Zigeuner früher und heute

helmut-1, Siebenbürgen, Samstag, 20.08.2016, 22:17 (vor 3477 Tagen) @ Reffke3625 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 21.08.2016, 20:02

Hallo, Reffke,
selbst auf die Gefahr hin, dass ich da in manchem eine gegenteilige Meinung habe, - ich will sie doch hier kundtun:

Es ist bekanntlich ein "Fahrendes Volk", das seit der Industrialisierung
hoffnungslos verelendet und sich dank humanitärer Hilfe stetig vermehrt.

Es ist nicht die alleinige Schuld der Industrialisierung, aber ein gewisser Teil ist darauf zurückzuführen. Es gab bei den Roma traditionell verschiedene handwerkliche Gruppierungen, nach denen sie oft auch benannt wurden.

Zum Beispiel:

- Löffelzigeuner (die schnitzten Holzlöffel, - kleine sowohl für Küche als auch große für den Gebrauch beim Schlachtkessel)
- Besenbinder (sie banden aus Birkenreisig die traditionellen Besen)
- Scherenschleifer (sie hatten ihre Schleifwerkzeuge bei sich und zogen von Dorf zu Dorf, schliffen alles, was schneiden sollte, natürlich auch Messer - gabs auch früher in Deutschland und Österreich)
- Kesselflicker - gilt dasselbe wie bei den Scherenschleifern
- Eisenhärter - war früher eine gesuchte handwerkliche Tätigkeit auch unter Ceaucescu, sie hatten den Dreh raus, wie man Eisen härtet, ohne, dass es spröde wird
- Kupferzigeuner - das ist mittlerweile in den Händen der "konkurrierenden" Zigeunergruppe zu den Roma, den Cortoraren (übersetzt: Zeltzigeuner), gelandet. Diese Gruppe befaßt sich mit der Herstellung aller möglichen Gebrauchs- und Kunstgegenstände aus Kupfer, u.a. auch der traditionellen Schnapskessel
- Gold- und Silberschmiede - diese fand man meist auf den regelmäßigen Jahrmärkten mit ihrem Hocker, der mit einem kleinen Eisenblock verbunden war. Darauf fertigten sie - oft auch vor dne Augen der Kunden - jedwelche Ringe in der gewünschten Form und Ausführung an.
- Pferdehändler - das war immer eine Domäne der Cortorare, - jeder kannte jedes Pferd in einem Radius von mehreren hundert Kilometer. Hat sich seit der Motorisierung in der Landwirtschaft etwas geändert, - die Cortorare (zu erkennen mit ihren typischen Kopfbedeckungen) sieht man zwar noch auf den Jahrmärkten in Rumänien, aber mittlerweile auch auf dem Automarkt in Frankfurt. Sie haben eben das Medium gewechselt.
- Musikanten - die sind heutzutage so gut wie ausgestorben. Schade drum, denn es waren wirklich begnadete Musiker dabei.

Viele dieser Tätigkeiten werden heute nicht mehr gebraucht. Ob das die alleinige Ursache der Verelendung ist, darüber kann man philosophieren. Die humanitäre Hilfe ist absolut kontraproduktiv, - das sehe ich genauso. Denn der Roma ist nicht der Typ, der Hilfe von außen als zusätzlichen Ansporn für sein Tun und Lassen betrachtet, - im Gegenteil. Er ist der Meinung, dass er seine persönlichen Aktivitäten reduzieren kann, weil er ja von Dritten unterstützt wird.

Früher war es (z.B. unter Ceaucescu) so, dass man auch als Roma eine Anstellung nachweisen mußte, aus der ein Einkommen resultiert, - sonst gabs Ärger. Nämlich mit den zwei "A". Das bedeutet, - entweder Arbeit oder Arrest. Sie waren also gezwungen, zu arbeiten. Das wiederum bewirkte, dass es doch genügend gab, die noch durch zusätzliche Einkommensmöglichkeiten (wie oben aufgelistet) das Familieneinkommen aufstocken wollten. Denn damals wurden auch die kleinsten Diebstähle geahndet und auch aufgeklärt.

Alles Schnee von gestern. Heute interessiert es kaum mehr einen Polizeibeamten, wenn der Roma was klaut. Zumal die Rechtsprechung derart lasch ist, was den Roma schnell wieder auf freien Fuß setzt.

Ein aussichtsloses Dasein, weit weg von "Zigeunerromantik", die es aber
wundersamerweise dort trotzdem noch gibt.

Nun ja, vielleicht gibt es diese Romantik noch in Ausnahmefällen, - ich habe sie nur als Negativum kennengelernt.

Ich liebe authentische Zigeunerfolklore, bin mit Zigeunern aufgewachsen
(ja, die gab es auch in der DDR!), habe sie als armer "DDR-Schlucker"
(keine harten DM! [[sauer]] ) kennengelernt auf langen Traumpreisen durch
Ungarn, Rumänien und Bulgarien in den Siebzigern: ich hatte wunderbare
Erlebnisse mit ihnen.
Auf dem Pferdewagen - im Gegensatz zu "Rumänen"! - mußten wir nie
bezahlen... [[top]]
Alle leiden sie unter denen, die ihren Ruf schädigen, was denn sonst!?

All Deine Erlebnisse beruhen auf den Zeiten vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, - dessen bin ich mir sicher. Damals gingen die Uhren anders. Heute wirst Du als "Gatsche" nur noch als Kapitalist betrachtet, den man ausnehmen muss.

Ich hatte erst gestern ein hervorragendes Erlebnis mit Zigeunern - in Rumänien: Eine spanische Sinti-Band kam einer persönlichen Einladung eines Rumänen nach, der in Spanien früher gearbeitet hatte. Bei dieser Gelegenheit lieferten sie auch einen Musikabend in einem Lokal in einer benachbarten Stadt. Kann nur sagen, es war ein Erlebnis, vor zwei Uhr früh sind wir nicht nach Hause gegangen.

Musik im Flamenco-Stil, authentisch und stilgerecht. Ging einem Musiker wie mir natürlich runter wie Öl. Nur: Das waren eben Sinti und keine Roma. Die hatten halt noch Traditionen und vor allem eines, was den Roma schon lange abhanden gekommen ist: Das musikalische Können und ihren Stolz.


Hier ein Bericht, der mich einfach vor den zu lösenden Problemen
schaudern läßt:
Seite 1 — Der Häuserkampf
Seite 2 — "Ich bin echt kein Rassist, aber …"
Seite 3 — Probleme nicht kleinreden, nur weil sie von Ausländern
verursacht werden
Seite 4 — Es gibt die Scheinfirmen, weil es Hartz IV gibt
Seite 5 — Hat Gelsenkirchen überhaupt ein Problem?
Seite 6 — "Wir räumen das weg"
http://www.zeit.de/2016/31/gelsenkirchen-zuwanderer-rumaenien-bulgarien-sozialbetrug?ci...

Zu diesem Bericht, den ich nur am Anfang gelesen habe, möchte ich erst gar nichts sagen. Vielleicht doch: In Deutschland ist durch die verfehlte Politik soviel falsch gelaufen, dass es darauf gar nicht mehr ankommt, welche Volksgruppen sich in parasitärer Weise dort festgesetzt haben.

Ich bin über jeden froh, der aus Rumänien in Richtung Westen abhaut, - denn die arbeitsamen unter ihnen haben alle hier eine Anstellung und haben gar kein Interesse, ins Ausland zu gehen. Die Schicht aber, die dem Herrgott den Tag stiehlt (und anderen Leuten noch was ganz anderes), die soll sich weiterhin dieser organisierten Umsiedlung widmen, - ich bin froh, wenn wir Rumänien langfristig sauber kriegen.

Das mag egoistisch klingen, aber es ist die Wahrheit.


MfG, Reffke

Beste Grüße - Helmut


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