Just for the record... (Olympia 2016-1936-Vergleich)

MI @, Dienstag, 16.08.2016, 16:18 vor 3481 Tagen 2381 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 16.08.2016, 16:35

Tagchen zusammen,

so, so, der französische Stabhochspringer Lavillenie fühlte sich bei seinem Wettkampf in Rio unter den Pfiffen wie Jesse Owens 1936 in Berlin: "1936 war die Menge gegen Jesse Owens", sagte Lavillenie in Bezug auf die Sommerspiele vor 80 Jahren in Berlin. "Wir haben so etwas seitdem nicht mehr erlebt."

Also, dass Owens bei den Nazigrößen nicht sonderlich beliebt war, das ist ja bekannt. Aber wie war das mit "der Menge"? Dass die auch gegen ihn war, ihn auspfiff, das war mir jetzt nicht so dolle bekannt. Ist natürlich naheliegend, die Deutschen halt, wissenschon. Aber ich hab dann doch mal nachgelesen.

Hier steht schon mal (ich hoffe, die einsätzige Zitierung ist okay!): "Owens, den die Deutschen "Oh-wänz" aussprechen, war von 100.000 Zuschauern im Olympiastadion erneut frenetisch bejubelt worden, wie schon bei seinem überlegenen Sieg über 100 Meter am Tag zuvor - und wie bei den zwei weiteren Triumphen, die noch folgen sollen."

Donnerwetter: Der Owens wurde also gar nicht ausgepfiffen, sondern sogar frenetisch bejubelt. Was gibt's noch dazu? Hier steht noch was: "Die Berliner liebten ihn, obwohl sie das gar nicht durften, erst recht nicht, nachdem er Hitlers Rassen-Ideologie der Lächerlichkeit preisgegeben hat."

Na, das wird ja immer doller, die Menge liebte ihn sogar! - (Nein! Doch! Oooh!)

Jetzt verstehe ich auch, warum sich Lavillenie sofort für diesen Vergleich entschuldigt hat. Leider allerdings nicht ausdrücklich beim Publikum von 1936 [[sauer]].

Grüße,
MI

Auch das stimmt nicht:...

XERXES @, Dienstag, 16.08.2016, 16:59 vor 3481 Tagen @ MI 1872 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 16.08.2016, 18:31

"Also, dass Owens bei den Nazigrößen nicht sonderlich beliebt war, das ist ja bekannt."

Nach dem ersten Wettkampftag schüttelte A.H. nur den Deutschen Medaillengewinnern die Hände.
Nach der Aufforderung des IOC, allen Gewinnern zu gratulieren, verzichtet er gänzlich auf den Empfang in der "Führerloge". Körperlicher Kontakt bereitete ihm bekanntermaßen Unbehagen.

Von J.O. selbst ist aber überliefert, dass A.H. ihn in den Katakomben des Stadions getroffen hat und dort per Handschlag gratulierte.
J.O. beschrieb ihn (A.H.) als sehr freundlichen Mann!

Bezeichnend, was der dt. Hofhistoriker Knopp daraus gemacht hat. In seiner "History-Sendung" schnitt er einfach einen Sieg J.O.'s und eine äußerst säuerliche Miene A.H.'s zusammen.
Diese Reaktion erfolgte aber, als die 4X100 Meter-Staffel der Damen im Finale (in Führung liegend) den Staffelstab verloren hat.

So wird Geschichte "gemacht"!

--
“And crawling on the planet's face,
some insects called the human race.
Lost in time, and lost in space.
And meaning.”

Wenn die Schafe pfeifen

Watson @, Dienstag, 16.08.2016, 17:18 vor 3481 Tagen @ MI 1797 Views

Tja, wirklich ausgebuht und ausgepfiffen werden nur Athleten, die wirklich etwas zu sagen haben (und danach wird ihr Leben verpfuscht):

"Vor 44 Jahren war das Siegertreppchen des Laufs über 200m bei den Männern die Bühne für einen der wohl mutigsten Momente des 20. Jahrhunderts. Als die Menschen gegen die Apartheid in Südafrika und die Rassentrennung in den USA wetterten, hoben die schwarzen US-amerikanischen Läufer Tommie Smith und John Carlos ihre Fäuste, um Solidarität mit den Menschen zu bekunden, die weltweit für Menschenrechte kämpften.

Während dieses sogenannten Black-Power-Grußes der Olympischen Spiele von 1968 wurden die beiden Athleten ausgebuht und durch den damaligen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees und ehemaligen Hitler-Bewunderer Avery Brundage von den Spielen ausgeschlossen. "

Besser noch:

"Brundage, der 1936 Präsident des US-amerikanischen Olympischen Komitee war, hatte nichts dagegen einzuwenden, den Hitlergruß zu zeigen, da es sich um einen nationalen deutschen Gruß zu dieser Zeit gehandelt habe."

Ein Musterbeispiel für Macht & Manipulation.

The fact there’s a highway to hell and only a stairway to heaven says a lot about anticipated traffic numbers.
- Bill Murray -

Wieder falsch! Der Olympische Gruß (Saluto romano) wurde vom IOC 1924 (Spiele in Paris) als offizieller Gruß eingeführt:

XERXES @, Dienstag, 16.08.2016, 17:28 vor 3481 Tagen @ Watson 1835 Views

Mal Wiki zitierend:

Auf den „Saluto romano“ geht der „olympische Gruß“ zurück, der bei Einführung der Olympischen Spiele der Neuzeit vom Internationalen Olympischen Komitee als Teil der olympischen Symbole eingeführt und bei den Olympischen Sommerspielen 1924 in Paris erstmals gezeigt wurde. Die Geste wurde ausgeführt, in dem die rechte Hand nach oben und leicht nach vorne gestreckt wurde. Der „olympische Gruß“ erscheint auf den offiziellen Plakaten der Sommerspiele 1924 und 1936 und wurde auch in Kunstwerken dieser Zeit dargestellt.

Kleines Bonbon am Rande:

Aus dem „Saluto romano“ entstand unter anderem der Bellamy salute, der von 1892 bis 1942 in den USA beim Aufsagen des Treueschwurs auf die Flagge der Vereinigten Staaten offiziell vorgeschrieben war.

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“And crawling on the planet's face,
some insects called the human race.
Lost in time, and lost in space.
And meaning.”

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