Die Hoffnung nicht aufgeben
„Der Himmel erhalte dich, wackres Volk,
Er segne deine Saaten,
Bewahre dich vor Krieg und Ruhm,
Vor Helden und Heldentaten.“
(Heinrich Heine)
Und der im Pariser Asyl lebende Heine dichtete sehnsuchtsvoll
„Ich hatte einst ein schönes Vaterland.
Der Eichenbaum
Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft.
Es war ein Traum.
Das küsste mich auf deutsch und sprach auf deutsch –
Man glaubt es kaum,
Wie gut es klang – das Wort: „Ich liebe dich. –
Es war ein Traum.“
Doch die schwarz-rot-goldene National-Fahne war ihm suspekt. Er sah in ihr ein rückwärtsgewandtes Symbol. Und bei denen, die sie schwenkten, witterte er „Teutomanie“ und „Phrasenpatriotismus“, der sich gefühlsträchtig an äußeren staatlichen Glanz und Ruhm heftet und vor falscher Treue zur Obrigkeit nicht gefeit ist. Sein Patriotismus richtete sich auf Deutschland als Kulturgemeinschaft, auf seine Musik, die Besonderheit des Dichtens und Denkens, das aus Deutschland hervorwuchs, und er rief seinen nationalen Kritikern entgegen:
„Pflanzt die schwarzrotgoldne Fahne auf die Höhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien Menschentums, und ich will mein bestes Herzblut für sie hingeben.“
(Vorwort zu: Deutschland, ein Wintermärchen)
Es lohnt sich, Heines beißende Kritik und heiße Liebe zu den Deutschen immer wieder zu lesen.
Auf die Pflege des bisher aus Deutschland herausgewachsenen Denkens, Dichtens und künstlerischen Schaffens kommt es an. Das ist das, was die deutsche Identität ausmacht. Mit jener verschwindet diese.