Umorientierung in der Türkei?

Dieter, Samstag, 30.07.2016, 17:58 vor 3497 Tagen 4192 Views

Hallo,

wie wird sich die Wirtschaft der Türkei entwickeln? Geht es weiter mit Wachstum oder wandert die treibende Kraft, ausländisches Kapital, ab. Ist der Konsum (auf Pump) weiter stabil hoch?

http://www.hintergrund.de/201607294072/wirtschaft/wirtschaft-welt/erdogans-wirtschaftsp...

In Syrien stellt man gerade fest, daß sich die Prioritäten Erdogans geändert haben hin zu einer Zusammenarbeit mit Rußland.
Vermutlich hat Erdogan eingesehen, daß sein bisheriger Weg die Türkei ins Verderben stürzte. Nur verprellt er damit auch einen wichtigen Teil der Investoren der türk. Wirtschaft, die Araber. Vielleicht kann die neuerliche angestrebte Nähe zum Iran das eine oder andere auffangen, aber wird das reichen?

Wie sehen die russ. Interessen bezüglich eines Kurdenstaates aus?
Die Differenzen Erdogans zu den USA dürften für weitere Nähe zu Rußland führen. Wäre Russland dann der eigentliche Gewinner des Putsches?

Gruß Dieter

Bleibt abzuwarten, was da kommt.

helmut-1 @, Siebenbürgen, Samstag, 30.07.2016, 20:04 vor 3497 Tagen @ Dieter 2715 Views

Servus, Dieter,
bin da nur etwas unsicher, wie wertungsfrei dieser Bericht ist, von dem link.

Ich zitiere daraus:

Besonders dramatisch: die niedrige Beschäftigungsquote. Gerade einmal rund 50 Prozent der arbeitsfähigen türkischen Bevölkerung geht einer Beschäftigung nach, insgesamt nur 27,6 Millionen der über 70 Millionen Türken haben einen Job. Und das weitgehend zu Hungerlöhnen. Wie das deutsche Auswärtige Amt lapidar mitteilt, „bezieht der überwiegende Teil der in Industrie, Landwirtschaft und Handwerk erwerbstätigen Arbeiter weiterhin den offiziellen ‚Mindestlohn‘. Er wurde für das Jahr 2016 auf 1.647 Türkische Lira brutto (rund 520 Euro) festgesetzt“ – bei Lebenshaltungskosten, die bei rund 70 Prozent der deutschen liegen und einer jährlichen Inflationsrate von zuletzt 7,7 Prozent (2015).

Das sieht so aus, als ob 50 % der arbeitsfähigen Bevölkerung auf der faulen Haut liegen würden. Denke, dass man das so verstehen muss, dass es nur 50% sind, die einer angemeldeten Beschäftigung (mit Sozialabgaben etc.) nachgehen. Der Rest wird sicher in der familiären Landwirtschaft ohne soziale Absicherung tätig sein, um ein gewisses Einkommen zu gewährleisten.

Dazu die Aussage der "Hungerlöhne". Der staatlich festgesetzte Mindestlohn in der Türkei, - mit umgerechnet 520€, - da würden sich die Rumänen die Finger schlecken. In Rumänien wurde der Mindestlohn letztmals um 19% angehoben, am 1. Mai 2016, auf 1.250 RON, das sind umgerechnet 277 €. Wenn man die Lebenshaltungskosten mit 70% der deutschen in der Türkei vergleicht, dann stellt sich immer die Frage nach der Vergleichbarkeit, insbesonders, was man mit was vergleicht.

Verlässliche aktuelle Zahlen gibt es nicht über Rumänien, - im Herbst 2015 spricht man von 57% im Europaschnitt, wobei Deutschland da 2% über dem Schnitt liegen würde. Wie man auf diese Zahlen kommt, ist mir ein Rätsel. Denn in den Supermärkten sind die Lebensmittel genauso teuer wie in Deutschland, manche sogar teurer. Lediglich manche Grundnahrungsmittel (Brot, Kartoffeln, etc.) sind billiger. Was noch billiger ist, sind manche Dienstleistungen (z.B. Frisör), Sprit ist genauso teuer, die Energiepreise steigen ständig. Wenn man keine staatlich subventionierte Wohnung mieten kann, dann kann es in den Städten schon bis 6€ pro m² (kalt) gehen. Allerdings spricht die staatliche Statistik in RO von einer derzeitigen Deflation von ca. 1%.

Diese schwierigen Lebensbedingungen sind letztlich auch der Grund dafür, dass soviele Rumänen außerhalb Rumäniens arbeiten. Allerdings gibt genügend (z.B. in der Energiebranche), die auch 1.000 € und mehr monatlich bekommen. Wer sehr gut bezahlt wird, ist der Facharbeiter in RO, - weil es den kaum noch gibt, - mangels Berufsausbildungsmöglichkeiten. Wer zu knabbern hat, das sind die Ungelernten, die nichts können. Und das sind die meisten in RO.

Alles Theater

XERXES @, Samstag, 30.07.2016, 20:05 vor 3497 Tagen @ Dieter 2920 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 30.07.2016, 20:09

Würde Erdogan tatsächlich den USA ans Bein pinkeln, die Berichterstattung unserer glorreichen Qualitätsmedien wäre nicht mehr derart wohlwollend.

Wenn TS und heute Erdogan offen mit Putin vergleichen, dann bin ich bereit, meine Position zu überdenken!

--
“And crawling on the planet's face,
some insects called the human race.
Lost in time, and lost in space.
And meaning.”

Mindestlöhne intern.

Dieter, Samstag, 30.07.2016, 21:19 vor 3497 Tagen @ helmut-1 2529 Views

Hallo Helmut,
als ich letztens mal mit einem türk. Unternehmer sprach, dessen pers. Meinung entsprach in etwa dem von mir gebrachtem Link. Inwieweit dieser der Realität entspricht vermag ich nicht zu beurteilen.

Hier mal eine Tabelle zu Mindestlöhnen 2016:
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/383296/umfrage/gesetzliche-mindestloehne-...

Verhältnisse wie in Rumänien kenne ich abgemildert aus Portugal, wobei dort die heimischen Lebensmittel dann doch deutlich billiger und besser sind als in Deutschland, die Lebensmittel der intern. Konzerne dagegen deutlich teurer.
Auf dem Land kommt man gut zurecht, dank hoher Quote an Wohneigentum mit Garten, für die Städter ist es schwieriger.

Gruß Dieter

Stimmt

helmut-1 @, Siebenbürgen, Samstag, 30.07.2016, 21:54 vor 3497 Tagen @ Dieter 2142 Views

Den link kenne ich, - aber der ist nicht aussagekräftig.

Überhaupt ist es sehr schwierig, hier eine klare Vorgabe zu artikulieren. Und zwar genau aus den Gründen, die Du auch angeführt hast, - gewisse Lebensmittel sind von den Bauern sehr preiswert zu bekommen, in abgepackter Form im Supermarkt orientieren sie sich am deutschen Supermarktpreis.

Allerdings sind viele Rumänen (vor allem die jüngere Generation) so bescheuert, nicht den Wert von naturbelassenen Lebensmitteln zu erkennen. Die meinen sogar, dass McDonalds was besonders Gutes ist.

regionale Produkte

Dieter, Samstag, 30.07.2016, 23:08 vor 3497 Tagen @ helmut-1 1990 Views

Allerdings sind viele Rumänen (vor allem die jüngere Generation) so
bescheuert, nicht den Wert von naturbelassenen Lebensmitteln zu erkennen.
Die meinen sogar, dass McDonalds was besonders Gutes ist.

das kenne ich aus dem Alentejo anders. Dort weiß man um die besondere Qualität regionaler Produkte.
Was mir in Portugal/Alentejo in den Supermärkten übrigens gut gefällt ist die Tatsache, daß bei Gemüse, Obst, Fisch, Fleisch immer groß und klar die Herkunft beschrieben ist.
Bei Fisch z.B. steht immer dabei aus welchem Teil des Ozeans oder Aquakultur mit Region die Meerestiere kommen, oder bei Süßwassertieren aus welcher Region (Frischfang).
Dazu extensiv produziertes Fleisch neben hervorragenden regionalen Ziegen- und Schafskäsen aus Regionen, die in ihrer Nutzung einem deutschen Nationalpark entsprechen würden. - und natürlich: hervorragende Weine autochoner Rebensorten. Obst und Gemüse ohnehin gut.

Also die Menschen im Alentejo wissen um die Güte ihrer regionalen Produkte, auch wenn die jüngeren meist gerne Bier statt Wein trinken.
Einen McDonalds oder ähnliches habe ich in Portugal noch nicht gesehen, mag es geben, ist mir bislang aber verborgen geblieben.

Gruß Dieter

Könnt Ihr knicken. Lt. RTL-Nachrichten (Bertelsmann) ist Erdogan der Überdemokrat!

XERXES @, Sonntag, 31.07.2016, 20:02 vor 3496 Tagen @ Dieter 1647 Views

Habe mir vorhin interessehalber die Nachrichtensendung des schlechtesten aller TV-Sender angeschaut.
Als es um die türk. Demo in Köln (die ein absoluter Witz war) ging, gab es nur zu hören: ist demokratisch gewählt, die Demokratie hat gewonnen, Erdogan bewahrt die Demokratie in der Türkei, etc.

Dies unter der Ägide von Bertelsmann bedeutet, dass Erdogan bombenfest im Sattel Washingtons sitzt!

--
“And crawling on the planet's face,
some insects called the human race.
Lost in time, and lost in space.
And meaning.”

Sie haben gewusst, dass Du schaust und haben Dich wieder reingelegt

stokk, Sonntag, 31.07.2016, 20:29 vor 3496 Tagen @ XERXES 1606 Views

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.