@Literaturhinweis: Kannst Du hier Literatur zur Hermetik vorschlagen? Danke!

stokk, Samstag, 06.08.2016, 12:04 vor 3490 Tagen 3931 Views

Wer den Dom in Siena betritt, der fällt förmlich über ein Mosaik, dass in einer katholischen Kirche eigentlich nichts zu suchen haben sollte. Gemeint ist der Diskurs des Hermes Trismegistos mit seinen Schülern.

Die Erbauer des Domes haben damit eigentlich schon buchstäblich „von vorne herein“ klargelegt, dass sie Anhänger der sog. Hermetischen Lehren“ seien und nicht gewillt, diese unter das Dogma der Kirche zu stellen. Bestenfalls sei man bereit, die eine oder andere Synthese mit den katholischen Lehren zu suchen.

Auf der Spur der hermetischen Lehren mag es den einen oder anderen nach Amsterdam verschlagen, wo eine der größten Sammlungen hermetischer Schriften wartet. In der Ritman – Library wird einem spätestens klar, dass die Hermetische Lehre die eigentliche Tiefenströmung Europäischer Geistesgeschichte darstellt. Denn diese war und ist das geistige Band des Geistes- Blut- und Geldadels. Es verwundert also nicht, wenn sich diese Tradition auch in den USA fortsetzte und in diversen Geheimbünden oder Logen ihre Verzweigung fand.

Die Kernbotschaft dieser kurzen Einlassung stellt die dringende Empfehlung dar, sich mit der Hermetik zu befassen. Denn ohne diese Geheimlehre bleibt das tiefere Verständnis für das Wirken und die auch Umtriebe derer verborgen, welche sich auf diese berufen.

Auf die Frage, wer unter den führenden oder prägenden Persönlichkeiten in der Geschichte eigentlich Hermetiker war, läßt sich die lapidare Gegenfrage stellen: „Wer war das nicht?“

Seit Jahrtausenden gilt:

Kirche (Religion) für das Volk, Hermetik für die Elite.

Literatur zur Hermetik

nemo, Samstag, 06.08.2016, 12:28 vor 3490 Tagen @ stokk 3542 Views

bearbeitet von nemo, Samstag, 06.08.2016, 13:54

Ein sehr schönes kleines Buch über die hermetischen Grundsätze ist das:

KYBALION
Eine Studie über die hermetische Philosophie
des alten Ägyptens und Griechenlands

Erschienen im Akasha Verlag. Das Buch ist wahrscheinlich nur noch
im Antiquariat zu bekommen.

//EDIT: Habe gerade gesehen, dass es neu aufgelegt wurde:

Zu Amazon

Gruß
nemo

Kostenloser Einstieg (nL)

Broesler, Samstag, 06.08.2016, 12:57 vor 3490 Tagen @ nemo 3683 Views

http://www.pce.at/PDF/KYBALION_BUCH.pdf (78 Seiten, deutsch)
[image]

Ahoi

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* #PopcornLong
* Let's Chart
* "You can ignore reality, but you can't ignore the consequences of ignoring reality." Ayn Rand

Danke für Info! (oT)

stokk, Samstag, 06.08.2016, 22:12 vor 3490 Tagen @ Broesler 2836 Views

- kein Text -

Wie immer gibt es hier widersprüchliche Interpretationsmuster, wie bei allen "Patchwork"-Religionen

Literaturhinweis @, Samstag, 06.08.2016, 13:03 vor 3490 Tagen @ stokk 3588 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 08.08.2016, 15:56

Die Erbauer des Domes haben damit eigentlich schon buchstäblich „von vorne herein“ klargelegt, dass sie Anhänger der sog. Hermetischen Lehren“ seien und nicht gewillt, diese unter das Dogma der Kirche zu stellen.

... Es verwundert also nicht, wenn sich diese Tradition auch in den USA fortsetzte und in diversen Geheimbünden oder Logen ihre Verzweigung fand.

Dem kann man folgendes Zitat entgegensetzen:

"Many Christian writers, including Lactantius, Augustine, Giordano Bruno, Marsilio Ficino, Campanella, and Giovanni Pico della Mirandola, considered Hermes Trismegistus to be a wise pagan prophet who foresaw the coming of Christianity. They believed in a prisca theologia, the doctrine that a single, true theology exists, which threads through all religions. It was given by God to man in antiquity and passed through a series of prophets, which included Zoroaster and Plato. In order to demonstrate the verity of the prisca theologia, Christians appropriated the Hermetic teachings for their own purposes. By this account, Hermes Trismegistus was either a contemporary of Moses, or the third in a line of men named Hermes, i.e. Enoch, Noah, and the Egyptian priest king who is known to us as Hermes Trismegistus on account of being the greatest priest, philosopher, and king."

Demnach wäre also Hermes auch von eminenten christlichen, "dogmatisch gefestigten" Autoren als ein Vorläufer der christlichen End-Offenbarung gesehen worden. Auch könnten solche Neu-Interpretationen des Hermes-Mosaiks Ausgeburten der Aufklärungszeit sein. Oft werden althergebrachte Traditionen stets neu im Lichte moderner, zeitgenössischer Meinungen re-interpretiert.

Selbst Abraham konnte sich unter seinen Zeitgenossen nicht legitimieren, ohne Anleihen bei einem noch früheren Melchisedek zu machen. Ebenso Jesus Christus seine Mission nicht ohne den Segen eines Johannes Baptist antreten.

Stets werden so vielfältige Interpretationsmöglichkeiten hinterlassen, die die jeweilige Religion quasi "krisenfest" gegenüber neueren Strömungen machen (sollen?).

Die katholische Kirche, die bevorzugt heidnische Tempel überbaut hat, kann man einerseits so interpretieren, als hätte sie dieses Heidentum auslöschen wollen, andere geben zu bedenken, daß vielmehr das Heidentum sich geschickt gewandelt und sich so im Christentum gerettet und sich dieses anverwandelt hat.

Daß der Dom von Siena ausgerechnet eine marianische Kirche ist, Ausfluß einer mächtigen marianischen Bewegung im Katholizismus, könnte man auch so interpretieren, daß sich in der Muttergottes eben die vorchristlichen, ja vor-mosaischen Göttinen- und Sonnengott-Kulte verborgen ("hermetisch") weiterverbreitet und (gesund-) erhalten haben.

Zumal man hier wieder auf ein interessantes Phänomen stößt: die Eliten der Welt sind einerseits Satanisten und lassen beim Mittagsmahl einen Stuhl für den Gottseibeiuns frei, andererseits leitet die Welt ein jüdisch inspirierter Geheimvatikan, dann wieder sind es die Trismegisten, wenn sie nicht gerade allesamt von Repitilien abstammen.

So besteht der Boden der sienenser Kathedrale ja nicht nur aus dem hermetischen Mosaik, sondern aus dutzenden anderen, die über zwei Jahrhunderte hinweg von 40 verschiedenen Künstlern erschaffen wurden. Ebenso könnte man daher "Beweise" für Stierkulte und vieles andere dort finden. Überhaupt enthalten alle Kathedralen seltsame Symboliken einschließlich Geis(t)wesen, gehörnte und gefiederte u.a. Kreaturen.

Vielleicht sollte man auch nicht außer acht lassen, daß wir erst heute YouTube haben, und seit ca. 150 Jahren erst photographische, dann kurz darauf bewegte Bilder und daß vor der Erfindung der Druckkunst die Kirchenfenster und die Fresken und Mosaike die einzigen (bunten) Bilder waren, die die normale bäuerliche Bevölkerung in ihrem Leben je zu Gesicht bekam. Entsprechend war deren Wirkung, etwas, das die letzten drei, vier, fünf Generationen überhaupt nicht mehr nachvollziehen können!

Aber ich nehme die hermetische Literatur mal auf meine Vorschlagsliste.

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Literatur-/Produkthinweise. Alle Angaben ohne Gewähr! - Leserzuschriften

Hermetik

Leserzuschrift @, Sonntag, 07.08.2016, 13:18 vor 3489 Tagen @ stokk 3603 Views

Hallo zusammen,

zum Thema Hermetik kann ich ein klein wenig beitragen.

Zunächst ist Hermetik keine Religion, wie manche annehmen. Es ist eher das Gegenteil von »Glauben«. Hermetik ist eher eine Philosophie, die sich mit dem weniger »Offensichtlichen« hinter der angenommenen »Realität« beschäftigt. Daher sind sehr viele Forscher und Wissenschaftler unter denen zu finden, die sich mit der Hermetik beschäftigen bzw. beschäftigt haben.

Typisch die Hermetik die methodische Auseinandersetzung mit der sogenannten »materiellen Welt«. Im Gegensatz zur heute in der Wissenschaft weit verbreiteten Weltsicht, ging die Hermetik immer von »unsichtbaren Ursachen« und »Kräften« aus, die das erzeugen, was dann als »Materie« erlebt wird. (Denn obwohl heute jeder Physiker weiß, dass die sogenannte »feste Materie« in Wirklichkeit hauptsächlich aus »Nichts«, »Energie« und noch winzigeren scheinbar »festen« Materieteilchen besteht, ist offensichtlich kaum jemand bereit, die sich daraus ergebenen philosophischen Konsequenzen zu Ende zu denken.)

Hermetik heißt sie deshalb, weil sie von Hermes Trismegistos stammen soll, dem dreimal großen Hermes. Das war der griechische Name vom Thot der früheren Ägypter. Sowohl Hermes als auch Toth galten als »Schriftgelehrte«, die sehr »große Denker« gewesen sein sollen. Damals soll das Fundament der Hermetischen Philosophie gelegt worden sein.

In Holland kann man Hermetik sogar an der Uni studieren, doch handelt es sich dabei nur um die historische Betrachtung des Phänomens (wer, was, wann) - eine inhaltliche Auseinandersetzung findet dort nicht statt. Zumindest nicht auf der qualitativen Ebene. Der eigentliche Zweck der Hermetik, selbst zu eigenen Erkenntnissen in diesem Themengebiet zu kommen, wird dort nicht gelehrt.

Dass in unserem Sprachgebrauch von »hermetisch verschlossenen« Behältnissen gesprochen wird, ist sicher kein Zufall. Die vielen sogenannten »Geheimgesellschaften«, und deren Nähe zur Hermetik, wurden ja bereits erwähnt. Trotzdem hütet die Hermetik keine »Geheimnisse«. Sie beschäftigt sich nur mit dem großen »Geheimnis« namens »Welt«, von manchen auch »Natur«, »Materie« oder »Universum« genannt. Ein Hermetiker »glaubt« nicht, er »forscht«. Er versucht systematisch das zu ergründen, was laut Faust »die Welt im Innersten zusammenhält«.

Es gab zwar viele zutiefst religiöse Menschen unter den Hermetikern, auch heute noch, aber es gab und gibt auch sehr viele, die man heute eher zu den Agnostikern zählt. Allen gemein ist jedoch die Überzeugung, dass es »mehr zwischen Erde und Himmel gibt« als das, was wir sehen und greifen können.

Insofern handelt es sich eher um ein »Mysterium«, was zu ergründen versucht wird. Das Wort »Geheimnis« ist in diesem Zusammenhang leicht irreführend. Denn Geheimnisse werden zu bewahren versucht, während ein Mysterium nur darauf wartet, dass es (endlich) jemand erkennt.
Aus diesem Grunde wurden übrigens die geschichtlichen Vorgänger der »Geheimgesellschaften« auch »Mysterienschulen« genannt.

Selbstverständlich wirken »Geheimnisse« aber auf eine große Zahl von Menschen deutlich interessanter als irgendeine philosophische Forschung.

Genauso selbstverständlich gibt es unter diesen Gesellschaften »solche und solche«. Abhängig vom Bewusstsein der jeweils beteiligten Menschen.

Was die Hermetik so »geheimnisvoll« macht, ist der massive Einsatz von Symbolen, die verwendet werden, um die bisher gemachten Erkenntnisse weiter zu geben. Entweder bildlich-gegenständliche Symbole oder in Form von Allegorien und Metaphern in Textform. Solange man nur die wortwörtliche Interpretationsebene betrachtet, wird man nie dahinter kommen, was wirklich gemeint ist.

Wie wir wissen, war Europa vor einigen Jahrtausenden kein Ort, an dem es leicht war, mit »neuen Ideen« daher zu kommen. An der amtskirchlichen Weltsicht kam niemand vorbei. Daher hat diese verschlüsselte Form der Überlieferung auch sehr viel mit Selbstschutz zu tun.

Einige Schriften, Kunst- oder Bauwerke wurden daher in der Symbolik so entworfen, dass sich ihre wahre Bedeutung auch noch in weit entfernter Zukunft dem Menschen erschließt, der sich aufrichtig und intensiv mit ihnen beschäftigt.

Eine große Ausnahme ist übrigens das bereits von Nemo erwähnte Kybalion. Dort wurde zwar auch einiges symbolisch umschrieben. Es ist insgesamt aber außergewöhnlich klar und deutlich beschrieben, um was es in der Hermetik geht. Empfehlenswert ist da allerdings vor allem die englische Version (kostenlos im Netz), weil die bisher vorhandenen deutschen Übersetzungen entweder schwer lesbar, oder gut formuliert, aber inhaltlich verzerrt sind. (Es reicht halt nicht, irgendetwas »Original« zu nennen, man muss auch wissen, worum es überhaupt geht, wenn man etwas umformuliert.)

Ein völlig anderes "Machwerk", aber meines Erachtens dennoch gut geeignet, um diese gänzlich andere Weltbild kennen zu lernen, ist das Buch von Pauwels und Bergier mit dem Titel "Aufbruch ins dritte Jahrtausend" (Originaltitel: Le Matin des magiciens).

Die nähere Beschäftigung mit der Hermetik ist jedoch wirklich nur für jene interessant, die - ernsthaft - mehr über das wissen wollen, was wir Mikro- und Makrokosmos nennen. Es ist keine leichte Kost und mit Religion hat es noch weniger zu tun (selbst wenn einige Symbole und Formulierungen dies anzudeuten scheinen).
Man braucht auch eine gewisse Ergebnisoffenheit, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Wer mit bestimmten Erwartungen an dieses Thema herantritt, wird wahrscheinlich ziemlich schnell enttäuscht sein.

Viele Grüße
Mark

Sehr schöne Zusammenfassung!

Phoenix5, Sonntag, 07.08.2016, 16:08 vor 3489 Tagen @ Leserzuschrift 3084 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 07.08.2016, 16:20

Vor allem dieser Satz gefällt:

Denn Geheimnisse werden zu bewahren versucht, während ein Mysterium nur darauf wartet, dass es (endlich) jemand erkennt.

Die Philosophie ist, vor allem in Zeiten des Internets, für jedermann offen zugänglich. Sie nicht rational, sondern geistig zu erfassen, erfordert zuerst einen langen - oft leidgeprüften - Weg der Erfahrung und ernsthaften Suche. Wer an diesem Punkt angelangt ist, hält ein Zwiegespräch mit sich selbst (bzw. seinem höheren Selbst, mit dem er zeitlebens verschmelzen will) und er hört auf, über diese Dinge mit anderen zu sprechen. Vielleicht nährt das auch zusätzlich die Spekulation um ein "Geheimnis", das niemand wagt auszusprechen. Tatsächlich geht es hier nicht um ein Geheimnis oder darum, den anderen für dumm oder nicht würdig genug zu halten, sondern an diesem Punkt können Worte keine Information mehr vermitteln. Das Erforschen des Mysteriums wird - ähnlich dem religiösen Empfinden - zu einer zutiefst subjektiven Erfahrung. Hier ist man völlig mit sich allein und weiß, dass sein Gegenüber unter den gleichen Worten nicht dasselbe versteht und jede Beschreibung das Mysterium nur profaniert und rationalisiert.

Für den sezierenden Geist des hochzivilisierten Abendländers bietet sich, als Einstieg in das Mysteriendenken, Carl Gustav Jung als Schnittstelle zwischen Psychologie und klassischer Esoterik an.

Danke und beste Grüße
Phoenix5

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