Schulmedizin vs. Komplementärmedizin
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 17.08.2016, 13:14
Da hier im Forum immer wieder medizinische Fragen auftauchen, wollte ich für Betroffene einen Hinweis geben, wann es indiziert ist, schulmedizinisch zu denken und wann komplementärmedizinisch, d. h. mit Osteopathie, Heilpraktiker uvm. zum Erfolg zu kommen.
Die Schulmedizin befasst sich immer mit eindeutig abgrenzbaren Krankheitsbildern, welche durch Tests, die sich empirisch durch Studien als valide herausgestellt haben, unterschieden werden. In einem konkreten Fall, nehmen wir an, es handelt sich um einen Bandscheibenvorfall, gibt es ein bestimmtes Vorgehen, nach dem das Krankheitsbild bestimmt wird. In diesem Fall wäre das als erster Schritt eine Anamnese, um aus den erzählten Beschwerden eine Hypothese zu bilden. Als nächstes folgt eine Testabfolge, um die Hypothese zu widerlegen oder zu bestätigen, in unserem Beispiel mit einer Untersuchung der Kraft, Sensibilität und Reflexe. Sollte nun diese Testabfolge positiv sein, d.h. es können Defizite beim Patienten nachgewiesen werden, ist unsere Hypothese des Bandscheibenvorfalls klar.
Was geschieht aber, wenn für unser Beispiel nur einzelne Tests positiv sind oder Beschwerden nur sporadisch auftreten, was bei Rückenbeschwerden durchaus normal ist?
In diesem Fall bleiben seltene Krankheitsbilder der Schulmedizin offen, über die im schlechtesten Fall nur ein Spezialist Bescheid weiß oder wir bewegen uns im Bereich der Komplementärmedizin, welche ihrerseits ein Spezialgebiet ist.
Die Komplementärmedizin befasst sich ebenfalls mit Krankheitsbildern und versucht in einem ähnlichen Vorgehen, diese im Unterschied zur Schulmedizin durch Behandlungsverfahren zu beeinflussen, die sich empirisch als erfolgreich herausstellen. Aber, der Erfolg lässt sich meistens nicht in klinischen Studien nachweisen. Dies bezieht sich vor allem auf die statistische Signifikanz, die es nicht ermöglicht, die Behandlung als erfolgreich darzustellen. Der Grund dafür liegt meines Erachtens daran, dass im Fall X (z.B. Borreliose) die Behandlung mit einer Knoblauchkur zum Erfolg führt, dies aber nicht für Fall Y gilt. Dies macht die Komplementärmedizin gegenüber der Schulmedizin angreifbar. Für einen Schulmediziner ist damit keine Stabilität gewährleistet, denn er kann die Behandlung der Borreliose nicht immer auf dieselbe Art durchführen.
Beide Versorgungsmodelle sind damit unterschiedlich. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ärzte oft nicht über die Möglichkeiten einer komplementärmedizinischen Behandlung wissen und die Komplementärmediziner im Umkehrschluss nicht über die medizinische. Die Ausbildung ist ebenfalls unterschiedlich. Ärzte müssen ein langjähriges Studium absolvieren und Komplementärmediziner können sich gleich zur Heilpraktiker-Prüfung anmelden, mit dem im Heimstudium erworbenen Wissen. Zum Teil ist es auch für Komplementärmediziner möglich, Kurse an einem Wochenende zu erlernen und dann Patienten zu behandeln. Das Problem ist hierbei eine mangelnde Kompetenz beider Berufsgruppen in der Kommunikation, da beide Berufsgruppen nicht die gleiche Ausbildung durchlaufen haben und folglich nicht die gleiche Sprache sprechen können.
Als Patient ist es wichtig zu wissen, was die Schulmedizin kann und umgekehrt die Komplementärmedizin. Sollte man selbst Patient sein, ist es wichtig, mit dem Problem zuerst zum Arzt zu gehen, denn er hat die Ausbildung schwerwiegende strukturelle Erkrankungen auszuschließen. Dafür hat der Arzt so lange studiert. Wenn der Arzt die Beschwerden nicht eindeutig einem Krankheitsbild zuordnen kann, kann man als Patient im nächsten Schritt zu einem Komplementärmediziner gehen. Denn man ist laut Schulmedizin gesund, weil man als Patient nicht in das Schema der Schulmedizin passt, oder man hat ein bestimmtes Krankheitsbild der Schulmedizin, welches durch die Komplementärmedizin zusätzlich positiv beeinflusst werden kann. Daher haben beide Seiten ihre Berechtigung mit ihren Stärken und Schwächen.
Mit Grüßen ins Forum
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