Wieder ein Börsenthema ;-)

QuerDenker @, Mittwoch, 26.10.2016, 14:34 vor 3468 Tagen 2302 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 26.10.2016, 14:38

Hallo @Alle,

immer wieder wird ein 'zu veränderungswilliger' Einzelwert 'vom Handel ausgesetzt'.
Für Einzelwerte - und auch für die Indizes - gibt es dazu natürlich klare Regeln!

Aktuell bei der 'Monte del Paschi'

Ein paar Diskussion- und 'Nachdenk'-Fragen an Alle:

Ist diese 'Deckelung' von Marktreaktionen, nicht schon eine spezielle Form einer 'Manipulation' - die in diesem Fall natürlich klar im Regelwerk definiert wäre?

Wie vereinbart sich diese 'Deckelung' mit der allgemeinen Charttechnik bzw. 'Elliott'?

Denn wäre es nicht wirklich erst ein 'freier Aktienmarkt', wenn auch wirklich jede 'Kursbewegung' zugelassen werden würde?


Da die aktuell genutzten Algorithmen - nicht nur im HFT, sondern auch Konventionelleres - hier, unter Anwendung regelungstechnischer Kriterien, massiv 'überfordert' sein dürften, wäre die Folge wohlmöglich ein 'Chaos'. Das soll ja aber - und das nicht nur 'sprichwörtlich' - meist zur 'Ordnungsfindung' beitragen... [[zwinker]]

Etwas provokativer in die Runde gefragt: Wem dient also diese Deckelung letztendlich?

[[top]]

Beste Grüße

QuerDenker

--
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Mit der Aussetzung des Kurses wird Panik vermieden und Zeit "gekauft".

ebbes @, Mittwoch, 26.10.2016, 17:56 vor 3468 Tagen @ QuerDenker 1506 Views

Hallo Querdenker.

Ich vergleiche dieses einmal mit dem Endspiel des Fußball-Europapokals der Landesmeister 1984/85 im Heyssel Stadion.
https://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Heysel

Der Reporter in seiner Kleingeistigkeit hat immer davon gefaselt, dass er nicht verstehen kann, dass dieses Endspiel durchgeführt wird.
Keinen Menschen hat das Ergebnis und das Fußballspiel interessiert.

Aber:

Die Massen wurden durch das Spiel abgelenkt, so dass die Verantwortlichen im Hintergrund Maßnahmen treffen konnten, noch größere Katastrophen zu verhindern.
Die Gemüter beruhigen sich und jeder hat Zeit darüber nachzudenken.

Für jeden, der hier schon die rote Karte kassiert hat, hätte eine Nachdenkzeit, bevor er seine Meinung äußert, nicht geschadet.

Oft steigt sogar der Kurs der betroffenen Aktie, wenn die Nachricht nicht zu schlimm war.

Zur Charttechnik schreibe ich nichts, das überlasse ich anderen.


Gruß

ebbes

--
Jedes blinde Huhn, das an der Börse einmal erfolgreich war, denkt gleich, es sei ein Adler.

Bitte einmal mehr "um's Eck' denken...

QuerDenker @, Mittwoch, 26.10.2016, 19:29 vor 3468 Tagen @ ebbes 1272 Views

Hallo ebbes,

Danke für Deine Antwort!

Ich erwähnte ja auch schon den Begriff 'Regelungstechnik'....

Insofern ist mir das

Die Massen wurden durch das Spiel abgelenkt, so dass die Verantwortlichen
im Hintergrund Maßnahmen treffen konnten, noch größere Katastrophen zu
verhindern.
Die Gemüter beruhigen sich und jeder hat Zeit darüber nachzudenken.

Für jeden, der hier schon die rote Karte kassiert hat, hätte eine
Nachdenkzeit, bevor er seine Meinung äußert, nicht geschadet.

Oft steigt sogar der Kurs der betroffenen Aktie, wenn die Nachricht nicht
zu schlimm war.

.. natürlich bewusst. [[zwinker]]

Aber die Frage ist doch die, wem dieses 'Dämpfungsglied' usw. letztendlich nützt?

Aktienkurse sind - nicht nur 'nach' LeBon - ein 'lebendes' und 'psycho-soziales' Phänomen.
Das ist ja letztendlich auch der 'Grund', warum harmonische Faktoren (Fibonacci usw.) überhaupt 'funktionieren'!

Inwieweit entsprechen dann Aktienkurse, die - aufgrund der 'Dämpfung', oder leicht überzeichnet einem 'Steckerziehen' - die tatsächliche 'Marktreaktion' nicht mehr 1:1 abbbilden, überhaupt noch dem 'Abbild der Massenpsychologie'?

Letztendlich wäre zu überlegen - um auf Charttechnik und das Spezialgebiet Elliott anzuknüpfen - ob in Situationen mit 'Handel ausgesetzt' usw. nicht die 'Marktreaktionen' (also extreme relative Tiefs (und generell (mir aber nicht bei Aktienkursen bekannt) auch Hochs) - genauer deren zeitliche Ableitung) nicht bzgl. der Absolutwerte anders zu bewerten wären?

Denn, so wie es aussieht, wird ja bei Aktien nur 'das Fallen in das Bodenlose' gedämpft, aber nicht ein schneller+starker Anstieg... [[zwinker]]

Gruß zurück

QuerDenker

--
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Kursaussetzung, "Circuit breaker"-Regelungen - alles Manipulation

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Mittwoch, 26.10.2016, 20:21 vor 3468 Tagen @ QuerDenker 1223 Views

Hallo Querdenker,

Ist diese 'Deckelung' von Marktreaktionen, nicht schon eine spezielle Form
einer 'Manipulation' - die in diesem Fall natürlich klar im Regelwerk
definiert wäre?

ja!

Denn wäre es nicht wirklich erst ein 'freier Aktienmarkt', wenn auch
wirklich jede 'Kursbewegung' zugelassen werden würde?

Ja.
Märkte dienen der Preisfindung.
Marktschließungen (Kurskommunismus) behindern diese.

Interessant ist ja der Schlusskurs bei Kursaussetzung.
Der ist typischerweise viel zu hoch.

Wenn dann die dumme Chartsoftware davon abgeleitete Größen errechnet, z.B. historische Volas, dann sind diese Werte verzerrt. Die Chartsoftware weiß nicht, dass diese Schlusskurse falsch sind.
Weglassen kann man die Kursentwicklung der verzerrten Tage nicht, das fälscht die Vola noch mehr.

Rechne einfach mal eine annualisierte Vola auf eine Woche mit Kursänderungen von 0%,0%,0%,-10%,-10% und dagegen 0%,0%,0%,-19%,0%
Die erste Reihe soll die Kursänderungen bei Kursaussetzung am vierten Tag und Wiederaufnahme der Notierung am 5.Tag darstellen, die zweite Reihe soll hypothetisch den ungebremsten Crash darstellen.
In beiden Fällen stehen die Kurse am Wochenende 19% tiefer.

Interessant wird es dann bei darauf notierten Derivaten. Beim ungebremsten Crash müssen viel mehr Sicherheitsleistungen an einem Tag fließen.
In meinem Beispiel mit Kursaussetzung fließt etwa dieselbe Menge an Sicherheitsleistungen, aber gestreckt über zwei Tage.

Solche Praktiken sollen wohl Clearinghäuser schützen. Die müssen nämlich viel Geld an einen Kontrahenten auszahlen und sich viel Geld von anderen Kontrahenten holen.

Profis handeln im Zweifelsfall außerbörslich. Der Laie ist der Gelackmeierte.
Im Zweifelsfall fällt der Kurs kontinuierlich ohne dass sein Sell-Stop getriggert wird.

Da die aktuell genutzten Algorithmen - nicht nur im HFT, sondern auch
Konventionelleres - hier, unter Anwendung regelungstechnischer Kriterien,
massiv 'überfordert' sein dürften, wäre die Folge wohlmöglich ein
'Chaos'. Das soll ja aber - und das nicht nur 'sprichwörtlich' - meist zur
'Ordnungsfindung' beitragen... [[zwinker]]

Etwas provokativer in die Runde gefragt: Wem dient also diese Deckelung
letztendlich?

Dem Algorithmus ist das egal. Ohne handelbare Preise käme das typische eigenkapitalarme HFT-Handelspreis aber nicht aus Long-Positionen heraus.

Gruß
paranoia

--
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