Terror und dessen Abwehr für's Wohnzimmer

nereus @, Dienstag, 18.10.2016, 08:48 vor 3427 Tagen 6811 Views

Hat jemand den Film „Terror“ gesehen, wo ein Pilot vor Gericht stand, weil er eine Passagiermaschine abschoss, um eine mutmaßlich größere Tragödie, den Tod von Zehntausenden in einem Stadion, zu verhindern?

Ein emotional hochbrisantes und daher heftig umstrittenes Thema.
Wie entscheidet man im Fall der Fälle oder wie gerecht kann Rechtsprechung sein?
Sinnigerweise stellte man dem sympathischen Angeklagten einen eitlen Anwalt zur Seite, um die Story auf Niveau zu halten.
87 % der Zuschauer plädierten (erwartungsgemäß) für Freispruch des angeklagten Majors.

Doch was wurde uns hier eigentlich präsentiert in Zeiten des gefakten und nachrichtendienstlich organisierten Verbrechens?
Die Propagandaschau hat die Thematik auf den Punkt gebracht.

Hinter der pseudo-aufklärerischen Inszenierung lauert ein perfides psychologisches Kalkül: Die Bürger werden zu Komplizen gewalttätiger Eliten gemacht, die in Wahrheit überhaupt erst die Ursachen für den Terror (Krieg des kleinen Mannes) gelegt haben.
Die Ursachen des Terrors aber sollen im inneren Konflikt um den Abschuss des Flugzeugs aus der Wahrnehmung verschwinden und die Bürger für militärische Handlungen emotional geöffnet werden – selbst wenn diese Handlungen eigene, unschuldige Opfer fordern.
Die Botschaft: Wir, die Guten, werden vom Bösen bedroht und müssen uns mit allen Mitteln dagegen wehren – wir dürfen selbst zum Bösen gegen Unschuldige greifen, weil wir – die Guten – ja nur noch Schlimmeres verhindern wollen.

Quelle: https://propagandaschau.wordpress.com/2016/10/17/wie-ard-zuschauer-zu-komplizen-des-mil...

Genau das war auch mein Eindruck, der schließlich in dem verräterischen Satz des Verteidigers gipfelte: Wir sind (schließlich) im Krieg!*
Haben das denn alle schon mitbekommen?

* an den exakten Wortlaut erinnere ich mich nicht mehr

In Schirachs Theaterstück erscheinen „wir“ als die Bedrohten. Attackiert von ruch- und vor allem geschichtslosen Terroristen, sollen die Zuschauer „Richter“ spielen und das Töten von Unschuldigen zur vermeintlichen Rettung von noch mehr Unschuldigen rechtfertigen. Es muss schon ein ganzes Fußballstadion mit 70.000 Besuchern herhalten, um die Zuschauer im Theater – oder jetzt eben in der ARD – moralisch auf „den richtigen“ Weg zu zwingen.

Moralisch richtig heißt: Rechtfertige das Töten!
Wenn es später einmal in einem vergleichbaren Fall in der Realität nur 100 waren, wirst du auch das akzeptieren.

Interessanterweise wollen die Kolumnenschreiber der Medien dem „Kriegsgeschrei“ aber diesmal nicht folgen. Die Kommentare sind erstaunlich und angenehm zurückhaltend.

Frage an den Regisseur des Films?
Wie hätte das Publikum eigentlich abgestimmt, wenn im Flugzeug die Fußballnationalmannschaft gesessen hätte oder gar eine Abordnung der Regierung inkl. der Kanzlerin? [[zwinker]]

mfG
nereus

Eine perfide Art der Volksbefragung durch die Hintertür

BestAger1966 @, Dienstag, 18.10.2016, 09:08 vor 3427 Tagen @ nereus 4717 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.10.2016, 09:25

Dan Brown stellt in seinem Werk Inferno, das derzeit in den Kinos läuft, eine ähnliche Frage. Sinngemäß geht das so:

Es gibt da einen Schalter. Legst du ihn um, stirbt die Hälfte der Menschheit. Legst du ihn nicht um, wird die Menschheit in 100 Jahren nicht mehr existieren. Was tust du?

Ich sage dazu: Das Schicksal nimmt seinen Lauf.


Frank

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(: Immer schön locker bleiben :)
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Die wahren Terroristen

Falkenauge @, Dienstag, 18.10.2016, 09:13 vor 3427 Tagen @ nereus 4776 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.10.2016, 09:16

vielen Dank, nereus, für das kritische Ansehen des Films und die trefflichen Zitate von Propagandaschau, die es wirklich auf den Punkt bringen.

Auf die Verursacher des Terrorismus kommt es an, und die sitzen in Washington, London, Paris, Brüssel usw.

Außerdem knüpft der Film ja an die angeblichen Terroristenflugzeuge vom 11.9.2001 an, die die beiden Stahltürme durchpflügt und zum Einsturz gebracht haben sollen, außerdem noch ein anderes Gebäude, das sie gar nicht getroffen haben. Unterschwellig wird dies alles als wahr vorausgesetzt und fließt suggestiv ins Bewusstsein, wodurch dieses gigantische Lügengebäude weiter befestigt wird, das die Geschichte bis heute bestimmt.

Ein Schweizer bringt es auf den Punkt

nereus @, Dienstag, 18.10.2016, 09:36 vor 3427 Tagen @ Falkenauge 5495 Views

Hallo Falkenauge!

Daniele Ganser beeindruckt mich immer wieder mit seinen simplen Gedankenketten, die viel besser beim Publikum einschlagen als tiefschürfende und oftmals langatmige Analysen.
Zu 9/11 sagte er in einem Vortrag sinngemäß:

Wir Historiker sind kritische Leute.
Wenn 2 Flugzeuge in 2 Gebäude fliegen und am Ende 3 Gebäude einstürzen, dann finden wir das sonderbar und fangen an uns Gedanken darüber zu machen.

Viel mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen. [[zwinker]]

mfG
nereus

Die verlogene Scheinwahl und die Propaganda drumrum (mT)

DT @, Dienstag, 18.10.2016, 09:41 vor 3427 Tagen @ nereus 4305 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.10.2016, 13:36

Daß fast keiner kritisiert, wie dieses scheinbare klare Votum zustande kam, wundert mich.

Schon ein und zwei Tage vorher wurde im Radio auf allen Sendern Propaganda gemacht. Vor ein paar Tage war der DLF relativ neutral, er sprach vom Votum 1/3 zu 2/3 (pro Abschuß) beim Theaterstück. Dies bestätigt auch die FAZ, siehe hier:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/ard-zeigt-verfilmung-terror-von-ferdinand-...

"Das ist nicht nur angesichts der Abstimmungszahlen - in Deutschland in gut 450 Vorstellungen 88 912 mal Freispruch, 59 939 mal „schuldig“ - sowie des Schlussplädoyers der Staatsanwältin eine verwegene Behauptung."

88912/(88912+59939)=0.59= 59% für Freispruch.

Gestern Nachmittag habe ich dann im Radio Meldungen gehört (vor der TV Ausstrahlung gestern Abend), wo angeblich im Theaterstück "90%" für Freispruch plädiert hätten. Nachdem ich die Zahl von 2/3 im DLF tags zuvor gehört hatte, ist mir das schon als Propagandalüge aufgefallen. Dazu paßt die "bekanntgegebene Zahl" von 87% für Freispruch der GEZ Lemminge.

Laut einiger Kommentare (interessanterweise sind die meisten Kommentarspalten zu dem Thema wieder gesperrt, was belegt, daß es reine Besatzer-Propaganda zum Bruch mit dem Grundgesetz und mit dem Urteil des BVerfG ist) war die Telefonnummer für "schuldig" nicht zu erreichen. Angeblich ein Versehen... honi soit qui mal y pense.

http://www.bz-berlin.de/kultur/zuschauer-beschweren-sich-ueber-online-abstimmung

http://meedia.de/2016/10/18/technische-probleme-und-mangelnde-transparenz-beim-voting-d...

Angeblich stimmt "das Netz" für schuldig, also andersrum, als die Lemminge, die der GEZ Propaganda erliegen. Perfide, wie suggestiv das Ganze gemacht ist.

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.das-netzt-stimmt-fuer-schuldig-terror-ihr-ur...


FUCK YOU, PROPAGANDAMEDIEN DER BESATZER!

zwingen?

Watson @, Dienstag, 18.10.2016, 09:50 vor 3427 Tagen @ nereus 3754 Views

In Schirachs Theaterstück erscheinen „wir“ als die Bedrohten.
Attackiert von ruch- und vor allem geschichtslosen Terroristen, sollen die
Zuschauer „Richter“ spielen und das Töten von Unschuldigen zur
vermeintlichen Rettung von noch mehr Unschuldigen rechtfertigen. Es muss
schon ein ganzes Fußballstadion mit 70.000 Besuchern herhalten, um die
Zuschauer im Theater – oder jetzt eben in der ARD – moralisch auf
„den richtigen“ Weg zu zwingen.

Moralisch richtig heißt: Rechtfertige das Töten!
Wenn es später einmal in einem vergleichbaren Fall in der Realität nur
100 waren, wirst du auch das akzeptieren.

Ich kann überhaupt nicht erkennen, dass von Schirach in seinem Stück die eine oder andere Position bezieht. Wenn überhaupt, dann stellt er sich mMn auf Seite des Artikel 1 GG, denn das Plädoyer der Staatsanwältin fand ich deutlich stärker als das des Verteidigers.

Und perfide brilliant wie der Autor ist, zeigt er die eigentliche, pragmatische Lösung dieses Dilemmas in einer Frage "Warum wurde das Stadion nicht evakuiert?"

We live with so few troubles but with so many, many lies...

Wie merke ich, dass ich manipuliert werde?

Ikonoklast @, Dienstag, 18.10.2016, 09:50 vor 3427 Tagen @ nereus 4348 Views

Hallo nereus,

vorweg, den Film habe ich nicht gesehen.

Mir kommt es auch so vor, als möchte man die Völker unter dem Nato-Schirm langsam aber sicher hin auf eine Konfrontation steuern. Steuern muss man hier wörtlich nehmen.

Nun aber zur gewählten Überschrift, wie merke ich nun, dass mich jemand manipulieren oder gedanklich in eine bestimmte Richtung bugsieren möchte?

Einfache Antwort: In dem er versucht, starke Gefühle/Emotionen wie Wut, Trauer, Angst in mir hervorzurufen.

Als treffendes Beispiel sei die Brutkastenlüge genannt.

Das klappt so schön, da sich die Manipulation an starke evolutionär bedeutsame Emotionen richtet. Die wohl stärksten und am einfachsten zu beeinflussenden sind Wut und Angst. Simpel, da sie seit X-Jahren unser Weiterbestehen sichern. Mal abgesehen von unserem Belohnungssystem(Dopamin)(Fortpflanzung).

Zur Beeinflussung der Massen eignet sich das Belohnungssystem nur zweitrangig, da es einen vor logistische Probleme stellt. Außer, man regelt das natürlich virtuell [[zwinker]].

Durch die Heraufbeschwörung dieser Emotionen triggert man evolutionäre Schemata, die in jedem von uns unterbewusst ablaufen. Vgl. z. B. Psychologie der Massen Wenn Du mal eine kritische Masse erreicht hast, wird es zum Selbstläufer. Netter Nebeneffekt: In der Masse sinkt die individuelle Intelligenz. [[top]]

Wenn man weiß, wie's funktioniert kann man sich auch vor Manipulation schützen. Das erfordert aber einiges an Training, da - wie schon geschrieben - starke Emotionen angesprochen werden und wir in Teilen unsere Ur-Überlebensmodus (unterbewusst) aktivieren.

--
Grüße

---

... and girls of course!

[image]

nicht gesehen...

Watson @, Dienstag, 18.10.2016, 09:54 vor 3427 Tagen @ Ikonoklast 3785 Views

Hallo nereus,

vorweg, den Film habe ich nicht gesehen.

Das disqualifiziert leider den kompletten Beitrag der folgt. Denn von Schirach verkürzt das moralische und juristische Dilemma nicht auf ein kriegsrasselndes "die 164 oder die 70000".

Mein Beitrag bezieht sich mehr auf das allgemeine "Doing" und nicht auf den vorliegenden Fall der ARD. (edit)

Ikonoklast @, Dienstag, 18.10.2016, 10:01 vor 3427 Tagen @ Watson 3531 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.10.2016, 10:14

Hast Du überhaupt über die erste Zeile hinaus gelesen?

--
Grüße

---

... and girls of course!

[image]

Nicht schon wieder!

BennyF @, Dienstag, 18.10.2016, 10:03 vor 3427 Tagen @ nereus 4942 Views

Wir Historiker sind kritische Leute.
Wenn 2 Flugzeuge in 2 Gebäude fliegen und am Ende 3 Gebäude einstürzen,
dann finden wir das sonderbar und fangen an uns Gedanken darüber zu
machen.

Viel mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen. [[zwinker]]

Doch, kann man. Nur weil jemand Historkier ist, heißt es noch lange nicht, dass er keinen Unsinn von sich gibt. Zur Faktenlage, hier der passende Wikipedia-Artikel:

https://de.wikipedia.org/wiki/World_Trade_Center_7_(1987%E2%80%932001)

da fehlt jetzt gerade noch

nereus @, Dienstag, 18.10.2016, 10:41 vor 3427 Tagen @ BennyF 4442 Views

Hallo Benny!

Wenn ich das hier lese ..

Das National Institute of Standards and Technology (NIST) stellte im November 2008 die durch Feuer entstandene Wärmeausdehnung einiger Stahlträger und die Überlastung eines Stützpfeilers als Hauptursache des Gebäudeeinsturzes fest und entkräftete verbreitete Verschwörungstheorien dazu.

.. dann ist das schon der Oberhammer, weil dann das Gebäude nie in einem Rutsch (symmetrisch) in sich hätte zusammenfallen können.

Außerdem haben mehrere System-Medien – NICHT NUR der BBC – den Einsturz des Gebäudes bereits gemeldet, als es noch stand.
Und Larry Silverstein hat sogar zugegeben, daß man es abreißen ließ.

Und wenn dann die Diskussionsseite der Wikipedia mit diesem Eintrag beginnt ..

Da diese Seite ausschließlich der Artikelverbesserung dient, werden wissenschaftlich nicht anerkannte "alternative Theorien" zum Gebäudeeinsturz des WTC 7, zum Beispiel von Daniele Ganser, Richard Gage, Steven Jones oder Niels Holger Harrit, hier nicht diskutiert und ggf. nach Diskussion: Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 verschoben.

.. dann kann man sich ausmalen, wer hinter der Aufklärung des Sachverhaltes steckt.

Also bitte! [[sauer]]

mfG
nereus

Wikipedia, die politisch korrekte "Wahrheit" am Beispiel der Opferzahlen Dresdens im Februar 1945

Albrecht @, Dienstag, 18.10.2016, 10:54 vor 3427 Tagen @ BennyF 5181 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.10.2016, 12:38

Bin immer wieder überrascht, dass es Menschen gibt, die Wikipedia-Artikel heranziehen, um der Wahrheit ein Stück näher zu kommen.

Hier ein Beispiel für die ständig wandelnden Wahrheiten auf Wikipedia am Beispiel der Opferzahlen nach den Luftangriffen auf Dresden:

Quelle: Wikipedia
Zitat:
"Im Zweiten Weltkrieg wurden erste Luftangriffe auf den Großraum bereits im August 1944 geflogen, und die Stadt wurde auf Bombardierungen vorbereitet. Bei den Luftangriffen auf Dresden wurden in vier aufeinanderfolgenden nächtlichen Angriffswellen vom 13. bis 15. Februar 1945 weite Teile des Stadtgebietes durch britische und US-amerikanische Bomber schwer beschädigt. Die genaue Zahl der Opfer ist ungewiss. Früher fand sich in einzelnen – und weiter unbeirrt in vielen geschichtsrevisionistischen und rechtsradikalen – Publikationen die falsche Angabe von rund 350.000 Toten. Der Report of the Joint Relief 1941–1946 des Internationalen Roten Kreuzes nennt eine ebenfalls falsche Opferzahl von 275.000. In jüngerer Zeit sind die Opferzahlen auf 22.700, höchstens 25.000 korrigiert worden.[34][35][36] Dem Historiker Frederick Taylor zufolge gehe die falsche Opferzahl auf eine Fälschung der Nazis selber zurück: Ihr sei einfach eine Null hinzugefügt worden, um in neutralen Medien und Ländern Stimmung gegen die Alliierten zu machen. Der Schaden an Gebäuden wird ebenfalls häufig zu hoch angegeben."

So einfach wird die politisch korrekte, NEUE Wahrheit auf Wikipedia manifestiert.

Keinem Historiker wird es gelingen, diese NEUE Wahrheit, auch mit noch so guten Fakten, auf Wikipedia zu korrigieren.

Sollte nur ein Beispiel von vielen NEUEN Wahrheiten auf Wikipedia sein...

Deshalb der Rat, niemals alte Lexika wegwerfen...


Gruß
Albrecht

--
SCHEITERT DER €URO, ENDET DIE KNECHTSCHAFT!

Die Großen hören auf zu herrschen, wenn die Kleinen aufhören zu kriechen.
Friedrich von Schiller (1759 - 1805)

BVerfG

Michael Krause @, Dienstag, 18.10.2016, 11:57 vor 3427 Tagen @ nereus 3761 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.10.2016, 12:35

Ich gucke so einen Mist nicht mehr. Recht hat nichts mit Abstimmung durch das Volk zu tun, nach dem Motto 'wer dafür ist, rechts raus, wer dagegen ist links raus', wer es nicht weiß, muss sich den Mist weiter anschauen, bis er bricht.

Wenn ich den Fall richtig mitbekommen habe, gibt es hierzu eine Entscheidung des BVerfG.

http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2006/02/rs20060215_...

Es gibt keine quantitative Abwägung von Menschenleben. M.E. eine sehr kluge Entscheidung. Aber das gesunde Volksempfinden scheint das anders zu sehen.

--
Das einzige Recht des Sklaven ist das Recht auf Arbeit und das darf man ihm nicht nehmen.

Framing

Revoluzzer @, Dienstag, 18.10.2016, 12:49 vor 3427 Tagen @ Michael Krause 3560 Views

Der Punkt an dieser Story ist: Wenn man die Frage so aufzieht, dann muss sie so beantwortet werden (Ja zum Mord weniger).

Man kann die Frage aber auch anders, allgemein aufziehen. Und das ist die eigentlich ethische Frage. Und dann ist man bei der Entscheidung, die aus dem Grundgesetz folgt (und das das BVerfG an der Stelle noch nicht gebeugt hat).

Also geht es um Fraiming.

Revo.

Auch Prof. Fischer behandelt die Sendung

Michael Krause @, Dienstag, 18.10.2016, 13:59 vor 3427 Tagen @ nereus 3827 Views

in seiner Kolumne in der Zeit

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-10/ard-fernsehen-terror-ferdinand-vo...

und kommt zu einem vernichtenden Urteil. Zur Rechtswidrigkeit der Handlung des Piloten:

Diese Frage ist entschieden: Das Bundesverfassungsgericht hat mit Gesetzeskraft (!) entschieden, dass Paragraf 14 Abs. 3 des Luftsicherheitsgesetzes (alter Fassung) wegen Verstoßes gegen die Menschenwürde verfassungswidrig und nichtig sei. Das war am 15. Februar 2005 im Verfahren 1 BvR 357/05. Nichts (!) an Argumenten ist seither hinzugekommen. Meine (zahlreichen) Gespräche mit Protagonisten des Theaterstücks und des Films haben mir gezeigt, dass von 100 Personen, die im Zusammenhang mit Schirachs Terror über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts reden, 99 Komma 9 dieses Urteil nicht gelesen haben. Sie quatschen herum, weil es ihnen zu schwierig ist, sich mit der Sache zu befassen, die sie auf "einfache" Weise dem breiten Publikum nahebringen wollen. Statt des in der öffentlichen Diskussion schon vor zehn Jahren erreichten Argumentationsniveaus legen sie also das Niveau zugrunde, das sie selbst innerhalb von zwei oder drei Tagen erreichen können. Sodann unternehmen sie es, dieses Niveau wiederum "herunterzubrechen" auf das Niveau, das ihre "lieben Zuschauer" und "lieben Leser" angeblich allerhöchstens erreichen können. Wir sind damit auf dem Level der Schwarzwaldklinik angekommen. Wer das kritisiert, wird der "juristischen Spitzfindigkeit" geziehen oder – schlimmer – der "Abgehobenheit".

--
Das einzige Recht des Sklaven ist das Recht auf Arbeit und das darf man ihm nicht nehmen.

Danke

QuerDenker @, Dienstag, 18.10.2016, 14:31 vor 3427 Tagen @ Michael Krause 3286 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.10.2016, 15:33

Hallo Michael,

und kommt zu einem vernichtenden Urteil. Zur Rechtswidrigkeit der Handlung
des Piloten:

entscheidend ist mMn, ob der Pilot den Befehl zum Abschuß - innerhalb der regulären Befehlskette - hatte, oder nicht!

Und dass ja ein 'innerdeutscher BW-Einsatz' - auch laut GG - nur sehr begrenzt möglich ist, macht die Sache sicher nicht einfacher...

Wie siehst Du hier, als Jurist, eine Korrelation zwischen 'Luftraum über D' und 'innerdeutschem Einsatz' im Sinne des GG?

Ist es also 'nur' eine (weitere) 'Meinungsmache' - 'Framing', an anderer Stelle im Faden - in Richtung des Einsatzes der BW im Inneren, oder nicht?

Gab es nicht darüber hinaus - kurz nach 911 denke ich - entsprechende 'EO's?

Und was ist dran an den Gerüchten mit der französischen Luftwaffe, in der Nähe der Germanwings Maschine? Und wie ist eigentlich in F die Rechtslage?

Diese Frage ist entschieden: Das Bundesverfassungsgericht hat mit
Gesetzeskraft (!) entschieden, dass Paragraf 14 Abs. 3 des
Luftsicherheitsgesetzes (alter Fassung) wegen Verstoßes gegen die
Menschenwürde verfassungswidrig und nichtig sei. Das war am 15. Februar
2005 im Verfahren 1 BvR 357/05.

Danke!
Das gibt der Sache ja noch ein weiteres 'Gschmäckle'.

Beste Grüße

QuerDenker

--
10cc: 'communication is the problem to the answer' <img src=" />

In Kombination mit nachfolgender Diskussion erscheint der Film in einem anderen Licht

Lazer @, Dienstag, 18.10.2016, 14:36 vor 3427 Tagen @ nereus 3646 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.10.2016, 15:40

Hat jemand den Film „Terror“ gesehen, wo ein Pilot vor Gericht stand,
weil er eine Passagiermaschine abschoss, um eine mutmaßlich größere
Tragödie, den Tod von Zehntausenden in einem Stadion, zu verhindern?
[/i]

Interessanterweise wollen die Kolumnenschreiber der Medien dem
„Kriegsgeschrei“ aber diesmal nicht folgen. Die Kommentare sind
erstaunlich und angenehm zurückhaltend.

Frage an den Regisseur des Films?
Wie hätte das Publikum eigentlich abgestimmt, wenn im Flugzeug die
Fußballnationalmannschaft gesessen hätte oder gar eine Abordnung der
Regierung inkl. der Kanzlerin? [[zwinker]]

mfG
nereus

Ich habe den Film aufgezeichnet, da mich das Konzept - auch mit der Wahl, wie es weitergeht (was nicht heißt, dass das Publikum auch zwingend eine Meinung bekunden sollte, auch wenn es das sicherlich zum Teil getan hat, tatsächlich ging es nur darum zu wählen, wie es weitergehen soll, egal welcher Meinung man selbst ist. Vielleicht interessierte ja den einen oder anderen, wie das Urteil argumentiert wird, was gegen die eigene Überzeugung verstößt) interessiert hat. Allerdings noch nicht gesehen, nur die nachfolgende Sendung zum selben Thema.

Leider habe ich vorher nicht gesehen, dass der Film nur Teil eines Themenblocks war, im Anschluss wurde in hart aber fair der Film und die dargestellte Situation sehr genau und differenziert analysiert. Probanden konnten ihre Meinung zu der Entscheidung dann tatsächlich abgeben und es wurde gemessen, wie die Entscheidung sich im Laufe des Films veränderte (bei 9 Probanden 28 Mal imo). Auch wurden diese Zuschauer zu ihrer Meinung befragt.

Was bei mir hängen geblieben ist als kommunizierte Meinung:

- Der Abschuss verstößt gegen das Grundgesetz Artikel 1, die Würde des Menschen ist unantastbar, auch in einer solchen Situation
- Der Abschuss ist moralisch vertretbar, wenn eindeutig ist, dass die Menschen im Flugzeug ohnehin sterben werden, mit dem Abschuss aber die 70k Zuschauer überleben
- Der moralische Aspekt darf rechtlich nicht über eben dem Gesetz stehen
- Um den Piloten freisprechen zu können, müsste Artikel 1 geändert oder angepasst werden, was unmöglich ist, da er Ewigkeitscharakter besitzt

--> Den Artikel 1 gibt es aus gutem Grund, um den Bürger (insbesondere sein Leben) immer auch vor dem Zugriff des Staats zu schützen, es ist unantastbar, auch zur Rettung anderer Leben. Eine Aufrechnung der Leben kann nicht sein (dies auch zum Thema Fußballmannschaft / Ehefrau / Kind im Flugzeug). Hierzu äußerten sich auch die Teilnehmer der Diskussion sowie die Probanden (z.B. meine Frau ist Flugbegleiterin, sie hat gesagt, auch wenn sie drin säße, würde sie von ihrem Mann erwarten, dass er das Flugzeug abschießt, um andere Leben zu retten). Genau die Fragen, die hier so "frech" gestellt wurden, wurden dort also dann auch schon behandelt.

Obwohl ich den Film noch nicht gesehen habe, teile ich Deine Meinung daher nicht, zumindest dann nicht, wenn man das ganze Konzept und nicht nur den Film isoliert gesehen hat. Durch die differenzierte Auseinandersetzung wurde dem Zuschauer klar, warum es keinen Freispruch für den Piloten hätte geben dürfen, auch wenn er moralisch richtig gehandelt haben mag.

Wenn man eine Manipulation unterstellen möchte, dann die, dass der Einzelne nun die Auffassung bekommen haben könnte, sich in so einer Situation gegen Gesetz und Befehl widersetzen zu müssen, also den Abschuss tätigen, sich dann aber dessen bewusst sein muss, dass er sich damit strafbar macht und keine Gnade erwarten darf ob seiner "moralisch überlegenen" Handlung.

Somit wurde dem Zuschauer auf Basis des Films eine Motivation gegeben, sich mit einer solchen Situation gedanklich zu beschäftigen und im Nachgang wurden dann die Fürs und Widers ausführlich besprochen, ich hatte auch nicht den Eindruck, dass dies zu Gunsten oder Ungunsten der einen oder anderen Meinung geschah, die Argumente der Diskutanten schienen auch fundiert zu sein.

Dieser Eindruck wurde durch die Kommentare der Probanden gestärkt, die sich genauso äußerten, dass sie z.B. erst zu dem Piloten "gehalten haben", ihnen dann aber bewusst wurde, dass er damit gegen das GG verstößt und somit ein Freispruch nicht zu rechtfertigen ist, woraufhin sie ihre Meinung änderten (wie gesagt änderte jeder seine Meinung etwa 3mal).


So sehr ich sonst auch - nicht zuletzt durch langjährige Arbeit in der Öffentlichkeitsarbeit - von der Propaganda in den Medien überzeugt bin, war diese Sendung im Gesamtkonzept genau das, was ich von den ÖR erwarte, die Verknüpfung von Unterhaltung mit gesellschaftlichen Problemen mit dem Ziel, sich damit differenziert zu beschäftigen.

Auch wenn ich den Film erst noch sehen werde, wurden in der Diskussion auch die hier angesprochenen Schwächen des Films in Form der positiven, sympathischen Figur des Piloten, auf dessen Seite der Zuschauer gezogen werden soll, angesprochen, also auch hier recht transparent und differenziert. Bei gutwilliger statt böswilliger Betrachtung könnte man auch denken, das war genau Absicht, um dem Zuschauer vor Augen zu führen, dass er sich durch vermeintlich überlegene Moral und Sympathie / Empathie für den Angeklagten tatsächlich falsch im Sinne des GG entschieden hat, um so noch einmal ein intensiveres Nachdenken über dieses Thema zu erreichen.

Daher sehe ich keine stichhaltigen Beweise für eine Manipulation in eine bestimmte Richtung außer der, sich erst schlau zu machen und dann zu entscheiden, was ja im Grunde positiv zu bewerten ist.

Rechtswidrigkeit und Schuld

Michael Krause @, Dienstag, 18.10.2016, 14:56 vor 3427 Tagen @ Lazer 3193 Views

Ich habe den Film nicht gesehen, kann mich daher nur begrenzt zu dem Film äußern.

Mir scheint aber, Du hast den unterschied zwischen Rechtswidrigkeit und Schuld nicht verstanden. Nun ist das für juristische Laien nicht so einfach nachzuvollziehen. Bitte den Fischer Artikel in der Zeit lesen. Er nimmt hierzu Stellung.

--
Das einzige Recht des Sklaven ist das Recht auf Arbeit und das darf man ihm nicht nehmen.

Noch einmal Rechtswidrigkeit und Schuld

Michael Krause @, Dienstag, 18.10.2016, 15:00 vor 3427 Tagen @ QuerDenker 3299 Views

Entscheidend ist mMn, ob der Pilot den Befehl zum Abschuß - innerhalb der
regulären Befehlskette - hatte, oder nicht!

Hallo Querdenker,
das verkürzt die Sache zu sehr. Bitte den Fischer Artikel lesen. Es geht um Rechtswidrigkeit und Schuld. Fischer kommt zu dem Ergebnis, die Handlung des Piloten war rechtswidrig. Die Frage ist aber, ob er auch schuldhaft gehandelt hat.

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Das einzige Recht des Sklaven ist das Recht auf Arbeit und das darf man ihm nicht nehmen.

Fischers Kritik wurde in der „hat aber fair“-Sendung inhaltlich aufgegriffen

Lazer @, Dienstag, 18.10.2016, 15:19 vor 3427 Tagen @ Michael Krause 3229 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 19.10.2016, 13:23

Ich habe den Film nicht gesehen, kann mich daher nur begrenzt zu dem Film
äußern.

Mir scheint aber, Du hast den unterschied zwischen Rechtswidrigkeit und
Schuld nicht verstanden. Nun ist das für juristische Laien nicht so
einfach nachzuvollziehen. Bitte den Fischer Artikel in der Zeit lesen. Er
nimmt hierzu Stellung.

Das habe ich gelesen, er nimmt keinen Bezug auf die dem Film folgende Diskussion, in der genau das alles behandelt wurde. Herr Fischer bemängelt das Fehlen einer qualifizierten Diskussion zu dem Thema und dass der Film zu platt ist. Mit dem Film allein mag er recht haben, die Diskussion wurde ja geführt, aber eben in der folgenden Sendung.

Ich habe gar keine Meinung zur Schuldfrage abgegeben, sondern den Verlauf der gesamten Sendung, Film inkl. Diskussion beschrieben.

Ich habe geschrieben, dass in Kombination mit der „hart aber fair“-Sendung im Anschluss nicht der Eindruck entsteht, dass hier platte Manipulation stattfand, im Gegenteil wurde eben genau das - "der Film ist platt und behandelt nicht... und führt daher zu..." - behandelt, so dass in Gänze ein anderes Bild entsteht. In der Diskussion wurde genau die gleiche Kritik angebracht wie in diesem Thread und in dem von Dir zitierten Text von Herrn Fischer. Das wusste er anscheinend nicht.

Somit wurde in meinen Augen über den gesamten Abend das komplexe Thema gut beleuchtet: Platter Film, der falsche Meinung erzeugt und tiefergehende Diskussion, die das kritisiert und die Entscheidung, nicht abzuschießen verteidigt. Das führt imho nicht zu einer Bereitschaft in der Bevölkerung, zu akzeptieren, dass der Staat Flugzeuge abschießt, ganz im Gegenteil wurde Verständnis erzeugt, warum er das eben nicht tun darf, auch wenn es auf den ersten Blick richtig erscheint.

Terror als Populisten Porno

Michael Krause @, Dienstag, 18.10.2016, 15:36 vor 3427 Tagen @ Lazer 3200 Views

Ok ich habe den Film nicht gesehen. Der Film schlägt jedenfalls hohe Wellen:

hier was die Prantlhausener Nachrichten dazu meinen:
http://www.sueddeutsche.de/medien/ard-themenabend-terror-als-populisten-porno-1.3211228

Die meinen, der Film sei hoch manipulativ.

Kann ich aber nicht beurteilen.

--
Das einzige Recht des Sklaven ist das Recht auf Arbeit und das darf man ihm nicht nehmen.

Wie muss eine Gesellschaft organisiert sein, dass überhaupt keine Flugzeuge abgeschossen werden müssen?

Revoluzzer @, Dienstag, 18.10.2016, 15:41 vor 3427 Tagen @ Lazer 3156 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.10.2016, 16:08

- Der moralische Aspekt darf rechtlich nicht über eben dem Gesetz stehen

Uhhh. Die Moral darf nicht über der Ethik stehen? Die Moral einer Gesellschaft trägt das Recht einer Gesellschaft. Auf Dauer kann das Recht nicht gegen die Moral stehen.

- Um den Piloten freisprechen zu können, müsste Artikel 1 geändert oder
angepasst werden, was unmöglich ist, da er Ewigkeitscharakter besitzt


Art. 1 ist ein Satz höchster ethischer Qualität, der hoffentlich immer noch der Moral unserer Gesellschaft entspricht. Interessant ist aber etwas anderes: Dass Du nach dem Film hier die Meinung äußerst, Art. 1 müsste geändert werden, um der Moral unserer Gesellschaft zu entsprechen.

Das ist stärkster Tobak und entspricht genau dem, was die NWO will: Den ethischen Kernbestand des GG aufheben, die Menschen zum verrechenbaren Gut zu machen, Ermordungspotenzial je nach Wunsch der Eliten.

Dein Beitrag zeigt exakt, dass das Framing aufgeht - und das ist schlimm.

Der ethische Kern der ganzen Sache ist doch:

Wie muss eine Gesellschaft organisiert sein, dass überhaupt keine Flugzeuge abgeschossen werden müssen?

Und genau darauf ist die Antwort Art. 1.

Diese Frage wird aber "weggeframt". Die Notwendigkeit des Abschusses wird vorausgesetzt.

Das ist aber genau die Denke, die hinter Syrien usw. steht.

Ob das jetzt bewusste Manipulation ist oder unabsichtlich, spielt keinerlei Rolle: Die gesellschaftliche Wirkung ist in jedem Falle genau jene, die die Kriegstreiber, EU-Faschisten und sonstigen Staatsmörder brauchen.

Revo.

Confirmation Bias?

Lazer @, Dienstag, 18.10.2016, 16:13 vor 3427 Tagen @ Revoluzzer 3235 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.10.2016, 17:13

- Um den Piloten freisprechen zu können, müsste Artikel 1 geändert

oder

angepasst werden, was unmöglich ist, da er Ewigkeitscharakter besitzt


Art. 1 ist ein Satz höchster ethischer Qualität, der hoffentlich immer
noch der Moral unserer Gesellschaft entspricht. Interessant ist aber es
anderes: Dass Du nach dem Film hier die Meinung äußerst, Art. 1 müsste
geändert werden, um der Moral unserer Gesellschaft zu entsprechen.

Das ist stärkester Tobak und entspricht genau dem, was die NWO will: Den
ethischen Kernbestand des GG aufheben, die Menschen zum verrechenbaren Gut
zu machen, Ermordungspotenzial je nach Wunsch der Eliten.

Dein Beitrag zeigt exakt, dass das Framing aufgeht - und das ist schlimm.


Revo.

Bitte was? Ich habe das doch gar nicht geschrieben als meine Meinung, das war der Inhalt der Diskussion bei 'hart aber fair' und ganz im Gegenteil von dem, was Du unterstellst, nicht so, dass die Abschaffung des Artikel 1 gewünscht ist.

Konsens war genau, daß Artikel 1 unantastbar ist, was ich im Übrigen genauso sehe.

Alles genau das Gegenteil von dem, was Du unterstellst.

Schlimm ist, dass Du anscheinend meinen Beitrag nicht gelesen hast und vermutlich auch die Sendung nicht, Dir aber trotzdem ein Bild zu meiner Meinung machst, die ich zu dem Thema gar nicht geäußert habe, nur um Deine These zu erhärten (nennt sich übrigens "Confirmation Bias", kann man mit ein bisschen Übung abstellen).

bin nicht überzeugt

nereus @, Dienstag, 18.10.2016, 16:51 vor 3427 Tagen @ Lazer 3355 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 19.10.2016, 16:57

Hallo Lazer!

Du schreibst: Obwohl ich den Film noch nicht gesehen habe, teile ich Deine Meinung daher nicht, zumindest dann nicht, wenn man das ganze Konzept und nicht nur den Film isoliert gesehen hat.

Das ist Dein gutes Recht.

Durch die differenzierte Auseinandersetzung wurde dem Zuschauer klar, warum es keinen Freispruch für den Piloten hätte geben dürfen, auch wenn er moralisch richtig gehandelt haben mag.

Jein.
Die Debatte könnte man auch als Alibi-Debatte beschreiben.
Wie Heribert Prantl richtig schreibt, wurde eine Alles-oder Nichts Konstellation suggeriert, die jedoch realitätsfern ist.
Der Fall erinnert mich an die Diskussion um die Entführung des Bankiers-Sohn Jakob Metzler, wo der Täter zwangsweise gefoltert (oder besser, etwas härter rangenommen) wurde, um das Leben des Jungen zu retten, was letzten Endes nicht gelang.
Der Vernehmer handelte sehr wohl im Notstand, aber ohne Verfahren konnte die Angelegenheit nicht über die Bühne gehen.
Meines Wissens wurde der Polizist schuldig gesprochen aber lediglich mit einer geringen Geldstrafe belegt.
Diese Lösung wäre auch beim Major denkbar gewesen, doch die stand überhaupt nicht zur Disposition und das ist schon mal bedenklich, weil der Zuschauer hier diverse Optionen vorenthalten bekam.

Somit wurde dem Zuschauer auf Basis des Films eine Motivation gegeben, sich mit einer solchen Situation gedanklich zu beschäftigen und im Nachgang wurden dann die Fürs und Widers ausführlich besprochen, ich hatte auch nicht den Eindruck, dass dies zu Gunsten oder Ungunsten der einen oder anderen Meinung geschah, die Argumente der Diskutanten schienen auch fundiert zu sein.

Ja, das kann man so sehen, aber man kann die Wahrheit auch verbiegen, in dem man Wesentliches einfach unterschlägt.

So sehr ich sonst auch - nicht zuletzt durch langjährige Arbeit in der Öffentlichkeitsarbeit - von der Propaganda in den Medien überzeugt bin, war diese Sendung im Gesamtkonzept genau das, was ich von den ÖR erwarte, die Verknüpfung von Unterhaltung mit gesellschaftlichen Problemen mit dem Ziel, sich damit differenziert zu beschäftigen.

Ich meine subtile Meinungsbildung verspürt zu haben.
Nicht umsonst habe ich den Beitrag mit der Herkunft des Terrors „verstärkt“, denn das ist ein ganz wesentlicher Punkt dabei.
Denn wenn z.B. ein Entführer seine toten Landsleute rächen will, weil der Aggressor-Staat zuvor mit diesen keine Gnade kannte, würde sich die Betrachtung schon ein wenig relativieren.
Und wenn der Passagier-Jet in die NATO-Hauptzentrale gelenkt worden wäre, also dorthin wo die gesamte Problematik (die den Terror generierte) überhaupt ausgedacht und umgesetzt wurde, würde die Schieflage noch größer.
Denn jetzt stellt sich nämlich die Frage, ob man Hitler-Attentäter zu Helden erklärt und nachträglich frei spricht, obwohl sie einen Menschen ermorden wollten und ob man die juristische Brille je nach politischer Lage und Gutdünken benutzen darf.

Was ich den ÖR diesmal wirklich anrechnen muß, sind die gelungenen Kommentare zum Film und anhängender Abstimmung.
Doch schau mal was Franz-Josef Wagner von der BILD dazu schrieb.
Der wird zehnmal so oft gelesen wie Heribert Prantl oder Richter Fischer.

Terroristen haben ein Flugzeug mit 164 Passagieren entführt. Selbstmordattentäter. Sie drohen sich mit dem Flugzeug in die Allianz-Arena vom FC Bayern zu stürzen, wo 70 000 Fans sind.
Ein Luftwaffenpilot steigt auf und schießt das Flugzeug ab.
Nun sitzt er vor Gericht. Mörder oder Held?
Nach unserer Rechtsprechung ist er ein Mörder.
Er hat unschuldige Menschen getötet.
Er hat 164 Menschen getötet, weil er 70 000 Menschen retten wollte.
Ich bin nicht in der Lage zu urteilen, ob er ein Mörder oder ein Held ist.
Er hat Leben ausgelöscht, um Leben zu retten.
Ich kann nicht schlafen. Ich gebe ihm recht und ich gebe ihm nicht recht.
Ich wünschte, all dies im Film „Terror“ würde nie passieren.

Quelle: http://www.bild.de/news/standards/franz-josef-wagner/lieber-ard-film-terror-48330396.bi...

Das schaut ziemlich neutral aus, nicht wahr?
Aber der Teufel liegt im Detail.
Schon der Zahlenvergleich ist eine Zumutung.
Er ist nicht falsch aber eben suggestiv, denn jeder Fünftklässler WEISS, das 70.000 Tote SCHLIMMER sind als nur 164.
Und wenn er nach UNSERER Rechtsprechung ein Mörder ist, gibt es dann etwa Rechtsprechungen wo er kein Mörder, ggf. sogar ein Held ist?
Denn ein Held war er ja, weil er den Mut hatte 69.836 Menschenleben zu retten, nicht wahr?
Das hatten weder der Minister noch seine Vorgesetzten drauf, weil die sich besser an verstaubte Gesetze halten.

Und so wie Wagner gedacht hat, es aber nicht schrieb - genauso hat das Publikum abgestimmt.

Nee @Lazer, das hat alles ein ziemliches Geschmäckle und sollte wahrscheinlich ein Test für das Volksgewissen sein weil demnächst ein ähnlicher Ernstfall eintreten wird.
Die Kriegstrommeln werden immer lauter und der Verteidiger brachte es schließlich auf den Punkt – es ist ja Krieg!
Möglicherweise sind wir davon nur noch wenige Zeiteinheiten entfernt und dann muß das Volk diese Abstimmung wieder ins Gedächtnis rufen, weil nun Pearl Harbor Nr. 3 aufgeführt wird.

mfG
nereus

Triftige Quelle (nicht)

Kurt @, Dienstag, 18.10.2016, 18:15 vor 3427 Tagen @ nvf33 3358 Views

Vollständigkeitshalber,

http://www.europhysicsnews.org/articles/epn/abs/2016/04/epn2016474p21/epn2016474p21.html

Ich werde es nicht bei Wikipedia verlinken, aber es ist genau die Art
Quelle, die dort als triftig gilt, denn EPN ist ein (wissenschaftliches)
Mainstream-Physik-Publikationsorgan mit Peer-Review-Prozess.

Eben nicht, und Steven 'Peer Reviewed' Jones ist ein Idiot aus der Deppenkapelle (wo die Borcherts und Shacks ihre pfaffösen Gesänge abhalten), den sie von der Uni geschmissen haben, und der sich ansonsten mit Sachen wie der Wiederauferstehung von Jesus in Amerika befasst.

MfG
Kurt

--
Für das verantwortlich zu sein, was ich sage, ist eine Sache.
Aber dafür verantwortlich zu sein, was jeder, der in meinem Leben vorkommt,
sagt oder tut, ist eine ganz andere Sache.

Ich auch nicht

Michael Krause @, Dienstag, 18.10.2016, 20:56 vor 3427 Tagen @ nereus 2783 Views

aber vielleicht oder hoffentlich sind wir zu paranoid. Dieser Film zur besten Fernsehzeit sah aus wie eine schlechte Inszenierung.

--
Das einzige Recht des Sklaven ist das Recht auf Arbeit und das darf man ihm nicht nehmen.

Es gibt viele Hinweise für beide Thesen

Lazer @, Dienstag, 18.10.2016, 21:00 vor 3427 Tagen @ nereus 2833 Views

Hallo Lazer!

mfG
nereus

Hallo nereus,

danke für die umfangreiche Antwort.

Ich habe nun auch den Film gesehen und bin daher auch etwas "klüger".

Schon mal eine Sache, bei der ich mich geirrt habe, weil ich das aus der Diskussion mitgenommen habe ist die Frage der Abstimmung. Das kam da so rüber, als ob der Zuschauer entscheiden würde, welches Ende er sehen wollte. Tatsächlich wird er aber ja am Anfang gleich als Schöffe eingeführt, der sich frei machen soll von allem, was er gehört hat und objektiv entscheiden soll. Sehr wohl also das Urteil betreffend.

Ich bin dann an den Film auch so herangegangen, habe aber auch gleichzeitig Argumente für die eine oder andere These gesammelt.

Hätte ich den Film ohne die Diskussion im Anschluss und hier gesehen und hätte mich an die Anweisung gehalten, hätte ich mich klar für die Rechtsanwältin entschieden. Sie war von Anfang an objektiv und an der Wahrheit interessiert (ich weiß, wie man das wieder interpretieren könnte, ich nehme es jetzt einfach mal als Fakt so, wie es war), der wichtigste Punkt ist, dass die Würde von Menschen angegriffen wurde, mit Vorsatz - fertig. Rechtfertigung dafür gibt es nicht, selbst wenn man es nachvollziehen kann.

Das wichtigste Argument der Verteidigung war die Schwäche, da Terroristen das dann ausnutzen und wissen, dass ihre Fliegerbomben nicht angegriffen werden. Lasse ich nicht gelten, da ich (subjektiv) keine große Angst vor Terror habe, aber davor, dass der Staat legitimiert wird, willkürlich zu handeln. Zudem würde das bedeuten, unsere Grundwerte auf Druck der Terroristen aufzugeben, damit hätten sie gewonnen - geht nicht. Da muss man eben andere Lösungen finden für das nächste Mal, diesmal war der Pilot schuldig. (Ich bitte zu entschuldigen, falls das juristisch nicht korrekt war, umgangssprachlich wird es glaube ich verstanden, kein Freispruch eben).

Das nur zum Inhalt des Films. Ich fand ihn, einfach als Unterhaltung, bei der man sich in die Rolle eines neutralen Richters begibt und aufgrund der Fakten und Argumente, die dargelegt wurden sehr interessant und nicht schlecht gemacht, eigentlich ähnlich wie Rollenspiele am Computer. Man muss sich natürlich dann auch in diese Rolle einlassen und darf sich nicht von seiner eigenen Meinung beeinflussen lassen. Von daher OK. Ganz unpolitisch betrachtet. Die paar Plotholes mal aussen vor.

Bei Deinem Punkt kann man mitgehen. Ich habe Deine Antworten nicht einzeln zitiert, weil sie alle schlüssig sind und nachvollziehbar. Es sind aber dennoch nur Hinweise, die auf Deine These schließen lassen.

Hinweise, die darauf schließen lassen, dass das Konzept tatsächlich lehrreich gedacht war, damit sich Leute damit beschäftigen, gibt es aber auch, einige habe ich schon dargelegt. Man könnte das auch so ausdehnen, dass im Ernstfalle die Bürger verstehen gelernt haben sollen, warum der Staat das Flugzeug nicht abgeschossen hat - wäre auch eine These, die man anhand einiger Stichpunkte belegen können. Nicht zuletzt ist das ja zumindest theoretisch der Auftrag der ÖR.

Deine Argumente lassen mich insgesamt auch in Deine Richtung tendieren, als gesetzt würde ich es nicht sehen, da der Rest im Grunde nur "ist doch klar, die lügen immer" etc. ist. Dem stimme ich zwar zu, aber davon lasse ich mich in meiner Entscheidung nicht zu stark beeinflussen.

Was stark für Deine These spricht ist das emotionale Plädoyer des Anwalts, der an die Angst vor Terror appelliert, leicht verkrampft (und natürlich aus dem Ärmel gezogen mit genauem Datum) mit Kant gegenargumentiert. Beides löst bei mir Reaktanz aus. Bei vielen anderen natürlich nicht, daher ja auch das Ergebnis. Und sowieso, dass er dann die Eier nicht gehabt hätte, seine Frau auch abzuschießen, also dann doch nichts mehr mit selbstlos und so.

Aber auch hier könnte man argumentieren, dass man damit dem Zuschauer den Spiegel vorhalten wollte, um zu zeigen, wie er sich von seinen Gefühlen zu falschen Entscheidungen hinreissen lassen kann und wie schwierig das für die Juristen und die Abgeordneten ist, wo wir dann wieder in Deine Richtung kommen... für mich ist es nicht glasklar.

Ich werde es beobachte, in welche Richtung es sich entwickelt. Ich persönlich habe das Gefühl, daß die Medien den Schuss langsam gehört haben, zumindest vom Hörensagen und doch versuchen, auch mal wieder etwas Qualität zu liefern. Inwiefern das nur Täuschung ist, um eben genau das zu erreichen, dass man wieder mehr Vertrauen bekommt, ist natürlich auch wieder sehr schwierig.

Es bleibt spannend. Man sollte allerdings - und dabei bleibe ich - sowohl den Film als auch die Diskussion gesehen haben, idealerweise auch offen für beide Optionen (oder einfach nur Unterhaltung, wäre auch eine Option, Einschaltquoten und Diskussionen für Bannerschaltungen), ansonsten ist das so, wie mit Leuten über "Deutschland schafft sich ab" zu reden, die es nie gelesen haben, aber wissen, dass es rechtsextrem ist. Damit meine ich Dich natürlich jetzt nicht, ganz allgemein.

Hab ich den Hetz-Film etwa mit meiner GEZ-Kohle bezahlt?

stokk, Dienstag, 18.10.2016, 21:03 vor 3427 Tagen @ nereus 2934 Views

Ich will mein Geld zurück!!!

Vieles ist möglich

nereus @, Mittwoch, 19.10.2016, 07:47 vor 3426 Tagen @ Lazer 2625 Views

Hallo Lazer!

Danke für Deine sachlichen Anmerkungen

Du schreibst: Hinweise, die darauf schließen lassen, dass das Konzept tatsächlich lehrreich gedacht war, damit sich Leute damit beschäftigen, gibt es aber auch, einige habe ich schon dargelegt. Man könnte das auch so ausdehnen, dass im Ernstfalle die Bürger verstehen gelernt haben sollen, warum der Staat das Flugzeug nicht abgeschossen hat - wäre auch eine These, die man anhand einiger Stichpunkte belegen können. Nicht zuletzt ist das ja zumindest theoretisch der Auftrag der ÖR.

Ja, dieser These kann man zustimmen und es gab in der Vergangenheit auch mehrfach Filme, wo ich sagen mußte „Hut ab“ vor der Courage der Macher.
Beispielhaft ist dabei die Story um den Tod von Uwe Barschel, meiner Ansicht nach einer der besten Filme der letzten Jahre überhaupt und die beiden Geschichten zum Kindesmissbrauch, wie „Das unsichtbare Mädchen“ und „Operation Zucker“.
In allen 3 Geschichten wird ein Blick in die Etagen der Macht sichtbar, der einfach nur abschrecken muß.
Ob die Botschaft allerdings immer verstanden wird, wäre wieder eine andere Frage, denn beim Barschel-Film erzählten mir einige Leute, daß sie diesen nicht verstanden hätten, weil sie einfach zu viele Akteure und Beziehungsgeflechte wahrnahmen und den roten Faden verloren oder nie fanden.
Gut, jedem recht gemacht ist eine Kunst ..

Deine Argumente lassen mich insgesamt auch in Deine Richtung tendieren, als gesetzt würde ich es nicht sehen, da der Rest im Grunde nur "ist doch klar, die lügen immer" etc. ist. Dem stimme ich zwar zu, aber davon lasse ich mich in meiner Entscheidung nicht zu stark beeinflussen.

Das versuche ich auch, aber es gelingt mir immer weniger. [[zwinker]]
Das bundesdeutsche Fernsehen ist zur absoluten Propagandamaschine der NATO verkommen. Möglicherweise werden Aufwecker-Filme dann nur noch als Feigenblatt gesendet, um zu behaupten, wir senden auch Kritisches.
Aber, ich gebe zu, hier bin ich vielleicht nicht mehr ganz objektiv.

Ich werde es beobachte, in welche Richtung es sich entwickelt. Ich persönlich habe das Gefühl, daß die Medien den Schuss langsam gehört haben, zumindest vom Hörensagen und doch versuchen, auch mal wieder etwas Qualität zu liefern. Inwiefern das nur Täuschung ist, um eben genau das zu erreichen, dass man wieder mehr Vertrauen bekommt, ist natürlich auch wieder sehr schwierig.

Richtig, denn dieser Aspekt Vertrauen zurück zu erlangen, ist nicht ganz zu unterschätzen. So ganz ohne Volk geht das nämlich mit dem Regieren auch nicht.
Das würde aber bedeuten, es geht erneut nicht um Wahrhaftigkeit sondern um politische Strategie, eben einfaches Taktieren halt.

.. ansonsten ist das so, wie mit Leuten über "Deutschland schafft sich ab" zu reden, die es nie gelesen haben, aber wissen, dass es rechtsextrem ist. Damit meine ich Dich natürlich jetzt nicht, ganz allgemein.

Den Faden nehme ich trotzdem auf, weil das Sarrazin-Buch mich eher nicht ansprach, weil es an vielen Stellen einfach zu platt daherkommt.
Dessen mitunter subtiler Rassismus bedient Klischees die heute für guten Ton gehalten werden.

Ich habe damals übrigens Sarrazins Werk für eine Auftragsarbeit gehalten.
Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob diese Annahme richtig oder falsch war.
Auch die Lucke-Partei sollte vermutlich zu Beginn Abweichler kanalisieren/bündeln, später geriet das Projekt jedoch zum mittleren Desaster – aus Sicht der „Erfinder“.

Einmal V-Theoretiker – immer V-Theoretiker. [[zwinker]]

mfG
nereus

Terror – der Film / meine Kommentare

Elli ⌂ @, Mittwoch, 19.10.2016, 17:20 vor 3426 Tagen @ nereus 2763 Views

Hallo nereus,

du schreibst:

Nee @Lazer, das hat alles ein ziemliches Geschmäckle und sollte wahrscheinlich ein Test für das Volksgewissen sein weil demnächst ein ähnlicher Ernstfall eintreten wird.

Ich habe den Film gestern gesehen und fand ihn gar nicht so schlecht, allerdings wurde die Situation meines Erachtens nach nicht wirklich auf den Punkt gebracht, dazu später. Ich sehe es aber eher so wie @Lazer:

Das führt imho nicht zu einer Bereitschaft in der Bevölkerung zu akzeptieren, dass der Staat Flugzeuge abschießt, ganz im Gegenteil wurde Verständnis erzeugt, warum er das eben nicht tun darf, auch wenn es auf den ersten Blick richtig erscheint.

Aber unabhängig davon, hier meine Kommentar:

– Es gibt bei der Sache meines Erachtens zwei Gesichtspunkte, nämlich die juristische und eine moralische.

– Die juristische ist eindeutig, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat Gesetzeswirkung und deshalb ist der Pilot ganz klar schuldig zu sprechen. Die Frage des Strafmaßes ist dabei aber offen, und da kommen wir in den moralischen Bereich.

– Wie oben angedeutet, wurde die Situation in dem Film meines Erachtens nicht wirklich auf den Punkt zugespitzt, denn der Pilot hat die Maschine, wenn ich das richtig verstanden habe, zu einem Zeitpunkt bzw. in einer Höhe abgeschossen, als noch nicht hundertprozentig klar war, dass das Flugzeug wirklich in das Stadion stürzen würde.

– Aber mal angenommen, er hätte das Flugzeug zu einem Zeitpunkt abgeschossen, wo absolut sicher war, dass in kürzester Zeit nicht nur die Menschen in der Maschine, sondern auch die im Stadion sterben würden, dann wäre das aus meiner Sicht moralisch nachvollziehbar und das Strafmaß sollte sehr milde ausfallen. Ich glaube jedenfalls, dass ich so handeln würde.

– Auf die Frage an den Piloten, ob er das Flugzeug ebenfalls abgeschossen hätte, wenn seine Frau darin gesessen hätte (er hat darauf keine Antwort gegeben), hatte er konsequent ebenfalls „Ja“ sagen müssen, denn wo ist der Unterschied, ob jemand in der Luft durch einen Abschuss stirbt oder ein paar Minuten später durch einen Absturz?

Ich weiß allerdings nicht, ob diese Dinge in der hart-aber-fair-Sendung angesprochen wurden, denn die habe ich bisher noch nicht gesehen.

Terror – der Film / Zusatz

Elli ⌂ @, Mittwoch, 19.10.2016, 20:14 vor 3426 Tagen @ Elli 2524 Views

Folgendes möchte ich noch betonen:

– Es bleibt dabei, schuldig im juristischen Sinne, wie erwähnt.

– Wenn die „Wahl“ zweifelsfrei lautet „entweder 164 oder 164 und 70.000“, dann muss es (moralisch, nicht juristisch) meiner Meinung nach „164“ lauten – oder ist jemand anderer Meinung?

Ja, ich

nereus @, Donnerstag, 20.10.2016, 07:32 vor 3425 Tagen @ Elli 2374 Views

Hallo Jükü!

Du schreibst: Es bleibt dabei, schuldig im juristischen Sinne, wie erwähnt.
Wenn die „Wahl“ zweifelsfrei lautet „entweder 164 oder 164 und 70.000“, dann muss es (moralisch, nicht juristisch) meiner Meinung nach „164“ lauten – oder ist jemand anderer Meinung?

Das heißt dann im Klartext die Moral hat mit der Justiz nichts am Hut.
Genau das war auch die Botschaft des Filmes und genauso hat das Publikum auch abgestimmt.
Dann erübrigt sich prinzipiell das ganze „wenn-aber-jedoch-dennoch -Geklingel“ drum herum, weil der Fakt ist, wie er ist.

Und genau das, lieber Jürgen, sollte in die Hirne der Leute.
Es wurde eine Situation „INSZENIERT“, um das Unglaubliche glaubhaft zu machen.

Spätestens seit 2001 wissen die meisten Schreiber und Leser hier (inkl. uns beiden), wie das mit dem Terrorismus in Wirklichkeit ist.
Er ist ein perfides Mittel die Menschen direkt materiell (einige wenige) und indirekt (die große Masse) geistig zu beschädigen.

Der inszenierte Terror wird uns als natürliches Phänomen wie ein Erdbeben oder Blitzeinschlag verkauft, gegen den es keinen Schutz gibt und der mitunter außergewöhnliche Entscheidungen abverlangt.

Wechseln wir mal die Perspektive.
Ein gefesseltes Kind bekommt vom einem "Regisseur" eine Schaltuhr mit 2 Knöpfen vorgelegt.
Es muß innerhalb der nächsten 60 Sekunden einen der beiden Knöpfe drücken, wenn es nicht durch eine Bombe in tausend Stücke zerrissen werden will.
Allerdings sind die beiden Knöpfe mit Optionen belegt.
Beim Druck auf den linken Knopf würde der Papa zerfetzt und beim Druck auf den rechten Knopf die Mama, die Geschwister und die Großeltern.
Das Kind hat die Wahl und es wird wählen, weil es wählen muß.

Wenn überhaupt getötet werden müßte, würde ich den Regisseur erschießen, der das ganze Szenario erdacht hat.

mfG
nereus

"Das wäre der Weg in den Willkürstaat"

siggi, Donnerstag, 20.10.2016, 19:01 vor 3425 Tagen @ Elli 2140 Views

Folgendes möchte ich noch betonen:

– Es bleibt dabei, schuldig im juristischen Sinne, wie erwähnt.

Sehr schön verdeutlicht in einem Kommentar von Wolfgang Kubicki:

http://www.focus.de/politik/experten/kubicki/freispruch-in-ard-terror-das-waere-der-weg...

> – Wenn die „Wahl“ zweifelsfrei lautet „entweder 164 oder
[quote]
164 und 70.000“, dann muss es (moralisch, nicht juristisch)
meiner Meinung nach „164“ lauten – oder ist jemand anderer Meinung?[/quote]

Dem kann man sicherlich zustimmen, wobei das "zweifelsfrei" natürlich der große Unsicherheitsfaktor bei der Sache ist.

LG

siggi

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