Fracking tritt der OPEC in den Allerwertesten

Watson @, Dienstag, 02.08.2016, 16:30 vor 3495 Tagen 3708 Views

Servus,

das Thema ist eigentlich gar nicht so meins, aber die politischen Implikationen erscheinen mir immens.

http://www.telegraph.co.uk/business/2016/07/31/texas-shale-oil-has-fought-saudi-arabia-...

Nachdem die OPEC sich entschieden hatte, die Fracker anzugehen, indem massenhaft Öl in den Markt gepumpt wurde, habe diese nun mit der besten Waffe der freien Marktwirtschaft zurückgeschlagen: Technischer Fortschritt!

"North America's hydraulic frackers are cutting costs so fast that most can now produce at prices far below levels needed to fund the Saudi welfare state and its military machine..."

Die Fracker haben es geschafft, innerhalb von nur zwei Jahren, den Break-Even-Preis ihres Öls von 60 bis 85 US-Dollar je Barrel auf 33 bis 40 US-Dollar zu senken. Zudem werden 90% der 3.900 Fracking-Brunnen (meine Übersetzung ...) sofort profitabel, wenn der Erdölpreis wieder über 50 US-Dollar steigt - eine gewaltige Reserve also.

Venezuela, Angola, Nigeria und Aserbaidschan gehen deshalb schon wirtschaftlich am Stock und wenden sich hilferingend an IWF & Co.

Der Artikel prognostiziert dann einen dramatischen Anstieg des Ölpreises Ende dieses Jahrzehnts, doch

"Whether Opec can survive that long is an open question. Most of the cartel need prices of $100 to fund their regimes."

Alles in allem eine type Nachricht der Art, die nie in den Schlagzeilen landet wird und sich hinterher alle fragen "Wie ist das denn passiert?".

Interessant ist sicher auch, wie sich die USA unter diese Voraussetzungen künftig im Nahen Osten verhalten werden. Nur das Israel bald der Big Boss dort sein könnte, weil der Rest sich in Bettellumpen hüllt, ist keine beruhigende Vorstellung. Andererseits dürfte die Finanzierung seiner Feinde auch stark vom Öleinkommen gewisser Kreis abhängen. Spannend.

Break Even bei Fracking

twc-online @, Dienstag, 02.08.2016, 16:48 vor 3495 Tagen @ Watson 3107 Views

...

Die Fracker haben es geschafft, innerhalb von nur zwei Jahren, den
Break-Even-Preis ihres Öls von 60 bis 85 US-Dollar je Barrel auf 33 bis 40
US-Dollar zu senken. Zudem werden 90% der 3.900 Fracking-Brunnen (meine
Übersetzung ...) sofort profitabel, wenn der Erdölpreis wieder über 50
US-Dollar steigt - eine gewaltige Reserve also.

...

Nach meinen Informationen waren die großen Fracking-Firmen von 2010-2014, also auch bei Ölpreisen von über 100 USD, nie am Break Even (in dem Sinne, dass der Cash-Flow die Ausgaben gedeckt hätte):
https://srsroccoreport.com/condition-red-fracking-is-destroying-oil-gas-companies-balan...

Es ist also die Frage, welche Kosten in die "Break-Even-Preis"-Berechnung alle eingehen.

Ein ganz anderer Punkt ist, dass die Fracking-Unternehmen den OPEC-Ländern schaden.

Fracking tritt sich selbst in den Allerwertesten.

XERXES @, Dienstag, 02.08.2016, 16:59 vor 3495 Tagen @ Watson 3101 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 02.08.2016, 17:06

Es ist das Wesen der Anglo-Amerikaner, stets Dritten die Verantwortung für eigene Unzulänglichkeiten in die Schuhe zu schieben.

Die Mär, die OPEC überschwemme den Markt, ist Quatsch (OK, der Iran tritt nun wieder auf den Markt).
An Saudi Arabien kann man aber sehr schön sehen, dass sie ihre Förderquoten konstant (hoch) gehalten haben, während die Exportquote aber sukzessive wegen des steigenden Eigenbedarfs sinkt (gesunken ist).

Der Ölpreis ist kollabiert, weil mit Hilfe des Frackings und Ausweitung der Tiefseeförderung (Golf von Mexiko) es zu einem spürbaren Rückgang des US-Imports fremden Öls geführt hat.

Dass sich die Förderkosten beim Fracking halbiert haben sollen, halte ich für ein Gerücht. Es sei denn, die Umweltstandards wurde stark ausgehebelt.

Die Kosten für Tiefsee und Ölsand sind vllt. deshalb gesunken, weil man in den letzten 18 Monaten 30 bis 50 % der Angestellten gefeuert hat.

Es bleibt dabei, dass die laufenden Förderkosten in Nordamerika um ein Vielfaches höher sind als bei bereits erschlossenen Felder der Golfstaaten und auch Russlands!

Venezuela hat das Problem, dass die Förderung des Heavy im Golf von Maracaibo auch recht kostenintensiv ist (Heißwasser muss mit Hochdruck in den Grund gepumpt werden, um es zu lösen).

--
“And crawling on the planet's face,
some insects called the human race.
Lost in time, and lost in space.
And meaning.”

Rystad Energy sieht auch abnehmenden Break Even Point (mL)

Leserzuschrift @, Dienstag, 02.08.2016, 18:41 vor 3495 Tagen @ Watson 2444 Views

Rystad Energy sieht auch abnehmenden Break Even Point (-22% CAGR)

http://www.worldoil.com/news/2016/8/2/average-shale-wellhead-break-even-prices-are-belo...

Allerdings hängt das davon ab, was man alles in seine Kalkulation miteinbezieht. Art Berman sieht das hier eher kritisch:

http://www.artberman.com/pioneers-permian-oil-costs-compete-with-saudi-arabia-is-that-a...

Gruß
Faunus

Wenn ich mich recht erinnere.....

XERXES @, Dienstag, 02.08.2016, 18:54 vor 3495 Tagen @ Leserzuschrift 2474 Views

...liegen in SA die reinen Upstream-Kosten (Förderung) ex Exploration (Einmalkosten) und Downstrean (Logistik/Weiterverarbeitung) bei USD 8,-/Barrel!

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“And crawling on the planet's face,
some insects called the human race.
Lost in time, and lost in space.
And meaning.”

Aber mit Sicherheit nicht unter Einhaltung der Umweltschutzvorschriften

helmut-1 @, Siebenbürgen, Dienstag, 02.08.2016, 21:02 vor 3495 Tagen @ XERXES 2005 Views

Was alleine die Entsorgung oder Wiederverwertung des Schlammgemisches kostet, das beim Fracking anfällt und wieder herausgepunpt werden muss (offiziell) und dann entsorgt werden sollte, - das treibt einem die Tränen in die Augen. Insbesonders Chevron usw.

Vergess das mit den 8$ ganz schnell, würde ich sagen.

Mittlerweile gehen die Aktionäre, die in den USA auf die Fracking-Aktien gesetzt haben, bis unter die Hutschnur baden.

War aber vorauszusehen, - zumindest für den, der sich dafür interessiert hat

http://www.investopedia.com/articles/investing/072215/can-fracking-survive-60-barrel.asp

Ist ja nur eines von vielen Beispielen.

SA steht für Saudi Arabien (USD 8,-/Barrel) (oT)

XERXES @, Dienstag, 02.08.2016, 21:48 vor 3495 Tagen @ helmut-1 1718 Views

- kein Text -

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“And crawling on the planet's face,
some insects called the human race.
Lost in time, and lost in space.
And meaning.”

Dann stimmt es natürlich

helmut-1 @, Siebenbürgen, Mittwoch, 03.08.2016, 04:26 vor 3494 Tagen @ XERXES 1691 Views

SA habe ich als Kurzform für "Staaten Amerikas" verstanden. Die Abkürzung "SA" bietet eben mehrere Interpretationsmöglichkeiten [[nono]]

Förderkosten irrelevant

Tob @, Freitag, 05.08.2016, 16:40 vor 3492 Tagen @ XERXES 1470 Views

...liegen in SA die reinen Upstream-Kosten (Förderung) ex Exploration
(Einmalkosten) und Downstrean (Logistik/Weiterverarbeitung) bei USD
8,-/Barrel!

Die reinen Förderkosten sind aber völlig irrelevant, weil die Gesamtkosten betrachtet werden müssen. Die Fracker können von $60/Barrel leben, bei den OPEC Staatshaushalten wird es da nicht nur verdammt eng, sondern kann langfristig zu kaum vorstellbaren Verschiebungen im Gefüge der Welt führen. Millionenvölker, die kaum bis gar nicht arbeiten und Reichtum gewohnt sind, werden in dieser neuen Lage Aufstände und politische Umwälzungen erleben, die weit über die aktuellen Geschehnisse hinausgehen. Das Fracken bringt die größte Einkommensverteilung mit sich, die die Welt je gesehen hat. Die riesigen Einkommen, die die Gottestaaten erst möglich gemacht haben, bleiben aus. Die USA haben dank Fracking nun die größten Ölreserven der Welt, auch China und Russland haben riesige Frackbare Felder.

Das Fracking ist der Anfang vom Untergang der Öl-Scheichs.

Das hört sich gut an, wenn auch nicht für Europa

Ankawor, Freitag, 05.08.2016, 19:36 vor 3492 Tagen @ Tob 1353 Views

Die riesigen Einkommen, die die Gottestaaten
erst möglich gemacht haben, bleiben aus. ...

Das Fracking ist der Anfang vom Untergang der Öl-Scheichs.

Sehr schön, wenn auch 20 Jahre zu spät.

Millionenvölker, die kaum bis gar nicht arbeiten und
Reichtum gewohnt sind, werden in dieser neuen Lage Aufstände und
politische Umwälzungen erleben, die weit über die aktuellen Geschehnisse
hinausgehen.

Ja. Im ELM (Export Land Model) wird das bereits erläutert, aber wenn das Fracking die von dir dargelegten Auswirkungen hat, wird das ELM bei weitem übertroffen. Die karnickelmäßig angewachsene Bevölkerung im nahen Osten ist nur durch staatliche Subventionen von Lebensmitteln und Treibstoffen zu ernähren.

Ohne Einnahmen aus Ölverkäufen können sie kein Getreide mehr aus Europa oder sonstwo kaufen, und dann gibt es nicht nur Armut, sondern Verhungernde. Ein Blick auf die Weltkarte zeigt, welche Gebiete die Leute ohne Schiffe oder Flugzeuge erreichen könnten, per pedes: Afrika, Europa, Asien.

Nach Afrika wird keiner laufen wollen, Russland wird nur durch Übersteigen von Bergen von Erschossenen an der Grenze erreichbar sein, so bleibt nur Merkelistan mit den ausgebreiteten Armen.

Daher meine Bemerkung zu Europa in der Überschrift.

Langfristig Denkende bemühen sich somit schon jetzt um ein Einwanderungvisum in die (horribile dictu) USA oder denen nahestehende Länder wie Kanada, Australien und Neuseeland. Hauptsache, Tausende Kilometer Wasser als Schutz.

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Wandere aus, solange es noch geht.