Sind Target-II-Salden im Europäischen Zentralbanksystem Überziehungskredite, bedrohen deutsche Vermögen und Wirtschaftskraft?

Literaturhinweis @, Sonntag, 11.09.2016, 22:23 vor 3460 Tagen 10901 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 23.03.2017, 16:36

Es war bekanntlich der inzwischen emeritierte Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Prof. Hans-Werner Sinn (dem kein Kritiker bislang wirklich das Wasser reichen konnte), der auf die Brisanz der unbesicherten Target-2-Salden aufmerksam machte.

Von Unglauben bis Haß, auch aus "wissenschaftlichen Zirkeln" streuten die Reaktionen, obwohl er die Target2-Problematik, getreu seiner üblichen Arbeitsweise, ziemlich sauber analysiert hatte. Es ging wohl mehr darum, daß nicht sein kann, was nicht sein darf. Es gab allerdings auch durchaus gewichtige Gegenstimmen. Auch der Bundesbank-Präsident Weidmann schaltete sich ein und weckte damit Zweifel, ob er seinen eigenen Beritt wirklich kennt. Ein anderer Artikel war für mich beim Durchlesen derart konfus, daß ich es aufgegeben habe.

Nach Prof. Sinn und anderen ist die Target2-Problematik sehr schnell und einfach erklärt:

Da die einzelnen nationalen Zentralbanken über die Europäische Zentralbank miteinander verrechnen, entstehen Plus- und und Minussalden, je nachdem, wieviel ein Land bei einem anderen Euro-Land einkauft. Sind keine ausreichenden Guthaben bei der betr. nationalen Zentralbank des Einkäuferlandes, etwa Griechenlands, vorhanden, so wird "angeschrieben". Egal wo, seit Einführung des Euro, spätestens aber seit dem Lehman-Kollaps, wird einfach nur noch aufgeschuldet, nicht mehr (vollständig) getilgt. Damit das überhaupt möglich ist, mußte der Zinseszins-Effekt ausgehebelt werden - mit Null- und Negativ-Zinsen. Adolf Hitler und sein Geldberater Feder hätten ihre helle Freude!!!

So fehlen daher auch nicht die bezahlten Lemminge in dieser Diskussion. Einer schreibt doch tatsächlich ein Buch mit dem Titel: "Lang lebe der Euro! Warum wir für unsere Währung auf die Straße gehen sollten". So, wie die Eliten schon für Griechenland-Anleihen auf die Straße gingen. Und erst recht die Griechinnen.

Das Target2-System wirkt somit (mittlerweile) wie ein unbegrenzter Überziehungskredit, wie, wenn alle nationalen EZB-Mitgliedsbanken sich gegenseitig unbegrenzt Kontokorrent-Kredite einräumen würden. Vgl. Hans-Werner Sinn: "Die Target-Falle: Gefahren für unser Geld und unsere Kinder".

Natürlich war das so nicht gedacht (oder vielleicht doch???), denn in ihrer Verbohrtheit dachten Helmut Kohl und die anderen "europäischen" Politiker, die das Euro-Abenteuer verbrochen haben, nicht daran, daß es derartige dauerhafte Ungleichgewichte geben könnte. Dabei hätte ein kurzer Blick auf den innerdeutschen Länderfinanzausgleich zumindest stutzig machen müssen. Zwar ist das kameralistische System der Länderhaushalte nicht direkt mit dem EZB-Verrechnungssaldensystem vergleichbar, es zeigt aber auf, daß es zwischen unterschiedlich produktiven Wirtschaftszonen dauerhafte Ungleichgewichte geben kann, sofern man endlos anschreibt, ohne Rückzahlung zu fordern. Nichts anderes ist ja der Länderfinanzausgleich, er wird nur nicht als Kredit durchgeführt, sondern gleich als ewigwährendes Geldgeschenk. Beim Target2-Verrechungssystem tut man anfangs halt so, als gäbe es eine Rückzahlungsverpflichtung, läßt aber, anders als sonst bei Kreditgeschäften üblich, die Rückzahlungszeithorizonte geflissentlich unter den Tisch fallen.

So, wie die wirtschaftliche Ungleichheit der deutschen Bundesländer seit 1949 praktisch unverändert fortbesteht (Bayern oder Baden-Württemberg zahlen ein, Bremen z.B. bedient sich), so war es nie anders innerhalb Europas: Frankreich und Griechenland oder Großbritannien hatten grundsätzlich immer wieder mit Inflationstendenzen zu kämpfen, mit denen sie sich über Währungsverschlechterung z.T. "entschuldeten", somit aber auch weniger in den Hartwährungsländern einkaufen konnten. Die EU-Staaten der "Südschiene" sind aber ohnehin schon Netto-Empfänger von EU-Mitteln, d.h. die Target-2-Geschenke erhöhen diese Transfers nochmal erheblich.

Mit Einführung des festgezurrten Wechselkursverhältnisses, das der Euro systembedingt in jedem Euro-Mitgliedsland erzwingt, gleichen sich diese Ungleichgewichte nicht mehr über Währungsauf- und Abwertungen aus.

Das wäre immer noch nicht weiter schlimm, wenn, wie beim Federal Reserve-System in USA die regionalen Mitgliedsbanken im EZB-System ihre Salden regelmäßig ausgleichen müßten (na ja, jetzt gelingt das auch nicht mehr immer). Dieser Mechanismus ist aber im Euro-Raum so nicht vorgesehen. Theoretisch besteht natürlich der Anspruch, daß die Saldenüberhänge, sprich Schulden, wieder rückgeführt werden müssen, aber einen Erzwingungsmechanismus sieht das System (bisher) erkennbar nicht vor.

So gesehen erreicht das Target2-System das Gegenteil von dem, was mit der Euro-Einführung vorgeblich beabsichtigt war: eigentlich sollte der Euro zu einer Angleichung des Wohlstandes und der Wirtschaftsverhältnisse innerhalb der Euro-Zone führen. So gab es vor Beginn der Euro-Zone 2001 und bei jedem folgenden Beitritt zuvor sog. "Konvergenzkriterien", etwa, daß die Währungen gegeneinander nur noch minimal schwanken durften.

Alles Augenwischerei natürlich, denn diese vermeintliche Konvergenz wurde durch massive Eingriffe am Währungsmarkt "sichergestellt" - zeigte also das genaue Gegenteil dessen, was Vorgabe war: nämlich, daß ohne künstliches Korsett die Währungen gegeneinander nicht nur schwanken würden, sondern daß tendenziell ganz bestimmte Währungen stets abwerten und nicht bloß "schwanken" würden.

Was die Target2-Salden somit nun abbilden, ist ungefähr der Abwertungsdruck, der bestünde, wenn das sich so verschuldende EZB-Mitgliedsland noch eine unabhängige Währung hätte. Nur daß keine Korrektur stattfindet, die bei frei schwankenden Währungen stets eintreten müßte.

Über diese Abwertung und den Mangel an Währungsreserven erledigt sich der Konsumrausch der begehrlichen Volkswirtschaft von ganz alleine: ohne Moos nix los. Dauerhaften Währungsstützungen geht immer dann die Puste aus, wenn die Fremdwährungsbestände aufgebraucht sind und kein Kredit auf Fremdwährungsbasis gewährt wird. Target2-Überziehungsmöglichkeiten wirken wie ein zeitlich und mengenmäßig unbegrenzter Überziehungskredit der nationalen Zentralbank zum "Verkauf" von Fremdwährung, um die "eigene" Währung zu stützen. Etwas, das Großbritannien gebraucht hätte, um seine Stützungsaktion für's Pfund "ewig" fortzuführen, was Soros, der das Spiel durchschaute, weil er, anders als Trichet, Draghi oder Weidmann, rechnen konnte, reich machte.

Das Perverse an der Situation ist, daß die Bundesbank scheinheilig argumentiert, sie wolle nicht alle im Ausland lagernden Goldreserven repatriieren, da diese für den Ausgleich solcher Zahlungsbilanzdefizite benötigt würden. Damit ist gemeint, daß, wenn die Bundesbank nicht genügend Dollarreserven in New York mehr hat, um den Einkauf von z.B. US-amerikanischen Caterpillar-Bulldozern zu begleichen, dann kann sie ihr dort lagerndes Gold verpfänden bzw. eintauschen gegen eben diese fehlenden Dollar. Und wenn es dort nicht schon in weiser Voraussehung lagerte, müßte sie es dann erst wieder teuer dorthin schaffen.

Nach derselben Logik müßten also griechische, spanische, portugiesische usw. Goldbestände in Frankfurt lagern!

Dieses Beispiel zeigt, daß die Bundesbank sehr wohl weiß, was Target2-Salden sind - nämlich Überziehungskredite von EZB-Mitgliedsbanken, die keine Gold- bzw. Fremdwährungsreserven haben, um ihre Schulden bei der Bundesbank zeitnah zu begleichen.

Jeder, der schon mal einen Überziehungskredit bei seiner Bank hatte, weiß auch, daß er/sie normalerweise einen maximalen Überziehungsbetrag "abheben" kann, zu einem halbwegs erträglichen Zinssatz und daß jede Mark oder Euro daüberhinaus deutlich mehr kostet, oft Zinsen im Umfang von über zehn bis über 20 Prozent, je nach Bank und Bonität des Schuldners.

Auch davon sehen wir im Target2-System nichts. Nicht nur, daß jegliche Sicherheiten und Rückzahlungsfristen fehlen, es gibt das Ganze heutzutage auch noch kostenlos.

Wer jetzt noch immer nicht sehen will, daß dieses System nur in einer Katastrophe enden kann, dem ist nicht zu helfen.

Saisonale Schwankungen im Target2-System wären ja noch verständlich und verkraftbar, etwa, wenn Griechenland im Winter und Frühjahr "in die Miesen" rutscht, weil die Olivenernte erst im August auf den Markt kommt, ebenso, wie die deutschen Touristen erst im Juli und August dort ihre Sommerferien verbringen. Ginge alles mit rechten Dingen zu und wären die griechische und die deutsche Volkswirtschaft sich insofern ebenbürtig und komplementär, so würde dann aber im August/September ein ebensohoher griechischer Überschuß entstehen, wie im Winter ein Minus verbucht wurde.

Keiner, der noch bei Verstand ist, wird aber angesichts der Lage in Griechenland ernsthaft zu hoffen wagen, daß Griechenland selbst in fernerer Zukunft seine Schulden wird bezahlen können. Selbst der eingefleischteste Keynesianer, auch wenn er die Widerlegung "seiner" Theorie kontrafaktisch nicht akzeptieren mag, müßte doch anerkennen, daß die Troika-Forderungen nach höherer Besteuerung bei gleichzeitiger schwindender Wirtschaftsleistung pro-zyklisch sind und die Wirtschaftsbasis weiter erodieren müssen.

So gesehen sind Target-2-Salden Geschenke an die jeweils unterlegene Volkswirtschaft, die ihre relative Ineffizienz zu erhalten streben.

Da reichere Nationen auch z.B. Entwicklungshilfe zahlen, und nicht zu knapp, könnte man dann ja noch anführen, solche zinslosen, unbefristeten Kredite seien eine Art solidarische Wirtschaftshilfe. Auch dagegen wäre noch nichts zu sagen, man kann über alles reden, schließlich wird man auch bei Erdbeben oder Flutkatastrophen nicht abseits stehen.

Jedoch: die Target2-Salden scheinen, nach allem, was man wissen kann, zu allem Überfluß auch noch überwiegend in den Konsum zu fließen. Damit verstärken sie die Abhängigkeit und Unselbständigkeit dieser Volkswirtschaften nicht nur noch, sie stellen sich somit, ganz im Sinne Prof. Sinns Kritik, als Geschenke heraus, nur mit dem Unterschied, daß der Schenkungsakt, die bilanzielle Abschreibung, noch nicht vollzogen ist.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden, da sind wir guter Dinge.

Nun muß man das Ganze mal, damit es auch Nicht-Banker verstehen, wie Schäuble oder Merkel oder ein Herr Ex-Bundespräsident Köhler, auf die Situation eines Privathaushaltes umrechnen:

Nehmen wir an, jemand hat ein Auto, das er seinem Nachbarn oder Neffen laufend verleiht. Zwar stellt Neffe oder Nachbar einen Schuldschein aus, aber konkret zahlen tut er nicht. Jeden Monat legt er einfach noch einen Schuldschein drauf. Abends bringt er ab und zu das Auto mit fast leerem Tank und dankbar fährt er morgens wieder damit los, nachdem der Eigentümer freundlicherweise -gegen Schuldschein- wieder mal vollgetankt hat.

Tja, das geht eine ganze Weile gut, aber irgendwann nagt der Zahn der Zeit auch an diesem Auto und es gibt den Geist auf. Kein Problem, denkt der Halter sich: ich hab' ja die Schuldscheine. Nun muß ich doch mal welche einlösen. Tja, aber Neffe oder Nachbar haben immer noch nix auf der Naht. Sie haben auch nicht etwa Rückstellungen gebildet oder sonstwie vorgesorgt, im Gegenteil, da sie laufend 'anschreiben' konnten, haben sie auch keine ernsthafte Ausgaben-Einnahmen-Disziplin an den Tag gelegt.

Was ist das Ende vom Lied? Der Verleiher hat nun auch kein Auto mehr, nur ein paar wertlose Schuldscheine, die er auch niemandem abtreten kann, denn die will keiner haben, der die zweifelhafte 'Bonität' des Neffen oder Nachbarn kennt.

Nun ist endlich Ende der Fahnenstange: der Neffe/Nachbar kann über kein Auto mehr verfügen, und kommt aus seinem wirtschaftlichen "Loch" nicht mehr heraus, ebensowenig aber kann der großzügige Verleiher des Wagens sich wieder aufrappeln. Denn Kapital, das konsumptiv verschwendet wurde, ist nunmal einfach weg.

Da man eine Target2-Forderung ebensowenig wie einen Schuldschein eines dubiosen Nachbarn nicht Zahlung halber abtreten kann, etwa an China, Rußland oder die USA, um damit dort einzukaufen, ist nun das Ende der Sackgasse erreicht:

BEIDE Teilnehmer am Schuldschein-System, genannt Target 2, sind nunmehr pleite.

Beide müssen ab sofort kleinere, deutlich kleinere, 'Brötchen' backen. "Aber, aber, aber, bis gestern ging's doch noch prima!?"

Ja, bis gestern eben. Irgendwann ist immer morgen. Dann kann Griechenland ja schauen, ob es die wenigen noch reparablen Kettensägen vom Holzeinschlag in den erschöpften Wäldern verkaufen kann. Irgendwas findet sich immer, die einen verhungern und dann reicht es 'ne Weile wieder für den Rest.

Target2 ist einfach eine klasse Einrichtung, nicht wahr? Denn "So lange" [die Krise andauert, sind] die offenen Kreditlinien ... absolut unentbehrlich."

Die Krise dauert nur vermutlich "ewig an", da dank Null-Zinsen so hoch aufgeschuldet werden wird, daß nie mehr wird getilgt werden können.

Alle paar Monate tritt jemand dem Forum neu bei und versucht, oft, ohne die Grundlagenliteratur zur Geldtheorie überhaupt zu lesen, den Debitismus und andere grundlegende volkswirtschaftliche, geldhistorische und geldtheoretische Axiome zu hinterfragen und Verbesserungsvorschläge anzubringen.

Die letzte Diskussion zweigte dann von der generellen Frage der historischen Geldentstehung ab hin zu den Target2-Salden, die Prof. Sinn mal öffentlich diskutiert hatte.

Das war der Anlaß, diese Literaturhinweise zusammenzustellen. Es wäre manchen Kontrahenten dringend anzuraten, zuerst aufzuarbeiten, wie das Europäische Zentralbanksystem überhaupt funktioniert, dann, was es mit dem Target2-System auf sich hat und wieso Prof. Sinn in seiner damals spektakulären Vorlesung zum Schluß kam, die deutsche Wirtschaft verschenke letzlich ihre Produkte an die europäische Südschiene, insbesondere aber z.B. an Griechenland ("Es ist die Kreditentstehung im GR-Bankensystem, die das Problem ist").

Beim nächsten Schuldenschnitt innerhalb der Eurozone werden diese Targetsalden sicherlich mit "auf Null" gestellt, oder aber, wie früher die subprime-Hypotheken, "verbrieft" und auf die lange Bank geschoben.

In diesem Falle werden sich bestimmt einige deutsche Arbeiter und Angestellten finden, die wegen der "guten Zinsen" sich einige solche "Anleihen" in ihr Depot legen, ebenso ein paar notleidende Pensionsfonds, und damit werden sie die Target-Salden ein zweites Mal finanzieren!

Im Falle, daß das Gefängnis Euro-Zone auseinanderbricht, oder aber Griechenland sie verläßt oder zum Verlassen gezwungen wird, werden diese Target2-Salden ebenfalls uneinbringlich sein.

Wie man die Sache auch dreht und wendet: einige Daimler-Mitarbeiter haben sich so ihre eigenen Arbeitsplätze über den Umweg ihrer Steuern und ihrer Mitbeteiligung am Bundesbank-Defizit selbst finanziert. Etwas, für das wahrlich die Ausgründung einer Genossenschaft auch genügt hätte!

Bleibe im Lande und nähre die andern redlich, der soziale Imperativ.

Und nach dem unweigerlichen Zusammenbruch, nachdem diese "Werte" so uneinbringlich sein werden, wie einst die Argentinien-Anleihen, werden sich viele immer noch wundern, wie das sein kann, wo doch "alles so lange so gut lief".

Merke: wer seine Kredite immer wieder mit neueren, höheren Krediten prolongieren darf, zählt faktisch zu den "guten Schuldnern", es sei denn, man würde sorgfältig bilanzieren. Dieses ist aber im Zentralbanksystem der Neuzeit, bei dem keine Unterlegung von im EZB-System ausgeliehenenen Außenständen mit Sicherheiten vorgesehen ist, niemals der Fall. Sämtliche Zentralbanken sind ohnehin spätestens seit 1971 grandiose Luftnummern, wo auf der "Guthabenseite" die Schulden anderer Zentralbanken stehen ("Währungs'reserven'") sowie Forderungen an "Geschäfts"-Banken oder "gekaufte" Anleihen und mittlerweile Schrottpapiere, und auf der Passivseite die mit nichts besicherten Geldscheine u.a., auf denen gedruckt steht, daß man durch Einlösung eines solchen Scheines bei einer Zentralbank-Geschäftsstelle einen ebensolchen Schein, nur mit anderer Nummer, zurückerhält. Die Targetsalden sind um kein Haarbreit besser, im Gegenteil, auf deren Gegenposition stehen nicht etwa Fremdwährungshäuser wie die britische Bank of England oder das US-Federal-Reserve-System, sondern Bonitätsbomben wie etwa die griechische oder die französische oder spanische National'bank', deren erstere immer noch Schwierigkeiten hat, ihre Umwandlungssbilanz in Euro korrekt aufzustellen. "In einem typischen Clearingsystem gibt es nur geringe Restsalden. Das ist in Target II nicht mehr der Fall."

"Verlangt der Kunde der spanischen Geschäftsbank nun Überweisung seines Guthabens (z.B. 1 Mio. €) auf ein Konto bei einer deutschen Geschäftsbank, so ... hat ... die Bundesbank eine (unbesicherte) Ausgleichsforderung von 1 Mio. € ggü. der EZB (Target-2-Saldo) ..."

Nachdem Prof. Sinn das Thema aufgegriffen hatte, gibt es nunmehr einiges an ernstzunehmenden wissenschaftlichen Monographien zur Target2-Problematik und zur Funktionsweise des Target2-Systems:

- Das TARGET2-System im internationalen Zahlungsverkehr: Die TARGET2-Problematik

- TARGET2 - Ein wandelndes Pulverfass?: Risiken und Gefahren des EU-Zentralbankensystems

- Target2-Problematik – Europäische Integration des Finanzsektors mit Nebenwirkungen: Analyse der Ursachen der Target2-Salden und mögliche Lösungsszenarien

- TARGET2-Salden und die europäische Staatsschuldenkrise

- TARGET2. Kritische Diskussion der Risiken


Wissenschaftliche Abandlungen zu Target-II-Salden, Geldpolitik und Volkswirtschaftlehre

Wissenschaftliche Arbeiten zu EZB-Bundesbank-Target-II-Salden     |    EZB-Bundesbank-Target-II-Salden allgemein

oder

- Finanzierung von Leistungsbilanzdefiziten in der Eurozone: Die Rolle von TARGET2-Salden

und

- Auswirkungen der TARGET2-Problematik für Deutschland


Wie sagt "Mish" Michael Shedlock über das Target-II-System: "Eine Abscheulichkeit und ein grundsätzlicher Geburtsfehler des Euro ..." - Target II - "Ein Abbild der Kapitalflucht aus den 'Club Med'-Ländern in Südeuropa (Griechenland, Spanien, Portugal) hin zu nordeuropäischen Banken." (Vgl. "Finanzkrise und Divergenzen in der Wirtschaftsentwicklung als Herausforderung für die Europäische Währungsunion" oder "Ursachen und Folgen der Leistungsbilanzungleichgewichte in der Europäischen Währungsunion")

Was tun, sprach schon zur Gründung Europas Zeus, und auch hierzu haben einige bereits hier im Forum bekannte Autoren Bücher verfaßt, die zumindest ihnen ihr Auskommen erleichtern:

- "Eiszeit in der Weltwirtschaft: Die sinnvollsten Strategien zur Rettung unserer Vermögen" (Daniel Stelter)

- "Der private Rettungsschirm: Weil Ihnen Staat und Banken im Krisenfall nicht helfen werden" (Simone und Peter Boehringer)


Target-II-System und Europäische (Währungs-) Politik

EZB-Bundesbank-Target-II-Salden und europäische Politik    |    EZB-Bundesbank-Target-II-Salden und Bail-Outs    |    Stimmen pro EZB-Bundesbank-Target-II-Salden


Sonstiges zum Target-II-System

EZB-Bundesbank-Target-II-Salden - Sachbücher    |    Belletristik zu EZB-Bundesbank-Target-II-Salden


Target-II-System und dessen Gefahren für den privaten Vermögenserhalt - Abhilfestrategien

Vermögenssicherung angesichts EZB-Bundesbank-Target-II-Salden

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Danke fuer den ausfuehrlichen Beitrag

CalBaer @, Sonntag, 11.09.2016, 23:02 vor 3460 Tagen @ Literaturhinweis 6061 Views

Beim nächsten Schuldenschnitt innerhalb der Eurozone werden diese
Targetsalden sicherlich mit "auf Null" gestellt, oder aber, wie früher die
subprime-Hypotheken,
"verbrieft" und
auf die lange
Bank geschoben
.

Die "Schoenheit" der Target-II-Forderungen liegt ja darin, dass sie weder ein Faelligkeitsdatum haben, noch am Markt (wie sonst fast saemliche andere Forderungen, insbes. Staatsschulden) bewertet werden. Insofern muss man mit Target-II ueberhaupt nichts tun, da es keine Kurse gibt, womit die Finanzmaerkte weltweit in Turbulenzen geraten koennten. Stetig wachsende Target-II-Bilanzen wirken nicht viel anders als Muenzverschlechterungen (ZB-Geld ohne besicherndes Kollateral), mit der Forderungshalter (Steuerzahler der Plus-Saldenlaender) in der Breite belastet werden. Dass die "Muenzverschlechterungen" bisher kaum spuerbar sind, liegt einfach an dem gegenwaertig massiven deflationaeren Gegendruck.

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Ein ueberragender Teil der Oekonomen, Politiker, Banker, Analysten und Journalisten ist einfach unfaehig, Bitcoin richtig zu verstehen, weil es so revolutionaer ist.
Info:
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Danke für die Rückmeldung ...

Literaturhinweis @, Sonntag, 11.09.2016, 23:27 vor 3460 Tagen @ CalBaer 6286 Views

Die "Schoenheit" der Target-II-Forderungen liegt ja darin, dass sie weder ein Faelligkeitsdatum haben,

Nicht jeder ist des Lesens mächtig, andere wiederum kapieren nicht, was sie nicht kapieren und beschuldigen dafür andere ...

Target-II erlaubt der Buba lediglich den Banken ZB-Geld gutzuschreiben,

Nicht "erlaubt", ZWINGT!!!

Da scheint jemand die doppische Buchführung nicht vertraut. Der "Zwang" rührt nämlich daher.

Natürlich bedeutet Target II für die Bundesbank und damit Deutschland ein Riesenrisiko

Genau das hatte ich geschrieben. Nur leider kapiert es nicht jeder, der sich über bereits zehn Beiträge vergeblich abgemüht hat, es anderen "zu erklären".

Oh Herrgott, warum hast Du das Hirn auf Erden so ungleich verteilt???

Ich frage mich nur, wie jemand, der dasselbe sagt, wie ich, nur so hilf- und heillos überheblich sein kann?

Liegt es daran, daß auch andere etwas von einem Thema verstehen, das man bisher heimlich für sein ureigenstes Spezialgebiet hielt?

Wie sagt der Forenbetreiber immer so schön: Jeder blamiert sich, so gut er kann. Mancher ist selbst darin erbärmlich.

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Frage eines Laien: "Target" in Zeiten der DM

Weiner @, Montag, 12.09.2016, 01:06 vor 3460 Tagen @ Literaturhinweis 5789 Views

Besten Dank für diese aktuelle und Deine vorangehenden Empfehlungen!

Ich habe nur eine (angesichts dieser Riesenmaterie) winzig kleine Frage:

Wie wurde das in den Zeiten der Deutschen Mark geregelt, wenn mal aus Bayern mehr BMW und Lederhosen, aus Baden-Württemberg mehr Daimler und Spätzle in den 'armen' Rest von Deutschland verkauft wurden, als die Bayern und Schwaben umgekehrt aus anderen Bundesländern finanz- und warenmäßig bezogen hatten. Mit dem Länderfinanzausgleich, der ja über die exekutive Schiene läuft, konnte das ja zeitnah und punktgenau wohl nicht bewerkstelligt werden.

Mit freundlichen Grüßen,
Weiner

Diese deutschlandinternen Überweisungen waren entweder netto zu null saldiert oder besichert oder man machte den Graf Galen ...

Literaturhinweis @, Montag, 12.09.2016, 01:57 vor 3460 Tagen @ Weiner 6005 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 13.09.2016, 13:16

Wie wurde das in den Zeiten der Deutschen Mark geregelt, wenn mal aus Bayern mehr BMW und Lederhosen, aus Baden-Württemberg mehr Daimler und Spätzle in den 'armen' Rest von Deutschland verkauft wurden, als die Bayern und Schwaben umgekehrt aus anderen Bundesländern finanz- und warenmäßig bezogen hatten. Mit dem Länderfinanzausgleich, der ja über die exekutive Schiene läuft, konnte das ja zeitnah und punktgenau wohl nicht bewerkstelligt werden.

Der Länderfinanzausgleich war nur ein Beispiel auf sozusagen "Staatenebene". Mit dem An- und Verkauf von Gütern und Dienstleistungen im Bundesgebiet, egal, ob nun innerhalb eines Bundeslandes oder über Bundesländergrenzen hinweg, hat das natürlich "unter Privaten" rein gar nichts zu tun.

Die Sache ist ja relativ einfach:

A) JEDE Bank hat(te) bei der Bundesbank, bzw. bei den Landeszentralbanken als Geschäftsstellen der Bundesbank ein Konto, so, wie eine Privatperson oder ein Unternehmen ein Konto bei einer Geschäftsbank hat.

Die Kontonummer der Geschäftsbank bei der Bundesbank war die Bankleitzahl.

Nun konnte eine Bank an eine andere Bank nur soviel von einem Bundesbankkonto überweisen, wie sie dort an "Guthaben" hatte, oder, wenn sie überziehen wollte, mußte sie "bundesbankfähige Sicherheiten" haben.

Den Gesamtvorgang mit der Geldschöpfung will ich hier im Einzelnen nicht breittreten. Aber grundsätzlich konnte dort nicht, anders als bei Target-Salden, "unbegrenzt überzogen werden". D.h.: eine von Dir unterstellte Transaktion "Einkauf ohne Geld" konnte so gar nicht stattfinden!

B) Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß die Geschäftsbanken nicht unbedingt "über die Bundesbank" gehen mußten, denn sie unterhielten auch untereinander Konten. Und die einzelnen Banken gehörten zudem meist noch "Überbanken" an, die Genossenschaftsbanken hatten ihre Zentrale ebenso wie die Sparkassen usw.

Daher wurde erst mal geschaut, ob sich die Ein- und Ausgänge nicht vorher saldieren ließen.

Kurzfristig wurde natürlich auch eine "ungedeckte" Überziehung, quasi "auf Ehrenwort" zugelassen, die aber i.d.R. binnen Stunden oder zumindest binnen Tagesfrist wieder ausgeglichen wurde. Man vertraute einander.

Man vertraute einander jedenfalls, bis Graf Galen das Vertrauen ausnützte, in einem verzweifelten Versuch, seine Bank und seinen Hals zu retten.

Danach war man, vorübergehend zumindest, vorsichtiger. Auch zog die Bankenaufsicht danach die Zügel weiter an. Es war ein bis dato "unerhörter" Vorgang.

Im Übrigen gab es ähnliche Effekte, die das "reibungslose Überziehen" auf fast Null heruntersetzten, innerhalb des Kreises der Geschäftsbanken im Zuge der Wirtschaftskrise seit 2007/2008, insbesondere nach dem Lehman-Kollaps, als jede Bank drauf lauerte, wer der nächste Pleitekandidat sein könnte.

Einem maroden Staat wie Griechenland bzw. dessen theoretisch illiquider Zentralbank würde also in dieser Art im Kreise der Geschäftsbanken niemals nicht etwas leihen und daher ist das von Dir unterstellte Szenario unter Geschäftsbanken so nie eingetreten.

Wenn Bremer Unternehmen oder Privathaushalte in Bayern mehr einkaufen wollen, "als sie sich leisten können", so müssen sie vorher schauen, daß ihnen jemand etwas leiht oder der Staat Subventionen bereitstellt.

Leihen konnte man aber unbesichert zu Zeiten des alten Kreditwesengesetzes eigentlich nicht über einen Betrag von max. 50.000 D-Mark je Kreditnehmer und im Übrigen schaute sich die Bundesbank und die Bankenaufsicht das genau an, was da unbesichert ausgereicht wurde. Eine Bankenaufsicht für das Europäische Zentralbank-System als solches fehlt aber, hüstel. Wenn die EZB-Granden gegen ihre eigenen Regeln verstoßen, dann fehlen jegliche Sanktionen. Und wenn man sich den Europäischen Rettungsschirm anschaut, dann werden sogar gleich lebenslange strafrechtliche Immunitäten verteilt. Da kann selbst die Mafia nur von träumen!

Daß riskante Ausleihungen Konsequenzen hatten, konnte man an den frühen Landesbank-Skandalen sehen.

Oder siehe Herstatt-Bank.

Oder die DG-Bank 1990.

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Mit bundesweit agierenden GBs hatte man dieses Problem sowieso nicht

CalBaer @, Montag, 12.09.2016, 04:47 vor 3460 Tagen @ Literaturhinweis 5657 Views

..., weil das ZB-Geld im selben Institut bleibt. Regionale Ueberschuesse oder Defizite bedrohten daher nicht das System. Zwar gibt es netto Ab- bzw. Zufluesse zwischen den Instituten, aber das hat nichts mit regionalen Ueberschuessen/Defiziten zu tun, es sei denn die Banken sind sehr regional aufgestellt so wie in der Euro-Zone. Das ist auch eines der wesentlichen Merkmale der Fehlkonstruktion des Euro-Systems: Einfuehrung eines gemeinsamen Waehrungsraums, trotz national stark segmentiertem Bankensektor.

In den USA haben wir dieses Problem viel weniger, weil die domonierenden Grossbanken landesweit agieren. Abfluesse z.B aus dem FRB San Francisco zum FRB New York bleiben im wesentlichen beim selben Bankinstitut. Zudem liehen sich die Banken gegenseitig Geld (Interbank Lending). Das ist seit 2008 fast vollstaendig zum Erliegen gekommen, weil sich die Banken nicht mehr ueber den Weg trauen. Das gleicht nun die ZB als "Lender of Last Resort" aus.

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Geldverkehr verglichen mit Autoverkehr

Weiner @, Montag, 12.09.2016, 09:13 vor 3459 Tagen @ Literaturhinweis 5504 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 12.09.2016, 13:06

Erneuter Dank an den universalgelehrten Spezialisten!

Der Hintergrund meiner Frage war, dass ich mir (abermals zugegeben: als Laie) Gedanken mache, wie das "Geldwesen" so geordnet werden könnte, dass stabile und intern faire menschliche Wirtschaftsgemeinschaften gebildet werden könnten, u.z. auch mit großen Teilnehmerzahlen (im 100-Millionenbereich). Im Augenblick muss man die Geldsysteme wohl überwiegend als Ausbeutungs- und Machtausübungsinstrumente ansehen.

Lässt man einmal die Geldschöpfung beiseite und nimmt (theoretisch/fiktiv) an, dass es eine Art 'längerfristig' werthaltiges Geld gäbe, könnte man sich dann ein reines Zahlungsverkehrssystem vorstellen, das zwei Dinge leisten würde: Geld wird überwiesen und Geld wird (evtl. fristgebunden) aufbewahrt. Wir haben dann die Situation wie im Autoverkehr: Autos fahren hin und her (=Überweisung; kostet Kraftstoff!), und wenn sie nicht fahren, werden sie irgendwo geparkt (Konto im Plus, Parkgebühren in der Stadt, aber auch Zuhause durch Kauf/Bau eines Abstellplatzes).

Hinter dieser Frage steht die nächste: könnte ein solches Zahlungsverkehrssystem als Leistung "des Staates" konstruiert, aufgebaut und getragen werden? Es wäre dann eine Teilaufgabe bzw. -leistung der 'res publica', also eines Gemeinwesens. In Deinem Beitrag klingt allerdings an, dass es auch privatwirtschaftlich geführt werden könnte, wenn eben eine AUFSICHT mit Sanktionsmöglichkeiten existierte und die Privaten sich (schon aus Eigeninteresse) an gewisse Regeln halten.

Hierzu diene wieder der Vergleich mit dem Straßenverkehrssystem: es ist eine öffentliche und gemeinschaftliche Leistung. Ich stelle mir manchmal die Frage, ob es geschichtlich gesehen hätte aufgebaut werden können ohne einen starken und interessierten Staat (wobei ich sehr wohl weiß, dass 'der Staat" hier in Kommunen und Regionen differenziert werden muss; und es waren auch hier immer mal wieder starke privatwirtschaftliche Akteure beteiligt).

Ich komme für mich zur Auffassung, dass rein der Zahlungsverkehr ohne allzu großen Aufwand (Straßenbau ist hier viel aufwändiger!) heute perfekt geregelt werden könnte, d.h. auch inklusive Sicherheitssysteme (wie man sie ja auch im Straßenbau kennt ...). Ich bitte, mich ggfs. aber zu korrigieren. Die Frage, ob Bargeld, E-Geld etc. ist sekundär und wird in der Straßenverkehrszulassungsverordung geregelt ... Wenn ein derartiges Zahlungsverkehrssystem gebaut und unterhalten werden könnte, dann reduzierte sich die Frage nach dem Geldsystem dann nur noch auf die Frage: wie kommt der Teilnehmer am Verkehrssystem zu einem Fahrzeug.

Vielleicht hilft aber auch hier der Vergleich zum Straßenverkehr ein wenig zumindest weiter - und da denke ich nicht nur an den Technischen Überwachungsverein und an die Erteilung von Führerscheinen ...

MfG, und eine gute neue Woche wünschend,
Weiner

Guter Beitrag, Spanien und Italien

Michael Krause @, Montag, 12.09.2016, 09:16 vor 3459 Tagen @ Literaturhinweis 5739 Views

Spaniens Saldo auf 40 Monate Hoch und Italiens Target-2 Salso auf all time high. Da kommt noch was dieses Jahr.

--
Das einzige Recht des Sklaven ist das Recht auf Arbeit und das darf man ihm nicht nehmen.

Ist der Aufkauf von Titeln durch die Zentralbanken u.a. ein verzweifelter Versuch Werthaltiges zu ergattern, statt positive anonyme Tar

Brigitte @, Montag, 12.09.2016, 11:52 vor 3459 Tagen @ Literaturhinweis 5496 Views

Hallo Literaturhinweis,

um verstehen zu können, was Target bedeutet, müsste man sich tiefer in den Wirtschaftskreislauf (Verschuldung) incl. des Bankensystems einarbeiten. Da ich derzeit anderweitig ziemlich beschäftigt bin, gehe ich nun lediglich vereinfacht auf das Bankensystem/Target ein.

Geld entsteht durch Personen, welche sich verschulden. So bucht sich die Bank bei Kreditgewährung eine Forderung gegenüber dem entsprechenden Bankkunden (Aktiva), sowie eine Verbindlichkeit, inform der Bereitstellung eines Kontoguthabens gegenüber dem Bankkunden (Passiva), ein. Wird dieses Guthaben auf ein Konto eines weiteren Bankkunden innerhalb der Bank überwiesen, wird die Verbindlichkeit der Bank gegenüber dem Kunden A ausgebucht und dem Kunden B gutgeschrieben. Reales Geld wird hierfür nicht benötigt. Verlässt das gebuchte Kontoguthaben die Bank und wird auf das Konto einer weiteren Bank überwiesen, so wird dieser Betrag, sowie viele andere Beträge, welche von den Banken überwiesen werden, gegenseitig aufgerechnet. Letztendlich bleibt ein wesentlich kleinerer Betrag, als die Gesamtsumme der Überweisungen, am Tagesende übrig, welcher den Banken gutgeschrieben bzw. belastet wird. ( Netting/Clearing) Lediglich für diesen Betrag wird, sofern keine weitere Clearingstelle hierfür in Anspruch genommen wurde, Zentralbankguthaben benötigt. Es fließt auch in diesem Falle kein reales Geld.

Eine Bank verfügt dann über Zentralbankguthaben, wenn sie dieses bei der Zentralbank einzahlen/überweisen konnte, Geld auf diesem Konto einging oder sie sich bei der Zentralbank refinanziert (verschuldet). Die Banken können ihre oben beschriebenen Tagessalden über dieses Guthaben ausgleichen oder Kundenüberweisungen in weitere EU-Länder tätigen. Überweist nun eine italienische Bank Geld eines ihrer Kunden auf ein Konto bei einer deutschen Bank, so benötigt diese Zentralbankguthaben. Dieses wird entsprechend des Überweisungsbetrages bei der italienischen Zentralbank verringert und dem Konto der jeweiligen Bank bei der deutschen Zentralbank gutgeschrieben. Zwischen den beiden Zentralbanken befindet sich das Targetsystem, dessen Saldo sich, durch diese Transaktion, postiv wie negativ mehrt.

Die Targetsalden verändern sich, wenn es Banken gibt, welche über heimisches Zentralbankguthaben verfügen und dieses in ein weiteres Land mit angeschlossener Zentralbank überwiesen wird oder z.B. die deutsche Zentralbank italenische Staatsanleihen aufkaufen würde. In letzterem genannten Fall würde sich die Deutsche Zentralbank als direkter Gläubiger dem Schuldner italienischer Staat gegenüberstellen, was dazu führen würde, dass sich der positive deutsche Targetsaldo, sowie der negative italienische Targetsaldo verringern.

Ein Problem der Targetsalden ist es, dass sich Guthabenbesitzer "weigern", gewisse Schuldpapiere aus Italien, Griechenland, ... zu kaufen. So könnte sich die Bundesbank durch den Kauf, so hoffe ich, einigermaßen sicherer italienischer, .... Schuldtitel als direkter Gläubiger den Schuldnern in Italien und als Schuldner gegenüber den deutschen Guthabenbesitzern gegenüberstellen. Die Bundesbank würde dann über eher werthaltige Sicherheiten verfügen, statt über einen zwar positiven, aber zweifelhaften, da nicht zuortbaren Targetsaldo (ELA, ..).

Letztendlich nutzt auch die Abwertung einer Währung nichts, wenn man z.B. die Handlung der Schweizer Zentralbank betrachtet, welche, um den Kurs des Währungspaares Euro/SFr stabil zu halten, gezwungen ist, Europapiere zu kaufen.

Was würde z.B. passieren, wenn die EU, die USA, ... ein Veto in Bezug auf den Verkauf sicherer Papiere an Personen im Ausland, z.b. aus der Schweiz einlegen würde?

Brigitte

"Weigerung"

CalBaer @, Montag, 12.09.2016, 17:46 vor 3459 Tagen @ Brigitte 5580 Views

Ein Problem der Targetsalden ist es, dass sich Guthabenbesitzer "weigern",
gewisse Schuldpapiere aus Italien, Griechenland, ... zu kaufen.

Nun muss man sich fragen, warum man wohl die Targetsalden solchen Schuldpapieren vorzieht. Es liegt teilweise daran, dass gar keine ZB-faehigen Schuldtitel vorhanden sind, die man kaufen koennte, wie im Falle von GR. Das GR-System ist faktisch zahlungsunfaehig, es wird mit Target-II nur gestreckt in der Hoffnung, die Klattens und Albrechts und wie sie alle heissen kaufen bald die schoenen griechischen Inseln, die selbst die griechischen Milliardaere schmaehen.

--
Ein ueberragender Teil der Oekonomen, Politiker, Banker, Analysten und Journalisten ist einfach unfaehig, Bitcoin richtig zu verstehen, weil es so revolutionaer ist.
Info:
www.tinyurl.com/y97d87xk
www.tinyurl.com/yykr2zv2

(Beitrag gelöscht von @Beo2) (oT)

Beo2 @, NRW Witten, Dienstag, 13.09.2016, 10:01 vor 3458 Tagen @ CalBaer 5041 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 13.09.2016, 10:11

- kein Text -

Target2 = Ersatz für (überflüssigen) Transfer von Sicherheiten (Aktiva) ..

Beo2 @, NRW Witten, Dienstag, 13.09.2016, 10:10 vor 3458 Tagen @ CalBaer 5261 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 13.09.2016, 10:22

Die "Schoenheit" der Target-II-Forderungen liegt ja darin, dass sie weder ein Faelligkeitsdatum haben, noch am Markt (wie sonst fast saemliche andere Forderungen, insbes. Staatsschulden) bewertet werden.

Völlig richtig, sie haben keinerlei Fälligkeit .. und können auch keine haben, da es ja (kumulierte) Zahlungsbilanz-Salden sind und die überwiesenen Geldzahlungen bereits an die Begünstigten und Kunden der empfangenden ZBanken (hier die BuBa) in ZB-Giralgeld (ZBGeld) bereits geflossen sind? UND, bei der überweisenden GBank im Euroausland ist die überwiesene Geldsumme von ihrer nationalen ZBank bereits restlos ausgebucht bzw. vernichtet worden.

Insofern muss man mit Target-II ueberhaupt nichts tun, da es keine Kurse gibt, womit die Finanzmaerkte weltweit in Turbulenzen geraten koennten.

Völlig richtig. Die Target2-Salden sind lediglich von statistischem Interesse. Sie weisen auf ein realwirtschaftliches Problem hin, nämlich auf unausgeglichene Außenhandels- und Investitionsbilanzen, teils auf Kapitalflucht etc. zwischen den Volkswirtschaften.
Mit anderen Worten: Bei dem Target2-Saldo der BuBa handelt es sich zu einem Großteil um "Nachfrage- und Investitionsschulden" der deutschen Wirtschaftsteilnehmer gegenüber dem Rest der Eurozone; der Rest ist Kapitalflucht aus der Eurozone nach DE.

Stetig wachsende Target-II-Bilanzen wirken nicht viel anders als Muenzverschlechterungen (ZB-Geld ohne besicherndes Kollateral), mit der Forderungshalter (Steuerzahler der Plus-Saldenlaender) in der Breite belastet werden. Dass die "Muenzverschlechterungen" bisher kaum spuerbar sind, liegt einfach an dem gegenwaertig massiven deflationaeren Gegendruck.

Es kann hierbei keinerlei "Münzverschlechterung" geben, da die überwiesenen Geldsummen bei den überweisenden GBanken von der jeweiligen nationalen ZBank restlos ausgebucht wurden. Die Geldmenge M0 in der Eurozone hat sich also durch die tatsächlich erfolgten und verbuchten Zahlungsvorgänge nicht im geringsten geändert.

Du bist aber dem richtigen Verständnis der Vorgänge bereits auf der Spur, da Du verstanden hast, dass die nationalen ZBanken hierbei in Wirklichkeit gar kein Geld überweisen, sondern Geld eigens für die einzelnen Zahlungen HIER kreieren und gleichzeitig DORT ausbuchen. Das bedeutet aber durchaus, dass der BuBa nun entsprechende Sicherheiten (aus geldpolitischen Operationen) in den Aktiva fehlen - und gerade deshalb gibt es ja zum Ausgleich jene aktive "Ausgleichsforderung" in ihrer Bilanz. Diese Sicherheiten, die den quasi-überwiesenen Summen zugrunde lagen, befinden sich aber nachwievor und verbleiben dauerhaft bei den überweisenden nationalen ZBanken. Bei diesen, überweisenden ZBanken besteht folglich ein entsprechender Überhang an Sicherheiten, da sie in ihrem Geltungsbereich Geldsummen ausgebucht haben. Diese Sicherheiten werden also nicht andauernd hin und her verschoben, da die nationalen ZBanken nur Filialen derselben Großbank sind, welche EZB heißt. Die Bilanzen der nationalen ZBanken sind nur Teilbilanzen der EZB-Bilanz.
Die Zentrale der EZB besteht lediglich aus dem Direktorium und ein paar Beamten; es ist nur die Chefetage des ZBankenverbunds. Ein Hin- und Her-Schieben der auf die Filialen verteilen Sicherheiten (aus geldpolitischen Operationen) wäre einfach (wegen der fehlenden Stückelung) aufwendig und letztlich sinnlos. Alle geldpolitischen Operationen sowie der Zahlungsverkehr der Eurozone laufen ausschließlich über die nationalen ZBanken jeweils in ihrem Geltungsbereich, und dies gegebenenfalls auf Anweisung des Direktoriums der EZB. Beim Zahlungsverkehr hält sich das Direktorium natürlich ganz raus, da dieses routinemäßig mit Target2 geregelt ist.

War dies klar genug? Auf die desaströse Zusammenstellung von @Literaturhinweis will ich gar nicht eingehen, da mehr als 95% davon falsch ist .. ein Armutszeugnis für das deutsche und europäische Ökonomie-Expertentum.

Mit Gruß, Beo2

PS: Hier nochmals der ganze Vorgang prägnant und sehr knapp .. @Gaby Geldüberweisung, wofür auch immer, aus GR an dich in DE:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=413448

Target2 wird erst interessant

Orlando ⌂ @, Dienstag, 13.09.2016, 10:32 vor 3458 Tagen @ Beo2 5310 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 13.09.2016, 16:48

wenn der Euro friedlich zerbricht, aber das wird ja nie geschehen (Ironie darf dazugedacht werden), diese Salden sind nur ein Ausweis dessen, dass das Eurosystem ein Zwitter zwischen nationalen und einer gemeinsamen ZB ist und gar keine reinrassige Währungsunion.

Wäre der Euro reinrassig, gäbe es nur die EZB und keine nationalen ZBs mehr und dann gäbe es auch keine nationalen Salden.

Wenn es zu einer friedlichen Auseinandersetzung des Eurosystems käme, müssten die Bundesbank und die anderen nationalen ZBs eben ihre Aktiva entsprechend aufteilen; wenn die Bundesbank dann noch einen positiven Saldo hätte, kriegte sie dafür dann halt Anleihen in Drachmen, Lira, Peseten und Francs notierend, welche Währungen vermutlich dann erst mal tanken gehen würden.

Verzinst werden die Salden deshalb, weil ja die nationalen ZBs auch Zinsen von den Banken für die in Pension genommenen Papiere kassieren.

Was die Kritiker nicht verstehen (muss jetzt auch mal poltern à la "ihr habt alle keine Ahnung", da es hier zum guten Ton gehört [[zwinker]] ) ist, dass diese Salden eben keine unbezahlten Rechnungen sind, sondern nur eine Forderung gegen Aktiven der betreffenden ZB, die selbstverständlich auch nominell vorhanden sind.

Bin weitgehend d'accord! (edit.)

Beo2 @, NRW Witten, Dienstag, 13.09.2016, 11:57 vor 3458 Tagen @ Orlando 5108 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 13.09.2016, 16:42

Was die Kritiker nicht verstehen (muss jetzt auch mal poltern à la "ihr habt alle keine Ahnung", da es hier zum guten Ton gehört ) ist, dass diese Salden eben keine unbezahlten Rechnungen sind, sondern nur eine Forderung gegen Aktiven der betreffenden ZB, die selbstverständlich auch nominell vorhanden sind.

Na endlich - noch einer, der es begreift!

Target2 wird erst interessant, wenn der Euro friedlich zerbricht, aber das wird ja nie geschehen [...]

Angenommen, die von der BuBa "geforderten" und z.B. von der GR-ZB "geschuldeten" Sicherheiten (Aktiva) würden in GR platzen. Was dann (?):

Klar ist, dass diesen Anteil an ihrer Ausgleichsforderung (Target2) die BuBa ausbuchen und ihr Target2-Saldo entsprechend mindern müsste. Auf der Passivseite müsste sie dies als Verlust (vgl. GuV-Rechnung) oder eher unter "Sonstige Ausgaben" zu Lasten ihres EK verbuchen. Die aus den entsprechenden geldpolitischen Operationen in GR emittierte Geldmenge (M0) könnte in diesem Fall nicht mehr aus der Eurozone eingezogen werden. Na und, wen kümmert's? Es sind doch inzwischen private Geldvermögen/-guthaben geworden! Und wer, bitte schön, möchte gern mehr Steuerabgabe fordern oder zahlen, damit die Regierung einen Teil der staatlichen Anleiheschulden definitiv tilgen kann und die BuBa die Geldmenge M0 reduzieren kann? Keiner.
Außerdem, die EZB hat doch längst alle Geldschleusen weit geöffnet .. und es reicht gerade noch oder kaum, um Deflation/Rezession in der Eurozone zu verhindern. Wozu dann die umlaufende Geldmenge M0 vermindern? Es würde auch völlig reichen, wenn die EZB ihr wiederholt ausgereichtes Kreditvolumen einfach reduzieren würde.

Was würde die BuBa mit dem Verlust machen müssen, nachdem ihr EK gar auf Null oder ins Minus gerutscht wäre? Sie müsste mit der Regierung einen zusätzlichen Kauf (evtl. Direktkauf) neuer Staatsanleihen vereinbaren, wobei die Regierung diese Einnahmen zur Aufstockung des EK der BuBa verwenden müsste - natürlich mit Zustimmung des EZB-Direktoriums. Der Staat ist ja der alleinige Eigentümer der BuBa. Fertig wäre der Kuchen. Der Staat lancierte auch in 1948 des EK der damaligen ZBank, d.h. der Bank deutscher Länder, aus der die BuBa nahtlos hervorging:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bank_deutscher_Länder

Dies wäre ein relativ normaler Vorgang (sofern nicht übertrieben!), da jeder Staat eben eine tilgungsfreie Grundverschuldung eingehen muss, um die VoWi zum Laufen zu bringen und am Laufen zu halten, sowie, um für etwaige Verluste seiner ZBank mit Zusatzverschuldung aufzukommen.

Edit: Mit anderen Worten, was würde gewonnen sein, wenn die BuBa die geforderten Sicherheiten (Aktiva) z.B. von der GR-ZB (und den anderen) bekäme? NICHTS. Ob sie dort bleiben und platzen oder nach hierher kämmen und platzten, wäre völlig egal.

Wenn es zu einer friedlichen Auseinandersetzung des Eurosystems käme, müssten die Bundesbank und die anderen nationalen ZBs eben ihre Aktiva entsprechend aufteilen; wenn die Bundesbank dann noch einen positiven Saldo hätte, kriegte sie dafür dann halt Anleihen in Drachmen, Lira, Peseten und Francs notierend, welche Währungen vermutlich dann erst mal tanken gehen würden.

Auch hier: völlig d'accord!

Verzinst werden die Salden deshalb, weil ja die nationalen ZBs auch Zinsen von den Banken für die in Pension genommenen Papiere kassieren.

Vielen Dank - das passt perfekt!

Wäre der Euro reinrassig, gäbe es nur die EZB und keine nationalen ZBs mehr und dann gäbe es auch keine nationalen Salden.

Diese haben m.M.n. sowieso nur rein statistische Bedeutung. Das einzige Risiko ist realwirtschaftlicher Art, und das ist bereits irreversibel: Die deutschen Malocher werden nicht in den Genuss von realen! Gegenleistungen (für ihre exportierte Arbeitskraft) aus der Eurozone kommen, zumal die Einnahmen aus den Exportüberschüssen auch längst ihre Arbeit"geber" eingesteckt haben. Und wen kümmert's? Niemanden. Hier liegt der eigentliche Beschiss, und anderswo.

Mit Gruß, Beo2

Bayern zahlt nicht seit 1949 ein, sondern seit 1986

nvf33 @, Dienstag, 13.09.2016, 12:07 vor 3458 Tagen @ Literaturhinweis 5079 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 13.09.2016, 16:43

https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A4nderfinanzausgleich
Davor hat Bayern Geld bezogen.

Die Sache ist insofern aber subtil, als die Reparationszahlungen nach dem 2. WK sehr unterschiedlich ausfielen. So war z.B. aus Sachsen ziemlich viel zu holen, und aus Bayern, damals Agrarland, ziemlich wenig.
Aber wenn man die Zeit vor dem 2. WK miteinbezieht, dann wird es ohne sehr schwierig, Geld und politische Moral abzugrenzen...

Ansonsten aber vielen Dank für den Artikel.
Grüße nvf33

Sammelantwort: Target2 für Doofe ...

Literaturhinweis @, Dienstag, 13.09.2016, 13:33 vor 3458 Tagen @ Literaturhinweis 5411 Views

Da ja die unterirdischen Schwurbeleien nicht aufhören wollen, weil die beteiligten Pro- und Antagonisten einfach nicht die Originalliteratur lesen, sondern ihre eigenen frei erfundenen Annahmen an deren Stelle setzen wollen, hier nochmal Target2 für Doofe:

a) Target2 ist ein System (der Kontenführung). Als solches wäre es erstmal 'wertneutral'.

b) Dieses System war von Anfang an dazu gedacht, daß "am Ende des Tages" keine Negativ- oder Positivsalden stehenbleiben.

c) Seit spätestens der Krise in der EU-"Südschiene" bleiben aber Salden stehen, die zwar schwanken, aber, in der Tendenz "zugunsten" der Deutschen Bundesbank zunehmen.

d) Solange das EZB-System sich nicht in Luft auflöst, sind das scheinbar werthaltige Forderungen gegenüber, in letzter Konsequenz, anderen EZB-Teilnehmerbanken, die aber "gerade nicht flüssig" (genug) sind.

e) Das genau aber ist nicht der Sinn des Target2-Systems!!!

f) Und wenn daher sich diese Forderungen als uneinbringlich erweisen, dann erleidet diejenige nationale Zentralbank (den größten) Verlust, die am meisten uneinbringliche Forderungen im Target2-Saldo stehen hatte. Daß man ausgerechnet dann diese Salden "rückvergüten" wird, glaubt nur, wer nicht weiß, was Argentinien ist.

Daß man diese Verluste durch "erneute" Geldschöpfung "ausgleichen" könne, kann man nur im Anfall geistiger Umnachtung behaupten.

Der möge daher sein persönliches Konto für Target2 zur Verfügung stellen. "Put your money where your mouth is".

Und nein, ich habe Target natürlich auch nie verstanden.

Ich kann es nur, seltsamerweise, vielleicht aufgrund medialer Fähigkeiten, erklären.

--
Literatur-/Produkthinweise. Alle Angaben ohne Gewähr! - Leserzuschriften

U.a. Link zu einem älteren Beitrag über die Targetsalden

Brigitte @, Dienstag, 13.09.2016, 13:40 vor 3458 Tagen @ Brigitte 5067 Views

@ Beo2 und Orlando,

ich stelle folgenden Beitrag, welchen ich in Word bereits geschrieben habe, bevor ich Eure, von mir ebenfalls aktzeptierten Antworten lesen konnte, ein.

unter folgendem Link findet man einen sehr aufschlussreichen Beitrag zu Target und der Argumentation von Herrn Sinn.

http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2011/06/03/traktoren-targetsalden-trugschlusse...

Interessant ist u.a. die erwähnte Verzinsung der Targetsalden. Mittlerweilen müssen ja für Zentralbankguthaben der Banken Zinsen gezahlt werden. Wie ich im Beitrag vorher geschrieben habe, refinanzieren sich Banken bei den Zentralbanken und erhalten hierfür Zentralbankguthaben. Für diese Refinanzierung müssen die Banken Zinsen an die Zentralbank überweisen. Werden nun die Zentralbankguthaben in das Ausland überwiesen, so erhält die EZB Zinsen für die Targetverbindlichkeiten der überweisenden Zentralbanken. Diese Zentralbanken (griechische, italienische, ...) treten also die Rendite der Refinanzierung an die EZB ab, welche diese, lt. obigem Link, weiterleitet z.B. an die Bundesbank. Die Bundesbank selbst allerdings bestraft dann die an sie angeschlossenen Banken mit einem Minuszins von 0,4 % für die dann dort entstandenen Zentralbankguthaben.

Würde der Zahlungsverkehr direkt über eine Clearingstelle erfolgen, würden sich griechische, ... Banken bei der Zentralbank refinanzieren und müssten an diese Zinsen zahlen. Ein Transfer dieser Erträge nach Deutschland würde nicht stattfinden.

Das Targetsystem zeigt auf in welchen Ländern sich Geldguthaben aufbauen und in welchen Ländern sich die hierzu verschuldeten Personen befinden. Würde man die einzelnen Zentralbanken abschaffen und die Auslandsüberweisungen direkt über die EZB laufen lassen, hätte man eine Clearingstelle, wie die bereits bestehenden innerhalb eines Landes, wobei die Refinanzierung über die EZB gehen würde.

Wie auch immer - eine direkte Verbindung zwischen Geld und Schuldner gibt es nicht, da Geld, sagen wir so - anonym ist. Insofern kann u.a. die deutsche Zentralbank auf italienische, griechische, .... Titel zugreifen, welche nicht zur Entstehung der Targetsalden, sondern zur Geldenstehung innerhalb Italien`s, Griechenland`s, ...., verwendet wurden. Doch die steigende Konkurrenz wie die Schweizer Zentralbank, Privatanleger, Fond`s, ... schläft nicht.

Dem Geld stehen Schuldner gegenüber. Doch tiefere Gedankengänge, warum diese oftmals ihre Schulden nicht mehr bedienen können und wie man es bewerkstelligen könnte, dies zu ändern, finden in den Medien und Foren kaum statt. Doch gerade hier liegt das Grundübel unseres Wirtschaftssystems verborgen. Damit mehr Geld (Gewinn und Ersatz für`s Sparen) in einem intakten Wirtschaftskreislauf (BIP) entstehen kann, werden weitere Schuldner benötigt. Doch woher nehmen, wenn sich überwiegend die Guthaben und Sicherheiten in den Händen weniger befinden, welche sich nicht verschulden müssen, damit sie ihre Bedürfnisse decken können. Sollten wir vielleicht froh darüber sein, dass sich der griechische Staat verschuldet hat und so zur Gewinnentstehung innerhalb unserer Betriebe beitrug?

Ja, das war etwas "für Doofe" ..

Beo2 @, NRW Witten, Dienstag, 13.09.2016, 15:32 vor 3458 Tagen @ Literaturhinweis 5239 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 13.09.2016, 15:51

Nun kommt etwas für die Schlaueren hier ...

a) Target2 ist ein System (der Kontenführung). Als solches wäre es erstmal 'wertneutral'.

Ja wohl.

b) Dieses System war von Anfang an dazu gedacht, daß "am Ende des Tages" keine Negativ- oder Positivsalden stehenbleiben.

Okay, das Ende des Target2-Systems hatte man sich wie folgt gedacht:

Würden "am Ende des Tages" die Einzelbilanzen der nationalen ZBanken zusammengelegt, weil die nationalen ZBanken der Eurozone ganz verschwänden, so würden die Summen der Taget2-Salden auf der Aktiv- und der Passivseite der kompletten Bilanz der EZB sich exakt gleichen und könnten folgenlos gestrichen werden.

c) Seit spätestens der Krise in der EU-"Südschiene" bleiben aber Salden stehen, die zwar schwanken, aber, in der Tendenz "zugunsten" der Deutschen Bundesbank zunehmen.

Richtig, die Deutschen exportierten seit Beginn des EZB-Systems in die Eurozone deutlich mehr als sie von dort importieren (vgl. Außenhandel + Auslandsinvestitionen innerhalb der Eurozone). Außerdem bunkern immer mehr Euroausländer ihr Geld (auch über Strohmänner oder Verwandte) bei den deutschen Banken in DE = Kapitalflucht aus der Eurozone nach DE.

d) Solange das EZB-System sich nicht in Luft auflöst, sind das scheinbar werthaltige Forderungen gegenüber, in letzter Konsequenz, anderen EZB-Teilnehmerbanken, die aber "gerade nicht flüssig" (genug) sind.

Da haben wir ja wieder den Salat! Zeige mir bitte den Posten in der BuBa-Bilanz (oder einer beliebigen ZBank der Eurozone) oder nenne mir die Höhe der Geldsumme in EURO, welche die BuBa als Liquidität zur eigenen Verfügung zu einem bestimmten Zeitpunkt vorgehalten hat oder aktuell vorhält .. und woher sie diese Liquidität hat(te). Meine Behauptung ist: Du findest keine!

Das ist auch gar nicht notwendig, denn diese ZBanken können Liquidität in ZB-Giralgeld (ZBGeld) oder Bargeld jederzeit und in rauen Mengen kreieren, sobald sie welche brauchen, und, WENN sie dafür Sicherheiten (Staatsanleihen) bekommen oder kaufen (können). Und gewiss, an Staatsanleihen kann es prinzipiell ebenfalls niemals mangeln. Die BuBa, und alle anderen, sind unter und nur unter dieser Voraussetzung immer liquide, und zwar in beliebiger Höhe. Die EZB beweist es eindrucksvoll, denn hier sind bei dem massigen Anleihenankauf ja ausschließlich einzelne nationale ZBanken geldpolitisch tätig .. auf Anweisung des EZB-Direktoriums natürlich.

Das bedeutet aber auch, dass sie nationalen ZBanken kein ZBGeld (inkl. Bargeld) für die eigene freie Verfügung schöpfen können und dürfen, nicht einen einzigen Eurocent!

f) Und wenn daher sich diese Forderungen als uneinbringlich erweisen, dann erleidet diejenige nationale Zentralbank (den größten) Verlust, die am meisten uneinbringliche Forderungen im Target2-Saldo stehen hatte.

Es ist egal, wo sich die geplatzten Anleihen (Sicherheiten) befänden, ob in der Bilanz z.B. der GR-ZB oder bei der BuBa. Es machte gar keinen Unterschied für die BuBa. Deshalb kann auf das Clearing mit den Aktiva unter den "Filialen des EZB-Systems" getrost verzichtet werden.

Daß man ausgerechnet dann diese Salden "rückvergüten" wird, glaubt nur, wer nicht weiß, was Argentinien ist.

Argentiniens ZB war/ist m.W. nicht Mitglied einer Währungszone, sondern besitzt eine eigene Währung - es gab dort nichts Vergleichbares zu Target2 (= "aufgeschobenes Clearing" betreffend Aktiva).

Daß man diese Verluste durch "erneute" Geldschöpfung "ausgleichen" könne, kann man nur im Anfall geistiger Umnachtung behaupten.

Ja, ich habe klar genug beschrieben, wie das geht. Deine Polemik ist kein Argument oder Begründung. Ich habe nur die wesentlichen Zusammenhänge beschrieben, ohne vollständig in alle Details zu gehen.

Der möge daher sein persönliches Konto für Target2 zur Verfügung stellen. "Put your money where your mouth is".

Ich fordere sowieso, dass jeder Bürger das verfassungsmäßige Recht hat, sein Girokonto direkt bei der BuBa zu eröffnen, verwaltet von einer (privaten) Geschäftsbank seiner Wahl. Damit wäre mein Geld/Liquidität (ZBGeld) absolut sicher. Das nur nebenbei gesagt, wäre aber ein gesondertes Thema.

Mit Gruß, Beo2

Zum…

Elli ⌂ @, Dienstag, 13.09.2016, 15:54 vor 3458 Tagen @ Beo2 5528 Views

Ich fordere sowieso, dass jeder Bürger das verfassungsmäßige Recht hat,
sein Girokonto direkt bei der BuBa zu eröffnen, verwaltet von einer
(privaten) Geschäftsbank seiner Wahl. Damit wäre mein Geld/Liquidität
(ZBGeld) absolut sicher.

… Totlachen!
[[euklid]]

Okay, ...

Beo2 @, NRW Witten, Dienstag, 13.09.2016, 16:00 vor 3458 Tagen @ Elli 5339 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 13.09.2016, 16:16

Ich fordere sowieso, dass jeder Bürger das verfassungsmäßige Recht hat, sein Girokonto direkt bei der BuBa zu eröffnen, verwaltet von einer (privaten) Geschäftsbank seiner Wahl. Damit wäre mein Geld/Liquidität (ZBGeld) absolut sicher.

… Totlachen! [[euklid]]

.. zu sagen: "absolut sicher", war sicher übertrieben und einfach nur unachtsam von mir. Jedenfalls, mein Geld (ZBGeld) wäre um Längen "sicherer als jetzt".

Ein "absolut" sicheres Wirtschafts- und Finanzsystem kann es gar nicht geben, da prizipiell auch das beste und sicherste vor die Wand gefahren werden KANN. Denk an meine Metapher mit dem Fahrer und dem Auto.

Gruß, Beo2

PS: Zuerst werden sie über dich lachen, dann werden sie schweigen (.. oder auch anders herum), und schließlich werden sie dir rechtgeben müssen.

Ergänzung ... (edit.)

Beo2 @, NRW Witten, Donnerstag, 15.09.2016, 09:43 vor 3456 Tagen @ Beo2 4963 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 15.09.2016, 09:53

Nur vollständigkeitshalber will ich noch das hier ergänzen:

Das bedeutet aber durchaus, dass der BuBa nun entsprechende Sicherheiten (aus geldpolitischen Operationen) in den Aktiva fehlen - und gerade deshalb gibt es ja zum Ausgleich jene aktive "Ausgleichsforderung" in ihrer Bilanz. Diese Sicherheiten, die den quasi-überwiesenen Summen zugrunde lagen, befinden sich aber nachwievor und verbleiben dauerhaft bei den überweisenden nationalen ZBanken. Bei diesen, überweisenden ZBanken besteht folglich ein entsprechender Überhang an Sicherheiten, da sie in ihrem Geltungsbereich Geldsummen ausgebucht haben. Diese Sicherheiten werden also nicht andauernd hin und her verschoben, da die nationalen ZBanken nur Filialen derselben Großbank sind, welche EZB heißt. Die Bilanzen der nationalen ZBanken sind nur Teilbilanzen der EZB-Bilanz.

Die GR-ZB "müsste" also Sicherheiten , erhalten aus deren geldpolitischen Operationen, an die BuBa rüber schicken (.. unterstellt, dass die GR-ZB ein negatives Target2-Saldo ggü. DE hat), um ihren Target2-Saldo z.B. am Ende jedes Monats auszugleichen .. die BuBa würde sie anstelle eines Teils ihrer "Forderungen ggü. EZB" aktivieren. Es dürfte klar sein, dass es sich hierbei nur um griechische Staatsanleihen (Schuldscheine) handeln kann.

Was würde die BuBa dadurch gewinnen? Gar nichts - denn anstatt "Forderungen ggü. GR-ZB" hätte sie nun "Forderungen ggü. GR-Staat" in ihrer Bilanz, was praktisch dasselbe ist. Es ist also m.M.n. egal, wo die griechischen Staatsanleihen verbleiben. Das selbe gilt auch für alle übrigen Anteile der BuBa's "Forderungen ggü. EZB", d.h. des Target2-Saldo der BuBa.

Edit: Würde die BuBa sich weigern, griechische Staatsanleihen auf diesem Weg als Sicherheiten zu akzeptieren, so müsste die GR-ZB netto-überschüssige Zahlungen bzw. Überweisungen ihrer Kunden an deutsche Wirtschaftsteilnehmer einstellen - um so permanent für völlig ausgeglichenes Target2-Saldo ggü. DE zu sorgen.

Gruß, Beo2

Ergänzung 2 ...

Beo2 @, NRW Witten, Dienstag, 20.09.2016, 17:43 vor 3451 Tagen @ Beo2 4633 Views

Vollständigkeitshalber will ich auch noch das hier ergänzen:

Die GR-ZB "müsste" also Sicherheiten , erhalten aus deren geldpolitischen Operationen, an die BuBa rüber schicken (.. unterstellt, dass die GR-ZB ein negatives Target2-Saldo ggü. DE hat), um ihren Target2-Saldo z.B. am Ende jedes Monats auszugleichen .. die BuBa würde sie anstelle eines Teils ihrer "Forderungen ggü. EZB" aktivieren. Es dürfte klar sein, dass es sich hierbei nur um griechische Staatsanleihen (Schuldscheine) handeln kann.
Was würde die BuBa dadurch gewinnen? Gar nichts - denn anstatt "Forderungen ggü. GR-ZB" hätte sie nun "Forderungen ggü. GR-Staat" in ihrer Bilanz, was praktisch dasselbe ist. Es ist also m.M.n. egal, wo die griechischen Staatsanleihen verbleiben. Das selbe gilt auch für alle übrigen Anteile der BuBa's "Forderungen ggü. EZB", d.h. des Target2-Saldo der BuBa.

Alternativ könnte die BuBa z.B. von der GR-ZB anstelle von griechischen Staatsanleihen eine andere "Deckung" (andere Sicherheiten/Aktiva) für die in Auftrag gegebene Geldschöpfung verlangen, so z.B. Gold, $US (Devisen/Fremdwährung) u.ä. .. und diese in ihrer Bilanz anstelle des Target2 aktivieren. Das würde allerdings die Eurozone (Währungsunion) ad absurdum führen und überflüssig machen.

Beo2

Deutschland 'rauf, Italien/Spanien 'runter - hat bestimmt alles nix mit nix zu tun ...

Literaturhinweis @, Dienstag, 04.10.2016, 12:01 vor 3437 Tagen @ Literaturhinweis 4567 Views

Da ich den Vorbeitrag zu Traget-II-Salden nach Meinung der Experten gründlich versemmelt habe, hier weitere Asche auf mein Haupt:

ZeroHedge "TARGET2 Shows Europe's Banking Crisis Is Escalating Again (Fast)" (von https://gefira.org/ ).

Da bin ich erleichtert, daß ich ganz falsch lag.

--
Literatur-/Produkthinweise. Alle Angaben ohne Gewähr! - Leserzuschriften

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