OT: Elektroautos - Mobilität der Zukunft oder nur Ersatz von Diesel und Benzin aus Tankstelle durch Strom aus Erdölkraftwerk?
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 18.10.2016, 19:54
Mittlerweile gibt es einige Elektrofahrzeuge in Serienproduktion (wenn man mal von Flurförderzeugen, sprich z.B. batteriebetriebenen Gabelstaplern, absieht, die schon seit Jahrzehnten erfolgreich um ihre Steckdose herumkurven).
Man versucht zwar, der Stolpergefahr durch hinter sich hergezogene Kabel ("Technik einfach noch nicht alltagsfähig") mehr und mehr zu entgehen, aber noch scheitert der Marktdurchbruch offenbar an mehreren Hindernissen:
- unzweifelhaft gibt es Vorbehalte, so wie im Ersten Weltkrieg von Kavalleriegenerälen gegen Panzer.
- Dann schreckt viele die Reichweite ab (das ewige Energiedichteproblem), sowie
- die Frage, wo man kostengünstig und ohne lange Warteschlange sein Fahrzeug unterwegs aufladen kann (und wie lange das dauert - da friert der Kunde im Winter an der Zapfsäule fest).
- Die Wartezeit beim Aufladen ist also selbst dann noch ein Hindernis, wenn die Reichweite der konventionell angetriebener Fahrzeuge im Alltagsbetrieb bereits -ehrlich gemessen- entspräche, nicht jeder will gezwungenermaßen unterwegs immer noch einen Kaffe trinken, sondern viele wollen gleich weiterbrettern.
- Dann gibt es Leute, die machen sich Gedanken über die Heizung ihres Fahrzeuges im Winter, denn die Diesel-, Benzin- oder auch Flüssiggasfahrzeuge machen sich dort die Abwärme der Verbrennungsmotoren zunutze,
- die bei Elektroautos nutzlos im Elektrizitätskraftwerk verpufft, bzw. Fische im Sommer an Sauerstoffmangel sterben läßt ("Das erste, was in China bei schmutziger Luft passieren müsste, wäre ein Fahrverbot für Elektroautos", vgl. "Die dazu erforderliche Elektrizität muß aus einem Kraftwerk ohne CO2 Ausstoß stammen und vor allem billig sein, soll die Umweltbilanz nicht an einer anderen Stelle wieder negativ beeinflußt werden und das Elektroauto eine bezahlbare Alternative werden." oder "Elektroautos können den CO2-Ausstoß erhöhen").
- Und den Effizienzfanatiker stört der geringe Wirkungsgrad von ca. 35% (siehe "Selbst bei der Eisenbahn brachte die Abschaffung der alten Kohleloks keine Verbesserung im Wirkungsgrad" - "Ein E-Auto ergibt nur Sinn, wenn die Stromproduktion NICHT mittels herkoemmlicher Kraftwerkstechnologie aus dem Netz entnommen werden muss! ... Strom ist die 'schmutzigste' aller Energiequellen, aber weil der Dreck nicht am Ort des Verbrauchs entsteht merkt man davon nichts!" - "Auto nur voll besetzt so CO2-sauber wie Regionalzug" - "Sparsame Verbrennungsmotoren würden benachteiligt.").
- Und den (echten) Umweltschützer stört Umweltfrevel sowieso, noch dazu, wenn er kontraproduktiv ist.
Dafür kann man im Tesla ungestraft frei mobiltelefonieren.
(Wer sich übrigens fragt, warum ausgerechnet die Hersteller von Elektroautos Pioniere beim fahrerlosen Fahren sind - das hat damit zu tun, daß eine automatische Steuerung gut und gerne 20% sparsamer fährt, weil sie optimaler 'schaltet', 'Gas gibt' und bremst - so kaschiert man elegant einen Teil des o.g. Reichweitenproblems und gibt dem Käufer auch noch das stolze Gefühl, zur Avantgarde des Automobilismus zu gehören. Dabei sagt man ihm eigentlich nur durch die Blume 'Du bist zu doof zum energiesparenden Fahren' (aber "... über 100% können sie nicht kommen"). Und natürlich ist Teslas schräge Argumentation, bei automatischem Fahren sei es bisher nur bei ca. 134 Millionen Meilen zu einem tödlichen Unfall gekommen, während es bei menschlichen Fahrern bereits nach zwei Drittel der Kilometerleistung zu einem Todesfall kommt, grandioser Quatsch: erstens fahren menschliche Fahrer auch im Gewühl von Paris und bei holprigen Landstraßen usw. usf., wo sie ihrem Fahr-Roboter nicht über den Weg trauen, so daß man diese Todesfälle herausrechnen müßte - das Argument bläht sich aber gar auf zu 'unendlich', wenn man berücksichtigt, daß ja gerade NICHT ohne aktiven Fahrer gefahren werden darf - d.h. die wenigen schweren Unfälle bei 'automatischem' Fahren gehen jeweils nur auf wenige Kilometer echtes -und verbotenes- 'autonomes' Fahren zurück, dieses ist also immer noch womöglich extrem tödlich, wenn man nicht Herrn Musks statistischen Taschenspielertricks folgt. Es bleibt abzuwarten, wie sich das entwickelt. Vermutlich werden die Entwickler künstlicher Intelligenz genau dann soweit sein, ein fehlerfrei fahrendes Auto konstruiert zu haben, wenn Ray Kurzweills 'Singularity' zuschlägt und Roboter den Menschen erklären, daß es gar keinen Grund mehr für sie gibt, auf Straßen herumzufahren und den Güterverkehr zu behindern.)
Tja, und die Zulassungszahlen ruckeln und regen sich nicht, denn die meisten Elektrofahrzeuge, die im öffentlichen Verkehr zugelassen sind, entfallen immer noch auf Organisationen, die entweder selbst in irgendeiner Weise staatlich sind, oder sich beim Staat beliebt machen oder halten wollen ("Für die überwiegende Mehrheit von 81 Prozent kämen Elektroautos als Firmenfahrzeuge ... auch weiterhin nicht in Frage, ...").
CO2 wurde daher auch bisher keines eingespart, nur die Abgase wurden auf's Land verlagert, was immerhin die von vielen Umweltschützern befürwortete Zusammenpferchung von Menschen in Städten begünstigt ('verdichtetes Wohnen' gegen 'Zersiedlung').
Da auch die Zuschüsse zum Kauf von Elektroautos noch nichts in Bewegung zu bringen scheinen, ist man nun auf eine ganz geniale Idee verfallen: das Verbot von Benzin- und Dieselautos (der "Extinction Event" für die gesamte mobile Wirtschaft).
Ist zwar lange her, aber ich erinnere mich noch deutlich, daß auch die Automobile erst so richtig gekauft wurden, als Regierungen weltweit das Fahren mit Pferdekutschen verboten.
Von allein setzt sich am Markt bekanntlich nie was durch, außer vielleicht Tamagotchis. Aber nützliche Geräte? Niemals nicht - nicht die Spur.
Ohne Nudging kein Budging, wie weitgereiste Minister zu wissen pflegen.
Zeit also, die Literatur zu studieren, denn bei den steigenden Strompreisen werden viele nach dem Verbot von Verbrennungsmotoren im öffentlichen Raum auch die Elektromobilität vielleicht nur aus der Literatur kennenlernen. Und wenn der Strom fürs Fahren subventioniert werden sollte, wird vielleicht das Lithium für Batterien der Engpaß. Zu Fuß gehen ist eh viel gesünder.
Viele trauen Elon Musk ja zu, daß er zuerst auf dem Mars landet, bevor auf Erden sich die Elektromobilität durchsetzt. Andere bewundern ihn für sein Geschick beim Einsammeln von Subventionen und nennen Tesla schon 'Solyndra on Wheels' ("Tesla-Bude ... nächste Cargolifter-Story" - vgl. auch das Fisker-Abenteuer).
Sicher ist es zu früh, ein endgültiges Urteil zu fällen und zudem ist beim Verbot der Verbrennungsfahrzeuge mit einem Mobilitätsboom in Afrika zu rechnen, denn irgendwo müssen die Gebraucht-Maybach ja hin. Einheimische Schrottplätze dürften dafür nicht ausreichen.
Auch werden sich einige Banken, die sich bei Automobilkrediten und im Leasinggeschäft stark engagiert haben, wegen der gegen Null gehenden Restwerte der fossilen Gebrauchtwagen unter staatliche Rettungsschirme begeben müssen, wie schon damals, als irgendwelche Hauspreise unter die Einstandswerte sanken.
Wenn ich mich recht erinnere, zog das die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft, und es gab dann eine Abwrackprämie für ausgesuchte KFZ. Diesmal wird man sie dann wohl auf alle KFZ ausdehnen müssen. Und: der öffentliche Nah- und Fernverkehr wird eine ungeahnte Renaissance erleben, vielleicht muß man sogar wegen Abteilmangels wieder auf Vieh- und Güterwaggons zurückgreifen, wer weiß. Hauptsache elektrisch, bis zur allseitigen Verstaatlichung.
Wer nun meint, ich sei Elektro-Auto-Kritiker, der irrt. Wie auch der Transrapid würde sich die Elektromobilität durchsetzen, sollte sie einen marktwirtschaftlich greifbaren Vorteil bieten. Einige meinen den zwar errechnet zu haben, aber das ist normalerweise nicht der Maßstab. Der Maßstab ist 'was kauft der Kunde'.
Es rechnet ja auch niemand einem Mercedes-Käufer vor, er solle lieber Fiat oder SEAT kaufen, weil a) sparsamer, b) billiger. Warum der Staat dann aber dem Käufer eines, sagen wir, Lada mit Benzinmotor, vorschreiben muß, er solle, sagen wir, stattdessen einen Tesla mit Elektromotor kaufen, das dürfte wirtschaftspolitisch schwer begründbar sein. Und wie alles, was derart krass gegen wirtschaftliche Naturgesetze verstößt, wird es daher wohl grandios scheitern. Ob die inzwischen aber eingetretene Deindustrialisierung dann noch einmal rückgängig gemacht werden kann, das steht in den Sternen.
Aber vielleicht löst sich das ganze ja auch auf ganz andere Weise.
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