OT: Ausweispflicht für Katzen???

Positiv @, Montag, 19.09.2016, 19:05 vor 3450 Tagen 3626 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 19.09.2016, 19:14

Hallo zusammen,

mir ist etwas sehr Unschönes widerfahren: Ich habe vor ein paar Jahren einen kleinen Kater bekommen. Er war ziemlich schwach und hatte vom Jagen keine Ahnung. Offensichtlich früh von der Mutter getrennt. Da ich hier im und um das große Haus Mäuse und Ratten hatte, gab ich ihm eine Chance. Also habe ich ihn erstmal ordentlich gefüttert, war mit ihm zusammen viel draußen, habe ihn zum Klettern motiviert usw.

Mit dem Jagen hat es aber nicht so richtig geklappt, außer Insekten interessierte ihn nichts. Also habe ich ihm ein lebende Maus gefangen und beide zusammen eingesperrt. Er war nur mäßig interessiert. Ich habe die Maus vor seine Augen getötet und die Gallenblase entfernt - die Maus hat er dann gefressen und ich werde nie seine Augen dabei vergessen. Ein erster kleiner Erfolg. Aber selbst fangen und töten klappte trotzdem nicht. Zumindest interessierten ihn jetzt Mäuselöcher.

Ein alter Mann riet mir, ihn mal eine Weile nur mit warmem Blut zu füttern, damit er sich an seine Raubtiergene erinnert. DAS hat funktioniert und er begann, selbstständig zu jagen. Anschließend trainierte ich ihn auf Ratten - mit Erfolg. Er war mittlerweile groß und kräftig geworden, Katzenfutter interessierte ihn nicht mehr, Nahrung musste warm und blutig sein. Später lernte er, selbstständig Eichhörnchen zu fangen und zu fressen (sic), aber er mochte nur die schwarzen, nicht die braunen...

Er war ein fleißiger sich selbst versorgender Freigänger. Er fraß eigentlich nur noch das Gehirn von Beutetieren, den Rest legte er täglich auf die Treppe vor dem Haus. Mir war das recht, tote Mäuse und Ratten sind besser als lebendige. Selbstverständlich hat so ein Kater auch ein sehr großes Revier und kam regelmäßig tagelang nicht zu mir. Wenn die Katzen rollig waren, kam er auch mal wochenlang nicht und erschien danach wieder - wohlgenährt und bester Laune. Immer mit glänzendem Fell und in sehr gutem Zustand.

Bis er dann mal nicht wiederkam. Nach 4 Wochen machte ich mir Sorgen, machte große Spaziergänge, suchte ihn im Wald, fragte alle Bekannten im Ort... vergeblich. Ich konnte mir nur vorstellen, dass er überfahren wurde, etwas anderes kam mir nicht in den Sinn.

Wie ich später zu meiner grenzenlosen Wut herausfand, passierte ihm folgendes: Irgendein debiler "Tierschützer" rief das Tierheim an, welches auch sofort anrückte und ihn einfing. Man war verwundert, dass er kein Halsband trug. Halsband? Freigänger? Geht´s noch?

Als nächstes prüfte man, ob er den "gechippt" sei. Ich hatte mal davon gehört, dass Omas ihre Pfiffis chippen lassen, falls sie sie vor dem Supermarkt vergessen. Man erklärte mir, dass dies für alle Haustiere Pflicht sei. Noch nie davon gehört. Als er mal nach einem Kampf mit einem Marder arg zerledert war, brachte ich ihn zu einem Tierarzt - der erwähnte so einen Quatsch mit keinem Wort. Jedenfalls erklärte man ihn im Tierheim zum herrenlosen Tier und schnitt ihm die Eier ab. Ein paar Tage später hat ihn eine junge Familie adoptiert - und sperrt ihn jetzt als Wohnungskatze ein. ZUM [[kotz]].

Ich widerstand erfolgreich allen Impulsen, sehr emotional und physisch zu reagieren. Fakt ist, meinen geliebten Jagdkater gibt es nicht mehr, nur einen lethargischen Eunuch, das Tierheim suhlt sich in Selbstgerechtigkeit ("konnten den Besitzer nicht ermitteln..." "haben uns auch gewundert, weil er so gut aussah..." Hättet ihr ihn einfach nicht eingefangen, ihr Vollidioten!), aber wer das verursachende A****loch war, werde ich schon noch rausfinden.

Habe ich rechtlich irgendeine Chance, den beteiligten "Menschen" das Leben legal zur Hölle zu machen? Ist die ganze Geschichte überhaupt rechtlich sauber? Gibt es in diesem Scheißland mittlerweile eine Ausweispflicht für Katzen, falls irgendein verfluchter Hilfssheriff eine Identitätsfeststellung anordnet? Auf welcher Grundlage agiert das Tierheim? Ich kann es völlig nachvollziehen, dass man verwahrloste Hunde einsammelt, aber was geht in einem Menschen vor, der eine offensichtlich gut genährte und kerngesunde Katze einfängt und dann zufrieden ist, sie "weitervermitteln" zu können???

Unabhängig von meiner emotionalen Involvierung fehlt mir jedes Verständnis für solche (*selbst-zensiert*) Typen. Wie leer und kaputt muss ein Leben sein, um auf so einen Trip zu kommen?

Ja, ich weiß, ich kann nichts rückgängig machen. Sehr bedauerlich. Hat jemand Infos, ob das Vorgehen der Beteiligten legal angreifbar ist? Oder ist das die neue Definition von "normal"? Wo bin ich hier bloß gelandet?

Danke fürs Zuhören,

Positiv.

Du hast ziemlich viel falsch gemacht mit deinem Kater...

ottoasta @, Montag, 19.09.2016, 21:20 vor 3450 Tagen @ Positiv 2980 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 20.09.2016, 12:35

.......denn:
1. gehört jeder Kater (und um so mehr jede Kätzin) kastriert um dem Katzenelend endlich mal Herr zu werden!

2. Das Chippen sollte Pflicht für alle Tiere (Hund, Katze) werden, vor allem wenn sie Freiläufer sind!
Dann wäre dir nämlich das mit dem Tierheim nicht passiert, über TASSO hätte leicht der Besitzer erkannt werden können!
Chippen ist also für das Tier lebensnotwenig! Tiere können bekanntlich nicht sprechen!

3. Je nachdem, wie lange das mit dem Tierheim schon zurückliegt und wie du den Besitz des Tieres nachweisen kannst (Tätowierung im Ohr, Chip!), eventuell mit Zeugen, würde ich dem Tierheim massiv mit einem Anwaltsbrief einheizen!
Tierheime sind bekanntlich finanziell klamm und werden es kaum auf einen Rechtsstreit ankommen lassen!
Eventuell kann dein Tierarzt dazu was aussagen!

4. Woher weißt du, dass sich der Kater dort beim neuen Besitzer nicht wohlfühlt?
Ich stimme dir zu, auch ich bin explizit gegen Wohnungskatzen! Zumindest muss ein großer Balkon (katzenfest eingezäunt) oder ein Garten vorhanden sein!

5. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass angeblich kastrierte Katzen (Kater) nicht mehr jagen! Das Gegenteil ist richtig, ich sehe es an meinen beiden jetzigen Katern: Da sie nichts mehr 'drückt', haben sie die Geduld, vorm Mausloch zu sitzen und zu warten!
Ebenso war meine Miezi, 15 ist sie geworden, auch meine Minki, begnadete Mäusejägerinnen! Was haben die mir gebracht, mit Mordsgeschrei!

6. Meine Erfahrung mit über 30 Jahren Katzen, Vorstandstätigkeit im Tierschutzverein, Mitbegründer einer Katzenhilfe; mit Hilfe von weiteren Personen habe ich Bauernhöfe 'ausgeräumt'; teilweise hatte ich bis zu 25 Katzen bei mir, bis die tierärztlich behandelt und vermittelt waren!

7. Ich rate grundsätzlich ab, rohes Fleisch zu füttern! Warum kannst du dir selber denken, Stichwort Wurmbefall, Viren, Bakterien usw.

Merke: Jedes Katzenfutter aus dem Supermarkt ist in der Regel Dreck!
Vor allem das Futter, welches im TV so massiv beworben wird!
Hast du schon mal geschaut, was drauf steht, sehr kleingedruckt:
4 % Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse! D.h. Abfall der Schlachtereien! Und oft noch Zucker, da gehen die Zähne schön kaputt! Aber die Katzen werden süchtig und fressen nichts anderes mehr! Gut fürs Geschäft!
Dazu Soja, auch mit Namen versteckt. Für Katzen kaum zu verdauen! Da gehen schön die Nieren kaputt! Nur Reis ist OK!
Ich kaufe mein Katzenfutter im 'Fressnapf' und da nur bestimmte Marken!

8. Jede freilaufende mäusejagende Katze muss regelmäßig entwurmt werden!
Dem Tier zuliebe und auch als Schutz für den Menschen!
Bandwürmer, Spulwürmer usw. können für den Menschen lebensgefährlich werden!
Das Präparat 'Praziquantel' (z.B. in Droncit) gegen alle Bandwurmarten und z.B. Banminth (R) gegen Spulwürmer usw. ist bestens geeignet.
Tierarzt fragen, der kann es auch sc spritzen, ist einfacher!

Also, unternimm was, werde massiv! Aber nur wenn es dem Kater jetzt nicht gut geht!

Otto

--
Solange es Schlachthäuser gibt, wird es Schlachtfelder geben.
Tolstoi

Ob die Katzen das wohl auch so sehen?

Eugippius @, Donnerstag, 22.09.2016, 18:16 vor 3447 Tagen @ ottoasta 1675 Views

1. gehört jeder Kater (und um so mehr jede Kätzin) kastriert um dem
Katzenelend endlich mal Herr zu werden!

Sieh es doch mal von der anderen Seite, ersetze gedanklich "Katzenelend" durch "Menschenelend" ...

Übrigens: Wo sollten dann noch die Katzen her kommen, wenn man diese Regel lückenlos befolgte? Also gibt es doch verschiedene Klassen, aber wer entscheidet über die Zugehörigkeit? Immer gibt es jemanden, der sich dazu berufen fühlt. Ist beim Menschenelend wohl genauso.

Das Katzenwohl

Kurz_vor_Schluss @, Donnerstag, 22.09.2016, 21:00 vor 3447 Tagen @ Positiv 1728 Views

Servus Positiv,
hier noch ein paar Infos von dritter Seite (von einem Bekannten von mir, der Tierarzt ist):
1. Eine Chip-Pflicht besteht nicht.
2. Bei einer Katze ohne Chip oder Halsband muss bewiesen werden können, dass diese von Dir ist (Fotos der Katze von früher sollten als Nachweis genügen).
3. Die Tierheime dürfen zwar nicht direkt kastrieren, tun dies aber oft, um der Katzenvermehrung vorzubeugen, was aus tierärztlicher Sicht auch verständlich ist.
4. Es gibt Fristen, welche das Tierheim abwarten sollte, ob sich ein Besitzer meldet. Tut er das nicht, darf das Tierheim so handeln, wie es in Deinem Fall gehandelt hat.
5. Falls Du beweisen kannst, dass die Katze von Dir ist, solltest Du sie zurückerhalten können.
Soweit die tierärztliche Expertise. Mein Senf noch:
Ich würde mich ottoasta anschließen - wenn es Deinem Tier bei den Neuen gut geht - lass es. Es ist nicht schön, ein Tier zu verlieren, aber Tiere sind auch nicht nur Opfer. Es mag also (aus meiner Sicht) auch sein, dass Du das hier unter "Lernerfahrung" verbuchen solltest. (Das nächste Tier chippen oder Halsband).
Dass Du sauer bist, verstehe ich (bin selber Katzenfreund) - aber schau bitte oder schlaf nochmal drüber und frage Dich, worum es Dir geht - dass Du "Recht" bekommst oder dass es Deinem Kater gut geht?
Soweit zu den Felidae.
Beste Grüße
K_v_S

--
Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

Korrektur

Kurz_vor_Schluss @, Freitag, 23.09.2016, 08:44 vor 3446 Tagen @ Positiv 1671 Views

Moin nochmal Positiv,
sorry, eine Fehlinformation war dabei - zu Punkt Eins:
Die Chippflicht wird föderal gehandhabt - d.h. nicht nur nach Bundesländern, sogar nach Städten und Landkreisen bestehen da Unterschiede.
In Paderborn zum Beispiel besteht die Pflicht zur Verchippung, in Münster nicht.
Du müsstest Dich also bei Deinem Veterinäramt erkundigen, wie es bei Euch aussieht.
Falls ja - schlechte Karten für Dich.
Falls nein - so sähe es besser aus (bliebe dann aber noch die Frist, die das Tierheim warten soll, in der der Besitzer sich melden sollte).
So oder so - ich würde vom Klagen Abstand nehmen und versuchen zu schauen, was die Lehre von det Janze is.
Schönen Gruß
K_v_S

--
Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

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