Tragisches Zugunglück in Italien - ähnlich wie in Bad Aibling

nereus @, Dienstag, 12.07.2016, 17:34 vor 3514 Tagen 3615 Views

Beim Zusammenstoß zweier Pendlerzüge sind in Italien mindestens 20 Menschen gestorben. Die Rettungsaktion dauert noch an, da wird schon über die Ursache spekuliert.
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Beide Züge des Betreibers Ferrotramviaria waren auf der eingleisigen Strecke zwischen Andria und Corato in der italienischen Region Apulien unterwegs, als sie um 11.30 Uhr am Anfang einer Kurve kollidierten.
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Das Nachrichtenportal "Ilsole24ore" berichtet, auf der Strecke zwischen Andria und Corato würden sämtliche Eisenbahnsignale über Computer gesteuert. Wie konnte es also passieren, dass dennoch zwei Züge auf eine eingleisige Strecke gelenkt wurden?

Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/zugunglueck-in-italien-tod-durch-eine-luecke-im-system-a...

Die Frage stellte man sich vor einigen Monaten schon mal in Deutschland und meines Wissens ist sie bis heute nicht zweifelsfrei geklärt.
Oder vielleicht doch?
BILD-Leser wissen mehr.

Die „Bild“-Zeitung berichtet in ihrer heutigen Ausgabe, die Ursache für diesen Unfall sei ein Flüchtigkeitsfehler des Fahrdienstleiters gewesen. Er sei auf dem Fahrplan in einer Spalte verrutscht , zitiert die Zeitung den Mann und beruft sich auf ein Verhörprotokoll aus einer ihr vorliegenden Ermittlungsakte.
Zuvor habe der Fahrdienstleiter auf seinem Smartphone das Fantasy-Rollenspiel „Dungeon Hunter 5“ gespielt, es aber kurz vorher beendet.
Wegen seines Fehlers sei der Mann davon ausgegangen, dass sich die Züge auf der Strecke in Bad Aibling treffen – und nicht am anderen Ende der eingleisigen Strecke in Kolbermoor.
Als das automatische Sicherungssystem den Fehler erkannt habe, und die Ausfahrt eines der beiden Züge aus Bad Aibling gestoppt habe, habe der Fahrdienstleiter die Automatik umgangen. „Ich dachte, es handelte sich um eine sogenannte Phantomstörung“ , zitiert die „Bild“-Zeitung den Mann aus dem Protokoll. Denn ein ähnliches Problem sei wenige Tage zuvor bereits einmal aufgetreten.
Als der Fahrdienstleiter später seinen verhängnisvollen Fehler bemerkt habe, habe er außerdem den falschen Notruf über das bahninterne Kommunikationssystem abgesetzt. , Dieser Notruf habe zwar andere Fahrdienstleiter gewarnt, nicht aber die Lokführer, schreibt die „Bild“.
Der Lokführer des aus Bad Aibling kommenden Zuges hat vom Fahrdienstleiter ein so genanntes Ersatzsignal erhalten. Dadurch bekam er die Anweisung, ein Hauptsignal zu ignorieren, das "Halt" anzeigte.
Es kam zum Frontalzusammenstoß. Der Fahrdienstleiter sagte später laut „Bild“ aus, er habe während dieses Zeitraums noch immer über den Streckennotruf telefoniert. Später habe er seinen Betriebsleiter informiert. „Sinngemäß werde ich mitgeteilt haben, dass ein Zusammenstoß passiert sein dürfte“, zitiert ihn die Zeitung.

Quelle: http://www.merkur.de/bayern/zugunglueck-von-bad-aibling-fahrdienstleiter-soll-dungeon-h...

Drei fatale Fehler hintereinander!
Und warum hat er die Lokführer nicht verständigt? [[hae]]

mfG
nereus

Und warum hatte der Lokführer das Ersatzsignal nicht hinterfragt?

Griba @, Dunkeldeutschland, Dienstag, 12.07.2016, 17:48 vor 3514 Tagen @ nereus 2706 Views

Er kannte den Fahrplan ja auch und hatte ihn außerdem auch noch schriftlich vorliegen.
Fragen über Fragen, die wir nicht beantwortet bekommen werden.

--
Beste Grüße

GRIBA

Warum sollte er?

Rybezahl, Dienstag, 12.07.2016, 21:49 vor 3514 Tagen @ Griba 2017 Views

Er kannte den Fahrplan ja auch und hatte ihn außerdem auch noch
schriftlich vorliegen.
Fragen über Frage
n, die wir nicht beantwortet bekommen werden.

Hallo,

das Ersatzsignal ersetzt das reguläre Signal. Stell dir vor, jeder Pilot würde ständig alle Maßnahmen hinterfragen. Oder der Büroangestellte ständig alle hierarchischen Instanzen selbst durchlaufen. Verstehst schon, was ich meine:

Würde es Anlass zum Hinterfragen bieten, dann könnte man sich das Teil auch gleich sparen.

Gruß!

--
Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

Warum hat er Dungeon Hunter 5 gespielt?

mabraton @, Dienstag, 12.07.2016, 18:10 vor 3514 Tagen @ nereus 3014 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 12.07.2016, 19:02

Hallo nereus,

ein Fahrdienstleiter, der auf dem Smartphone spielt, handelt fahrlässig. Ich denke auch, dass die längerfristige, intensive Nutzung von Smartphones Auswirkungen auf Wahrnehmung und Gehirn hat.

Beste Grüße
mabraton

Exzellenter Vortrag zu dem Thema: Digitale Demenz

nesco, Dienstag, 12.07.2016, 20:06 vor 3514 Tagen @ mabraton 2911 Views

Hier wird ganz genau erklärt, wie Smartphones und auch speziell Spiele unser Gehirn verändern, und welche negativen Folgen dies für die Gesellschaft impliziert.

https://www.youtube.com/watch?v=FnDEF7Aw9HI


Grüße, nesco

Danke!

mabraton @, Mittwoch, 13.07.2016, 00:08 vor 3514 Tagen @ nesco 1884 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 13.07.2016, 12:42

Hallo nesco,

ich hatte am WE ein Gespräch mit einer jungen Realschullehrerin. 30-40% der Schüler können sich kein Wissen mehr merken, in dem Zusammenhänge gefragt sind.
Ich bin sehr gespannt auf den Vortrag!

Beste Grüße
mabraton

Danke, schau ich mir an! (oT)

mabraton @, Mittwoch, 13.07.2016, 15:05 vor 3513 Tagen @ nesco 1399 Views

- kein Text -

Zugsunglücke als mögliche Öffentlichkeitsarbeits-Werkzeuge im Aufmerksamkeits-Management...?

Wildheuer @, Schurkenstaat im Herzen Europas, Mittwoch, 13.07.2016, 10:01 vor 3513 Tagen @ nereus 1789 Views

Werter nereus

(Sehr steile These bereits im Betreff, gell!)

Wenn heutzutage (auch im untersten Stiefel-Italien!) die Signalsteuerungen, Verkehrsleitung, u. dgl. total durchcomputerisiert (also für den Menschen praktisch nicht mehr fehlbedienbar geworden) sind, ja dann könnten wir auf den schrägen (aber zumindest nicht sofort ausschliessbaren) Quergedanken kommen, das Zugsunglück könnte dem Zweck dienen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu lenken, so dass vor allem ein anderes, brennendes Thema in den News-Hypes etwas zurückgenommen, beruhigt werden kann.

Ich öffne also hiermit den Reigen solcher schrägen Spekulationen; wenn ja, könnte es dies hier gewesen sein...?:

Der italienische Primier Renzi warnt vor der Gefahr eines Bankenruns in Italien


nereus, wenn wir solche (bühnentechnische Manipulations-)Szenarien durchspekulieren wollten, was könnte es dann im Falle Bad Aibling gewesen sein?

Gruss vom Wildheuer

--
Gibt es denn keinen Boden auf dieser absurden Welt? Ich dachte wir wären längst aufgeschlagen. --nereus

"Praktisch nicht mehr fehlbedienbar"? Doch!

Rybezahl, Mittwoch, 13.07.2016, 11:32 vor 3513 Tagen @ Wildheuer 1703 Views

bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 13.07.2016, 11:41

Werter nereus

(Sehr steile These bereits im Betreff, gell!)

Wenn heutzutage (auch im untersten Stiefel-Italien!) die
Signalsteuerungen, Verkehrsleitung, u. dgl. total durchcomputerisiert (also
für den Menschen praktisch nicht mehr fehlbedienbar geworden) sind, ja
dann könnten wir auf den schrägen (aber zumindest nicht sofort
ausschliessbaren) Quergedanken kommen, das Zugsunglück könnte dem Zweck
dienen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu lenken, so dass vor allem
ein anderes, brennendes Thema in den News-Hypes etwas zurückgenommen,
beruhigt werden kann.

Hallo!

Ich weiß nicht, wie es in Italien ist, aber in der BRD wird das Ersatzsignal im Falle einer Störung eingesetzt. Wie im Bild-Zitat angegeben, muss der Fahrdienstleiter dafür ein, zwei Handgriffe mehr machen ("habe der Fahrdienstleiter die Automatik umgangen").

Also:
- Fehlbedienungen sind möglich!
- In Bad Aibling hat es sich aber nicht um eine "Fehlbedienung" gehandelt, im Gegenteil, der Fahrdienstleiter hat ja alle notwendigen Knöpfe korrekt bedient. (Sonst wäre es nicht zu dem Unfall gekommen, ich weiß, das klingt jetzt doof.)
- Der Fahrdienstleiter hat aber (das lässt sich aus dem Bild-Zitat ableiten) eindeutig falsch gehandelt.

Für den Fahrdienstleiter bedeutet das vermutlich: fahrlässige Tötung! [[wut]]

Zur Aufmerksamkeitssteuerung lassen sich solche Ereignisse freilich immer nutzen.

Gruß!

--
Dieses Schreiben wurde elektronisch erstellt und enthält deshalb keine Unterschrift.

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