OT: Scientology, erste 'Techno-Religion' neben den Raelianern - von L. Ron Hubbards Science Fiction zu Xenu und den Thetans

Literaturhinweis, Dienstag, 25.10.2016, 01:51 (vor 3423 Tagen)3950 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 27.10.2016, 11:00

Das Thema Scientology ist auf Gedeih und Verderb eng mit der US-amerikanischen Politik verknüpft.

Wenn Trump nicht gewinnt, haben die Vereinigten Staaten die Chance, wieder einer scientology-freundliche Präsidentin ihre Führung anzuvertrauen. Schon Bill Clinton war für seine z.T. engen Bekanntschaften mit bedeutenden Scientologen bekannt - wie man es ja von demokratischen Parteien, die seit 50 Jahren Wahlen manipulieren, erwarten darf.

Auch das Forum hatte Scientologen-Foristen.

Scientology war lange Jahre scheinbar eine Nischen-'Religion', bis durch Zufälle herauskam, daß diese Organisation auf Betreiben ihres Gründers L. Ron Hubbard bereits weite Teile der US-Sicherheitsbehörden unterwandert und u.a. die US-Steuerbehörde IRS ausspioniert hatte, um sich gegen ein drohendes Steuerstrafverfahren zu wappnen.

In der Folge schaffte es Scientology, nachdem sich David Miscavige an deren Spitze geputscht hatte, die IRS derart mürbe zu machen, daß sie resignierte und einer Steuerbefreiung für Scientology aufgrund deren 'Kirchen'charakters zustimmte.

Seitdem breitet sich Scientology weltweit noch ungehinderter aus und behauptet, Millionen von Mitgliedern zu haben, obwohl Aussteiger und geflohene hochrangige Insider glaubhaft behaupten, es handele sich nur um wenige zehntausend ("nicht mal 100.000 aktive Mitglieder"). Die Millionen-Zahl beruhe darauf, daß Scientology jeden zu ihren Mitgliedern zähle, der irgendwann einmal eine Broschüre erhalten oder einen Kurs besucht habe.

Es gibt eine kirchen-offizielle Biographie des Science-Fiction-Schriftstellers L. Ron Hubbard (und ganze Eulogien über ihn), der später mit dem Buch "Dianetik" seinen Ruhm und letztlich Scientology (be)gründete. In der offiziellen Biographie besaß Hubbard das Kapitänspatent für praktisch sämtliche US-Kriegsschiffe des Zweiten Weltkrieges und hatte unzählige Heldentaten vollbracht sowie Entdeckungsreisen unternommen, die Crocodile Dundee erblassen ließen, wären sie wahr. Und es gibt mehrere gut recherchierte kritische Biographien, die das alles widerlegen und ihn als ziemlichen Versager dastehen lassen, der allerdings immerhin der auflagenstärkste Science-Fiction-Schriftsteller aller Zeiten gewesen zu sein scheint. Auch das Scientology-Hauptwerk "Dianetik" erschien zuerst in einer Science-Fiction-Zeitschrift.

Während es Scientology in den Anfängen des Internet noch mit einem enormen Aufwand an Strafanzeigen und Prozessen und unter Besoldung ganzer Heere von Anwälten schaffte, die als "geheim" eingestuften "religiösen Schriften" immer wieder vom Netz zu nehmen oder zumindest nicht in Suchmaschinen anzuzeigen (vgl. Hubbards Alien 'Xenu'), ist das heute vergebens und sämtliche "Geheimnisse" bis zu den obersten OT-Stufen (s.u.) sind heute frei zugänglich, sogar z.T. über Renegaten-Organisationen, die weiterhin an L. Ron Hubbards Thesen festhalten, jedoch sich scharf gegen Miscavige verwahren. Interessant ist dabei, daß darunter "Erleuchtungsstufen" sind, von denen Hubbard behauptete (und seine Anhänger glauben es bis heute buchstabengetreu), daß sie einen unvorbereiteten Leser töten könnten, wenn er sie läse, bevor er die davor zu absolvierenden Stufen durchgemacht habe. Eine der ersten Aufklärungsseiten war schon in den neunziger Jahren 'Operation Clambake'.

Ein bißchen erinnert all das an die Mormonen und deren Gründer Joseph Smith, dessen offizielle Kirchenbiographie sich ähnlich gravierend von den historischen Fakten unterscheidet wie bei Scientology. Auch die 'Kirche der Heiligen der Letzten Tage' hat mehrere Abspaltungen hervorgebracht, von denen viele vor allem weiterhin an Joseph Smiths Polygamie-Gebot festhalten.

Und so, wie die Mormonen sich mehrmals von einem zum nächsten US-Bundesstaat vertrieben sahen, so wird auch Scientologie immer mal wieder in einem Land das Leben schwer gemacht, etwa in Frankreich oder Rußland.

Wer sich in die Hubbardsche Original-Literatur einliest (bekannteste: die 'Dianetik'), insbesondere dessen fast täglich aus St. Hill Manor in England und später von seinen Schiffen aus (vgl. 'Sea Org') an die weltweiten Unterorganisationen versandten 'Bulletins' (vgl. Beispiele, vgl. Wikileaks), sieht sich einem geradezu manischen, detailversessenen Charakter gegenüber, der auf der Klaviatur der Macht zu spielen verstand, daß es Macchiavelli Ehrfurcht abgenötigt hätte. Einen Eindruck seines administrativen Schaffens bekommt man hier; nicht vergessen: davor hatte er schon mehr Zeilen als Science-Fiction-Autor abgesondert, als vermutlich jeder vor ihm! Daß L. Ron Hubbard sein späterer Erfolg 'in den Schoß gefallen' wäre, kann man somit nicht behaupten, er war vielmehr ein Arbeitstier, wie man es selten findet.

Auch diese Depeschen sind heute (wohl fast vollständig) im Netz zugänglich.

Hubbards Gedankengut läßt Anklänge an Sigmund Freuds Psychoanalye ebenso erkennen wie Anleihen bei Meister-Magier Aleister Crowley, mit denen er sich auch ausführlich befaßt hatte (was Hubbard natürlich ganz anders sieht).

Er führte recht früh einen E-Meter in das "Auditing" ein, der i.W. Hautwiderstände mißt und damit teilweise Funktionen eines Lügendetektors nachahmt (welch letzterer aber auch noch Puls- und Atemfrequenz auswertet). Die "Auditoren" führen lange Gespräche mit ihren Klienten, die angeblich der 'priesterlichen Schweigepflicht' (priest-penitent relationship) unterliegen, jedoch alle fein säuberlich archiviert und z.T. gegen die so Ausgehorchten verwendet werden können, wenn diese sich gegen die Interessen ihrer 'Kirche' zu stellen beginnen.

Siehe auch Hubbards eigene Beschreibung seiner 'Forschungen': "Die Geschichte der Forschung und Untersuchung".

Wer sich für mehrere Milliarden Jahre -oft schon in jungen Jahren als Kind oder Jugendlicher- zum Dienst in der 'kasernierten' mönchsartigen Elite-Organisation der 'Sea-Org' verpflichtet, arbeitet oft sieben Tage die Woche, meist zölibatär, für das Unternehmen, ohne mehr als ein Taschengeld zu erhalten. Dafür erhält dieses Mitglied das gesamte Training 'kostenlos', falls es nicht zur Schikane wegen angeblichen Fehlverhaltens vorenthalten wird.

Scheidet dieser Mensch irgendwann gegen den Willen der Organisation aus Scientology aus, so erhält er als Abschiedsgeschenk eine sog. 'free-loaders tab', eine Rechnung über meist mehrere zehntausend, oft über hunderttausend Dollar, die diese Menschen oft dazu veranlaßt, über ihre Erfahrungen zu schweigen, da Scientology dann meist auf Vollstreckungsmaßnahmen verzichtet.

Ohnehin haben diese Aussteiger meist keinen Beruf erlernt und auch keine Freunde, da sie als "suppressive person" fürderhin von allen Scientologen gemieden werden müssen, ja meist nicht einmal mehr Kontakt zu ihren Eltern, Ehepartnern oder Kindern haben dürfen, sofern diese weiterhin in Scientology verbleiben. Ähnliche Kontaktverbote für Ausgeschlossene gibt es auch bei anderen religiösen Splittergruppen, etwa den Zeugen Jehovas.

Da sie also weder einen Beruf, noch Kontakte haben, und sich auch in der normalen Welt nicht wirklich auskennen, landen sie meist auf Sozialhilfeniveau und sind im Übrigen oft therapiebedürftig.

Dennoch gibt es einige sehr prominente Aussteiger, zumal Scientology sich auch massiv um Hollywood-Schauspieler bemüht, von denen sich aber einige z.T. unter einigem Spektakel von Scientology losgesagt haben (vgl. Jason Beghe, vgl. Jason Beghe in Germany), siehe auch Dokumentation "The secrets of Scientology" oder Mark Headley, der einst zum inneren Kreis der Scientology-Führung gehörte.

Tom Cruise und John Travolta sind nur die bekanntesten unter den Scientology-Celebrities, aber Scientology unterhält weltweit mehrere "Celebrity Centers" in denen Show-Größen umworben und umschmeichelt werden, bis hin zu vermuteten arrangierten Partnerschaften und Heiraten.

Jedoch nimmt die Zahl der Aussteiger zu, jedenfalls derer, die danach offensiv über ihre Erfahrungen berichten.

Da die Mitgliederzahlen wesentlich kleiner sind als von der Kirche offiziell behauptet, sind auch deren Einnahmen geringer, als man denken könnte. Da aber seit der spektakulären Steuerbefreiung in den USA sämtliche Geldanlagen von Scientology unbesteuert bleiben, scheint das Netto-Vermögen dennoch weiter zuzunehmen. Immerhin gab es in der Vergangenheit aber einige bemerkenswerte Verzögerungen bei der Fertigstellung neuer Prunkbauten, die darauf schließen lassen, daß die Kirche in manchen Jahren den Pfennig zweimal umdrehen mußte.

Die Geschichten über Scientology könnte man endlos weiterspinnen. So z.B. über den früheren 'Präsidenten' Heber Jentzsch, der noch in den neunziger Jahren z.B. für eine in deutschlandweit verbreitete Scientology-Broschüre verantwortlich zeichnete, in der der damalige Bundessozialminister Norbert Blüm(erant) als der "Rasputin von Bonn" bezeichnet wurde. Eben jener Heber Jentzsch fiel wohl irgendwann bei Alleinherrscher David Miscavige in Ungnade und ist seither verschwunden, vermutlich wie viele andere sequestriert in einer der gefängnisartigen Bußanstalten, die Scientology in USA und auf Schiffen unterhält. Seine Gattin ist Scientology entflohen und hält seither Vorträge über ihre Lebensgeschichte und ihre Scientology-Erlebnisse.

Bemerkenswert ist, wie sich das US-Außenministerium öffentlich bei seinem jährlichen Bericht über die "religiöse Freiheit in der Welt" z.B. über Deutschlands Überwachung von Scientology durch den Verfassungsschutz beschwert. Abgesehen davon, daß dies, siehe die Clintons, Zweifel daran nährt, ob das US-Außenministerium wirklich bei aller US-verfassungsmäßigen Trennung von Kirche und Staat nicht zur Scientology-Außenstelle mutiert ist, entspricht das nicht gerade dem völkerrechtlichen Nicht-Einmischungsgrundsatz.

In der deutschen Presse finden sich regelmäßig kritische Berichte über Scientology, etwa letzthin im Focus zu Gehirnwäsche und Sklaverei.

Die Liste ist endlos, vgl. z.B. Zeit oder Frankfurter Allgemeine Zeitung oder Spiegel oder Focus oder Süddeutsche Zeitung oder Die Welt oder ...

Weiter mit "Original-Literatur von L. Ron Hubbard, Dianetik- und Scientology-Begründer sowie Biographien über ihn und kritische Verrisse"

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