68-iger Lifestyle vs. Familienbande - ein Versuch

Olivia @, Sonntag, 09.10.2016, 17:19 vor 3485 Tagen 2819 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 09.10.2016, 17:25

68-er Lifestyle vs Familienbande – Ein Versuch

Eine der unbedachtesten „Taten“ der sich im Befreiungsrausch befindlichen, jungen 68-iger Generation dürfte der propagierte Tod der Familie sein. Er ist kein deutsches Phänomen, sondern breitete sich im Zusammenhang mit „neuen Herrschaftsideologien“ in allen westlichen Gesellschaften aus. Die Versuchung: der überbordende, alles umfassende Staat erhält jeden Einzelnen ohne wenn und aber; die Familie als Ort gegenseitiger Verpflichtung und Hilfestellung ist unnötig. Die Folge: Mangelnde soziale Einbindung, Vereinzelung und Verelendung vieler Menschen. Alte Menschen „verwesen“ immer häufiger in ihren Wohnungen, weil niemand es bemerkt und erst der „Geruch“ die Behörden alarmiert.Tendenz: Steigend!

Unsere Familie ist über verschiedene Länder Europas verstreut, die Entfernungen sind groß, die meisten sind beruflich und familiär sehr eingebunden, ein regelmäßiges, „ritualisiertes“ Treffen aller Familienmitglieder findet in der Regel nicht statt. Die jüngeren Familienmitglieder haben kaum noch Kontakt zu allen Kindern von Geschwistern bzw. deren Kindern.

Anlässlich einer Vernissage meines Schwagers, zu der auch der gesamte italienische Teil der Familie anreiste (Großeltern, Kinder und Enkel), wurde mir klar, was für einen Verlust das bedeutet, sowohl für uns, aber vor allen Dingen auch für die Kindergeneration.

Ein Gespräch mit meinen Schwestern führte dazu, dass wir nun 1 x jährlich ein informelles Geschwistertreffen „in der Entfernungsmitte“ etablieren wollen. Wir treffen uns jeweils an einem geschichtsträchtigen Ort, planen eine Übernachtung ein und entwerfen ein kleines Rahmenprogramm (archäologische, kulturelle, künstlerische oder sonstige Besichtigungen, spezielle Weinproben oder auch Messebesuche etc.). Kinder, Kindeskinder und Partner sind herzlich eingeladen mitzukommen (zahlen müssen alle selbst). Die Preise werden niedrig gehalten, damit es für niemand eine Belastung wird, ggf. wird finanziell unterstützt. Das also startet erstmalig dieses Jahr. Beide Schwestern waren sehr angetan und werden unsere beiden Brüder „akquirieren“.
Auch werden sie einige ihrer erwachsenen Kinder motivieren. Möglicherweise sind die an gegenseitigen Kontakten auch interessiert.

Da wir alle nicht mehr „taufrisch“ sind, war uns allen klar, dass mit unserem Tode auch der größte Teil der „Familie“ verschwindet. In diesem Zusammenhang kam uns die Idee, im nächsten Jahr ein „Familien-Europatreffen“ abzuhalten. Das Ganze so langfristig zu planen, dass ALLE verstreuten Mitglieder sich an einem Ort treffen können. Das wird einiges an Organisation bedeuten, ich hoffe aber, dass in Anbetracht der auf uns zukommenden sehr schwierigen Zeiten, die meisten begreifen, wie wichtig es ist, auch auf familiäre Kontakte zurückgreifen zu können.

Ich gehöre nun zu den Menschen, die in jungen Jahren einen enormen Freiheitsdrang hatten und die „raus“ mussten, die Welt erobern mussten, Schiffbruch erleiden und neu starten. Wie froh ich sein kann, dass ich in Zeiten jung war, wo das alles für viele möglich war. Für die jüngere Generation werden die Chancen für einige größer und für viele erheblich eingeschränkter sein. Unterstützende Familienbande werden damit umso wichtiger werden.

Meine jüngere Schwester sagte dazu: In der Familie lernt man, auch Menschen und Meinungen zu akzeptieren, mit denen man nicht übereinstimmt.
Die Familie also als potentieller Trainingsort für Toleranz? Prinzipiell ja, aber wie immer liegt der Teufel natürlich im Detail. Aus allem kann der Mensch Himmel und Hölle konstruieren. So viel zur Kreativität. Je größer die Familie ist und je unterschiedlicher ihre Mitglieder sind, mit umso mehr unterschiedliche Ansichten und Einsichten muss man sich auseinandersetzen. Für Kinder und Jugendliche ist das extrem wertvoll, denn sie lernen, dass nicht nur das eigene Denken und die eigenen Vorstellungen wichtig sind. In der Regel sind aber in Familien (durch die sehr ähnliche Sozialisation und Enkulturation) viele grundlegende Überzeugungen ähnlich. Auch Partner werden gemäß der familiären „Paradigmen“ ausgewählt. Dies kann als Bindeglied bei allen evtl. auftretenden Konflikten genutzt werden.

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Frohes Beieinandersein

Langmut @, Sonntag, 09.10.2016, 17:43 vor 3485 Tagen @ Olivia 1733 Views

Hallo in die Runde, hallo Olivia,

gestatte mir bitte eine "männliche" Sichtweise bzgl. Familientreffen.

Vorausschicken möchte ich, dass ich fünf Geschwister habe, die ebenfalls recht verstreut auseinander wohnen und wirken.

Von Zeit zu Zeit gibt es halt Beerdigungen, runde Geburtstage, Hochzeiten und ganz selten Taufen von Familienmitgliedern (Schwägerinnen, Schwager, Onkel, Tanten, Neffen, Nichten, Großnichten, Ziehkinder usw.) und alle, die kommen dürfen, mögen und können, unterwerfen sich dem jeweiligen "Heimspiel" des Anlassgebers mit allen Vor- und Nachteilen.

Mir persönlich reichen diese Treffen vollkommen aus, um dem Großteil meiner Mischpoke gegenwärtig zu sein. Selbstverständlich habe ich auch Lieblingsverwandte, mit denen ich öfter rede und sogar etwas unternehme.

Familie hat man, Freunde sucht man sich aus.

Dir viel Freude und angenehme Zeiten mit der "buckligen Verwandtschaft".

Gruß
Langmut

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Der Unterschied zwischen schlau und dumm.
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Arbeit finde ich gut, da könnte ich anderen stundenlang zuschauen.(Diogenes von Sinope)

Danke :-)) - Daher ein Treffen an "neutralem" Ort mit "Rahmenprogramm".

Olivia @, Sonntag, 09.10.2016, 17:53 vor 3485 Tagen @ Langmut 1468 Views

Na ja, ich habe ja etwas "verschämt" geschrieben, dass ich einen sehr hohen Freiheitsdrang hatte/habe. Die von Dir genannten Familienfeiern waren für mich immer das absolute K.O. - Zumeist gehörte ich zu denen, die erfolgreich fehlten. :-))

Im Zusammenhang mit der Vernissage und der Tatsache, dass wir alle "anreisen" mussten (z.T. weit) und der Tatsache, dass wir eine gemeinsame "Thematik" hatten, änderte sich meine Einstellung. Ich kannte diesen Teil der italienischen Familie nicht, obwohl sie zu meiner Schwester gehören. Habe mich sehr darüber gefreut. - Und dann .... kam die Idee....

Dessen ganz ungeachtet lerne ich immer mehr, dass sich auch Freunde völlig anders "entwickeln" können und ebenfalls eine gehörige Portion Toleranz erfordern. Vor längerer Zeit habe ich einmal darüber geschrieben, dass mir eine Freundin für 1/2 Jahr die Freundschaft gekündigt hatte, weil ich sehr frühzeitig auf die Problematik der alternativelosen Grenzöffnung für junge Männer aus allen Weltgegenden hingewiesen habe. Inzwischen spricht sie wieder mit mit, weil die Zeitungen darüber schreiben. So etwas habe ich aber von meiner Familie noch nie erfahren....... Na ja, die informieren in der Regel auch intensiv.

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guter Ansatz

Dieter, Sonntag, 09.10.2016, 18:29 vor 3485 Tagen @ Olivia 1485 Views

Auch ich halte Familie für extrem wichtig und ist ein guter Rückhalt.

Wir kennen Geschwistertreffen (ohne Partner) für jeweils 1 Woche irgendwo an wechselnden Orten in Europa und natürlich regelmäßige Treffen der gesamten Familie zu den üblichen Festen, immer in sehr lockerer angenehmer und ehrlicher Weise.

Unter Geschwistern sollte man meiner Ansicht nach rücksichtslos ehrlich sein, was zumindest gut funktioniert, solange die Partner nicht dabei sind.

Gruß Dieter

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