OT: Terra Preta, das Melanchthon der Landwirtschaftlichen Reformation, Boden-Amelioration mit gekonnter Brandrodung oder so

Literaturhinweis @, Montag, 17.10.2016, 03:46 vor 3429 Tagen 5505 Views

Wenn demnächst die Lichter ausgehen, wird es ein sprunghaftes Interesse an Selbstversorgung und eigenem landwirtschaftlichem Anbau und Gartenbau, sowie an Überlebenstechniken und Methoden zur Haltbarmachung von Lebensmitteln und Fermentieren geben.

Da sollte man sich mit den erforderlichen Methoden und Techniken bereits etwas zuvor vertraut machen bzw. sich die Literatur zulegen, solange die Lieferdienste noch verkehren, weil sie noch Sprit haben.

Effiziente Holzheizung versucht, den Heizwert des Holzes möglichst vollständig auszunutzen, bei der Herstellung von Terra Preta jedoch muß man den Verbrennungsprozeß rechtzeitig stoppen durch Ablöschen des verkohlten Holzes und die Verbrennung unter sauerstoffarmen Bedingungen durchführen. Noch besser als das Löschen mit Wasser ist es, Terra-Preta-Biokohle mit vorher gesammeltem (menschlichem und/oder tierischem) Urin oder Brennesseljauche zu löschen, da sich diese dann gleich mit dem nötigen Stickstoffdünger für die spätere Bodenverbesserung vollsaugt.

Vgl. "Terra Preta. Die schwarze Revolution aus dem Regenwald" oder "Geheimnisse der fruchtbaren Böden: Die Humuswirtschaft als Bewahrerin unserer natürlichen Lebensgrundlage" bzw. "Kompost, Erde & Düngung: Gesunder Boden - gesunde Pflanzen".

Wer auf Komposttoilette umstellt, tut ohnehin gut daran, Urin und Fäkalien zu trennen und letztere zu kompostieren. Die ungetrennte Mischung, sprich Gülle, ist denkbar ungeeignet und deren massenhafte Ausbringung auf den Feldern im Rahmen der intensivierten Landwirtschaft trägt nicht wenig zur seit Jahrzehnten fortschreitenden Bodenverschlechterung und -erosion bei.

Der Urin kann entweder zur Aufladung der Biokohle verwendet und/oder in Verdünnung dem Gießwasser beigemengt als Flüssigdünger eingesetzt werden. Es gibt auch bereits Mischanlagen zur Zudosierung zum Spritzwasser bei Gartenschläuchen usw. (Verhältnis 1:10 oder 1:20 z.B.).

Terra Preta war bereits den Ureinwohnern im Amazonasgebiet vertraut.

Die Erfolge, die mit Terra Preta als Bodenzusatz erzielt werden, gehen bis zu mehrere hundert Prozent Ertragssteigerung, insbesondere, sofern Terra Preta direkt im Wurzelbereich eingebracht und nicht flächendeckend untergearbeitet wird. Nicht nur spart das Mengen ein, es führt (bei dieser selektiven Einbringungsmethode) auch zu einer intensiveren Düngung und Stickstoffversorgung der Nutzpflanzen, während gleichzeitig die Stickstoffversorgung der unerwünschten Pflanzen ('Unkraut') verschlechtert wird, so daß sich die erwünschten Pflanzen stärker durchsetzen und nicht be- und verdrängt und/oder beschattet werden.

In Verbindung mit pflugloser Bodenwirtschaft und 'Vermikultur', d.h. Förderung des Besatzes mit Regenwürmern und Permakultur sind, bei entsprechend vermehrter Handarbeit, mehrfache Erträge gegenüber der herkömmlichen Landwirtschaft zu erzielen. Allein, es fehlt meist der Glaube und 'es kann der Beste nicht in Frieden leben', wenn der Nachbar haufenweise Gift auf's benachbarte Feld kippt.

All das, sowohl das maschinelle Pflügen, Grubbern, Eggen wie auch das Verspritzen von Gülle und Herbiziden, wird sich ja beim vom ETP-Modell bzw. 'Peak Oil' vorhergesagten Kollaps der motorisierten Landwirtschaft von selbst erledigen; werden die Böden nicht weiter kultiviert, wächst dort wieder Wald. Oder der Mensch besinnt sich auf die Entwicklungen in biologischer Landwirtschaft der letzten Jahrzehnte und wendet diese Erkenntnisse konsequent und umsichtig an.

Noch nie in der Menschheitgeschichte (vgl. Palaterra), soweit es jedenfalls Überlieferungen gibt, wußte man soviel über Pflanzenökologie und -soziologie, Bodenleben, Humusaufbau, Fruchtfolge, Haltbarmachung von Lebensmitteln ('hundert Jahre altes Brot') usw. Es wäre dem Teil der Menschheit, der sich auf eine konsequente kleinräumige, konservierende Landwirtschaft, Garten- und Obstbau einließe, ein leichtes, gesund und ohne physische Einschränkungen auch nach einem 'Game over' zu überleben, sofern man jedenfalls nicht in direkter Nachbarschaft von evtl. dann ungekühlten Kernkraftwerken wirtschaften muß.

Holzkohle im Boden hat auch heilende Wirkungen.

Siehe auch z.B. BIOCHAR.info.

Zur Herstellung vgl. z.B. die 150-seitige Literaturstudie "Methods for Producing Biochar and Advanced Biofuels in Washington State - Part 1: Literature Review of Pyrolysis Reactors" oder biochar-journal.org "Making biochar in soil pit kilns" (PDF, 35 Seiten)

Siehe auch

- europäische Richtlinien zur Zertifizierung von Biokohle: "Guidelines, European Biochar Certificate - for a sustainable production of biochar" (PDF, 23 Seiten) und

- HARRY GROOT, KATHRYN FERNHOLZ, MATT FRANK, JEFF HOWE, JIM BOWYER, STEVE BRATKOVICH: "BIOCHAR101: AN INTRODUCTION TO AN ANCIENT PRODUCT OFFERING MODERN OPPORTUNITIES" PDF, 13 Seiten)


Weiter mit "Literatur zu Terra Preta, Biokohle, Bodenverbesserung, Amazonas/Regenwald, Permakultur mit Terra Preta, Düngemethoden, Humus"

--
Literatur-/Produkthinweise. Alle Angaben ohne Gewähr! - Leserzuschriften

Literatur zu Terra Preta, Biokohle, Bodenverbesserung, Amazonas/Regenwald, Permakultur mit Terra Preta, Düngemethoden, Humus

Literaturhinweis @, Montag, 17.10.2016, 03:47 vor 3429 Tagen @ Literaturhinweis 4459 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 19.10.2016, 08:54

Wie schon angeklungen, kommt die Idee der Terra Preta aus dem Amazonasgebiet. Vgl. "Conquistadors, cannibals and climate change - A brief history of biochar".

Siehe z.B.:

- oacc.info - Organic Agriculture Centre of Canada: "Evaluating the agronomic benefits of biochar amended soils in an organic system: Results from a field study at the UBC Farm, Vancouver" (PDF, 32 Seiten)

- Universität Missouri: "Biochar to Improve Soils" (Kurt Nagel, University of Missouri Extension Agronomy Specialist) (PDF, 45 Seiten) - Gleichzeitig grundsätzliche Einführung in landwirtschaftliche Bodenkunde, Terra-Preta-Öfen Seite 18

- James A. Ippolito, David A. Laird, and Warren J. Busscher: "Environmental Benefits of Biochar" (PDF, 6 Seiten - Literaturstudie mit weiterführenden bibliographischen Angaben zu Biokohle)

- By Jim Ippolito, Rick Lentz, and Jeff Novak—USDA ARS: "BIOCHAR: A SOIL AMENDMENT WORTH CONSIDERING" (PDF, 8 Seiten)

- Kurt A. Spokas, Keri B. Cantrell, Jeffrey M. Novak, David W. Archer, James A. Ippolito, Harold P. Collins, Akwasi A. Boateng, Isabel M. Lima, Marshall C. Lamb, Andrew J. McAloon, Rodrick D. Lentz, and Kristine A. Nichols: "Biochar: A Synthesis of Its Agronomic Impact beyond Carbon Sequestration" (PDF, 17 Seiten)

- Sogar die Herstellung vor Ort in der Forstwirtschaft wird propagiert, um die Waldbrandgefahr zu minimieren: Kristin McElligott: "Biochar & Forest Ecosystems: Utilizing forest biomass to reduce hazard fuels, increase soil productivity, and sequester carbon" (PDF, 41 Seiten)

- Johannes Lehmann, Stephen Joseph: "Biochar for Environmental Management: An Introduction" (PDF, 12 Seiten)

- biochar-international.org / Julie Major , PhD, Extension Director International Biochar Initiative: "Guidelines on Practical Aspects of Biochar Application to Field Soil in Various Soil Management Systems" (PDF, 23 Seiten)

- Josiah Hunt, Michael DuPonte, Dwight Sato, Andrew Kawabata: "The Basics of Biochar: A Natural Soil Amendment" (PDF, 6 Seiten)

- Bruno Glaser, Ludwig Haumaier, Georg Guggenberger, Wolfgang Zech: "The ‘Terra Preta’ phenomenon: a model for sustainable agriculture in the humid tropics" (PDF, 5 Seiten)

- agresearchmag.ars.usda.gov: "Carefully Unraveling the Intricacies of Biochar" (PDF, 5 Seiten)

- americancarbonregistry.org "Methodology for Biochar Projects" (PDF, 137 Seiten)


Terra Preta und Biokohle: Verwendung, Herstellung, Geschichte

Herstellung von Terra Preta / Biokohle

- Sai Bhaskar N. Reddy: "BIOCHARCULTURE - Biochar for Environment and Development" (PDF, 197 Seiten)

- Hans-Peter Schmidt (Delinat-Institute): "Ways of Making Terra Preta: Biochar Activation" (PDF, 8 Seiten)

Terra Preta im Gartenbau    |    Terra Preta und Düngung    |    Kultivierung mithilfe von Terra Preta    |    Terra Preta und Permakultur

- Hans-Peter Schmidt: "55 Uses of Biochar" (PDF, 4 Seiten)

Terra Preta für den Selbstversorger

Geschichtliches zu Terra Preta    |    Zukunft der Terra Preta


Bodenkunde, Effektive Mikroorganismen, Abfall und Biokohle, Politik, Sonstiges

Terra Preta - Bodenkunde    |    Terra Preta und EFM - Effektive Mikroorganismen

Terra Preta - Abfallentsorgung und 'Bio'kohle    |    Terra Preta und Politik

Sonstiges zum Thema Terra Preta    |    Terra Preta - Sonstiges


Zurück zum Hauptbeitrag "Terra Preta, das Melanchthon der Landwirtschaftlichen Reformation, Boden-Amelioration mit gekonnter Brandrodung oder so"

--
Literatur-/Produkthinweise. Alle Angaben ohne Gewähr! - Leserzuschriften

Münchner (das ist das Dorf in meiner Nachbarschaft) Kartoffelkombinat

Mephistopheles @, Datschiburg, Montag, 17.10.2016, 14:20 vor 3428 Tagen @ Literaturhinweis 4025 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 17.10.2016, 14:28

Es wäre dem Teil der Menschheit, der sich
auf eine konsequente kleinräumige, konservierende Landwirtschaft,
Garten- und
Obstbau
einließe, ein leichtes, gesund und ohne physische
Einschränkungen auch nach einem
'Game
over
' zu überleben, sofern man jedenfalls nicht in direkter
Nachbarschaft von evtl. dann
ungekühlten
Kernkraftwerken
wirtschaften muß.

http://www.kartoffelkombinat.de/blog/vorteile/


Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Es dürfte jedoch für den Anfänger schwierig werden, alleine und ohne Anleitung auch nur täglich 250 Kal (entspr. 100.000 Kal im Jahr zu ernten). Der menschliche Kalorienbedarf beträgt etwa 1.000.000 Kal/Jahr.
In München und Umgebung gibt es seit 4 1/2 Jahren das Kartoffelkombinat, die sich bemühen, Gemüse selbst zu erzeugen.
Ich habe per Zufall in den letzten Tagen im Radio/Bayern2 davon gehört.

Ich denke mir, alleine schafft man es nicht, zur Selbstversorgung zu gelangen.
Die Fähigkeit der Selbstversorgung halte ich nach wie vor für die beste Vorbereitung für einen Systemkollaps und wenn er ausbleiben sollte, dann schadet es auf keinen Fall.

Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

Terra Preta - Anmerkungen und Ergänzungen

Leserzuschrift @, Sonntag, 30.10.2016, 12:56 vor 3415 Tagen @ Literaturhinweis 3645 Views

Lieber Literaturhinweis,

zunächst einmal vielen Dank für Deine wie immer umfassende und kompetente Zusammenstellung. Da wir seit nunmehr 8 Jahren mit Begeisterung Schwarzerde nach dem Terra-Preta-Prinzip herstellen (erst rein privat, seit 2 Jahren auch gewerblich), ist uns die Verbreitung dieser alten Kulturtechnik ein großes Anliegen. Als langjährige Leser des DGF freut es uns, dass wir hier etwas beitragen können.
Im Folgenden möchten wir einige Anmerkungen und Ergänzungen zu Deinem Artikel machen, vor allem in Richtung der praktischen Anwendung für Hobbygärtner und (Teil-)Selbstversorger.

1) Zur Kohleherstellung:

a) Die Begriffe "Pflanzenkohle/Biokohle" verwendet man, um diese hochwertige, fast schadstofffreie Kohle von der handelsüblichen Grillkohle abzugrenzen, die häufig massiv mit Schadstoffen (vor allem PAK) belastet und für den Einsatz im Boden völlig ungeeignet ist. Die Pyrolyse muss so (kontrolliert) ablaufen, dass die bei der Verkohlung unweigerlich entstehenden PAK nicht in der Kohle verbleiben, sondern zu unschädlichen Gasen verbrannt werden (PYREG/Schottdorf/Syncraft). Die Qualität der Pflanzenkohle ist für die Herstellung von Schwarzerde von überragender Bedeutung, weil die Kohle ja "ewig" im Boden bleibt! Pflanzenkohle kann, wie der Name sagt, auch aus anderem pflanzlichen Material hergestellt werden (Feuchtigkeit < 50%).

b) Hochwertige Pflanzenkohle ist oft nach EBC zertifiziert. Die von Dir verlinkten "Guidelines" (23-Seiten-pdf) sind der Versuch, einen europaweiten (strengen) Standard zu etablieren, der leider bisher von der EU nicht aufgegriffen wurde (in der Schweiz ist dieser Standard bereits gültig). Ziel dieser Bemühung ist es, den Einsatz von Pflanzenkohle EU-weit auch im Biolandbau zu legalisieren (bislang dürfen das paradoxerweise nur konventionelle Landwirte!). Hobbygärtner unterliegen jedenfalls keiner Einschränkung.

c) Die von HP Schmidt entwickelten KONTIKI-Öfen (kegelförmige Stahlblechkessel) erfüllen diese Anforderungen ebenfalls und bieten sich für den Einsatz im eigenen Garten an. (Ithaka-Journal)


2) Zum Terra-Preta-Buch:

"Terra Preta - Die schwarze Revolution aus dem Regenwald" ist das bislang einzige TP-Buch in deutscher Sprache und gibt viele sehr anschauliche Beispiele von Projekten auf der ganzen Welt. Man bekommt einen umfassenden Eindruck von den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Bei einer Neuauflage käme bestimmt noch ein Bericht über die phantastischen Ergebnisse des Nepal-Projekts von Koautor HP Schmidt hinzu, der nach dem schweren Erdbeben im April 2015 die Bauern bei der Herstellung und Anwendung von Kohle unterstützte (im Ithaka-Journal nachzulesen). Eine (kleine) Schwäche des Buchs sind die vergleichsweise etwas mager ausgefallenen praktischen Anwendungsratschläge.


3) Zur "Aufladung" der Kohle:

Wie Du ganz richtig schreibst, muss Pflanzenkohle vor dem Einsatz im Boden mit Nährstoffen aufgeladen werden, weil sie diese sonst dem Boden durch ihr hohes Adsorptionsvermögen entzieht und damit das Pflanzenwachstum zunächst sogar hemmt. Jahrzehntelang hatten Studien den Nutzen von PK im Anbau "widerlegt", weil sie diesen Aspekt einfach ignorierten!
Die Trenntoiletten sind hervorragend dafür geeignet (und würden einen gewaltigen Beitrag zur Schließung des Stoffkreislaufs leisten), aber das ist sicher nicht jedermanns Sache und wird sich nur schwer durchsetzen. Bei der Schwarzerde-Herstellung im Garten wird die PK automatisch durch die Beimischung zu gut angefeuchteten Garten- und Küchenabfällen aufgeladen.


4) Zur Gülle sowie landwirtschaftlichen Nutzung:

a) Dass die Gülle den Böden nicht unbedingt gut tut, stimmt zwar normalerweise. Wenn man aber vor dem Ausbringen Pflanzenkohle (evtl. zusätzlich noch Effektive Mikroorganismen und Steinmehl) einrührt, sieht die Sache anders aus. Die üblichen Fäulnisprozesse werden verringert, die Gülle stinkt dann nicht mehr und wird dadurch mindestens um die Hälfte ergiebiger (Gestank = Stickstoffverluste in die Luft), wirkt weniger scharf im Boden, die Auswaschung von Nitraten ins Grundwasser wird stark verringert und die PK reichert sich (wachstumsfördernd) im Boden an. Immer mehr Bauern in D-A-CH wenden diese einfachen Mittel an, oft auch schon im Tierfutter oder in der Einstreu im Stall (Tiere bleiben wesentlich gesünder, Stall stinkt nicht mehr). Im Chiemgau gibt es einen Stammtisch mit inzwischen über 1000 Landwirten, die ihre Gülle derart aufwerten (EM Chiemgau).

b) Etliche Bauern wenden sich zunehmend der schonenden Bodenbearbeitung zu (leichtere Maschinen, nur die obersten paar Zentimeter bearbeiten, Flächenkompostierung/Feldrotte mit PK, etc.). Hier kann die Pflanzenkohle stark unterstützend wirken, weil sie das Bodenleben stark anregt (der Boden "bearbeitet sich selbst", ohne tiefes Umgraben) und den erforderlichen (meist einseitigen) Düngereinsatz reduziert. Spannende Versuche dazu laufen derzeit u.a. in der Ökoregion Kaindorf (Steiermark).


5) Zur Fermentierung und den Effektiven Mikroorganismen (= EM):

a) Die Meinungen darüber, ob Fermentierung (anaerobe Abläufe) bei der Entstehung der Terra Preta am Amazonas eine wesentliche Rolle gespielt hat, gehen auseinander. Auch bei der Schwarzerdeherstellung in unseren Breiten wird der Nutzen der Fermentierung kontrovers diskutiert. Das liegt wohl daran, dass die positiven Wirkungen der PK im Boden auch ohne sie schon erstaunlich genug sind. Jedenfalls können wir bei unseren Langzeitergebnissen noch einige positive Zusatzeffekte feststellen, wenn das organische Material und die PK zunächst mit EM versetzt und anschließend für 2 Monate luftdicht eingepackt wird, bevor es dann an der Luft vollständig vererdet.

b) Die EM und ihre Wirkungen sind schon viel länger bekannt, weiter verbreitet und gründlicher untersucht als die Terra Preta. Aber das wäre nochmal ein abendfüllendes Thema für sich. Was unser Thema hier angeht, scheinen die EM in den zahllosen Poren der PK (bis zu 300 qm Oberfläche pro Gramm PK!) einen idealen Lebensraum vorzufinden, wo sie das Bodenleben sowie die Nährstoffaufnahme der Pflanzen unterstützen und Fäulnisprozesse im Boden hemmen. Sehr gesunde Pflanzen und weitgehende Schädlingsfreiheit sind eine Folge davon. (Unsere Beete sind seit Jahren fast frei von Schnecken, die anfangs eine schlimme Plage waren.)


6) Zur Ertragssteigerung:

Hier müssen wir etwas bremsen: Die von Dir erwähnten mehreren Hundert Prozent sind leider nur dort zu haben, wo vorher nicht oder kaum gedüngt wurde (Beispiel Nepal - die Bauern sind bettelarm). Dann ergeben sich tatsächlich Unterschiede wie Tag und Nacht. Die im TP-Buch beschriebenen Projekte in der Dritten Welt sind wirklich spektakulär und absolut geeignet, vor Ort Hungersnöte zu lindern, vor allem weil die oft nur spärlich vorhandenen Nährstoffe durch die PK viel besser verwertet werden und sich allmählich eine Humusschicht aufbauen kann.
Unsere hiesigen Beete und Ackerflächen sind in der Regel quantitativ ausreichend gedüngt. Hier stellen wir (im Einklang mit einigen Studien und auch einigen unserer Kollegen) einen Mehrertrag von durchschnittlich 30 bis 50 Prozent fest - das ist natürlich auch nicht gerade wenig. Aber der Hauptnutzen von Schwarzerde ist ohnehin der erstaunlich schnelle Humusaufbau und die sich entwickelnde überragende Bodenqualität - für Selbstversorger in Krisenzeiten mehr als Gold wert...


7) Zu Deinen Literaturhinweisen:

Wir kannten nur einen kleineren Anteil dieser Bücher und Artikel - vieles von dieser "Fachliteratur" ist jedenfalls für den Laien und Praktiker weniger nutzbringend. Für uns jedenfalls sind einige Quellen äußerst interessant und wollen noch studiert werden - dafür nochmal danke! Die US-Quellen gehen hauptsächlich auf die Pflanzenkohle und ihre Wirkung im Boden ein, nicht jedoch auf die Synergieeffekte im Zusammenhang mit den anderen TP-Zutaten, auf Kompostierung, EM und Humusaufbau im Boden. Außer dem oben besprochenen TP-Buch empfehlen wir jedem potenziellen Anwender, sich einfach auf den Seiten einiger TP-Hersteller umzuschauen (siehe 8)). So bekommt man am schnellsten einen ganz guten Überblick über verschiedene Ansätze, die aber dem gleichen Zweck dienen, und viele praktische Tipps.


8) Zu den TP-Herstellern im deutschsprachigen Raum:

Weil Du direkt und indirekt einige verlinkt hast: Es gibt zum Glück eine ganze Reihe von "Idealisten", denen wirklich daran gelegen ist, ihr Wissen und ihre praktischen Erfahrungen weiterzugeben, die Kulturtechnik zu verbreiten und andere zum Do-it-Yourself zu animieren. Leider gibt es auch "Geldmacher" wie denjenigen Hersteller, der sich "Terra Preta" als Marke hat schützen lassen, andere wegen missbräuchlicher Verwendung verfolgt und selbst 10 Liter Erde für fast 100 € anbietet, oder eine Firma in Hessen, die dreist für sich in Anspruch nimmt, sie habe "den Code der TP-Herstellung geknackt", als ob es sich um das Coca-Cola-Rezept handle. Damit wird die Methode und die Branche in Verruf gebracht.

Empfehlen (als "Literatur") würden wir:

EM Chiemgau
Ithaka-Journal (große Themenvielfalt)
Sonnenerde
Tria Terra (guter Blog!)
Terra Magica

und unbescheidenerweise natürlich auch uns: TerraTirol


9) Ein kleiner Ausblick:

Nach unserer Beobachtung handelt es sich bei Terra Preta / Pflanzenkohle keinesfalls um eine "Modeerscheinung", sondern um ein kontinuierlich wachsendes Feld. Hier laufen viele Fäden zusammen - Nachhaltigkeit, Schließen der Stoffkreisläufe, Bio, Bodenaufbau, (teilweise) Autarkie, Eigenverantwortlichkeit. Diese Themen werden ständig bedeutsamer. Unsere vielen Anwender (Hobbygärtner) sind jedenfalls mit großer Freude bei der Sache. Vor allem im ländlichen Raum scheint das Bewusstsein für die Dringlichkeit einer (auch inneren) Veränderung zuzunehmen.
Auch in der Landwirtschaft setzt teilweise ein Umdenken ein, gerade bei den kleineren Betrieben, angesichts der sich verschlechternden Böden.


Manche Aspekte haben wir jetzt bestimmt vernachlässigt, aber es sollte ja auch kein Roman werden. Ernsthaft Interessierte können sich bei Fragen gerne auch direkt an uns wenden: www.terratirol.at

Freundliche Grüße

Julian

Die einzige Möglichkeit, Pflanzen jederzeit optimal zu versorgen?

Reikianer @, Dienstag, 08.08.2017, 00:11 vor 3134 Tagen @ Literaturhinweis 2166 Views

Sehe ich das richtig, dass Terra Preta die einzige Möglichkeit ist, eine Pflanze jederzeit optimal zu versorgen?

Bei allen Arten der Düngung (egal ob konventionell oder ökologisch) betreibt man letztlich guesswork, was für die Pflanze aktuell wohl am Besten wäre.

Unterversorgung lässt die Pflanze nicht optimal wachsen und Überversorgung stresst bzw. verbrennt sie.

Wenn ich aber Holzkohle habe, die mit Nährstoffen aufgeladen ist, die die Pflanze aber nicht verbrennen können, weil diese in der Holzkohle gebunden sind und die Pflanze mit ihren Wurzeln andocken kann und die Nährstoffe bei Bedarf abrufen kann, dann brauche ich einfach nur soviel aufgeladene Holzkohle zufügen, dass die Pflanze Zeit ihres Lebens immer überversorgt ist und habe zu jederzeit optimal versorgte Pflanzen, richtig?

LG

P.S.: Ein Freilandversuch mit Wurzelapplikation hat gänseeiergrosse Radieschen mit ordentlich Schärfe produziert, während die zur gleichen Zeit gesetzten Radieschen ohne die Behandlung noch mickrig waren. Keine Fotos, daher vermutlich wertlos:-)

Unglaublicher Unterschied in der Pflanzengröße, vielen Dank

Dan the Man, Freitag, 24.11.2017, 21:06 vor 3025 Tagen @ Reikianer 1821 Views

Allein das Bild betrachtet ist sehr überzeugend. Ich las in einem Gärtnerforum zwar, dass Terra Preta gar nichts bringt, aber wenn das Bild echt ist, erübrigt sich jedes Theoretisieren.

Du schreibst "Terra Preta (Holzkohle + Hühnermist)".

So viel ich weiß, ist der Unterschied zwischen Holzkohle und Terra Preta oder Biochar lediglich, dass die Holzkohle dabei noch mit Kompost oder ähnlichem "geimpft" wird, weil sie sonst die ganzen Nährstoffe aufsaugt.

Wenn Hühnermist geht, ginge dann auch Pferdemist? Ich habe Zugriff auf Unmengen.

Und könnte man auch Wurmkompost nehmen? Davon habe ich auch viel.

Ein hervorragender Dünger ist auch Brennesseljauche. Ginge es damit auch?

Ich weiß zwar nicht, ob du dich damit auskennst, aber fragen kann ich ja mal [[freude]]

Danke

FR

[image]

http://holzgasjournal.de/2017/10/04/natuerlicher-intensivduenger/

Links 0,3-0,5l Terra Preta (Holzkohle + Hühnermist) pro Quadratmeter, in
der Mitte ungeduengt, rechts Kompost.

LG

Pufferspeicher

Reikianer @, Samstag, 25.11.2017, 02:35 vor 3025 Tagen @ Dan the Man 1758 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 25.11.2017, 02:45

Hallo Forever Round:)

So viel ich weiß, ist der Unterschied zwischen Holzkohle und Terra Preta
oder Biochar lediglich, dass die Holzkohle dabei noch mit Kompost oder
ähnlichem "geimpft" wird, weil sie sonst die ganzen Nährstoffe aufsaugt.

Die Kohle soll die Nährstoffe aufnehmen, damit sie sie später wieder abgeben kann...aber eben genau dann, wann die Pflanze es braucht.

Wenn Hühnermist geht, ginge dann auch Pferdemist? Ich habe Zugriff auf
Unmengen.

Wichtig für guten Kompost ist das richtige C/N-Verhaeltnis (<20:1), aber wenn Du Kohle mit Pferdemist mischt, sollte es keine Probleme geben imho.

Und könnte man auch Wurmkompost nehmen? ... Brennesseljauche...

Wurmkompost ist imho das nonplusultra, eigentlich schon fast zu schade, um das in der Kohle als Nährstoffdepot zu versenken. Brennesseljauche - go:)

LG

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.