Entschuldigung wg. des Themas: Aber ich mußte mein geistiges Gesülze betr. Erdogan loswerden.
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 29.07.2016, 21:34
Betrachtung über Erdogan – 28.7.2016
Schon interessant, wie da über diesen Mann hergezogen wird. Ich kann diese Entwicklung in der Türkei schon nachvollziehen und verstehen. Aber ich bin kein Politologe, sondern nur ein einfacher Mensch vom Bau und jemand, der die Augen aufmacht und sich seine Gedanken drüber macht.
Ich kenne die Türkei noch als 5. Rad am Wagen. Da kamen Gastarbeiter nach Deutschland und nach Österreich, die kein Wort Deutsch sprachen und die die Mülleimer ausleerten. Sie arbeiteten auch am Bau und überall dort, wo es kein Deutscher oder Österreicher machen wollte. Der Haken, den keiner erkannte: Es zogen die Familienangehörigen nach, - weil der Türke auch nur ein Mensch und kein geschlechtsneutraler Roboter ist. Dann trat das ein, mit dem man eigentlich hätte rechnen können, - was aber keiner tat: Die Türken blieben hier und vermehrten sich. Sie gingen nicht mehr zurück, zumindest die Meisten von Ihnen.
Wenn nun der Herr Türke schon Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hatte und die Frau Türke vielleicht gar nicht lesen und schreiben konnte, so unterhielt man sich in türkisch, und die Eingliederung in die westliche Gesellschaft war damit schon auf Eis gelegt. Es kam zwangsläufig zur Ghettoisierung, - nicht so extrem wie damals in Warschau, aber so auf die Art wie in Berlin-Kreuzberg und –Neukölln.
Tatsache ist aber, das man generell auf das türkische Volk etwas herablassend heruntergesehen hat, - was auch mit manchen persönlichen Urlaubserlebnissen in Anatolien zusammenhängt. Die Wenigsten in Deutschland und Österreich kennen geschichtliche Zusammenhänge, die Wenigsten bewerten die Waffenbrüderschaft aus dem 1. Weltkrieg in der wahren Form, dass sämtliche Ratten das sinkende Schiff damals verlassen haben, - nur der Türke hielt gemäß seiner Waffenbrüderschaft zu Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz, - bis zum Schluss.
Sich überhaupt mit der Kultur dieses Volkes auseinanderzusetzen und einfach die Mentialität, Religion und Tradition zu hinterfragen, - das war den meisten Deutschen und Österreichern sowieso zuviel. „Kümmeltürke“ war noch eine vornehme Bezeichnung, - „Scheiss-Türke“, „Drecks-Türke“ und andere abfällige Bemerkungen,- die waren für Otto Normalo viel bequemer zu händeln als sich mit Hintergründen zu befassen.
Der Türke ist ja auch nicht bescheuert und hat das mitgekriegt. Mit der Zeit hat er eine gewisse Geschäftstüchtigkeit in bestimmten Sparten entwickelt und machte Döner und Kebab salonfähig. Abgesehen von den Lebensmittelläden mit türkischen Spezialitäten, was dazu kam. Nach einer gewissen Zeit sagten so manche, die früher zum „Griechen“ oder zum „Chinesen“ essen gegangen sind, - heute gehen wir zum „Türken“.
Kleine Schritte bewirkten, dass sich doch so manche aus diesem Volk etablierten. Dazu kam das Festhalten an gewachsenen Strukturen, die man als Heimatersatz auch in die Fremde mitnahm. Das empfand der türkische Kurde oder der Jeside natürlich genauso. Anfangs schwiegen alle, - aus Unsicherheit. Als sich aber die nächste Generation bereits im Westen breitmachte, sah man keine Veranlassung mehr, diese ethnischen Konflikte im Gastland auszuklammern, zumal man hier schon eine Art Bleiberecht geltend machte.
Trotzdem gehörte man immer zur Schicht der 2. Klasse in der Bevölkerung, - zumindest empfanden das viele so. Dann kam Erdogan. Er verstand es, geschickt das Garn um das Volk zu legen und es dort anzusprechen, wo es empfänglich ist. Das brachte Zustimmung. Der wirtschaftliche Aufschwung brachte zusätzliche Selbstsicherheit, und langsam kam das Gefühl bei den Türken auf, dass sie auch jemand sind. Das Hickehacke bei den Beitrittsverhandlungen zwischen EU und der Türkei verschaffte aber erneut den Türken ein Gefühl des Bittstellers, der Person aus dem Orient, bei der man erst mal überprüfen muss, ob er/sie überhaupt schon gelernt hat, mit Messer und Gabel zu essen und eine Toilette zu benutzen.
Klar weiß jeder, wie wichtig die strategische Position am Bosporus für die NATO ist. Das ist auch der türkischen Führung bewusst. Durch ihre verfehlte Immigrationspolitik hat die Pfarrerstochter dem Herrn Erdogan eine zusätzliche Aufwertung der immensen Wichtigkeit geschenkt. Dieser Handel mit den Syrern ist ja mehr als Ostern und Weihnachten zugleich für Erdogan. Das alles bewirkte eine zunehmende Selbstbesinnung des türkischen Präsidenten auf seine Rolle in Europa, in der Welt, und dass nun der Moment gekommen sei, wo man nicht mehr zu bitten braucht, sondern fordern kann.
Wie heißts so schön in dem alten Film: „Wehe, wenn sie losgelassen“ (Filmkomödie aus dem Jahr 1958). Und genau das ist eingetreten. Der türkische Präsident macht seinen Landsleuten klar, dass sie „wer“ sind. Dabei lehnt er sich weit aus dem Fenster, - und niemand kann ihn ernsthaft stoppen. Der Türke insgesamt fühlt sich durch Erdogan plötzlich aufgewertet.
Langsam kommen wir zu dem, worauf ich eigentlich hinauswollte: Haben wir denn wirklich die 30er Jahre in Deutschland und in Österreich vergessen? Wie war es denn damals? Der Fluch von Versailles, von St. Germain, die tiefe Erniedrigung, der Affenzirkus in der Weimarer Republik, - die Wirtschaftskrise, - das unbestimmte innere Gefühl, - „ich bin zwar Deutscher, aber Entschuldigung, ich kann nichts dafür“. Dann kam einer aus Braunau am Inn, der den Leuten wieder Hoffnung gab, - der ihnen Arbeit, soziale Sicherheit und vor allem Zukunft versprach, kann man denen verdenken, dass sie einem Traum nachgelaufen sind wie dem Rattenfänger von Hameln?
Viel zu viele kannte ich von damals noch persönlich, mit denen ich gesprochen hatte, - und sie fragte, warum sie damals in Wien an der Ringstraße im Jahre 1939 die Hand schräg hoch hielten und „Heil“ riefen, und ich bekam zur Antwort: Ja, ich rief „Heil“, weil ich wollte, dass man mir zuhause wieder den Strom aufdreht, dass ich wieder zuhause Gas habe, das man mir gesperrt hatte, usw. Diese Übergescheiten und doch Bescheuerten, die vorwurfsvoll die vorletzte Generation fragte, - warum habt ihr denn nicht, habt ihr denn nicht gesehen, - usw., - sie haben doch gar keine Ahnung, was damals wirklich abging.
Und was hat das mit Erdogan zu tun? Ist es hier nicht genauso? Meine Meinung : Eindeutig „Ja“. Er verschafft den bislang abgewerteten Türken eine neue Identität, sie sind nun was in der Welt, - sie bekommen eine Wertigkeit. Der Wirtschaftsaufschwung (das wissen die Wenigsten im Westen) bestätigt ihn, - er bringt soziale Veränderungen zur Bevölkerung, die positiven Effekt haben, was es vorher nie gab, (Kindergeld, Elterngeld, familiäre Absicherung, etc.) , -- und da soll man von den Türken Gedanken erwarten, dass dieser Mann was Böses fürs Volk im Sinn hat? Deshalb hat er gerade bei der einfachen Bevölkerung, bei der Landbevölkerung etc. so einen starken Rückhalt.
Wars bei Adolf anders? Es war genauso. KdF, Sozialversicherung, Arbeit, Arbeitsdienst, Autobahnen, Ideale für die Jugend mit VJ,DJ,HJ usw. - weiß das denn niemand mehr? Ist das denn schon alles vergessen?
Da fallen doch die paar Intellektuellen, die sich mit Erdogan anlegen, gar nicht ins Gewicht, und wenn sie 10 mal recht haben. Hitler brachte Selbstverständnis, Rückbesinnung zur eigenen Identität und wachsenden Wohlstand zurück. Erdogan machts genauso. Hitler hatte ein Feindbild, das waren die Juden, Erdogan hat die Kurden. Sämtliche Parallelen sind fast deckungsgleich.
Nein, meine Herrschaften, - wir als Deutsche und auch Österreicher sollten, solange wir uns halbwegs an unserer Geschichte orientieren können, für die Türken in der jetzigen Situation Verständnis entwickeln. Das Gefühl, das sie jetzt bekommen und ausleben, hatten sie seit Atatürk nicht mehr. Jetzt dagegen zu wettern und mit dem Finger auf sie zu zeigen, kann nur das Gegenteil bewirken, so wie es auch im 3. Reich war. Wenn man überhaupt etwas dagegen unternehmen kann, dann sind es Maßnahmen über die Wirtschaft, und Aufklärung, die man anbietet, aber nicht doktriniert. Die Politik, die von der Pfarrerstochter ausgeht, gerade im Zusammenhang mit Erdogan, ist nicht nur dillettantisch, sondern kontraproduktiv. Sie ist mit Sicherheit nicht im Interesse des Deutschen Volkes und auch nicht im Interesse von Europa.
Aber sich jetzt in Diskussionen zu verbeissen: Wie war das nun mit dem Putsch, - war der echt, usw. das ist ja alles untergeordnet und absolut zweitrangig. Genauso wie der Reichstagsbrand untergeordnet war. Was danach kam, bestimmte die Geschichte, den Lauf der Zeit. Wenn Erdogan bereits am nächsten Tag eine lange Liste von auszuwechselnden Leuten aus Verwaltung, Justiz und Militär vorlegt, dann ist doch jedem vernünftigen Menschen klar, dass diese Liste nicht am Morgen des nächsten Tages nach dem Putsch erstellt wurde. Das war schon seit Langem geplant, und irgendjemand hat es rausgekriegt. Der "Putsch" war ein völlig unvorbereitetes und spontanes Aufbäumen gegen diese Pläne, - und musste in die Hose gehen.
Wenn man die Eisen richtig ins Feuer legt, dann ist auch die Zeit von Erdogan schneller als gedacht vorbei und wird nicht in ein 1000-jähriges Reich münden. Dann kommt die Zeit nach Erdogan. Dafür soll man aber auch ein vernünftiges Konzept haben, - nicht die bislang gehandhabte Methode „wasch mich, aber mach mich nicht nass“. Leider haben wir keine Politiker, sondern Dilletanten. Sie sind nicht in der Lage, zwischen Schiiten, Sunniten und Aleviten zu unterscheiden. Sie erkennen nicht, dass wir von der Türkei keine fundamentalistische Gefahr durch Religionsfanatiker zu erwarten haben. Diese Gefahr lauert ganz woanders.
Sie sollten sich ein Beispiel an den Staaten nehmen, wo die Türken genauso Minderheit sind, die aber nicht durch eine völlig verfehlte Politik auf irgendeine Ebene gebracht werden, wo sie eigentlich nichts verloren haben. Beispielsweise haben wir hier in Rumänien auch Türken. Die bekommen aber keine Sonderrechte. Von dem Meisten weiß man gar nicht, dass sie Türken sind, so sehr haben sie sich hier assimiliert. Viele sind mit christlich-orthodoxen Frauen aus Rumänien verheiratet. Als ein übergeschnappter Premierminister auf die Idee kam, hier in Bukarest die größte Moschee Europas zu bauen, mußte er seinen Hut nehmen. Hier leben zwar „nur“ Rumänen, - aber die ticken noch richtig.
Im Gegensatz zur Pfarrerstochter.
Schlusssatz: Ich beharre mit keinem Jota darauf, dass ich in jedem und allem Recht habe. Das ist einfach nur meine persönliche Meinung dazu.
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) - Wenn da noch mehr dazu kommen, haben wir ja fast eine Gegen-EU.