Wir alle sind Banken. JedeR Einzelne. Ein paar Gedanken zu "Geld" und "Kredit".

BillHicks ⌂ @, Wien, Donnerstag, 04.08.2016, 12:20 vor 3493 Tagen 3159 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 04.08.2016, 18:31

Wir alle sind Banken in dem Sinne, dass wir täglich unsere Einzahlungen und Auszahlungen so aufeinander abstimmen müssen, dass wir all unseren Zahlungsverpflichtungen HEUTE nachkommen können.
Glücklich sind jene, die in einer Situation von Illiquidität, d.h. die HEUTE fälligen Zahlungsverpflichtungen können Stand heute nicht erfüllt werden, zusätzlichen Kredit erhalten können.

Wir alle mögen Kredit. Er sorgt für Elastizität.
Elastizität in dem Sinne, dass die Zahlungsverpflichtung HEUTE auf MORGEN verschoben werden kann. Das passiert übrigens unter den größten der Banken (auch diese sind Banken in eben diesem Sinne) jeden Tag. Hundert(e) Milliarden Dollar. Jeden Tag. Nur über Nacht. Damit man "erst" MORGEN zahlen muss. Und dann morgen wieder dasselbe.

Wir alle mögen Geld, wenn wir es halten können, um auf unvorhergesehene nötige Auszahlungen reagieren zu können (und um dann NICHT auf zusätzlichen Kredit angewiesen zu sein).

Wir mögen Geld nicht, wenn es das ist, was wir für unsere Zahlungsverpflichtungen benötigen. Zahlungsverpflichtungen resultieren aus vergangenem Kredit. Genau der Kredit, der uns gestern noch so gut gefallen hat, weil er uns erlaubt hat, eine Zahlungsverpflichtung auf heute zu verschieben, wird heute unangenehm, wenn wir nicht weiteren Kredit erhalten, sondern Geld benötigen, um die Zahlungsverpflichtung zu erfüllen.
Kredit (wenn man ihn erhält) ist Elastizität.
Geld (wenn man es zahlen muss) ist Disziplin.

Wir hier im Gelben wissen nach unzähligen Diskussionen über den "Staat", dass diese Disziplin nur innerhalb eines institutionellen Rahmens wirksam ist. Wenn das Verstreichenlassen einer Zahlungsverpflichtung keine Konsequenzen für diejenige "Bank" hat, die die Zahlungsverpflichtung einfach verstreichen lässt, dann kann von Disziplin keine Rede mehr sein. Die Disziplin muss also als solche durchgesetzt werden können. Um Durchsetzung bewirken zu können, benötigt man Mittel.

Nur mit eben diesen Mitteln aber ist auch Elastizität möglich. Es ist nur die andere Seite derselben Medaille. Ohne Möglichkeit zu Disziplin existiert auch die Möglichkeit zu dieser Form der Elastizität (Kredit) nicht. Sondern es herrscht dann einfach "allgemeine Elastizität" in den "Kredit"beziehungen, weil Termine entweder erst gar nicht fixiert werden (z.B. in verwandtschaftlicher Reziprozität) oder der Inhalt dessen, was als Erfüllung zu leisten ist, nicht klar definiert ist etc.

Eine Gesellschaft auf dem Weg zum Erwachsen werden ist in der Lage, sowohl für Elastiztiät als auch für Disziplin zu sorgen.

Eine reife Gesellschaft sollte zudem noch dazu in der Lage sein, Elastizität und Disziplin so zu managen, dass sie nicht allzu ungleich verteilt werden. Etwa: Disziplin für die einen und Elastizität praktisch ausschließlich für die anderen.
"Wir" machen aktuell noch keinen all zu guten Job dabei. Wir sind also bestenfalls eine pubertierende Gesellschaft.

Wenn wir uns nun dieses Zusammenspiel von Elastizität und Disziplin ansehen, wird sichtbar, dass eine Wirtschaftskrise das Resultat einer WAHL ist. Es ist die WAHL zu allgemeiner (Über-)Disziplin.

Wenn Wirtschaftskrisen das Ergebnis einer Wahl sind, so sind sie KULTURereignisse, keine NATURereignisse.
Wenn nun wie derzeit in einer Krise (vernünftigerweise) die Wahl auf mehr Elastizität fällt, dann bleibt nur noch die Frage zu klären: für WEN denn? In wessen Interesse wirkt diese zusätzliche Elastizität?

Wer profitiert von der zusätzlichen Elastizität durch das billige Geld der EZB? Für wen ist das zusätzliche Elastizität?

Welche unterschiedlichen Möglichkeiten für mehr Elastizität gibt es?
Welche Möglichkeiten gibt es zu mehr Disziplin?
Was ist zu tun in institutionellen Umwelten, die gar nicht in der Lage sind, anonyme Elastizität und Disziplin zu erzeugen, mangels Mitteln zu öffentlicher Durchsetzung (Disziplin)?

Danke für's Lesen.

Schöne Grüße

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BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.

Spitze. Bitte Gedankengang/Analogien gelegentlich weiterentwickeln! (oT)

Kurt @, Donnerstag, 04.08.2016, 18:01 vor 3493 Tagen @ BillHicks 1564 Views

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Für das verantwortlich zu sein, was ich sage, ist eine Sache.
Aber dafür verantwortlich zu sein, was jeder, der in meinem Leben vorkommt,
sagt oder tut, ist eine ganz andere Sache.

Dankeschön, lieber Kurt. Falls Dir Antworten auf die formulierten Fragen einfallen, lass es uns bitte wissen. Schöne Grüße! (oT)

BillHicks ⌂ @, Wien, Freitag, 05.08.2016, 12:36 vor 3492 Tagen @ Kurt 1308 Views

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BillHicks

..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.

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