Das Ende der Megamaschine

Weiner @, Sonntag, 25.09.2016, 20:13 vor 3446 Tagen 5084 Views

Guten Abend!

Keinesfalls will ich dem äußerst schätzenswerten @Literaturhinweis hier Konkurrenz machen, jedoch wurde ich neulich auf ein Buch aufmerksam gemacht, das ich auf dem Gelben noch nicht erwähnt fand - das aber m.E. sehr empfehlenswert ist:

Das Ende der Megamaschine von Fabian Scheidler (*1968), erschienen im letzten Jahr beim Promedia Verlag in Wien.

Es handelt sich um eine historische angelegte Recherche und Analyse des aktuellen Weltsystems, dessen Entstehung und Entwicklung über 5000 Jahre hinweg verfolgt wird. Die gewaltbasierte innere Struktur der Gesellschaften, Staaten und Institutionen wird offengelegt: die militärische Gewalt, die Durchsetzung von Eigentum und Schuld, der Komplex aus Bergbau-Waffenindustrie-Militär-Geld, die Nutzung von Schrift plus Bildung plus Religion plus Kultur plus Ideologie zur Steuerung von Menschenmassen. Dieser Apparat erfährt seit 500 Jahren mit dem abendländischen, universal und totalitär expansiv angelegten Kapitalismus eine neue Steigerung, die gleichzeitig Grenzen sichtbar werden lässt, zunächst auch ganz banal in der Kapazität des Planeten.

Die Aussichten und denkbaren weiteren Entwicklungswege der Megamaschine werden positiv skizziert: Fabian Scheidler sucht nach Indizien für Lösungen, er ist kein Untergangsprophet.

http://www.megamaschine.org/autor/

Auf seiner Webseite funktioniert der Link zum Inhaltsverzeichnis nicht, deswegen gebe ich ersatzweise einen LINK von der DNB in Frankfurt. Die Durchsicht dieses Inhaltsverzeichnisses gibt mehr Einblick ins Buch als ich es mit einer ausführlichen Besprechung leisten könnte.

http://d-nb.info/1063117526/04

Natürlich liesse sich Vieles ergänzen, zurechtrücken oder auch kritisieren. Beispielsweise ist Scheidler offenbar nicht aufgefallen, dass die großen Staats-und Kultursysteme nicht durch innere hierarchische Differenzierung sondern durch externe Überlagerungen (Eroberung und Unterdrückung plus Ausbeutung) zustande gekommen sind. Auch gibt Scheidler zu wenig Acht auf die seelische-kulturelle Deformierung (und die biologischen Veränderungen?), die der Mensch in den letzten 10.000 Jahren erfahren hat bzw. hinnehmen musste. Hier findet der Leser Einiges mehr im "Buch für Keinen" von Stefan Gruber, wo etwa auch Oswald Spengler mit einbezogen wird, um welchen Fabian Scheidler, möglicherweise bewußt, einen Bogen macht ...

Scheidler hätte ferner noch ein wenig mehr auf die aggressive Natur des Menschen eingehen können (zu der es ja auch interessante Parallelen im Tierreich gibt, etwa in organisierten Kriegen bei den Schimpansen): warum beispielsweise ist es nicht gelungen bzw. warum wurde nicht wirklich versucht, diese Aggressivität kulturell besser zu bändigen (Sport)? Ist der Mensch blind gegenüber seiner eigenen Aggressivität? Kann er über sie nicht reflektieren?

Wer sich hier gedanklich vertiefen möchte, dem sei zum Schluß der voluminöse (und daher teuere) Band von Harald Meller und Michael Schefzig (Hrsg.) empfohlen: Krieg - eine archäologische Spurensuche. Es handelt sich um den Begleitband zu einer Ausstellung in Halle (2015/2016), der im Theiss-Verlag erschienen ist. Hier werden in einzelnen Fachartikeln und zahllosen Bildern anschaulich jene Entwicklungsschritte nachgezeichnet und belegt, die aus den Streithähnen des Mesolithikums vor (10.000 Jahren) nun die Tötungs- und Eroberungsmaschinerien der neueren Geschichte haben entstehen lassen. Dieser Aspekt der Geschichte des Menschen ist eine einzige Tragödie, eigentlich eine Fehlentwicklung, die sehr nachdenklich macht - und echte Selbstzweifel am Humanen aufkommen lässt.

Beste Grüße,
Weiner

Die Menschheit, wie wir sie kennen, ist dem Untergang geweiht, wer möchte schon nicht geweiht werden?

Literaturhinweis @, Sonntag, 25.09.2016, 21:05 vor 3446 Tagen @ Weiner 4053 Views

Keinesfalls will ich dem äußerst schätzenswerten @Literaturhinweis hier Konkurrenz machen

Nit möööchlich!, denn ich bin ja konkurrenzlos. Aber im Ernst: ich hatte mir erhofft und gewünscht, daß sich an meinen Threads zu Literaturhinweisen statt oft banaler bis gehässiger "Diskussionen" eben weitere Empfehlungen von Literatur zum selben jeweiligen Thema oder seinen Grenzgebieten einfinden würden. Bis dato leider vergebens, bis auf geringe Ausnahmen und ein paar Zuschriften.

Zu den genannten Werken möchte ich gerne noch die entsprechenden (Amazon-) Links beisteuern:

Das Ende der Megamaschine von Fabian Scheidler

Das Ende der Megamaschine: Geschichte einer scheiternden Zivilisation

"Buch für Keinen" von Stefan Gruber

Ein Buch für Keinen: Wie wirtschaftliche, ideologische, soziale, biologische und physikalische Systeme entstehen und warum sie zum Untergang verdammt sind

Harald Meller und Michael Schefzig (Hrsg.) empfohlen: Krieg - eine archäologische Spurensuche

Krieg: Eine Archäologische Spurensuche (Begleithefte zu Sonderausstellungen im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle)

wo etwa auch Oswald Spengler mit einbezogen wird, um welchen Fabian Scheidler, möglicherweise bewußt, einen Bogen macht

Nebenbei: ich habe eine größere Spengler-Literatursammlung in Arbeit, da sich das Thema in einem Debitisten-Forum, das sich gegen den Ungeist der Zeit stemmt, der allgemeinen Beliebtheit eines Dauerbrenners erfreut:

- Spengler im alten Elliott-Wellen-Forum (57 Suchergebnisse)

- Spengler im heutigen Gelben Forum (363 Suchergebnisse, jetzt dann 364)

In summa: fast so häufig genannt, wie in einem Forum des DVGW.

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