Simulated Reality
Hallo Ostfriese,
Ich frage mich schon seit längerem, wie sein Hauptwerk und seine
Konsumtheorie auf der Grundlage des Debitismus aussähen.
Dazu müssten sich aber eine Menge Leser erst einmal in die Werke von Baudrillard einarbeiten.
Wie Baudrillard bereits Ende der 70er erklärte, hat sich das Jahr 2000 nicht mehr erreignet. Es fehlen uns Menschen beinahe alle Referenzpunkte zu der Wüste des Realen. Wir können jedoch versuchen nachzuvollziehen, was Baudrillard zu beschreiben im Stande war. Der Menschheit, und deswegen wird Baudrillard auch von den Fassungslosen so gehaßt, ist es nicht mehr möglich einen äußeren Referenzpunkt in dieser auf sich selbst verweisenden Zeichenwelt zu finden. Die Simulation ist unsere Realität.
Die nächsten Jahre werden uns selbst zum Text einer Geschichte machen, die auf nichts anderes mehr verweisen wird, als leere Zeichen ohne Bezug zum Original. Die Voraussetzungen sind trotz des vereinzelten Willens, einen äußeren Referenzpunkt zu finden, längst geschaffen. Die Virtualität wird uns mit einer Geschwindigkeit überrollen, die uns aufgrund ihrer aufsaugenden Simulationskraft nicht mehr bewusst werden wird.
Unsere Geschichte wird womöglich in diesem Sog verschwinden und dem Menschen durch den fehlgeleiteten Willen selbst das letzte mentale Potential (seine in die physische Welt einwirkenden Willensziele) rauben. Nicht weil ihm zu wollende Ziele fehlenden werden, sondern weil ihm etwas viel wichtigeres entführt wird, das Willenziel einer Notwendigkeit, in das Außen (die physische Welt) zu wirken (Rückzug in die Virtualität, gewaltige Veränderungen des gesellschaftlichen Miteinanders, der Wertvorstellungen).
Die physische Welt, sie wird zu einem die Simulation festigenden Motherboard verkommen, dass einvernehmlich nicht mehr sein soll. Danach sind auch 30-Tagebärte, Studium bis zum 60. Lebensjahr, Klobrillen statt schwarzer Hornbrillen zum dahinter verstecken, sowie die Ablehnung von Eigentum, physischem Wohlstand und körperlichen Kontakten mit anderen Menschen, der letzte Schrei!
Es beginnt ein völlig neues Zeitalter der auf Gewalt basierenden Unterjochung, sowie des bisher aufgrund der Werte des Vermögens nicht beeinflussbaren Machtkreislaufs des Geldes.
Wie nah wir diesem Moment bereits gegenwärtig sind, kann jeder dieses Jahr Weihnachten auf dem Kopf seiner Kinder beobachten. Die Virtualisierung, insbesondere die derzeit auf Hochtouren perfektionierten brain–computer interfaces (BCI), werden in ein paar Jahrzehnten einen Gedanken an die räumliche und zeitliche Präferenz vollends überflüssig machen.
Der Debitismus wird darin eine Wendung nehmen, die heute, da der Wille zum Potential des Menschen noch an Raum & Zeit gebunden ist, in seiner Tragweite sehr schwer vorstellbar ist.
Und wer weiß, vielleicht landen wir dann auch endlich auf dem Mars? Oder gleich auf Pandora? Oder eigentlich egal?!
Herzlichst grüßend,
Ashitaka
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Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.