,
problematisch wäre, dass sich SZR schon jetzt am Wert der wichtigsten (und
dann evtl. hyperinflationierten) Währungen orientieren, ggf. goldgedeckt
oder aber auch nicht.

Die SZR sind gut gemeint aber in der Wirkung haben sie sich wenn es darauf ankam als Schrott erwiesen. Es braucht ein Kreditsystem auch auf der höchsten Hierarchieebene. So ein Bestandssystem wie die SZR ist einfach zu lahm. Immer dann wenn es die Liquidität ganz oben mal bräuchte ist dann nicht genügend da. Man müsste dieses und jenes beantragen, das dauert... Kann man vergessen. Liquidity kills you quick!
Warum nutzen wohl alle den Eurodollar?
Es braucht auch oben ein Kreditsystem (gibt es heute mit den von Dir oben erwähnten C6-Swaplinien). Zu einem echten Kreditsystem (heute ist es ein "Non-System") geht es für das Weltfinanzsystem hin. Hoffen wir es mal.
Aber das alleine reicht selbstverständlich nicht. Es braucht state building. Und daran kann sich keiner mehr selbst erinnern wie das im Westen erfolgreich gemacht wird. Es ist zu lange her.

Schon mal jemand einen Staat gebaut und - statt staatlicher Institutionen - einfach nur eine Zentralbank irgendwo hingestellt?
Und? Hat das gut funktioniert?
Wie oft hat das in der Geschichte schon gut funktioniert?
Noch gar nie?
Ui!
Wie kommt's?

Ich muss gestehen, dass ich TTIP noch nie als Vorstufe einer gemeinsamen
Währung betrachtet habe und dies auch noch nicht so (hier) diskutiert
wurde. Ich halte dieses Szenario aber im Vergleich zur Euroeinführung
wirklich als naheliegend (Ich bestreite nicht die anderen TTIP Folgen, die
hier und anderswo ernsthaft diskutiert werden). Gibt es dazu andere
Meinungen?

Also prinzipiell ist das doch eine total naheliegende Sache, dass das "Öffentliche Recht" den eigenen Machtbereich ausweiten muss um mit den privaten, multijurisdiktionalen Mächten (sog. "Multinationale Konzerne") mithalten, bzw. sie im Zaum halten zu können.

Noch zu viele glauben halt, dass das Wort "Wettbewerb" nur eine einzige Bedeutung haben könnte.
Deshalb glauben sie auch, dass Standortwettbewerb der einzelnen Staaten untereinander eine tolle Sache sei.
Weil?
Weiß man nicht so genau.
Ach ja, doch. Weil das der einzige Grund ist, der in der Schweiz die Steuern so schön niedrig hält... Der "Steuerwettbewerb" der Kantone. Wer's glaubt wird selig.

Aber das heißt eben nicht, dass man einen westlichen Einheitsstaat bauen sollte. Nein, Subsidiaritätsprinzip. Aber: es braucht eine bundesstaatliche Ebene, die insbesondere wirtschafts- und sicherheitspolitische Entscheidungsfähigkeit hat. Das können die Länder nicht machen. Insbesondere jene nicht, die eine gemeinsame Währung haben. Aber der Allerletzte müsste es spätestens in der sog. "Flüchtlingskrise" bemerkt haben, dass es in Europa nicht etwa allgemein einfach "zu viel Staat", sondern zu wenig Staat an den richtigen Stellen gibt.

Weiss jemand, ob es Devisen SWAP Vereinbarungen in Westeuropa vor der EURO
Einführung gab?

Ja, es gab ähnliche Vereinbarungen ("Beistandskredite"). Permanente, wechselseitige und unlimitierte Swaplinien, die zudem als Vertrag schriftlich fixiert wurden, sind mir so aber in der Tat neu.
Tatsächlich war es ja die tatsächliche Limitiertheit der Bundesbank-Beistandspflicht, die George Soros die Bank von England knacken ließ [[zwinker]]

Herzlichen Gruss
Diego

Willkommen hier an Board!

Schöne Grüße

--
BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.

Direkte Demokratie und Steuerwettbewerb als Standortvorteil

Zarathustra, Donnerstag, 03.11.2016, 08:22 vor 3414 Tagen @ BillHicks 1453 Views

bearbeitet von Zarathustra, Donnerstag, 03.11.2016, 08:40


Noch zu viele glauben halt, dass das Wort "Wettbewerb" nur eine einzige
Bedeutung haben könnte.
Deshalb glauben sie auch, dass Standortwettbewerb der einzelnen Staaten
untereinander eine tolle Sache sei.
Weil?
Weiß man nicht so genau.
Ach ja, doch. Weil das der einzige Grund ist, der in der Schweiz die
Steuern so schön niedrig hält... Der "Steuerwettbewerb" der Kantone.
Wer's glaubt wird selig.

Ja, das ist so, lieber BillHicks. Das kann ich als Schweizer bestätigen.
Direkte Demokratie und kantonaler Steuerwettbewerb, welcher seinerseits eine direkte Folge des direktdemokratischen Wettbewerbs ist, hält die Steuern niedriger und die wirtschaftliche Produktivität höher als bei den Mitwettbewerbern. Es ist ein Standort-Vorteil gegenüber unseren Nachbarn. Wer's nicht glaubt, durfte es erfahren. Dass die indirektdemokratischen Schwärme (von den Feudalstaaten schon gar nicht reden) mit der Effizienz des direktdemokratischen Schwarms im Wettbewerb nicht mithalten können, ist kein Zufall. Wenn die EU mit der Schweiz mithalten will, dann muss sie - wie @pigbonds schrieb - wie die Schweiz werden (wollen); föderalistisch, direktdemokratisch.

Beste Grüsse, Zara

+1

Revoluzzer @, Donnerstag, 03.11.2016, 11:14 vor 3414 Tagen @ Zarathustra 1352 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 03.11.2016, 15:47

Ja mei, da bringt's Zara doch voll auf den Punkt:

Direkte Demokratie und kantonaler Steuerwettbewerb, welcher seinerseits
eine direkte Folge des direktdemokratischen Wettbewerbs ist, hält die
Steuern niedriger und die wirtschaftliche Produktivität höher als bei den
Mitwettbewerbern.
Dass die
indirektdemokratischen Schwärme (von den Feudalstaaten schon gar
nicht reden) mit der Effizienz des direktdemokratischen Schwarms im
Wettbewerb nicht mithalten können, ist kein Zufall.

Wenn die EU mit der
Schweiz mithalten will, dann muss sie - wie @pigbonds schrieb - wie die
Schweiz werden (wollen); föderalistisch, direktdemokratisch.

Ja, aber die EU ist unrettbar, denn wenn die Völker zu entscheiden hätten, gäbe es keine EU-Föderation oder als man den Moloch sonst bezeichnen will.

Revo.

Piratennest

Mephistopheles @, Datschiburg, Donnerstag, 03.11.2016, 13:04 vor 3414 Tagen @ Zarathustra 1413 Views

Ja, das ist so, lieber BillHicks. Das kann ich als Schweizer bestätigen.
Direkte Demokratie und kantonaler Steuerwettbewerb, welcher seinerseits
eine direkte Folge des direktdemokratischen Wettbewerbs ist, hält die
Steuern niedriger und die wirtschaftliche Produktivität höher als bei den
Mitwettbewerbern. Es ist ein Standort-Vorteil gegenüber unseren Nachbarn.
Wer's nicht glaubt, durfte es erfahren. Dass die
indirektdemokratischen Schwärme (von den Feudalstaaten schon gar
nicht reden) mit der Effizienz des direktdemokratischen Schwarms im
Wettbewerb nicht mithalten können, ist kein Zufall. Wenn die EU mit der
Schweiz mithalten will, dann muss sie - wie @pigbonds schrieb - wie die
Schweiz werden (wollen); föderalistisch, direktdemokratisch.


Ja, das war schon immer so, eine direkte Demokratie kann sich nur leisten, wer hauptschlich von dem lebt, was andere erwirtschaften, entweder als Piraten, die auf ihren hohen Klippen die Raubgüter verstecken, die sie anderen abgenommen haben, oder als Sklavenhalter wie die Athener Demokratie.
Dadurch können natürlich die Steuersätze niedrig gehalten werden.

Die Athener waren sogar so erfolgreich, dass sie nicht nur überhaupt keine Steuern hatten, sondern mit ihren Sitzungsgeldern weltweit erstmalig sogar so eine Art Sozialhilfe einführten.
Wer an den Sitzungen teilnahm, erhielt ein Sitzungsgeld.

Beste Grüsse, Zara

Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

Ja, "Macht ist das Produktivste überhaupt - anderer arbeitet für Dich"

Zarathustra, Donnerstag, 03.11.2016, 19:24 vor 3413 Tagen @ Mephistopheles 1134 Views

... und ein direktdemokratischer Schwarm ist wettbewerbsfähiger (= mächtiger) als die Mitbewerber, die demzufolge für die Wettbewerbsfähigeren arbeiten.

'Der Kapitalismus - ein System, das funktioniert!'

Grüsse, Zara

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