Elon Musk – ein Stratege ohne Plan?
Gestern hat er in Mexiko einen Vortrag gehalten und dabei dazu aufgerufen, die Menscheit „interstellar“ zu positionieren. Er regt an, die „Option B“ zu wählen, bei der es darum geht, neue Lebensräume außerhalb der irdischen Hemissphäre zu suchen. Seine Präsentation beinhaltet eine ganze Reihe von Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit und mündet darin, dass in ein paar Dekaden ein Leben auf dem Mars möglich sei. Der Transport dahin sei für entsprechend gut aufgestellte gesellschaftliche Schichten finanzierbar. Es gibt ein ellenlanges Video dazu:
https://www.youtube.com/watch?v=A1YxNYiyALg
Bitte zur Minute 22 scrollen, da beginnt seine Präsentation. Ein verkürztes Video, wie er das technisch umsetzen will, findet sich hier (sind rund 4 Minuten, ihr schafft das schon
):
https://www.youtube.com/watch?v=0qo78R_yYFA
Kurzer Einschub: Sein Mobilitätskonzept der Zukunft (Tesla) basiert auf der Annahme, dass sich ein Fahrzeug der Oberklasse (Kaufpreis um die 100.000 €) darüber finanzieren kann, dass es in einer Flotte autonom unterwegs ist und dem Eigentümer über das CarSharing Profite generiert (den Link dazu reiche ich gerne nach).
Klammer: Einerseits promotet er ein Modell, eine Million Menschen auf den Mars zu verfrachten. Andererseits setzt er voraus, dass Eigentümer einer hochpreisigen Limousine ein Geschäftsmodell realisieren, welches die emotionale und charakterliche Kompetenz der profitbringenden Nutzer in keinster Weise berücksichtigen. Um es einmal ganz krass auf den Punkt zu bringen: Tesla verkauft dir ein Auto für 100.000 € und besoffene Hansels kotzen es voll. Und SpaceX ermöglicht dir den Flug zum Mars mit korantreuen Fluggästen.
Ist klar, klingt bescheuert.
Elon Musk ist womöglich ein Autist. Genial und auf der Spur und daneben perfekt unterwegs. Er hat Visionen, für die er nicht zum Arzt muss (meiner Meinung nach). Aber die gesellschaftliche Komponente lässt er meiner Meinung nach komplett außer Acht. Wie will man eine Millionen Menschen für das Mars-Projekt „aussieben“? Wie will man eine friedfertige Reise zum Mars über mehrere Monate mit hunderten Menschen (die sich untereinander gut verstehen) an Bord kollerfrei überstehen?
Und das in einer Epoche (unserer), die sich darüber definiert, dem einzigartigen Individuum den höchsten Stellenwert zuzuschreiben. Mit hunderten von Geschlechtern und Visionen, die durchaus der ärztlichen Behandlung bedürfen.
Feuer frei, meint der
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.zip