Wohnblocks mit 120 verschiedenen Sprachen.
Ich war vor einigen Wochen ebenfalls in der Schweiz. Allerdings mit dem Auto. Je nachdem, wo man entlangfährt, fällt ein deutliches Wohlstandsgefälle auf (nicht erst jetzt, sondern bereits früher). Das sieht man auf der Durchfahrt vor allen Dingen an den Gebäuden. Sie reflektieren vmtl. die Schweizer Besteuerungsrichtlinien für Immobilien, die erheblich restriktiver sind als in Deutschland und die in vielen Gebieten wohl zu einer geringen Bereitschaft der Investition in privat genutzte Wohnimmobilien führt.
Interessant war für mich eine Ortschaft, in der ich Verwandte aufsuchte. Ein schönes, altes Hotel, direkt am See, konnte trotz vielerlei Bemühungen seit Jahren keinen Investor finden. Möglicher Hintergrund: Der Ort litt an Abwanderung des „vermögenderen“ Teils seiner Bewohner. Dieser baut einige Kilometer entfernt (bei erheblich niedrigerem Steuersatz). Bei meinen Mittagstischgesprächen erfuhr ich dann von einer sozial engagierten Bekannten, dass im Hintergrund der Ortschaft, die unter der Abwanderung vermögenderer Personen leidet, wohl weitere große „Bauklötze“ / Sozialbauten entstanden sind. Im Gespräch erinnerte es mich an die Banlieus. In diesen Sozialbauten wurden viele Immigranten untergebracht (wie gesagt, ein kleiner Ort). Man sagte mir, dort würden 120 unterschiedliche Sprachen gesprochen. Auf meine Frage, wie das denn funktionieren kann, erwiderte man: Dort gibt es landesspezifische „Ecken“, also „Türkenviertel“, „Araberviertel“ etc. etc. etc. - Die Leute können sich innerhalb ihrer „Gruppe“ also verständigen. Vereinzelt kam in den Gesprächen ein sanftes Missfallen darüber auf, dass einige „Immigranten“ bereits seit 25 Jahren dort wohnten und immer noch kein Deutsch können. Das wurde aber von anderen gleich gerügt, es war kein Thema.
Ich gehe aufgrund der Sprach-Thematik davon aus (habe nicht nachgefragt), dass ein größerer Teil dieser Immigranten vmtl. von so etwas wie Sozialhilfe lebt. Auf meine Frage, wer sich denn kümmert, dass alles „läuft“, sagte man mir „immer dieselben“. In diesem Falle: engagierte, herzensgute ALTE LEUTE.
Ich habe keinerlei Ahnung, wie das in der restlichen Schweiz ausschaut, aber ich könnte mir vorstellen, dass bei weiterer Zuwanderung dort ähnliche Probleme wie in Frankreich entstehen. Kurz gesagt: Etablierung und Verfestigung von Parallelgesellschaften.
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