Kommt das Staatsgeld?

Rybezahl, Freitag, 19.08.2016, 21:08 vor 3479 Tagen 4100 Views

Hallo zusammen!

Ein interessanter Artikel in der "Finanz und Wirtschaft" (Debitismus):

http://www.fuw.ch/article/helikoptergeld-ende-des-systems
(Gefunden via bto.)

So richtig glaube ich noch nicht daran, aber wir können oder wollen es uns ja nicht eingestehen oder zumuten, dass es so nicht ewig geht. Also wird es konsequenterweise kommen.

Direkt an die Bürger ausschütten wird deflationäre Folgen haben (Kredite werden getilgt) und so den erhofften Kick gleich wieder auffressen.

Also nur per Staatsaufträge ausschütten?

Gruß!

--
Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

Keine Frage des "Ob", sondern nur des "Wann"

Phoenix5, Freitag, 19.08.2016, 23:06 vor 3479 Tagen @ Rybezahl 3151 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 19.08.2016, 23:26

Japan ist im debitistischen Zyklus schon weiter (siehe Staatsschuldenquote) und wird als erstes Land damit beginnen. Dort ist es auch wesentlich einfacher, weil der Staat hauptsächlich beim eigenen Volk verschuldet ist. Am Ende eines debitistischen Zyklus steht immer Nettogeld.

So richtig glaube ich noch nicht daran, aber wir können oder wollen es
uns ja nicht eingestehen oder zumuten, dass es so nicht ewig geht. Also
wird es konsequenterweise kommen.

Es muss kommen, da Staatsverschuldung und Null-Zinsen in der letzten Phase des Debitismus nur temporäre Lösungen sind, welche die notwendige deflationäre Kontraktion hinauszögern, aber nicht verhindern können.

Direkt an die Bürger ausschütten wird deflationäre Folgen haben
(Kredite werden getilgt) und so den erhofften Kick gleich wieder
auffressen.

Wenn netto-Geld zur Kredittilgung verwendet wird, ist das nicht deflationär, da dann dem, durch diesen Kredit geschöpften Geld keine deflationsfördende Leistung in der Zukunft gegenübersteht (um den Kredit tilgen zu können). Das ist also sehr wohl inflationär. Der Punkt beim netto-Geld ist, dass sich die Inflation fast ausschließlich beim Nominalwert des Geldes abspielt, d.h. die Preise steigen zwar, aber die Löhne bleiben zurück (bestenfalls steigen sie am Beginn der Nettogeldausschüttung kurzfristig aufgrund einer wirtschaftlichen Scheinblüte, die aber nicht nachhaltig sein kann), der Schuldendruck (Leistung zur Kredittilgung) wird abgewürgt (was für ein System, das auf ewiges Wirtschaftswachstum angewiesen ist, Gift ist) und es findet eine Flucht aus den Staatsanleihen statt, ebenso wie ausländische Investoren und Geldgeber einen solchen Staat meiden. Ist das gemeine Volk Erst-Empfänger des netto-Geldes, so entwertet das die Steuer am Monatsende, d.h. der Staat muss laufend seine Steuern erhöhen, um den gleichen Wert einzusacken. Sind Industrie, Banken und Geldadel Erst-Empfänger, haben sich die Preise schon erhöht, bevor das Volk irgendeinen Benefit davon hat.

Conclusio bleibt: Nettogeld verwässert die Währung bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Kontraktion, also eine Art inflationäre Dauerrezession. Da eine einmalige Ausschüttung von netto-Geld keinen nachhaltigen Effekt hat und gleichzeitig eine längerfristige Ausschüttung zu obigen Problemen führt, kann der Staat eine einmal begonnene Inflationierung in einem gesättigten, hochkomplexen Wirtschaftsraum (wie im Westen) nie wieder stoppen. Siehe hierzu:

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=396102

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=398089

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=398093

Beste Grüße
Phoenix5

Geldmenge einführen (ed.)

Rybezahl, Samstag, 20.08.2016, 01:55 vor 3478 Tagen @ Phoenix5 2384 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 20.08.2016, 17:33

Hallo Phoenix5!

Direkt an die Bürger ausschütten wird deflationäre Folgen haben
(Kredite werden getilgt) und so den erhofften Kick gleich wieder
auffressen.


Wenn netto-Geld zur Kredittilgung verwendet wird, ist das nicht
deflationär, da dann dem, durch diesen Kredit geschöpften Geld keine
deflationsfördende Leistung in der Zukunft gegenübersteht (um den Kredit
tilgen zu können). Das ist also sehr wohl inflationär.

So ähnlich meinte ich es. Es ist, als ob man eine "echte Geldmenge" einführen würde. Das Netto-Geld "schwebt" dann über der Bevölkerung, kann den Kreislauf aber nicht mehr verlassen. Das ist eigentlich die berühmte steuerbare Geldmenge (steuerbar nach oben hin).

Der Punkt beim
netto-Geld ist, dass sich die Inflation fast ausschließlich beim
Nominalwert des Geldes abspielt,

Es ist schlicht eine Verwässerung der Reste des ursprünglichen kreditgedeckten Geldes. Der Wein wird immer dünner.
Der kreditgedeckte 10-Euro-Schein muss durch das Zeichengeld wertloser werden, während das Zeichengeld sich den Wert vom kreditgedeckten Geld quasi klaut.

d.h. die Preise steigen zwar, aber die
Löhne bleiben zurück (bestenfalls steigen sie am Beginn der
Nettogeldausschüttung kurzfristig aufgrund einer wirtschaftlichen
Scheinblüte, die aber nicht nachhaltig sein kann), der Schuldendruck
(Leistung zur Kredittilgung) wird abgewürgt (was für ein System, das auf
ewiges Wirtschaftswachstum angewiesen ist, Gift ist) und es findet eine
Flucht aus den Staatsanleihen statt, ebenso wie ausländische Investoren
und Geldgeber einen solchen Staat meiden. Ist das gemeine Volk
Erst-Empfänger des netto-Geldes, so entwertet das die Steuer am
Monatsende, d.h. der Staat muss laufend seine Steuern erhöhen, um den
gleichen Wert einzusacken. Sind Industrie, Banken und Geldadel
Erst-Empfänger, haben sich die Preise schon erhöht, bevor das Volk
irgendeinen Benefit davon hat.

Was wäre deiner Meinung nach "besser"?
Immerhin würde durch Staatsaufträge/Ausschreibungen noch etwas gemacht werden...?

Conclusio bleibt: Nettogeld verwässert die Währung bei gleichzeitiger
wirtschaftlicher Kontraktion, also eine Art inflationäre Dauerrezession.
Da eine einmalige Ausschüttung von netto-Geld keinen nachhaltigen Effekt
hat und gleichzeitig eine längerfristige Ausschüttung zu obigen Problemen
führt, kann der Staat eine einmal begonnene Inflationierung in einem
gesättigten, hochkomplexen Wirtschaftsraum (wie im Westen) nie wieder
stoppen. Siehe hierzu:

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=396102

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=398089

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=398093

Herzlichen Dank! [[top]]

Es grüßt der
Rybezahl.


PS: Die einzige echte Lösung kann natürlich nur die Entschuldigung sein. Und damit die Machtverhältnisse gleichmäßig schrumpfen, muss es Global sein. Darum geht es ja letztlich, um die Machtverhältnisse der Staaten untereinander. Um die Weltherrschaft.
Oder vernünftig werden halt.

--
Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

TINA

Phoenix5, Samstag, 20.08.2016, 14:11 vor 3478 Tagen @ Rybezahl 2072 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 20.08.2016, 17:32

Hallo Rybezahl!

Zustimmung zu dem von dir Gesagten.

Was wäre deiner Meinung nach "besser"?
Immerhin würde durch Staatsaufträge/Ausschreibungen noch etwas gemacht
werden...?

Stimmt schon, es gibt keine (realpolitisch) ernsthafte Alternative. Es war auch nicht als Kritik gedacht, eher als Beschreibung eines fast schon determinierten Geschehens.

PS: Die einzige echte Lösung kann natürlich nur die Entschuldigung sein.
Und damit die Machtverhältnisse gleichmäßig schrumpfen, muss es Global
sein. Darum geht es ja letztlich, um die Machtverhältnisse der Staaten
untereinander. Um die Weltherrschaft.
Oder vernünftig werden halt.

Auch das geht nicht ohne immense Schmerzen. Klar, global tut es weniger weh, als national isoliert (wobei die international kriegerischen Spannungen diesen Vorteil dann wieder wegschmelzen), aber das Problem bleibt doch: Gestrichene Schulden = Vernichtetes Guthaben. Und da Schulden nominal fixiert sind, aber die Pfänder preislich variabel, ist es egal ob eine Entschuldung national oder global stattfinden - deflationär ist das in beiden Varianten.

Danke und beste Grüße!
Phoenix5

Insolvenz

Rybezahl, Samstag, 20.08.2016, 15:01 vor 3478 Tagen @ Phoenix5 1980 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 20.08.2016, 17:31

Hallo Phoenix5!

Was wäre deiner Meinung nach "besser"?
Immerhin würde durch Staatsaufträge/Ausschreibungen noch etwas

gemacht

werden...?


Stimmt schon, es gibt keine (realpolitisch) ernsthafte Alternative. Es war
auch nicht als Kritik gedacht, eher als Beschreibung eines fast schon
determinierten Geschehens.

Das habe ich auch nicht so verstanden. [[zwinker]]
Nachdem ich ein paar Stunden darüber geschlafen habe, komme ich zu dem Schluss, lieber nicht öffentlich über den weniger schlechten Weg zu spekulieren. Dachte mir nichts Böses dabei...

PS: Die einzige echte Lösung kann natürlich nur die Entschuldigung

sein.

Und damit die Machtverhältnisse gleichmäßig schrumpfen, muss es

Global

sein. Darum geht es ja letztlich, um die Machtverhältnisse der Staaten
untereinander. Um die Weltherrschaft.
Oder vernünftig werden halt.


Auch das geht nicht ohne immense Schmerzen. Klar, global tut es weniger
weh, als national isoliert (wobei die international kriegerischen
Spannungen diesen Vorteil dann wieder wegschmelzen), aber das Problem
bleibt doch: Gestrichene Schulden = Vernichtetes Guthaben. Und da Schulden
nominal fixiert sind, aber die Pfänder preislich variabel, ist es egal ob
eine Entschuldung national oder global stattfinden - deflationär ist das
in beiden Varianten.

Ja, auf keinen Fall ein Zuckerschlecken, das. Vernünftig wäre es ja, auch national, auch auf die Gefahr hin, in Folge von anderen Staaten "geschluckt" zu werden. Das (Geschlucktwerden) ist ja das Problem. Kein Staat wird das einfach so tun, ohne dass es die anderen Staaten nicht auch tun (Durchhaltewettbewerb). Darum muss es meiner Ansicht nach Global sein.
Andererseits macht es wahrscheinlich auch wenig Unterschied, ob man jetzt die Machtverhältnisse gleichmäßig schrumpft, um anschließend das alte Spiel genauso fortzuführen, oder man das alte Spiel einfach wie bisher weiterspielt.

Na, und die Bewegung müsste von den Menschen ausgehen, sonst wird es sowieso nichts. Karten auf den Tisch, knallharte Fakten muss man präsentieren. Irgendwie habe ich das Gefühl, das will nur niemand hören.

Da die Besitzverhältnisse aber im Wesentlichen gleich bleiben werden (?) - zumindest für die großen Spieler - ist auch klar, dass wir durch ein geordnetes Insolvenzverfahren nie wieder zu einer echten Marktwirtschaft zurückfinden werden. Es wird bei einer Kartellwirtschaft bleiben.

Hätte, hätte, hätte, könnte, könnte, könnte...


Es grüßt der
Rybezahl.

--
Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

Der Begriff "Zeichengeld" ist gut, weil er nicht gleich so verurteilend ist wie "Willkürgeld"

BerndBorchert @, Samstag, 20.08.2016, 20:57 vor 3478 Tagen @ Rybezahl 1627 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 20.08.2016, 21:01

Aber ich verstehe nicht, warum der Autor meint, dass unser heutiges Geld (Euro bzw. bei ihm Franken) eher Zeichengeld ist als Kreditgeld, siehe sein Kommentar unten.

Das einzige "Zeichengeld" beim Euro und Franken sind die Münzen, und die sind in ihrer Gesamtsumme im Vergleich vernachlässigbar, so vernachlässigbar, dass sie wahrscheinlich nicht einmal einen Verwässerungseffekt haben.

Bernd Borchert

Zeichengeld gefällt mir auch

Rybezahl, Samstag, 20.08.2016, 23:54 vor 3477 Tagen @ BerndBorchert 1522 Views

Aber ich verstehe nicht, warum der Autor meint, dass unser heutiges Geld
(Euro bzw. bei ihm Franken) eher Zeichengeld ist als Kreditgeld, siehe sein
Kommentar unten.

Das einzige "Zeichengeld" beim Euro und Franken sind die Münzen, und die
sind in ihrer Gesamtsumme im Vergleich vernachlässigbar, so
vernachlässigbar, dass sie wahrscheinlich nicht einmal einen
Verwässerungseffekt haben.

Bernd Borchert

Hallo Bernd Borchert!

Zeichengeld gefällt mir auch.

Vermutlich geht Herr Rösch davon aus, Geld hätte sich ursprünglich durch Tauschvorgänge entwickelt, zur Vereinfachung eben jener.

Das ist eine schöne Idee, aber allein vom anthropologischen Standpunkt aus unhaltbar. Keiner lernt in der Schule, dass die Menschheit sich händchenhaltend reichgetauscht hat. Meistens geht es um Krieg. Da reicht ein grober Überblick über die Geschichte.
Plausibler ist daher meiner Meinung nach der Debitismus (mit Machttheorie).

Aber ansonsten ziemlich guter Artikel, finde ich.

Gruß vom
Rybezahl.

--
Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

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