OT: Hillary Clinton, eine US-Politikerin versus Donald Trump, den ersten Nicht-Politiker, der in USA realistische Chancen hat
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 16.09.2016, 04:27
Es gab in den USA wiederholt, z.T. erfolgreiche, z.T. 'fast chancenreiche' Ausreißerkandidaten für das Präsidentenamt. Damit sind nicht die stets bei jeder Wahl kandidierenden Splitter-Gruppen-Epigonen wie Lyndon LaRouche, grüne, kommunistische KPUSA oder trotzkistische Kandidaten oder libertäre 'Independents' gemeint. Aufgrund des US-Wahlsystems, bei dem ('winner takes all') in vielen US-Bundestaaten der Kandidat mit der absoluten Mehrheit alle Wahlmännerstimmen erhält, sind solche Kandidaten von vornherein ziemlich chancenlos. Am Ende kann fast nur gewinnen, wer auch eine der beiden Parteien, Demokraten oder Republikaner, hinter sich hat (und Clinton das Council on Foreign Relations).
Ross Perot, ein früher Selfmade-Milliardär und einer der ersten IT-Magnaten (EDS, später an General Motors verkauft, dann für die Hälfte wieder zurückgekauft) war ein spektakulär erfolgreicher Präsidentenanwärter, der, ebenso wie Trump, quasi 'aus dem Nichts' die politische Bühne betrat. Politico zieht sogar schon Parallelen zu Trump, die ich aber nicht uneingeschränkt teile (dazu mehr im nächsten, Donald Trump gewidmeten Beitrag). Hillary Clinton bewarb sich 2004 schon einmal als Präsidentschaftskandidatin.
Die Unterschiede zwischen Hillary Clinton und Donald Trump erinnern an den Unterschied zwischen Tag und Nacht (ohne einem der beiden Kandidaten die eine oder andere Symbolik zuordnen zu wollen): sie eine Berufspolitikerin und Juristin, er ein Vollblutunternehmer, der sich vermutlich nur aus 'Jux und Dollerei' zur Wahl stellte, bis er merkte, daß er alle republikanischen Mitbewerber aus dem Rennen schlagen könnte. (Wer Trumps Biographie studiert, sieht, daß er immer dann zur Hochform aufläuft, wenn er a) gegen Widerstände ankämpfen muß, aber b) eine realistische Chance hat, sie zu überwinden; dieser Wendepunkt trat bei ihm vermutlich ein, als er von anderthalb Dutzend Kandidaten schon früh alle bis auf drei aus dem Rennen geworfen hatte. Daß Hillary ihn dann umso mehr reizt, als er in ihr ein legitimes äußeres Feindbild sehen darf, anders als bei seinen Partei"freunden" zuvor, das verwundert nicht. Daß sie zudem eine Frau ist und noch dazu arrogant auftritt, dürfte dafür gesorgt haben, daß er sich nun verbeißt wie ein Pitbull. Einer seiner Aussprüche soll schon früh in seiner Unternehmerlaufbahn gewesen sein "Wenn ich kämpfe, dann, um zu gewinnen".) Sein Slogan "Machen wir Amerika wieder großartig". Trump wird in erstaunlich vielen Business-Ratgebern und kapitalismuskritischen Büchern erwähnt, im guten wie im schlechten Sinne.
Die Unterschiede zwischen beiden sind auch zahlenmäßig greifbar:
Hillary Clinton ist zwar sicher Millionärin (mit besten Beziehungen), aber daß sie ihr Vermögen mit Geschäften gemacht hätte, wird man nicht behaupten können, eher mit Tricks; auch hat sie wohl aktiv an Offshore-Steuerminderung mitgewirkt. Sie und ihr Mann haben vielmehr ihre Rolle als einflußreiche Politiker (miß-) gebraucht, um Gelder einzusammeln. Oft geschieht die Vorteilsannahme verdeckt, indem exorbitante Rednerhonorare für kurze Auftritte mit banalen, von Redenschreibern verfaßten, Redetexten gezahlt werden; oder über die 'Spenden' an ihre "gemein(nützig)en" Stiftungen. Auch mit Scientology bandelten die Clintons an und mit den in die Anschläge vom 11. September verwickelten Saudis. Vielleicht rührt auch daher ihre martialische Rhetorik gegen den schiitischen Iran.
Trump ist zwar ein 'windiger' Geschäftsmann, aber nach allem, was man weiß, hat er sein Vermögen im wesentlichen über Jahrzehnte, mit erheblichen Rückschlägen bis zur Beinahe-Pleite, kontinuierlich aufgebaut. Ich meine, daß man den Unterschied sehr gut auch am Auftreten der beiden auf der Rednertribüne beobachten kann.
Trump strahlt ein Selbstbewußtsein aus nach dem Motto "wenn Ihr mich nicht mögt, könnt Ihr mich einfach mal", während Clinton körpersprachlich und rhetorisch eher das Motto verkörpert: "Wer nicht für mich ist, wird schon seh'n, was er davon hat".
Folgerichtig wurde Trump auf dem Nominierungskongreß der Republikaner gegen den Widerstand des Partei-Establishments nominiert, während Clinton bei den Demokraten gegen die vermutlich sonst siegreiche Opposition (Bernie Sanders Anhänger u.a. inkl. unentschiedene) vom Establishment durchgedrückt wurde. Was waren das für Hillary noch Zeiten 2014: "keine Konkurrenten; weder bei Demokraten noch bei den Republikanern".
Und beide scheinen auch nichts anderes zu kennen aus ihrem sonstigen Leben, Trump den Kampf gegen bürokratische Widerstände (die New Yorker Baubehörden sind da legendär) und Clinton die Unterstützung seitens des Establishments.
Der nächste Unterschied ist, daß es über Hillary Clinton mindestens dreimal soviel Literatur gibt, als über Donald Trump, daß aber Trump mindestens doppelt soviele, wenn nicht viermal soviele Bücher geschrieben hat (beide oft mit Ko-Autoren), als sie. Und Hillarys Bücher erwecken den Eindruck, stets nur davon inspiriert zu sein, was ihr politisch nützlich sein könnte, während Trumps Bücher durchweg dem Muster folgen: "Seht her, ich kann's, jetzt zeig' ich Euch mal, wie man's macht".
Und natürlich gibt es eine Masse politikwissenschaftliche Literatur über Jahrzehnte, die sich mit beiden Clintons oder mit ihr allein befassen, während das bei Trump eher Mangelware ist.
Es wird sich zeigen, wie das weitergeht. Wenn Clinton gewinnt, wird sich an dem Verhältnis wenig ändern, wenn aber Trump gewinnt, werden plötzlich Fluten von "Trump-Versteher-"-Büchern über uns hereinbrechen, so, wie auch bei Putin, der als ähnlich unbeschriebenes Blatt anfing (allerdings in der sowjetisch-russischen Nomenklatura bestens vernetzt war - eine Außenseiterkarriere wie bei Donald Trump ist im derzeitigen russischen System schwer vorstellbar, vor allem, daß solch ein Kandidat den Vorwahlkampf überhaupt überleben würde).
Während Trump sich einige Kritik ankreiden lassen muß, wie z.B., daß er eine Fortbildungs-Veranstaltung großspurig "Trump University" nannte, wohl wissend, daß man sich nicht einfach so Universität nennen darf, so kann man bei allem, was er anfaßt und was ihm dann "um die Ohren fliegt" in Summe eigentlich immer wieder (nur) feststellen, daß der Mißerfolg oder die Übertreibung auf seine Eitelkeit zurückzuführen ist. Er scheint aber, anders als m.E. Hillary Clinton, ein gutes Gespür für seine tatsächliche Leistungsfähigkeit zu haben.
In einem Kriegsfalle würde Falkin Clinton daher, wie in Vietnam, weiterkämpfen (lassen - und auch verbotene Kriegswaffen, wie Johnson in Vietnam, nicht verschmähen), während Trump eher der Typ wäre, der nüchtern kalkuliert und ("cut your losses") einlenkt oder Waffenstillstand schließt, wenn er merkt, der Verlust wird größer als die realistischen verbleibenden Gewinnchancen.
Und ... Trump hat soviele Wolkenkratzer und Golfplätze innerhalb und außerhalb der USA gebaut, daß er vermutlich nicht möchte, daß darauf Atombomben fallen. Eher trifft er sich mit Putin oder "dem Chineser" und nimmt einen dicken Filzstift und eine Weltkarte und zeichnet ein: "das ist für Dich, das da für Dich und der Rest gehört uns, einverstanden"?
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß, wenn beide Kandidaten über den zugefroreren Michigan-See laufen würden, Hillary Clinton am nächsten Tage von ihrem PR-Stab verkünden lassen würde "Hillary Clinton kann über Wasser gehen", während Trump sich am nächsten Tag auf die Tribüne stellen würde mit seinem typischen schelmischen Grinsen und verkünden würde "Gestern bin ich das erste Mal sogar über Wasser gelaufen, Gott sei Dank war es nicht wärmer". Selbstironie ist Hillary Clintons Sache eher nicht.
Bei allem, was Clinton angeht, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß es stets auf kalter Berechnung beruht, und daß sie und ihr Mann u.U. dafür in der Vergangenheit möglicherweise auch über Leichen gegangen sind (andere attestieren Zufälle). Und wenn man es den beiden nicht direkt nachweisen kann, so erinnert gerade das fatal an eine gewisse historische Diktatorenfigur, die meist auch nie aussprechen oder gar schriftlich verordnen mußte, was ihre Untergebenen dann nur zu willig in die Tat umsetzten. Man kann eigentlich umgekehrt die 'nicht vorhandene' Handschrift solcher Despoten daran erkennen, daß sie auch nicht im Nachhinein einschreiten, so daß man wohlwollendes Einverständnis unterstellen darf.
Das alles ist ganz unabhängig von Hillary Clintons Gesundheitszustand. Daß Trumps Gesundheit für seine Altersgruppe überdurchschnittlich gut zu sein scheint, dafür reicht eigentlich ein Blick auf seine Haarpracht, während bei Clinton fast täglich ein Schwächeanfall, Kollaps oder eine Hustenattacke zu beobachten sind, ganz abgesehen von mehreren dokumentierten Absencen und Erinnerungslücken.
Bei Clinton sieht man soviele Symptome, daß man gleich auf mehrere Krankheiten schließen muß, bei Trump fällt einem Mediziner vermutlich nicht mal eine ein, vermutlich sind selbst sein Blutzucker und Blutdruck normal. Daß Hillary Clinton u.a. Anzeichen von Parkinson zeigt, ist ja nur eines der Syndrome, ein Parkinson-Patient hat ansonsten, siehe Muhammad Ali, noch ein recht "normales" Leben, ohne geistige Aussetzer. Letztere sind aber bei Hillary Clinton extrem häufig, und scheinen u.a mit ihrer Neigung zu Gefäßverschlüssen zu tun zu haben, d.h. sie hat nicht nur eine, sondern mehrere Krankheiten auf einmal, die man sich vielleicht bei einem Fürsten in Monaco oder Liechtenstein (die scheinen aber eher fit zu sein) vorstellen kann, aber nicht beim Präsidenten einer atomaren Großmacht, die permanent meint, mehrere Kriege auf einmal führen zu müssen. (Wer nachlesen möchte, wie es einem Parkinson-Patienten im fortgeschrittenen Stadium so geht, möge Jonathan Franzens "Corrections" lesen - man erkennt unschwer, daß solch ein Mensch überwiegend mit sich beschäftigt ist und dauerhaft keinen Staat führen kann; dieses fortgeschrittene Stadium wird aber vermutlich in den Jahren ihrer Präsidentschaft eintreten.)
Clinton mag ein paar mehr außenpolitische Fakten parat haben, während Trump sich da schon mal blamierte, aber das ist, anders als in Europa, nichts ungewöhnliches - der durchschnittliche amerikanische Unternehmer schaut einen schon ungläubig an, wenn man ihm erklärt, daß "Nordamerika" auch Mexiko umfaßt und seine USA doch nur den kleineren Teil dieser Landmasse ausmachen. Europa ist den meisten ein Buch mit sieben Siegeln (wiewohl Trump zurecht immer mal wieder betont, daß er schon an den unmöglichsten Ecken der Welt Geschäfte gemacht hat!). Eine evangelikale US-Christin erklärte mal einem Religionswissenschaftler, der einen kritischen Vortrag über den biblischen Kanon hielt: "Wenn Jesus die King-James-Bibel-Übersetzung gut fand, dann ist sie auch mir recht". So ungefähr muß man sich das dort "drüben" vorstellen. Drum schämt sich auch kein US-Durchschnitts-Bürger, wenn sein Präsident auch nicht weiß, wo genau Rußland liegt. Dafür hat er ja seine Berater.
Entscheidend dürfte sein, ob Trump lernwillig ist und seine Defizite rasch ausgleichen kann. Was Bauplanungsrecht und Baukonstruktion betrifft, hat er das in den vergangenen mind. vier Jahzehnten jedenfalls immer wieder eindrucksvoll bewiesen. Und er hat sich schon früh zu ungewöhnlichen außenpolitischen Manövern mit anderen "Machern" positioniert, während Hillary Clinton lieber die Kriegstrommel rührt.
Was hier vielleicht wie eine Werbung für Trump klingt, ist es nicht, beide Kandidaten sind mir im wesentlichen egal und wählen, wenn ich dürfte, würde ich beide nicht. Aber Sorgen macht, wenn eine Präsidentin einer Atommacht nicht ganz bei Trost ist (siehe Videos) und einem ungewählten Vizepräsidenten dann das Amt in den Schoß fällt. Das letzte Mal, als das Amt, nach Kennedys Tod, an Johnson fiel, fehlte auch nicht viel zum Weltkrieg, und es wurde nicht nur in Vietnam gebombt, sondern 'undercover' auch in Laos und Kambodscha. Die erste große Drogenwelle stammte von da ('Goldenes Dreieck') und unter George Bush war es ein weiteres Mal ein Vizepräsident, Dick Cheney, der einen Krieg in Afghanistan und anderswo anzettelte, und wieder die Drogen-Warlords an die Macht brachte.
Und jedesmal hat später sich der damalige Verteidigungsminister zerknirscht distanziert, erst Robert McNamara, dann Colin Powell. Das sind mir ein paar Parallelen zuviel.
Einige "Tidbits" zu Hillary Rodham Clinton:
Clinton und ihr Mann zeigten schon früh, daß sie feste moralische Prinzipien haben.
Ihr enger Mitarbeiter Vincent W. Foster, Jr. starb ja bekanntlich eines verdächtigen Selbstmordes, etwas, das selbst Donald Trump sich schon traute, im Wahlkampf zu erwähnen. Es gibt Anzeichen, eben jener Vincent W. Foster, Jr. könne in geheimdienstliche Goldschiebereien verwickelt gewesen sein (und Hillarys Clinton habe davon gewußt bzw. profitiert). Auch habe Hillary Clinton als Angehörige einer Rechtsanwaltskanzlei in ihrem Heimatort mit der NSA zusammengearbeitet bei der Entwicklung von Spionagesoftware.
Man kann sich also darauf gefaßt machen, daß eine Hillary-Clinton-Präsidentschaft sehr spannend werden dürfte, zumindest, was die außenpolitischen Spannungen anbetrifft.
Hillary Clinton in ihren Büchern und eigenen und fremden biographischen Aufzeichnungen
Biographien zu Hillary Clinton    |    Bücher von Hillary Clinton    |    Hillary Clinton in Anekdoten und Berichten von Zeitgenossen    |    Hillary Clinton in Büchern über die Familie Bush    |    Hillary Clinton in Büchern über Bill Clinton    |    Hillary Clinton in Büchern über Barack Obama    |    Hillary Clinton in Büchern über Arnold Schwarzenegger    |    Sonstiges zu Hillary Clinton
Hillary Clinton, der Wahlkampf, die Innen- und Außenpolitik und die Wirtschaft
Hillary Clinton und die Politik    |    Hillary Clinton und Wirtschaftsthemen    |    Hillary Clinton - Sonstiges zum US-Wahlkampf    |    Hillary Clinton - US-Wahlkampfsoziologie    |    Wirtschaftsthemen mit Bezug zu den USA und Clintons Politik
Das politische System der USA in Geschichte und Gegenwart und Clintons Karriere
Die USA allgemein    |    Die USA und ihre Geschichte    |    Die USA und die Medien    |    Die Außen-, Sicherheits-, Innen- und Sozialpolitik der USA    |    Sonstiges zu den USA
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