Der aktuelle Stand der Informationsbeschaffung im Internet
Mir ist aufgefallen, dass sich die Medien in qualitativer Hinsicht über einen Zeitraum von nur ein paar Monaten erheblich verändert haben. „Herkömmliche“ Medien – also die Kioskware – haben sich dramatisch verschlechtert. „Alternative“ Medien – fast ausschließlich über den Browser zugänglich – haben sich erstaunlich verbessert. Das mag auf den ersten Blick trivial klingen, ist jedoch meiner Meinung nach eine genauere Betrachtung wert.
Die Entwicklung bei den herkömmlichen Medien
Speziell beim Surfen mit Mobilgeräten fällt auf, dass die Verlagshäuser auf die Installation eigener Apps drängen, um den Leser innerhalb des Ökosystems genauer typisieren zu können. Ganz nebenbei dienen diese Apps dazu, über die im Online-Angebot platzierte Werbung nicht unerhebliche Zusatzeinnahmen zu generieren. Im Gegensatz zum herkömmlichen Browser lassen sich in den Apps keine Werbeblocker oder Tracking-Killer (Ghostery) installieren.
Neben dem Trend zu den Apps ist ein anderer signifikanter Trend erkennbar. Folgt das Layout der FAZ (noch) dem Schema des Printmediums, sieht es beim Stern oder bei Bento schon ganz anders aus. Die Inhalte werden in der Art eines Kinderbuchs präsentiert, nach Navigationshilfen muss man suchen, sie verstecken sich meist hinter einem Symbol mit drei Querstrichen. Diese neue Form der „Leichtigkeit“ spiegelt sich in der redaktionellen Qualität der Texte wider. Die Sprache wirkt flach und witzlos, die Formulierungen der Headlines sind auf billigstem Niveau angekommen: „Ist das ein Bud-Spencer-Film oder ein Pornotitel?“ oder „Würdest du diesem obdachlosen Mädchen helfen?“ wenden sich an bildungsferne Schichten und den Instinkt, seine Neugier zu befriedigen.
Zusammenfassung:
Ehemals gute Nachrichtenportale sind nicht mehr zu gebrauchen. Spiegel, Focus, Süddeutsche – eine Zumutung. Beim Handelsblatt ist mittlerweile jeder dritte Artikel „Premium“ und kostenpflichtig. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Löbliche Ausnahmen: Junge Freiheit oder Medien aus Österreich (Die Presse) und der Schweiz (Weltwoche, Tagesanzeiger). Man sieht, dass Presse funktionieren kann, wenn sie nicht in Deutschland gemacht wird.
Die Entwicklung bei den alternativen Medien
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Medien gibt es hier zwei unterschiedlich stark ausgeprägte Konzepte:
1. Generierung eigener Inhalte
2. Zusammenführung fremder Inhalte
Angebote mit eigenen Inhalten
Neben einer Reihe bemerkenswerter „Einzelkämpfer“ (Danisch, Don Alphonso, Steinhöfel usw.) gibt es immer mehr Angebote mit Inhalten einer aufeinander abgestimmten Autorengruppe. Darunter Eigentümlich frei (leider zu viele Artikel kostenpflichtig), Tichys Einblick und Telepolis. Ortner Online ist eine Mischform eigener Arbeiten mit Verlinkungen in passende Richtungen und wie bei Tichy erkennt man auch dort das Handwerk des (guten) Journalismus.
Zusammenführung fremder Inhalte
Die jeweiligen Anbieter fokussieren sich auf Kernthemen und betreiben geringen Aufwand bei der Pflege des Auftritts. Journalistenwatch ist ohne Werbeblocker nicht zu ertragen, die Zusammenstellung der Artikel (Schwerpunkt Islam und Zuwanderung) thematisch jedoch trotzdem weit gestreut. Conservo ist hinsichtlich der redaktionellen Qualität besser aufgestellt, die Achse des Guten setzt ganz eindeutig den Maßstab.
Zusammenfassung:
Die Stärke der alternativen Medien liegt in der Vielfalt der angebotenen Meinungen und nicht in der visuellen Umsetzung. Leider hat sich die Achse durch ihren neuen Auftritt keinen Gefallen getan, das früher wesentlich schlankere Layout war einfach besser. Hartgeld ist eindeutig das Angebot, was sich am schnellsten aufbaut, sogar unterwegs mit EDGE. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Medien findet das Auge beim Lesen der alternativen Angebote Ruhe, da wackelt und zappelt nur ganz selten was im Hintergrund. Man erkennt eindeutig den Aufwind innerhalb des alternativen Angebotes, welches nur noch ganz selten die Ursprünge des Blogs erkennen lässt (Michael Winkler, Danisch, Pinksliberal, Nachdenkseiten, Rott & Meyer).
Negativ wirkende Angebote sind nicht selten. Bei Hartgeld kann man Tag für Tag den Verfall beobachten. Aus einem ehemals unterhaltsamen „moderiertem Blog“ ist eine Giftspritze gegen Andersdenkende geworden – mit Nennung von Klarnamen, Bedrohungen und Beleidigungen. Erfolg verkehrt sich somit schnell ins Gegenteil.
Es ist klar, dass ich nicht alle Angebote habe aufführen können. Dieses Posting sollte lediglich vermitteln, wie sich meine eigenen Informationsquellen innerhalb nur weniger Monate verändert haben. Fazit: Um die herkömmlichen Medien steht es nicht gut. Der Spiegel hat mit Bento zwar die Flucht nach vorne angetreten, ich bezweifele jedoch, dass dieses Format überleben wird.
PS: Ich habe mit voller Absicht keine Links gesetzt.
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.zip