Fracking

helmut-1, Siebenbürgen, Freitag, 08.07.2016, 20:04 (vor 3518 Tagen)3221 Views
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 08.07.2016, 20:20

Ist zwar kein Thema, das in diesem Forum neu ist, - aber ich möchte meinen geistigen Erguss hier anbieten.

In der gegenfrage erschien dieser Tage ein Artikel, der sich mit der Erlaubnis von Obama beschäftigt, Unmengen von verseuchtem Frackingwasser in den Golf von Mexiko zu kippen.

http://www.gegenfrage.com/usa-kippen-288-milliarden-liter-radioaktives-wasser-in-den-go...

Daraufhin habe ich mich erst mal schlau gemacht und mein Halbwissen ergänzt, bevor ich in die Tasten gehämmert habe. Das aber, was ich dann fabriziert habe, will ich gerne zur Verfügung stellen, vielleicht hilfts ja so manchem unter uns.

Fracking? Was ist das?

Da ich keine unqualifizierten Äußerungen ablassen will, musste ich mich erst einmal schlau machen. Wenn ich meine Erkenntnisse nun veröffentliche, dann hat das zweierlei Zweck:

Zum einen kann man mich gerne verbessern, wen ich etwas falsch wiedergegeben habe, - wofür ich eigentlich nur dankbar bin. Zum anderen dient es vielleicht auch der geistigen Ergänzung so manches unserer Foristen, die sich vielleicht nicht so intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann handelt es sich bei der Gewinnung des Gases nicht um sog. Gasblasen, die irgendwo in unterirdischen Tiefen vorhanden sind und zur Gewinnung angebohrt werden, sondern um Gas, das sich in metamorphen Gesteinen in entsprechenden Tiefeneingelagert hat und von dort herausgeholt werden soll. Man bezeichnet diese Gasvorkommen in der Fachsprache als Schiefergas.

Wiki beschreibt die Entstehung dieses Schiefergases so:

Die Entstehung von Schiefergas entspricht den ersten Schritten der Entstehung von konventionellem Erdgas. Erdgas bildet sich (reift) zunächst in einem an organischer Substanz reichen Tonstein, dem sogenannten Muttergestein. Um zu konventionellem Erdgas zu werden, muss es aus dem Muttergestein austreten und anschließend im Porenraum relativ durchlässiger (permeabler) Gesteine in eine Lagerstätte (Erdgasfalle) wandern (migrieren). Ist jedoch der Muttergesteinshorizont nach oben und unten durch undurchlässiges (impermeables) Gestein abgeschottet, kann das Gas nicht entweichen und verbleibt im Muttergestein. Dieses heute noch im Muttergestein befindliche Gas wird Schiefergas genannt.

Soweit, so gut. Was mich interessiert, ist die „Vergiftung“ des Trinkwassers. Schließlich spricht man ja von „hydraulischem Fracking“, das von der Wortwahl her mehr auf Druck als auf Vergiftung hinweist. Nehmen wir mal die Infos aus den „energiewirtschaftliche Tagesfragen“ vom 7.7.2016, wobei ich bezweifle, dass diese Infos gerade an dem benannten Tag veröffentlicht wurden, diese stammen meiner Ansicht nach aus früheren Erkenntnissen.

http://www.et-energie-online.de/Zukunftsfragen/tabid/63/NewsId/644/Forderung-von-unkonv...

Man schreibt in diesem vorgenannten link:

Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass die technisch gewinnbare Gasmenge aus Schiefergasvorkommen in Deutschland zwischen 700 km³ und 2 300 km³ und damit über den konventionellen Erdgasressourcen von 150 km³ liegen .

Ist natürlich ein Argument, demnach es sich lohnt, hier was zu tun. Die Frage stellt sich nach dem „wie“:

Man spricht von „Hydraulic-Fracking“. Das hört sich so an, als ob man hier über die Hydraulik des Wassers das Gas nach oben treibt, um seiner habhaft zu werden. Das stimmt nur bedingt. Man muss wissen, dass bis zu 600 verschiedene Chemikalien als Zusatzstoffe verwendet werden, - je nach Art des Gesteins, in dem sich das Gas befindet - , und diese Chemikalien werden zusammen mit dem Wasser und Sand in diese Gesteinsschicht gepresst. Bei diesen Chemikalien handelt es sich um Substanzen mit toxischer, karzinogener und mutagener Wirkung.

Dazu kommt, dass man eine ziemlich große Menge Wasser benötigt, um diesen Vorgang durchzuführen, - jeweils von der Gesteinsart und der Tiefe abhängig. Nun haben wir Grundwasser in verschiedenen Schichten. Die oberste Schicht (je nach Gegend zwischen 2 und 10 m Tiefe)ist durch die Überdüngung in der Landwirtschaft meistens versaut. Da ist viel zu viel Nitrit und Nitrat drin, - das müsste erst aufwendig gereinigt werden. Dazu nimmt die Ergiebigkeit dieser Schicht zunehmend ab, weil auch in der Landwirtschaft künstlich bewässert und dazu das Wasser aus der obersten Schicht entnommen wird.

Deshalb werden zunehmend Tiefbrunnen gebohrt, wobei man an die nächste Schicht geht,die – je nach Gegend – bei 50 oder auch 150 m Tiefe liegen kann. Da bekommt man in der Regel sauberes Trinkwasser, man muss aber dafür sorgen, das die einzelnen Grundwasserstockwerke voneinander getrennt bleiben und sich nicht miteinander vermischen. Wenn nämlich die oberste (mit Nitraten versaute) Schicht in die tiefere Schicht gelangt, dann hat man nach einer Zeit auch in der nächsten Schicht diese Stoffe drin.

Das wird mit einem Dichtverschluss des Bohrloches erreicht, indem man ein Gemisch von Sand, Bentonit und Zement verwendet. Aber hier ist sorgfältiges Arbeiten angesagt, - sonst versaut man sich die nächste Schicht – langfristig gesehen. Genau das muss aber auch bei den Fracking-Arbeiten berücksichtigt werden.

Nun, wo liegen denn die Gefahren beim Fracking (lt. Energie.online.de):

- Verunreinigung von Grund- und Trinkwasser durch Chemikalien;
- Gesundheitsgefahren durch die Verwendung von Quarzsand;
- Lärm- und Luftemissionen durch den Bau und Betrieb von Anlagen zur Schiefergasnutzung;
- großer Flächenverbrauch durch die Erschließung von Bohrfeldern;
- hoher Wasserverbrauch;
- generelle Auswirkungen auf die Natur, Landschaft und biologische Vielfalt.

Wovon aber kaum jemand spricht, das sind die verbleibenden Hohlräume im Gestein, nachdem das Gas entwichen ist. Man spricht zwar davon, dass diese Hohlräume mit Quarzsand und anderen Zusätzen zugefüllt werden, da das aber in 1000 m Tiefe kaum jemand nachkontrollieren kann, bleibt das Risiko bestehen. Es hat auch schon Absenkungen nach Fracking-Bohrungen gegeben. Sowas äußert sich in Rissen in den Wänden bei den darüberliegenden oder in der Nähe befindlichen Wohnhäusern.

Dazu gibt es das Problem mit brennbaren Gasen im Trinkwasser der Haushalte. Da stellt sich die Frage, wie das dort hineinkommt. Ist durch die Skizze verständlich gemacht. In Pennsylvania gabs schon mehrere Vorfälle, wo sich das Wasser nach dem Austreten aus dem Wasserhahn entzündet hat.

Schematische Erklärung aus:
http://www.popularmechanics.com/science/energy/g161/top-10-myths-about-natural-gas-dril...

(Punkt 7)

Wovon im Artikel die Rede ist, ist das Abkippen vom verschmutztem Fracking-Abwasser ins Meer, und da komm ich nicht mehr mit. Dieses mit Chemikalien verunreinigte Wasser fällt deshalb an, weil man es aus der Tiefe, nachdem es dort mit Druck hineingepumpt wurde, wieder herausholt. Dass man es überhaupt herausholt, finde ich richtig, zumal man sonst (in „Wasserstockwerken“ gesehen) die dritte, vierte und fünfte Grundwasserschicht und noch weitere tiefer liegende zur späteren Benutzung unbrauchbar macht. Die Notwendigkeit, auf dieses Wasser zurückzugreifen, wird irgendwann kommen, denn die Menschheit hat immer noch nicht begriffen, dass das saubere Wasser zu kostbar ist, um es bei der Klospülung zu verwenden.

Aber ich frage mich, warum man dieses verschmutzte Fracking-Wasser denn nach Gebrauch nicht reinigt und die dabei herausgezogenen Stoffe ordnungsgemäß entsorgt. Nachdem das Fracking-Gas ja angeblich viel effektiver und auch mit weniger Schadstoffen belastet ist, wodurch die Gewinnung sich richtig lohnt (so sagt man), wäre es doch angebracht, dieses gebrauchte Wasser anschließend wieder zu reinigen. Ist doch alles nur eine Frage der Methode. Vielleicht auch des Aufwandes und des damit verbundenen Preises.

Andererseits ist es aber bekannt, dass man eine hohe Menge von Wasser beim Fracking benötigt, - weshalb betreibt man dann Raubbau an der Natur und verwendet immer wieder frisches (sauberes) Grundwasser? Im bereits benannten link (der Energie.online.de) beziffert man die benötigte Menge pro Bohrung beim Fracking in Deutschland mit zwischen 100m³ und 12.000m³ Wasser.

Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, diese Zahlen anhand der Fracking-Bohrungen in den USA oder Kanada zu überprüfen oder zu vergleichen, aber es ist bestimmt keine kleinere Menge an benötigtem Wasser, das man zur Durchführung der Fracking-Arbeiten benötigt.

Denke, dass es (auch) daran liegt, weil es kaum Abgeordnete gibt, die sich in ein Fachthema genau einlesen, - so wie ich es nun gemacht habe. Sicherlich wird nicht alles auf jedes Jota und Komma richtig sein, aber im Großen weiss ich nun, wo hier die Ecken und Kanten sind. Und es gehört zu meinen Eigenheiten, mich erst einmal ausreichend zu informieren, bevor ich da was von mir gebe, - und sei es nur im Kommentarbereich. Dumme Kommentare von geistigen Klobrillenbesetzern gibt's genug im Net, ich muss mich da nicht unbedingt anschließen.

Das, was Obama da nun mit seiner Regierung bewerkstelligt hat, ist ein derartiger Unfug, den ich nicht nachvollziehen kann. Leider weiß ich viel zu wenig vom US-Parlamentssystem, - inwieweit da Abgeordnete einen Einfluss über Ausschüsse oder Kommissionen haben können. Wenn aber der „King“ Obama da tun und lassen kann, was er will, - ohne sich um das Wohl des Volkes zu kümmern, - dann ist das schlimm genug. Sich einer Lobby (z.B. Chevron und dgl.) unterzuordnen, ist ein Verbrechen an der Allgemeinheit. Es ist einfach verantwortungslos. Ich rate in diesem Fall, ihn auch für den nächsten Nobelpreis vorzuschlagen. Es passt sowohl zur derzeitigen Handhabung des Nobelpreises als auch zu den Personen der Träger dieses Preises.

Ich frage aber auch nach der Mentalität der Bevölkerung. Chevron hat in Rumänien versucht, hier was anzufangen und ist auf masiven Protest gestoßen. In erster Linie von Bauern, die sich über die Gefahren informiert haben und kein Interesse daran haben können, dass das Grundwasser kontaminiert wird. Weil Wasser aber für die Landwirtschaft eine Lebens resp. Überlebensgrundlage darstellt, haben die Leute dagegen gekämpft, haben sich die Knochen brechen lassen und haben letztlich gewonnen. Chevron hat in Rumänien die Segel gestrichen.

Deshalb sei mir die Frage erlaubt: Ist das den Amis egal, was in ihrer Heimat passiert? Ungeachtet, ob in der Erde, auf den Feldern, in den Wäldern oder im Meer? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei den Amis keine Leute gibt, die nicht mitdenken und mehr wissen, als so mancher Abgeordnete.

Zum Abschluss meine Quellen, aus denen ich zitiert und bei denen ich mich informiert habe:

http://www.et-energie-online.de/Zukunftsfragen/tabid/63/NewsId/644/Forderung-von-unkonv...

https://books.google.ro/books?
id=yMrpBQAAQBAJ&pg=PA323&lpg=PA323&dq=Verschluss+des+Bohrloches+bei+Tiefbrunnen&source=bl&ots=DZqH0k0FRH&sig=IDsdtCDZMtPuwJI2sfm39fbHJxU&hl=ro&sa=X&ved=0ahUKEwj_5oGO9eLNAhWBrxoKHbZHAsAQ6AEIKjAC#v=onepage&q=Verschluss%20des%20Bohrloches%20bei%20Tiefbrunnen&f=false

http://www.popularmechanics.com/science/energy/g161/top-10-myths-about-natural-gas-dril...

http://www.dangersoffracking.com/

www.gaslandthemovie.com/whats-fracking

http://www.et-energie-online.de/Home.aspx

http://www.erdgassuche-in-deutschland.de/hydraulic_fracturing/

http://thetyee.ca/News/2015/06/08/Water-Pollution-Fracking/


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