OT: Donald Trump, nomen est omen, der vielleicht nächste netteste Präsident der Vereinigten Staaten und seine Deplorables ...

Literaturhinweis @, Samstag, 17.09.2016, 18:56 vor 3454 Tagen 10766 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 19.09.2016, 14:26

Die einzigen Politiker aus den letzten Jahrzehnten, die mir spontan einfallen wenn ich mich frage, wer tatsächlich mit etwas Tiefgang reden konnte, waren Gustav Heinemann, Erhard Eppler und Gerhart Baum. Strauß und Wehner erweckten zwar den Eindruck, waren aber Polterer.

Der Rest trat zwar oft rhetorisch geschickt bis polternd auf (Strauß, Wehner, Helmut Schmidt) oder schmeichelte sich ein (Willy Brandt), aber inhaltlich wurde meist nur leeres Stroh gedroschen. Die Inhalte der meisten Politiker-Reden sind leider nur die Gegenpole zur Meinung ihrer Opposition, keine eigenständigen, gar neuen, Ideen und Gedanken. Jede all zu arg abweichende eigenständige Meinung fällt auch bei einer des eigenen Denkens ohnmächtigen Bevölkerung selten auf fruchtbaren Boden.

Dies gilt in hohem Maße auch für Trump, bis vielleicht auf seine Idee mit der Mauer an der Grenze zu Mexiko, was vor ihm kein ernstzunehmender Politiker zu äußern gewagt hatte (nicht mal Ulbricht). Erstaunlicherweise hat Noch-Präsident Obama die Idee nun ohne rot zu werden von Trump geklaut (und bezahlt auch noch dafür, was allerdings den Wahrheitsmedien nicht immer eine Rede wert ist).

Trump erinnert in dieser Hinsicht etwas an Strauß, insofern er bestimmte seiner Inhalte wieder und wieder wiederholt (so wie hier: dreimal "wieder", ach nein, jetzt viermal).

Sein "We will make America great again" (die verhungerten Venezolaner wird es freuen und auch Brasilien wünscht hierbei viel Glück), die Mauer an der Grenze zu Mexiko und die Idee, "Jobs" zurück in die USA zu holen (wo der doch längst im Himmel ist) sind griffige, markige Parolen. Wer jedoch seine vielen Reden (ich ca. zehn) seit Beginn des Wahlkampfes hört, denkt sich immer wieder - "Moment mal, die hatte ich doch gestern schon ..." (wären da nicht die unterschiedlich Flaggen der jeweiligen Bundesstaaten im Hintergrund, mal North Carolina, mal Texas, mal Iowa - "I love Iowa ..."). zugegeben, der Durchschnitts-US-Amerikaner versteht wirklich keine allzulangen Reden (Trump spricht bewußt langsam und klar und wiederholt entscheidende Passagen - er kennt seine Pappenheimer) und der studierte Rest aus den Ivy-League-Universitäten bekam grade von Nassim Taleb das Label "Intellectual-Yet-Idiot" aufgebrannt.

Was ist besser? Eine Rede mit ein paar Kernpunkten, die man zuhause wiedergeben kann, wenn man gefragt wird, oder eine Hillary-Rede, die man wegen häufigen Hustens akustisch schwer verstehen und wegen der inkohärenten Thematik sich nicht merken kann?

Was ist besser? Ein Redner, der klar und deutlich prononcieren kann und frei redet oder ein schnöseliger Politiker, der in acht Jahren kein wesentliches seiner Wahlkampfversprechen einhalten konnte und über den größten Schuldenberg der Geschichte präsidiert, aber ohne Teleprompter keinen Satz herausbringt? (Man vergleiche, wie souverän Trump damit umgeht.)

Wir sehen also: Trump paßt zu den USA (das "Amerika" lassen wir mal weg, um Mexikaner, Kanadier und Chilenen oder Indianer nicht zu beleidigen) und, für alle, die in Reichweite seiner oder seiner Gegner Atomwaffen wohnen: er hat eine isolationistische Agenda, die dem Rest der Welt einmal eine Verschnaufpause gönnen könnte. Ebenso könnten in seiner Amtszeit evtl. wieder mehr invalide Veteranen heil als heile US-Soldaten zu Invaliden werden. Insbesondere die Mütter werden es ihm danken und daß er weniger Stimmen von Frauen bekommen sollte, will aus diesem und anderen Gründen nicht einleuchten, auch wenn es Umfragen anders sehen.

Andere "Konzepte" Trumps scheinen dagegen kindlicher Phantasie entsprungen, vielleicht hat er mal Fichtes geschlossenen Handelsstaat gelesen.

Trump möchte z.B. von den Alliierten die "vollen Stationierungskosten" erstattet haben ("I'll make them pay"). Er scheint ernsthaft zu glauben, daß überall da, wo die USA für ihre Stationierungsgelüste (mehr als) die Hälfte zuschießen müssen, die Stationierungsländer freudig die andere Hälfte auch noch tragen würden, wenn man sie nur drum bäte, bzw. ihnen in Trumpscher Redensart die Pistole auf die Brust setzte und mit dem Abzug drohte. Er scheint soviel von der positiven Führungsrolle seiner 'großen Nation' und deren Ansehen in der Welt zu halten, daß er sich nicht auszurechnen vermag, daß diese 'andere Hälfte' bisher von den USA freiwillig und mit Absicht getragen wird, weil sie ein ureigenes imperialistisch-hegemoniales Interesse an diesen Militärstützpunkten im Ausland haben!

Nun, da wird ihm noch ein herbes Erwachen ins Haus stehen, wenn viele, wenn nicht die meisten dieser Länder (mit Ausnahme vielleicht der Polen und einiger baltischer Ex-Sowjet-Republiken, ggf. auch Südkorea) ihm den Stuhl vor die Tür setzen. Aber, nach kurzer Verwunderung wird er als potentieller Isolationist das sogar akzeptieren. Was ihm dann ins Haus steht, ist eine Reduktion zumindest der Infanterie, etwas, das ihm bisher im Traum nicht in den Sinn käme. Aber der Mann ist lernfähig, das hat er in Jahrzehnten der Anpassung an immer wieder geänderte Bebauungspläne hinreichend bewiesen.

Was also wird er machen (wenn ihn der militärisch-industrielle Komplex der USA und Großbritanniens nicht vorher, auf welche Weise auch immer, stoppt)? Ich traue ihm zu, daß er das dann dennoch durchzieht und tätsächlich die internationale US-Militärpräsenz in einigen Ländern und Regionen drastisch reduziert, er steht jedenfalls früheren isolationistischen US-Präsidenten(kandidaten) näher als dem expansionistischen Flügel (dem er ansonsten rhetorisch so sehr ähnelt), so weit man das von ihm angesichts seiner wenig belastbaren politischen Aussagen bisher wissen kann. Das wäre zu seinen Plänen, die USA wieder aufzurüsten und "stark" zu machen, nicht unbedingt ein Widerspruch. Die USA hat einige ihr selbst gehörende überseeische Besitzungen und den Rest erledigen ebensogut auch atomar bestückte und angetriebene U-Boote sowie Stealth-Langstreckenbomber und Interkontinentalraketen; dorthin kann er Geld umschichten. Das kommt dem Geist der Zeit eh entgegen, wo immer weniger sich als "boots the ground", als Infanteristen, verheizen lassen wollen und lieber mit fettem Bauch in Langley sitzen und per Joystick Hochzeitsgesellschaften bombardieren.

Ich traue ihm sogar zu, daß er als Pragmatiker die barocke kostspielige "wilhelminische Flottenseligkeit" hinsichtlich der Flugzeugträger kritisch hinterfragt und die US-Militärdoktrin entsprechend anpaßt. Schließlich ist er Unternehmer, der, anders als Vollblut-Politiker, sein Leben lang mit Geld haushalten lernen mußte.

Er hat einige Pannen und Pleiten hingelegt, aber mal ehrlich: ich würde so jemanden allemal einem CEO vorziehen, der Seveso oder Bhopal oder einige andere chemische Sauereien zu verantworten hätte. Und sicher kriegt man eher im Sozialen Wohnungsbau New Yorks von Schimmel Krebs als in Trumpschen Eigentumswohnungen.

Vieles also, was sich gegen Trump entlädt, scheint mir von Neid bis Haß geprägt und wird zudem von Menschen geäußert, die im Leben nicht in der Lage wären, vor ein paar zehntausend Menschen hinzustehen und eine freie Rede zu halten. Hindern tut sie keiner daran, selbst zu kandidieren und auch Trump hat am Anfang mit so wenig Geldeinsatz "Wahlkampf" gemacht, das könnte jeder auch per Crowdfunding in linkeren Zirkeln einsammeln!

Wie schon im Artikel über Hillary Clinton beschrieben, hat Donald Trump deutlich mehr (lesbare) Bücher geschrieben, als Hillary, während umgekehrt die Literatur über ihn bis jetzt noch nur einen Bruchteil der (überwiegend historischen bzw. politikwissenschaftlichen) Veröffentlichungen beträgt, die über Hillary Clinton und ihren Mann und begabten Fremdgänger William geschrieben wurden.

Wird Trump gewählt und Präsident (in der Zwischenzeit zwischen der Wahl Anfang November 2016 und dem offiziellen Amtsantritt Anfang Januar 2017 kann ihm ja noch viel passieren), so wird es erstmal eine Riesenlawine von Literatur zum "Betriebsunfall Trump" geben. Danach wird man merken, dass er in vier oder möglicherweise acht Jahren (Wiederwahl ist bei Amtsinhabern nicht ungewöhnlich - aber auch nicht gottgegeben) höchstens soviel oder gar wesentlich weniger Unsinn angerichtet hat, als seine unmittelbaren Vorgänger (ich schrieb ja schon, daß ich ihn für lernfähig halte) und am Ende wird man sich mit ihm über alle Lager hinweg versöhnen und ihm eine pompöse "Presidential Library" gönnen und, so, wie, siehe DDR, die Vergangenheit immer verklärt wird, wird man plötzlich auch ihn in US-Schulbüchern als Vorbild finden, sollte er sich nicht doch noch Skandale á la Clinton der Erste oder die Zweite leisten.

Entweder hat er es in vier oder eher acht Jahren dann geschafft, Breschen in den hartnäckigen "Biofilm" aus "cronyism" und Lobbyismus in den USA zu schlagen, dann weicht vielleicht sogar die bisherige starre US-Parteienlandschaft auf, vielleicht kandidiert er zu einer zweiten Amtszeit (wenn er denn Lust hat - er hängt nicht am Amt, wie die meisten Vollblutpolitiker) aber auch als Unabhängiger, als "Independent", der keiner der beiden Parteien angehört. Das würde die bisherigen Parteiapparate erst recht delegitimieren.

Sollte er das tun und vor allem, dabei es schaffen, wiedergewählt zu werden, dann würde sich für längere Zeit im US-amerikanischen Volk die Idee durchsetzen, daß es auch außerhalb der etablierten beiden Parteien und ohne Nominierungs-Rummel erfolgversprechende Kandidaten geben könnte.

Sollte er es aber nicht schaffen, das Establishment zu schwächen, so werden beide Parteien alles daran setzen, insbes. durch Regeländerungen bei der Nominierung, daß so etwas wie Trump nie wieder passieren kann. Und dann werden fürderhin noch mehr Bürger den Wahlen fernbleiben und die Cliquen können den Staat noch mehr unter sich ausmachen, das späte römische Reich läßt grüßen. Ohnehin ist Trump selbst auch ein Zeichen des beginnenden Cäsarismus nach Meinung durchaus auch republikanischer Analysten, die auch Parallelen zu ErdoÄŸan ziehen.

Wahrscheinlicher ist aufgrund der Machtverhältnisse auf den ersten Blick letzteres, d.h. das "Establishment" paßt sich an, wartet ab und setzt sich durch, aber auch hier darf man Trumps Außenseiterrolle nicht unterschätzen: jetzt muß er noch aufpassen, was er sagt, wem er was sagt und wann. Ist er einmal gewählt und schielt er nicht, wie sonst fast jeder Amtsinhaber vor ihm, auf eine zweite Amtszeit, so ist er danach frei zu tun und zu lassen, zu heuern und zu feuern, was und wen er will; nur in offenen Limousinen sollte er dann vielleicht nicht fahren (außer, in seinem Falle, in Dallas, Texas).

Vier Jahre sind eine lange Zeit, um durch Nominierung von Obersten Bundesrichtern und Supreme Court Judges, entsprechende Gesetzesinitiativen und mittels Executive Orders viel zu bewegen, Franklin Delano Roosevelt hat es schließlich vorgemacht.

Also: nie vergessen: Donald Trump ist ein Stehaufmännchen. ("V(ictory) ... ist Donald Trump") - "That beggar is 9 billion dollar richer than me ..."

Oder - Warren Buffett: "The big problem with Donald Trump was he never went right." - "Ein Schwerstkranker"? Trump ein Establishment-Kandidat - nur anders? Immerhin sagte Napoleon "Cherchez la femme", und wenn das nicht hilft, schau' Dir die Geldgeber an ... "Der Deal könnte sein: Die Deutsche Bank spart Strafzahlungen, wenn sie ihre Geschäftspolitik gegenüber Trump entscheidend ändert." So finden sich dann doch noch ein paar Schattierungen, wie bisher bei allen Politikern, die nach Jahrzehnten kompromißvollen Lebenslaufes erst kandidieren und nicht schon nach einem Jahrzehnt ans Kreuz genagelt werden, weil sie Umstürze planen.


Donald Trumps selbst verfaßte Bücher

Bücher von Donald Trump selbst    |    Sonstiges zu Donald Trump i.w.S.


Donald Trump in Büchern

Politische Bücher mit Erwähnung Donald Trumps    |    Politische Bücher zum System USA und Weltpolitik mit Trump-Bezug    |    (Meist kritische) Literatur zu Donald Trump allgemein

Business-Ratgeber und -Bücher mit Bezug auf Donald Trump    |    Sonstige, auch Architekturbücher, mit Erwähnung Donald Trumps

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Donald Trump

gwg ⌂ @, Metropole OWLs, Samstag, 17.09.2016, 20:30 vor 3454 Tagen @ Literaturhinweis 6747 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 17.09.2016, 20:54

Ist das verlinkt worden?

Empfehlung: Trump Analyse von Scott Adams (Dilbert Comic) Herbst 2015 & fortlaufend
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=402411

[image]


Trigema Chef Wolfgang Grupp über The Donald (ab 2:49) (2010)
https://www.youtube.com/watch?v=aIIMyCOBPg8
Eine sehr deutsche Auffassung.

Um 2011 herum konnte man bei wikipedia noch lesen, Trump sei "skandinavischer Abstammung".
Mittlerweile hat er seine deutschen Vorfahren geoutet.

Die Verhältnisse dort scheinen so verfahren zu sein, daß ihm selbst das nicht schadet.

Ich war sehr überrascht, daß er den Songtext von The Snake auf einer Wahlkampfveranstaltung rezitierte.
Ich hatte mich damals spontan entschlossen, den Text zu übersetzen. Klick! (Keine Panik, absolut jugendfrei!)

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Der Streusand-Effekt reduziert nicht die Rutschgefahr!

Trump ist ein echter Pfälzer Bub aus 67169 Kallstadt

Hasso, Samstag, 17.09.2016, 20:48 vor 3454 Tagen @ gwg 6944 Views

bearbeitet von Hasso, Samstag, 17.09.2016, 21:18

Hallo gwg,
es ist ganz genau dokumentiert, dass Trumps Großeltern ihr Leben zum Großteil in 67169 Kallstadt an der Weinstraße verbracht haben.
Hat Donald Trump auch selber zugegeben... das Haus seiner Großeltern fand er "in very good shape"[[top]]

http://www.kallstadt.de/
Hier kaufte schon Helmut Kohl seinen Saumagen... sehr zu empfehlen, ein wahrer Gaumenschmaus mit pfälzischem Weißwein dazu!
Schmeckt in etwa wie zart angebratene Jagdwurst (ca. 1,5 cm dicke Scheiben)... mit kleinen Kartoffelstücken drin. Ein gesundes, kalorienarmes Gericht.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/donald-trump-besuch-in-seiner-heimat-kallstad...

Hier in Kallstadt kannst Du auch zum Haus seiner Großeltern wallfahren, Blumen hinlegen und dazu ordentlich Wein auf den Wahlsieg trinken[[freude]]

Ich komme ja gebürtig nicht von hier, sondern wohne nur knapp um die Ecke und habe "geduldeten Pfälzer-Status"... deshalb kann ich ganz neutral berichten.

Irgendwie ist Trump genau so wie die Einheimischen hier.
Die sagen auch immer ganz genau und ziemlich laut, was sie heute gerade so denken... an sich gut, oder?
"Morgen" haben die aber oft schon wieder ganz andere Ideen... damit habe ich als "Geduldeter" oft erhebliche Probleme[[sauer]]
Die trinken wir dann aber einfach weg...

"Trump" heißen hier auch ganz viele Leute, so wie "Seehofer" in Bayern[[top]]
Gute Nacht
Hasso

Anmerkungen und Literaturhinweise von Scott Adams

Prikopa @, Samstag, 17.09.2016, 21:56 vor 3454 Tagen @ gwg 5991 Views

Scott Adams ist nicht immer objektiv und treibt auch gerne seine Späßchen mit seinen Leser, aber noch immer gute Analysen.

Für Hintergrundinformationen empfiehlt sich übrigens diese Bücherliste
http://blog.dilbert.com/post/129784168866/the-persuasion-reading-list
"Godzilla" brachte übrigens gerade eine neues Buch "PRE-SUASION" raus. Lesenswert.

Und nein Rhetoriker im klassischen Sinne ist Trump nicht, da würde ich Literaturhinweis heftig widersprechen.
Er bringt seine Meldungen an, siehe Hinweis oben, aber die Reden sind nicht überdurchschnittlich.

Trigema Chef Wolfgang Grupp über The Donald (ab 2:49) (2010)
https://www.youtube.com/watch?v=aIIMyCOBPg8
Eine sehr deutsche Auffassung.

Ich kann hier Wolfgang Grupp zu seiner allgemeinen Einschätzung und jener zu Donald Trump nur zustimmen.

Eine kleine Richtigstellung und ein Nachtrag zu Dilbert-Autor Scott Adams sowie zu Fragen der Rhetorik [edit]

Literaturhinweis @, Montag, 26.09.2016, 12:03 vor 3445 Tagen @ Prikopa 4835 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 26.09.2016, 12:28

Im Vorbeitrag gibt es den Passus

Rhetoriker im klassischen Sinne ist Trump nicht, da würde ich Literaturhinweis heftig widersprechen.

Das habe ich ja gerade so nicht geschrieben. Ich halte ihn für einen 'populistischen' Polterer wie Franz 'Josef' Strauß. Dachte ich zumindest zum Ausdruck gebracht zu haben. Werde aber die Komplexität meines Satzbaues nochmal überdenken.

Zu Scott Adams selbst: er hat gerade seine Meinung zu Trump geändert, und gedenkt nun, statt vorher in Hillary Clinton, in Donald Trump das 'kleinere Übel' zu sehen. Das in etwa hatte ich ja auch anzudeuten versucht.

Seine Hauptgründe faßt er am Ende wie folgt zusammen:

"Ich verstehe die Implikationen weder von Trumps noch von Clintons politischen Absichten. ... Aber ich verstehe etwas von Überzeugungskraft. Auch verstehe ich, was es heißt, wenn die Regierung mir mein Vermögen wegnehmen will. Auch kann ich zwischen einer schwerkranken Person und einer gesunden unterscheiden, auch wenn ich kein Mediziner bin."

Zur Enteignung: damit meint er Clintons Wahlkampfprogrammpunkt, die Grundsteuern anzuheben.

Mit "Überzeugungskraft" meint er, daß Trump eben ein gewiefter Verhandler ist, der zudem "das definitive Buch dazu" (Scott Adams) geschrieben hat.

Über Clintons Gesundheits- oder vielmehr Krankheitszustand war ja hier schon genug diskutiert worden. Und es kommen immer weitere Details hinzu.

Um es kurz zu machen hinsichtlich der Rhetorik: beginnend mit Demosthenes (soweit wir eben Überlieferungen haben), der seinen Sprachfehler (und seine Scheu oder sein Lampenfieber) dadurch überwand, daß er Kieselsteine kaute, wie Chuck Norris Bienen, gibt es in der Geschichte nur sehr wenige überlieferte brillante Rhetoren oder Oratoren. Cicero gehört(e) zum Schulpensum. Unter den US-amerikanischen Präsidenten wird es Abraham Lincoln nachgesagt. Seltsamerweise haben seine unmittebaren Zeitgenossen davon weniger bemerkt. Seine "Gettyburg address" wurde in der damaligen Presse überwiegend entweder kaum beachtet oder sogar herabgewürdigt. Sein Ruf wurde erst über mehrere Generationen US-amerikanischer Geschichtsbücher "aufgepeppt", bis heute jeder, gnädig-spät genug geboren, daran zu glauben scheint (so, wie umgekehrt kaum einer weiß, daß Lincoln nicht etwa die Sklaven befreien wollte und die USA von Sklavenhaltern gegründet wurde).

Unter den Figuren des letzten Jahrhunderts in den USA sticht m.E. vor allem Martin Luther King hervor, wie es auch im 19. Jahrhundert in Deutschland ein paar aufsehenerregende Prediger gab. Bei Ronald Reagan sind zwar einige rhetorische Erfolge zu verzeichnen, aber ich wurde den Verdacht nie los, daß da seine zweite Frau Nancy, die überhaupt die Idee mit der Präsidentschaftskandidadtur gehabt zu haben schien, steckte. Martin Luther King -und überhaupt alle fesselnden Redner- zeichnen sich m.E. dadurch aus, daß sie keine Redenschreiber benutzen, sondern selbst -und dazu noch frei- reden können. Nur dann gelingt es, das Charisma (das Reagan unzweifelhaft auch hatte, wenn er den Mund hielt) in einen echten Rapport mit dem Publikum zu transformieren.

Ein guter Redner hält auch eher mal den Mund, statt einem Zeitplan zu folgen, jeden Tag was Neues oder dasselbe sagen zu sollen. Gerade in Zeiten des Internet, wo alle Reden sofort online verfügbar sind, merkt man, was sich alles ähnelt. Und daß der Politiker oft sogar die Wallfahrer aus dem falschen Bundestaat begrüßt, da er vergessen hat, wo er grade auftritt.

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Oder diese "kleine" Liste von Gründen gegen Trump ...

Prikopa @, Sonntag, 18.09.2016, 15:47 vor 3453 Tagen @ Orlando 5591 Views

Siehe
http://www.gq.com/story/176-reasons-donald-trump-shouldnt-be-president-olbermann

Wie die Inszenierung um das Birther-Statement gezeigt hat, kann die Presse nicht mal mit Trump handhaben bzw. seine Steuererklärung rausholen lassen.

http://theconcourse.deadspin.com/if-you-want-donald-trumps-tax-returns-start-asking-now...
"A running complaint in the coverage of the coverage of Donald Trump’s bizarre charge toward the Oval Office is that the mainstream press lacks the proper tools to deal with a candidate like Trump—a candidate who shamelessly defies the rules and expectations of normal campaigning, who lies or dissembles or stonewalls about the most basic facts and information."

Aber der Schwarm wünscht es sich dies ja anscheinend. Einen der beiden KandidatInnen ...
Clinton ist Clinton, da weiss man kommt bzw. braucht sich nichts erwarten, aber das man irgendeine "Hoffnung" in Trump setzt bleibt mir ja unverständlich.
Und ja, das "Unterhaltungsargument" von einer Trump Präsidentschaft ist mir durchaus nachvollziehbar ...

Donald Trump und der Natursekt - die Fakefurter Gemeine Zeitung pißt sich 'rum, 4Chan findet deutliche Worte und CIA warnt

Literaturhinweis @, Mittwoch, 11.01.2017, 04:56 vor 3338 Tagen @ Literaturhinweis 7458 Views

Die US-Geheimdienste haben Herrn US-Präsidenten in spe Donald Trump freundschaftlich gewarnt, daß Rußland über ihn kompromittierendes Material u.a. zu seinem Sexualleben besitze, das ihn erpreßbar mache. So habe er u.a. im Moskauer Ritz Carlton Hotel die Suite gemietet, in deren Bett Obama genächtigt hatte, um dann mit Prostituierten gemeinsam in selbiges zu pinkeln (Kenner der Szene nennen das Natursekt, daneben gibt es noch Kaviar, wer's genauer wissen möchte für die nächste Trump-Anschuldigung - alles ist schließlich immer noch steigerungsfähig). Die Spezialisten für kluge Köpfe haben wieder mal ganze Arbeit geleistet.

Nun ja, das klitzekleine Problem scheint nur zu sein, daß die liebenswerten Chaoten von 4Chan diese Geschichte in die Welt gesetzt haben und damit prompt einen Trump-Hasser dafür begeistern konnten, die Geschichte -im übertragenen Sinne des Wortes- brühwarm dem CIA anzudienen, der wiederum nun Trump warnt, daß die Russen alles über seine Urinalien wissen.

Man kann resumieren: Trump traut man alles zu, nur nicht, daß er 'Präsident kann'.

Kein Wunder, daß Trump seine Geheimdienste so wenig wie möglich kontaktiert, möchte er doch Bescheid wissen über das, was in der Welt vorgeht, um nicht versehentlich einen Atomkrieg auszulösen.

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Donald Trump schafft schon wieder Arbeitsplätze!

Literaturhinweis @, Mittwoch, 18.01.2017, 21:58 vor 3331 Tagen @ Literaturhinweis 4181 Views

Diesmal statt in der Industrie bei den Medien, die ihm den Kampf ansagen ('Kinder seid ihr denn von Sinnen, mit begrenzten Mitteln soll man keinen Krieg beginnen' sagte Wilhelm Busch)

'Medien rüsten gegen Trump auf' kriegt man zu lesen und die New York Times will Millionen investieren.

Na also, geht doch auch ohne Haushaltsbeitrag!

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Donald Trump und Herbert Hoover - zwei US-Präsidenten, die: Mexikaner repatriierten, Infrastruktur schufen, Rezession erlebten

Literaturhinweis @, Freitag, 20.01.2017, 15:45 vor 3329 Tagen @ Literaturhinweis 4514 Views

Diese seltsamen Parallelen zu Donald Trump fallen nicht nur mir auf, im Gegenteil, ich habe sie schamlos geklaut. Mir war zwar Herbert Hoover bekannt (nein, nicht der mit dem Staubsauger, auch nicht der vom FBI), aber nicht so interessante Details wie:

- Herbert Hoover ließ eine halbe Million Mexikaner nach Mexiko zurückschicken

- er plante und verwirklichte zum Teil enorme Infrastrukturprojekte, der Hoover Dam trägt heute noch seinen Namen.

Nun will Trump das beides kombinieren und die ähnlich betonlastige Mauer gegen Mexiko in Stellung bringen.

Dann kam in Hoovers Regierungszeit der Börsencrash 1929, gefolgt von der lang andauernden Rezession, die erst der 'Demokrat' Franklin Delano Roosevelt mittels Krieg beendete. Die nachfolgende Dollar-Hegemonie und Bretton-Woods schließlich erzeugten den US-American Dream, indem die Dollar-Dominanz als Reservewährung den USA wirtschaftliche Vorteile verschaffte, wie sie noch keiner Nation zuvor in der Weltgeschichte zur Verfügung standen.

Umso tiefer wird irgendwann der Fall - und Trump wird u.U. über ihn präsidieren. Dann werden u.U. wieder unbehauste US-Bürger in Hoovervilles (Zeltstädten) leben, die Obdachlosen decken sich mit Zeitungen zu, die man Hoover blankets nennt und die Pappkarton-Einlage im Schuh hieß Hoover leather, nach außen gedrehte Hosentaschen waren Hoover flags.

Wird dann Gras 'Trump tofu' heißen oder heimlich geschossene Stadttauben 'Trump turkey'? Wer weiß. Daß Donald Trump wieder mal zu einer Zeit sein Amt antritt, an dem alle möglichen Kurse ungemütliche Höchststände, und Zinsen ungemütliche Tiefststände, erreicht haben, spricht schon dafür, daß er eher auf einer wirtschaftlichen schmierigen Abwärtspirale denn auf einer Triumphwelle zu surfen beginnt. Und: zu Hoovers Zeiten, im Wahlkampf und bei dessen Amtsantritt, waren die USA nicht derart haßerfüllt zersplittert, wie gerade jetzt, da sich alles, was mal ein 'liberal college' besucht hat, auf Trump stürzt mit Wortungetümen und Unterstellungen, die eher von Goebbels und Streicher stammen könnten, als von der 'durchgeistigten' Atmosphäre elitärer US-Studierstuben, wo man bei Bio-O-Saft 'creative writing' erlernt. Aber, so überraschend ist das auch nicht: die erfolgreichsten aus diesen Schulen sind mit Horror-Romanen Millionäre geworden, die andern stottern ihre Studiengebühren ab, während sie in Mamas und Papas Keller in Job-Börsen surfen.

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George Orwells 1984 sowohl in USA wie in Deutschland an erster Stelle in der Amazon-Bestseller-Liste - Trump verdrängend

Literaturhinweis @, Donnerstag, 26.01.2017, 20:25 vor 3323 Tagen @ Literaturhinweis 3968 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 26.01.2017, 20:34

In den US-Bestseller-Charts bei Amazon war bis vor kurzem Donald Trump der Favorit, aber der Überwachungs-Alltag holt die Menschen wohl wieder ein: auch in Deutschland steht jetzt 1984 an erster Stelle, für ein derart betagtes Buch recht ungewöhnlich, solange es nicht die Bibel wäre.

Und wenn man sich die Android Apps bei Amazon ansieht, stellt man fest 'sie wollen nur spielen', von Problembewußtsein keine Spur.

Selbst der Feind-hört-mit-Raumüberwachungsapparat ist unter den ersten zehn Gesamt-Bestsellern mehrfach vertreten (ändert sich aber fast minütlich - vgl. Elektronik: Alexa/Echo).

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