Eine kleine Richtigstellung und ein Nachtrag zu Dilbert-Autor Scott Adams sowie zu Fragen der Rhetorik [edit]

Literaturhinweis, Montag, 26.09.2016, 12:03 (vor 3443 Tagen) @ Prikopa4834 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 26.09.2016, 12:28

Im Vorbeitrag gibt es den Passus

Rhetoriker im klassischen Sinne ist Trump nicht, da würde ich Literaturhinweis heftig widersprechen.

Das habe ich ja gerade so nicht geschrieben. Ich halte ihn für einen 'populistischen' Polterer wie Franz 'Josef' Strauß. Dachte ich zumindest zum Ausdruck gebracht zu haben. Werde aber die Komplexität meines Satzbaues nochmal überdenken.

Zu Scott Adams selbst: er hat gerade seine Meinung zu Trump geändert, und gedenkt nun, statt vorher in Hillary Clinton, in Donald Trump das 'kleinere Übel' zu sehen. Das in etwa hatte ich ja auch anzudeuten versucht.

Seine Hauptgründe faßt er am Ende wie folgt zusammen:

"Ich verstehe die Implikationen weder von Trumps noch von Clintons politischen Absichten. ... Aber ich verstehe etwas von Überzeugungskraft. Auch verstehe ich, was es heißt, wenn die Regierung mir mein Vermögen wegnehmen will. Auch kann ich zwischen einer schwerkranken Person und einer gesunden unterscheiden, auch wenn ich kein Mediziner bin."

Zur Enteignung: damit meint er Clintons Wahlkampfprogrammpunkt, die Grundsteuern anzuheben.

Mit "Überzeugungskraft" meint er, daß Trump eben ein gewiefter Verhandler ist, der zudem "das definitive Buch dazu" (Scott Adams) geschrieben hat.

Über Clintons Gesundheits- oder vielmehr Krankheitszustand war ja hier schon genug diskutiert worden. Und es kommen immer weitere Details hinzu.

Um es kurz zu machen hinsichtlich der Rhetorik: beginnend mit Demosthenes (soweit wir eben Überlieferungen haben), der seinen Sprachfehler (und seine Scheu oder sein Lampenfieber) dadurch überwand, daß er Kieselsteine kaute, wie Chuck Norris Bienen, gibt es in der Geschichte nur sehr wenige überlieferte brillante Rhetoren oder Oratoren. Cicero gehört(e) zum Schulpensum. Unter den US-amerikanischen Präsidenten wird es Abraham Lincoln nachgesagt. Seltsamerweise haben seine unmittebaren Zeitgenossen davon weniger bemerkt. Seine "Gettyburg address" wurde in der damaligen Presse überwiegend entweder kaum beachtet oder sogar herabgewürdigt. Sein Ruf wurde erst über mehrere Generationen US-amerikanischer Geschichtsbücher "aufgepeppt", bis heute jeder, gnädig-spät genug geboren, daran zu glauben scheint (so, wie umgekehrt kaum einer weiß, daß Lincoln nicht etwa die Sklaven befreien wollte und die USA von Sklavenhaltern gegründet wurde).

Unter den Figuren des letzten Jahrhunderts in den USA sticht m.E. vor allem Martin Luther King hervor, wie es auch im 19. Jahrhundert in Deutschland ein paar aufsehenerregende Prediger gab. Bei Ronald Reagan sind zwar einige rhetorische Erfolge zu verzeichnen, aber ich wurde den Verdacht nie los, daß da seine zweite Frau Nancy, die überhaupt die Idee mit der Präsidentschaftskandidadtur gehabt zu haben schien, steckte. Martin Luther King -und überhaupt alle fesselnden Redner- zeichnen sich m.E. dadurch aus, daß sie keine Redenschreiber benutzen, sondern selbst -und dazu noch frei- reden können. Nur dann gelingt es, das Charisma (das Reagan unzweifelhaft auch hatte, wenn er den Mund hielt) in einen echten Rapport mit dem Publikum zu transformieren.

Ein guter Redner hält auch eher mal den Mund, statt einem Zeitplan zu folgen, jeden Tag was Neues oder dasselbe sagen zu sollen. Gerade in Zeiten des Internet, wo alle Reden sofort online verfügbar sind, merkt man, was sich alles ähnelt. Und daß der Politiker oft sogar die Wallfahrer aus dem falschen Bundestaat begrüßt, da er vergessen hat, wo er grade auftritt.

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