68-iger Lifestyle vs. Familienbande - ein Versuch
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 09.10.2016, 17:25
68-er Lifestyle vs Familienbande – Ein Versuch
Eine der unbedachtesten „Taten“ der sich im Befreiungsrausch befindlichen, jungen 68-iger Generation dürfte der propagierte Tod der Familie sein. Er ist kein deutsches Phänomen, sondern breitete sich im Zusammenhang mit „neuen Herrschaftsideologien“ in allen westlichen Gesellschaften aus. Die Versuchung: der überbordende, alles umfassende Staat erhält jeden Einzelnen ohne wenn und aber; die Familie als Ort gegenseitiger Verpflichtung und Hilfestellung ist unnötig. Die Folge: Mangelnde soziale Einbindung, Vereinzelung und Verelendung vieler Menschen. Alte Menschen „verwesen“ immer häufiger in ihren Wohnungen, weil niemand es bemerkt und erst der „Geruch“ die Behörden alarmiert.Tendenz: Steigend!
Unsere Familie ist über verschiedene Länder Europas verstreut, die Entfernungen sind groß, die meisten sind beruflich und familiär sehr eingebunden, ein regelmäßiges, „ritualisiertes“ Treffen aller Familienmitglieder findet in der Regel nicht statt. Die jüngeren Familienmitglieder haben kaum noch Kontakt zu allen Kindern von Geschwistern bzw. deren Kindern.
Anlässlich einer Vernissage meines Schwagers, zu der auch der gesamte italienische Teil der Familie anreiste (Großeltern, Kinder und Enkel), wurde mir klar, was für einen Verlust das bedeutet, sowohl für uns, aber vor allen Dingen auch für die Kindergeneration.
Ein Gespräch mit meinen Schwestern führte dazu, dass wir nun 1 x jährlich ein informelles Geschwistertreffen „in der Entfernungsmitte“ etablieren wollen. Wir treffen uns jeweils an einem geschichtsträchtigen Ort, planen eine Übernachtung ein und entwerfen ein kleines Rahmenprogramm (archäologische, kulturelle, künstlerische oder sonstige Besichtigungen, spezielle Weinproben oder auch Messebesuche etc.). Kinder, Kindeskinder und Partner sind herzlich eingeladen mitzukommen (zahlen müssen alle selbst). Die Preise werden niedrig gehalten, damit es für niemand eine Belastung wird, ggf. wird finanziell unterstützt. Das also startet erstmalig dieses Jahr. Beide Schwestern waren sehr angetan und werden unsere beiden Brüder „akquirieren“.
Auch werden sie einige ihrer erwachsenen Kinder motivieren. Möglicherweise sind die an gegenseitigen Kontakten auch interessiert.
Da wir alle nicht mehr „taufrisch“ sind, war uns allen klar, dass mit unserem Tode auch der größte Teil der „Familie“ verschwindet. In diesem Zusammenhang kam uns die Idee, im nächsten Jahr ein „Familien-Europatreffen“ abzuhalten. Das Ganze so langfristig zu planen, dass ALLE verstreuten Mitglieder sich an einem Ort treffen können. Das wird einiges an Organisation bedeuten, ich hoffe aber, dass in Anbetracht der auf uns zukommenden sehr schwierigen Zeiten, die meisten begreifen, wie wichtig es ist, auch auf familiäre Kontakte zurückgreifen zu können.
Ich gehöre nun zu den Menschen, die in jungen Jahren einen enormen Freiheitsdrang hatten und die „raus“ mussten, die Welt erobern mussten, Schiffbruch erleiden und neu starten. Wie froh ich sein kann, dass ich in Zeiten jung war, wo das alles für viele möglich war. Für die jüngere Generation werden die Chancen für einige größer und für viele erheblich eingeschränkter sein. Unterstützende Familienbande werden damit umso wichtiger werden.
Meine jüngere Schwester sagte dazu: In der Familie lernt man, auch Menschen und Meinungen zu akzeptieren, mit denen man nicht übereinstimmt.
Die Familie also als potentieller Trainingsort für Toleranz? Prinzipiell ja, aber wie immer liegt der Teufel natürlich im Detail. Aus allem kann der Mensch Himmel und Hölle konstruieren. So viel zur Kreativität. Je größer die Familie ist und je unterschiedlicher ihre Mitglieder sind, mit umso mehr unterschiedliche Ansichten und Einsichten muss man sich auseinandersetzen. Für Kinder und Jugendliche ist das extrem wertvoll, denn sie lernen, dass nicht nur das eigene Denken und die eigenen Vorstellungen wichtig sind. In der Regel sind aber in Familien (durch die sehr ähnliche Sozialisation und Enkulturation) viele grundlegende Überzeugungen ähnlich. Auch Partner werden gemäß der familiären „Paradigmen“ ausgewählt. Dies kann als Bindeglied bei allen evtl. auftretenden Konflikten genutzt werden.
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