Beinschüsse und anderes

Julius Corrino, Sur l'escalier des aveugles, Sonntag, 10.07.2016, 11:17 (vor 3516 Tagen) @ WhiteEagle2305 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 10.07.2016, 11:32

Dabei wäre es in den meisten Fällen möglich gewesen,
die Opfer einfach an der Flucht zu hindern. Mit Schüssen auf die Beine
z.B.

Hast Du schon einmal mit einer Pistole geschossen? Selbst wenn das Ziel nur eine 25m entfernt stehende, bewegungslose Papierscheibe mit unübersehbarer Kennzeichnung der Treffzone ist, ist es eine Herausforderung (gerade als Anfänger!) überhaupt diese Scheibe (von dem schwarzen Kreis in der Mitte ganz zu schweigen) zu treffen. Da tanzt und wackelt alles vor der Mündung, daß es eine wahre Freude ist.

Bedenke: Man schießt stehend freihändig, kann die Arme nirgends abstützen, und die Visierlinie bei einer Kurzwaffe ist... nun, eben sehr kurz. Selbst wenn das Korn in der Kimme also nur minimal links oder rechts geklemmt ist, hat man schon große Abweichungen in der Treffpunktlage. Dazu ist es nicht möglich, die Augen gleichzeitig scharf auf das Ziel und die mechanische Visiereinrichtung zu fixieren, weswegen man einen Mittelweg wählt, bei dem beides in etwa gleich unscharf erscheint, aber dennoch erkennbar bleibt: "Sitzt das Korn mittig in der Kimme und deckt es zugleich die Zehn ungefähr ab?"

Und beim Abziehen trifft der Zeigefinger auf den Widerstand des Mechanismus, was wiederum zu einem Schützenfehler durch Verreißen führt...

In einer Streßsituation mit einem sich schnell und unvorhersehbar bewegenden Ziel, wo man nicht alle Zeit der Welt hat, in Ruhe zu zielen, führt das dann schnell zu Abweichungen, mit denen man nicht mehr die Beine des Täters trifft, sondern den Asphalt. Und damit Querschläger und das Treffen unbeteiligter Passanten riskiert.

Gezieltes Schießen gibt es da also nicht mehr, man muß sich zwangsläufig auf sog. Deutschüsse beschränken, und die platziert man aus Sicherheitsgründen in der größtmöglichen Tefferzone, nämlich dem Oberkörper. Wenn es technisch möglich wäre, routinemäßig nur die Beine zu treffen, wäre das längst gängige Prozedur. Da das nun einmal nicht geht, heißt es: "Shoot to kill"

Ein Schuß in die Beine verhindert übrigens nicht, daß der Verdächtige seine Arme für Gott weiß was einsetzt. Auch deswegen der Schuß in den Oberkörper. Die Sicherheit des Beamten und Umstehender geht in so einem Moment vor.

Auch im Fall in Dallas wurde C4 verwendet um das Opfer gezielt zu töten.
Wäre es nicht auch möglich gewesen das Opfer zu betäuben?

Die Antwort auf diese Frage lautet ganz einfach: Das kann kein Mensch außer den beteiligten Polizisten vernünftig beurteilen. Niemand von uns weiß, wie verzwickt die taktische Lage vor Ort war (Distanzen, Deckungen, vor Ort verfügbare assets, Bedrohungslage für Dritte oder Gegenstände, usw.), welche Handlungsoptionen aus welchen Gründen nicht (mehr) gangbar waren und welche Schäden es innerhalb welcher Zeitlimits abzuwenden galt. Über so etwas ex post aus tausenden Meilen Entfernung in aller Ruhe vor der heimischen Tastatur zu meditieren, ergibt im Allgemeinen wenig Sinn.

Die Tendenz ist erschreckend. Und auch paradox. Teilweise werden Täter
nach schweren Straftaten laufen gelassen und auf der anderen Seite wegen
Lapalien vor Ort erschossen. Traurige neue Welt.

Ich würde einen rassistisch motivierten, gezielten Mordanschlag auf Polizisten nicht als Lapalie bezeichnen. Jener Micah Johnson ist nicht gerade eines der Mah baby boy din' do nuffin'-Unschuldslämmer gewesen.

Daß die Tendenz vor allem seit dem jüngsten Rassenaufstand von Baltimore dahin geht, schwarze Straftäter nicht mehr zu verfolgen, ist übrigens unbestritten. In Chicago verfolgt man diese Praxis bereits seit längerem. Das Ergebnis der politisch korrekt motivierten, völlig unangebrachten polizeilichen Zurückhaltung sind explodierende Mordraten.

--
Ainsi continue la nuit dans ma tête multiple... elle est complètement dechirée... ma tête.
- Luc Ferrari


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