OT: Der 'Shitstorm' in den 'sozialen' Medien - ein relativ neues Phänomen an der Grenze zwischen Meinungsäußerung und Mobbing

Literaturhinweis @, Mittwoch, 05.10.2016, 23:07 vor 3437 Tagen 3397 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 07.10.2016, 23:23

Wie neu das Thema 'Shitstorm' ist, kann man daran ermessen, daß es im alten EWF-Forum noch keine Rolle spielte. Im heutigen Gelben Forum begann das Thema 'Shitstorm' zuerst in den legendären Nachrichtenüberblicken der unermüdlichen Foristin @Barbara auf sich aufmerksam zu machen. Das war im Jahre 2010, dem Jahr, als so langsam 'jede(r)' ein Facebook-Profil und/oder ein Twitter-Konto hatte (oder am besten gleich mehrere).

Daß die Aufmerksamkeit für 'Shitstorms' ein typisch deutsches Phänomen ist, so, wie 'Handy' für Mobiltelefon, sieht man daran, daß der deutsche Wikipedia-Eintrag für das 'englische' Wort Shitstorm deutlich 'gehaltvoller' als der englischsprachige ist. Die Deutschen hassen eben gründlicher, weshalb das Wort 'Shitstorm' auch zum 'Anglizismus des Jahres' (2011) wurde.

Die dort genannten Beispiele zeigen, daß es sich oft um organisierte Kampagnen handelt und der eigentliche Shitstorm ohne einen sozialen Brandstifter oft nur ein kleines Flämmchen bleibt, dem bald Brenn- oder Sauerstoff ausgehen.

Auch bei der englischen Suchanfrage 'famous shitstorms' kommen erstmal haufenweise deutsche Nennungen, z.B.:

- Computerbild: "Die zehn bekanntesten Shitstorms"

- business-on.de: "Die bislang größten Facebook-Shitstorms 2014"

oder

- auf Slideshare: "Die schönsten Shitstorms" (immerhin 40 Folien)

Dann erst finden wir z.B.

- Adweek: "The 13 Biggest Brand Fails of 2014"

Auch in der Buchliteratur scheinen 'Shitstorms' nicht vor 2010 zu datieren:

- Lenore Taylor, David Uren: "Shitstorm: Inside Labor's Darkest Days", vgl. p. 283, da geht es aber um die globale Finanzkrise, die da 'shitstorm' genannt wird. So, auf echtere Ungewitter bezogen, wurde der Begriff verwendet, bevor die 'sozialen' Medien die Welt ihrerseits mit ihrer Brühe fluteten.

- Christian Faller und Kristof Schmit geben in ihrem Buch "Social Media Shitstorms" eine Chronologie der Fälle, die z.T. noch vor der Zeit liegen, als der Fäkalienbegriff in aller Munde gelangte.

Der erste moderne 'Shitstorm', der losbrach, als der Begriff noch nicht so verwendet wurde, war wahrscheinlich das, was des Verbrauchernwalts und mehrfachen späteren US-Präsidentschaftskandidaten Ralph Naders Buch "Unsafe at Any Speed" auslöste, der u.a. aufgedeckt hatte, daß der "sportliche Corvair" Todesfälle wegen unzureichender Bremsen/Stabilisierung verursachte, der Hersteller dagegen aber nichts unternahm, weil ein Manager "ausgerechnet" hatte, daß es den Konzern billiger komme, wenn man Entschädigungen zahle, statt das Automodell zu verbessern. Vgl. New York Times: "50 Years Ago, ‘Unsafe at Any Speed’ Shook the Auto World".

Seit der Zeit begannen Unternehmen sich auf ein pro-aktives Reputationsmanagement zu besinnen, das mit dem Umsichgreifen der 'social media' bereits eine eigene PR-Industrie geworden ist.

Hier einige Literaturlisten zu 'Shitstorms' und deren Vermeidung, sowie zu Fragen der Image-Reparatur etc.


Shitstorm als modernes Phänomen, Entstehung, Vermeidung, Umgang mit den Gefahren und Chancen

Allgemeines zum Phänomen Shitstorm    |    Psychologische Aspekte des Shitstorm    |    Politologie/Soziologie: Shitstorm als Mittel der Politik

Shitstorm und Mobbing

Sonstiges und Geschichtliches zum Thema Shitstorm

Literarische Befassung mit dem Thema Shitstorm


Öffentlichkeitsarbeit, Reputationsmanagement, Nutzung von und Verhalten in Social Media im Zeitalter der Shitstorms

Öffentlichkeitsarbeit/PR - Beschwerdemanagement    |    Öffentlichkeitsarbeit/PR - Reputationsmanagement    |    Öffentlichkeitsarbeit/PR - Unternehmerisches Krisenmanagement

Öffentlichkeitsarbeit/PR - allgemein    |    Öffentlichkeitsarbeit/PR - Internet-Kommunikation    |    Öffentlichkeitsarbeit/PR - Social Media und Kundenbindung    |    Öffentlichkeitsarbeit/PR - Marketing in Social Media    |    Öffentlichkeitsarbeit/PR - Social Media allgemein

--
Literatur-/Produkthinweise. Alle Angaben ohne Gewähr! - Leserzuschriften

Shitstorm/Mobbing

Rybezahl, Donnerstag, 06.10.2016, 01:27 vor 3437 Tagen @ Literaturhinweis 2414 Views

Hallo!

Wer das Phänomen beobachten möchte, der möge auf Youtube nach "Drachenlord" und "Regenbogenschaf" suchen.

Achtung: Es handelt sich dabei nicht um "gehaltvolle" Inhalte.

Ich meine aber, dass sich aufgrund der Menge an Daten die soziale Dynamik hinter solchen Vorgängen sehr gut studieren lässt. Da sich das alles auf einer (a)sozialen Plattform abspielt, ist die Grenze zwischen (unpersönlichem) Shitstorm und (persönlichem) Mobbing kaum noch zu erkennen.

Wer sich ernsthaft dafür interessiert, der findet dort einiges an Material. (Der Fall hat meiner Meinung nach die Besonderheit, dass das Mobbing-Opfer die Konfrontation mit den Mobbern zur Verarbeitung früherer Erfahrungen sucht.)

Achtung: Für die meisten Leser wird das nicht interessant sein und hoffentlich keine Unterhaltungsshow.

Sorry + Gruß!

--
Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

Shitstorm hieß früher Zersetzung

Inventor ⌂ @, Bradenton, Donnerstag, 06.10.2016, 03:14 vor 3437 Tagen @ Rybezahl 2401 Views

Hallo!

Wer das Phänomen beobachten möchte, der möge auf Youtube nach
"Drachenlord" und "Regenbogenschaf" suchen.

.[/i]


Sorry + Gruß!

Bei Wikipedia gibt es das streng organisiert.
Ich wollte Artikel über meine Erfindungen korrigieren, weil ich der Einzige bin, der das kann. Am Ende wurde in dieser Wissensvernichtungsmaschine alles gelöscht und ich lebenslänglich gesperrt
Ausgedacht hat sich das zuerst der SSD und nannte es Zersetzung, durchgeführt haben es Polizei und BLKA. Jetzt habe ich alle Akten gepostet. https://hardballsite.wordpress.com/

Jeder müsste nur sein wahres Gesicht zeigen zu müssen, dann würde es schon gehen

--
Wolfhart Willimczik - Physicist
Florida
https://hardballsite.wordpress.com/
watermotors@hushmail.com
http://www.wolfhartindustries.com/
http://www.youtube.com/user/InventorWillimczik


Die Einen sehen Probleme - die Anderen Lösungen

Shitstorm/Zersetzung

Rybezahl, Donnerstag, 06.10.2016, 04:36 vor 3437 Tagen @ Inventor 2237 Views

Hallo,

die Begriffe "Shitstorm" und "Zersetzung" sind meiner Meinung nach in dem Sinne identisch, dass immer (auch, nicht nur) ein unpersönlicher Angriff stattfindet.
Weder den Twitter-Benutzer, noch den Geheimdienstmitarbeiter kümmert das persönliche Schicksal des Zieles. Mobbing ist unmittelbar, Zersetzung/Shitstorm ist mittelbar.
Nebenbei: In dem Fall weiter oben kommt ja noch Stalking hinzu.

Gruß!

--
Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

Grundsätzliche Fragen: Sind DDoS-Attacken so etwas wie Sitzstreiks und sind Shitstorms gleichzusetzen mit Meinungen skandieren?

Lechbrucknersepp, Donnerstag, 06.10.2016, 10:42 vor 3437 Tagen @ Literaturhinweis 1773 Views

Danke für die Literatursammlung.

Das Internet mit seinen Möglichkeiten ist noch sehr jung und ein paar grundsätzliche Fragen stellen sich hier zur Bewertung gewisser Phänomene neu.

Beispielsweise:
Sind DDoS-Attacken so etwas wie Sitzstreiks und sind Shitstorms gleichzusetzen mit vielen Usern, die gleichzeitig Meinungsäußerungen skandieren?

Bei ersteren tendiere ich zu "Nein", bei zweiterem eher zu "Ja".

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.