OT: Ratgeber Einbruchschutz 02: Tresore/Safes/Geldschränke - Arten/Aufstellungsmöglichkeiten, Sicherheitsklassen, Feuerschutz
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 21.09.2016, 17:33
Nicht nur nimmt die Zahl der Wohnungs- und Geschäftseinbrüche dramatische Dimensionen an, zusätzlich führen Null- und Negativzinsen auch noch zu vermehrter Bargeldhortung. Die Tresore sind z.T. in Deutschland schon ausverkauft gewesen.
Wie bei allem, was man das erste mal macht (Heiraten, Haus oder Auto kaufen), so wird auch der Tresorkauf nicht dadurch leichter, daß es verschiedenste Schutzklassen für Aufbruchschutz und Feuerwiderstand u.v.a.m. gibt (s.u.). Hinzu kommen Entscheidungen wie "Doppelbartschloss, Zeitschloß oder Fingerabdruckscanner" bzw. "Wand-, Boden- oder Möbeleinsatztresor" und "hält die Zimmerdecke das überhaupt aus?" usw.
Dieser Beitrag kann natürlich nicht auf alle Fragen eine Antwort geben, dazu sind die Bedürfnisse, die individuellen Vermögensverhältnisse und die Gegebenheiten vor Ort viel zu unterschiedlich.
Aber wenn der Beitrag zumindest das Problembewußtsein geweckt hat, mit welchen Fragen man sich tunlichst vor Kauf eines Tresors befaßt haben sollte, dann hat er seinen Zweck schon erfüllt.
Im weiteren Verlauf werden nach Typen, Sicherheitsklassen und Preis gestaffelte Listen von Amazon-Angeboten zu Tresoren, Waffenschränken, Dokumenten- und Feuerschutzschränken usw. aufgeführt. Wie schon beim Beitrag zu Überwachungskameras geraten, sollte man nicht einfach auf den "Kaufen-Button" drücken, sondern, wenn man sich "nicht sicher ist, daß man sich sicher ist", erst eine fachkundige Beratung in Anspruch nehmen, etwa bei Krininalberatungsstellen oder bei auf Tresorinstallation und -verkauf spezialisierten Schlossereien oder im Fachhandel.
Auch mit dem (Hausrat- oder Valoren-) -Versicherer und ggf. auch mit der Brandversicherung/Gebäudeversicherung sollte man ggf. reden, zumal der VdS - Verband der Sachversicherer hier eigene hochkarätige Spezialisten hat und zu Geldschränken eigene VdS-Richtlinien herausgibt, ebenso, wie der Maschinenbau-Verband VDMA (p. 44, vgl. auch "Erläuterungen und Informationen zu Begriffen der Sicherheitstechnik").
Hier im Anhang ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit eine Übersicht der wesentlichen Normen zu Sicherheits- und Feuerwiderstandsklassen usw.
Mein Rat: ein guter Küchenberater, seines Zeichens Schreinermeister, sagte mal 'die gute, passende Küche braucht ein Jahr Vorlauf an Beratung und Aussuchen'. Ein Tresor ist oft ebenfalls eine Anschaffung im vierstelligen Bereich, aber das allein sollte noch nicht das Kriterium sein: viel wichtiger ist, die Schutzklasse ins Auge zu fassen. Wenn ein Tresor im Kaufwert von 2.000 Euro ein 'Innenleben' von 20.000 Euro hat, das es gegen Verlust zu schützen gilt, dann sieht man sich nicht einer Investitionsentscheidung der 'Zweitausendeuroklasse', sondern eben der 'Fünfundundzanzigtausendeuroklasse' gegenüber!
Gerade auf dem dünn besiedelten Lande kann es sein, daß im Tresor mehr Werte lagern, als das Haus (und Grundstück) 'drumherum' heute wert sind.
Es gibt verschiedene Aufstell- und Einbauarten, die schon von den Bezeichnungen her halbwegs verständlich sein sollten:
- Möbeleinsatztresore werden in z.B. einem Schrank "versteckt" - allerdings hinten durch die Schrankwand in der Mauer des Hauses verschraubt, sonst trägt sie der Einbrecher weg und öffnet sie in aller Gemütsruhe bei sich zuhause. Die Qualität der Verschraubungen oder der Mauern läßt aber manchmal zu wünschen übrig. (Ein 'Möbel'tresor' ist übrigens nicht dasselbe, sondern einer, der wie ein Möbel aussehen soll. Wenn die Charade nicht grade aus ästhetischen innenarchitektonischen Gründen gewünscht wird: den normalen Einbruchsfachmann täuscht man damit nicht allzu lange.)
- Bodentresore stehen einfach auf dem Boden. Die schwereren Ungetüme können aber in vielen Nicht-Industriegebäuden oft nur im Keller untergebracht werden, da die Deckentraglasten im Erd- oder Obergeschoß nicht ausreichend bemessen sind.
- Der Wandtresor wird in der Wand eingelassen. Hier gilt für die Stabilität der Verankerung dasselbe, wie für Möbeleinsatztresore. Meist hinter einem Rembrandt versteckt, wie in vielen Kriminalfilmen zu sehen, entgeht er dem Blick des ungeübten Einbrechers. Da dieser aber einen Kollegen mitgebracht hat, der es auf Rembrandts abgesehen hat, fliegt das Versteck über kurz oder lang doch auf.
- Feuerschutztresore kommen noch aus der Steinzeit, als das Feuer von den Frauen gehütet werden mußte, da die Streichhölzer noch nicht erfunden waren. Ging die Frau mal austreten, schloß sie das Feuer im Feuerschutztresor ein (wie gut diese getarnt waren, sieht man allein schon daran, daß Archäologen bis heute keinen gefunden haben - wenn Sie einen finden, Vorsicht, er könnte außen mittlerweile heiß sein!). Heute dreht man den Spieß nur einfach um und bewahrt das Feuer drumherum auf und die Familienchronik drinnen.
- Schlüsselschränke, möglichst innen mit genauer Beschriftung, zu welcher Tür welcher Schlüssel paßt, erleichtern Einbrechern die Arbeit, denn sie müssen nicht irgendwo sonst mühsam suchen und zerwühlen so auch nicht die Seidenunterwäsche der Gemahlin.
- Dokumentenschränke ohne Feuerschutz dienen dazu, Fingerabdrücke von Dokumentendieben zu sammeln.
- Am besten sind noch die Täuschtresore. Als Buch oder Lampe verkleidet (oder auf der Toilette) haben sie den Vorteil, daß Einbrecher, die sich nicht zuvor auf Amazon kundig gemacht haben, voll dran vorbeilaufen und das dicke Englischwörterbuch verschmähen und stattdessen in ihrer Unbildung nur ein paar Inkunabeln mitgehen lassen.
- Nicht zuletzt haben Datensafes die dankbare Aufgabe, einem nach einem Einbruch vor Augen zu führen, wieviele Monate man seit der letzten Sicherheitskopie hat verstreichen lassen.
(Ganz zuletzt noch meine zwei Erlebnisse mit Geldschränken massiverer Bauart: der eine stand im Kellerbüro eines Mitarbeiters einer großen Behörde, der auch mit vertraulichen Dokumenten zu tun hatte. Alle bedauerten den Mann, weil er doch um des schweren Ungetüms willen an ein lichtloses Kellerbüro gebunden war und bewunderten ihn andererseits insgeheim wegen seiner Wichtigkeit. Nie bekam einer den Tresor offen zu sehen, so gewissenhaft verwahrte der wackere Beamte seine Dokumente. Eines Tages aber zog die Behörde in ein modernes Gebäude um und man bereitete auch den Umzug des Geldschrankes vor. Im Zuge der Umzugsplanung wurde der gute Mann vom Umzugsplaner gefragt, auf was man denn achten müsse usw. Darauf er: "Keine Ahnung - ich hab' zu dem Ding keinen Schlüssel, der stand halt drin, als mir das Büro zugewiesen wurde und als sich herausstellte, daß man die Zimmertür hätte breiter machen müssen, um ihn herauszuholen, blieb er drin."
In einem zweiten Fall mußte ein Sportverein sein Sportlerheim wegen einer Umgehungsstraße aufgeben. Darin stand aber ein massiver Tresor, zu dem keiner einen Schlüssel hatte. Da keiner Rat wußte, fragte man den ortsbekannten Kleinkriminellen, der grade wieder mal auf Hafturlaub war. Er versprach, gegen 10% des Inhaltes den Schrank aufzubrechen. Zwei Stunden brauchte er im Schweiße seines Angesichtes, nur mit Vorschlaghammer und Meißel 'bewaffnet' - der Schrank war leer, ein paar Bier sein Arbeitslohn. Seitdem ist mir bewußt, welche Sicherheit ein durchschnittlicher Geldschrank den Besserbetuchten bietet, die auf Facebook mitteilen, daß sie sich drei Stunden Konzertbesuch gönnen.
Ein Geldschrank als bloßes Statussymbol mag billiger sein als eine Nobelkarrosse, aber kann auch unangenehme Nebenwirkungen zeitigen.)
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