OT: Schneller lesen, mehr behalten ... Lesetraining, Speed Reading, Visual Reading, PhotoReading und andere Lesemethoden

Literaturhinweis @, Montag, 20.06.2016, 15:51 vor 3530 Tagen 5866 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 24.06.2016, 21:11

Falls das Schulsystem in Zukunft überhaupt noch zum Lesen befähigen sollte (schließlich ist nach dem Taschenrechner, der das Kopfrechnen killte, nun Tablet, Vorleseprogramm und Video/Podcast usw. angesagt, statt Handschrift und Lesen), dann wäre das in Zeiten steigender Informationsfluten und Konkurrenz durch künstliche Intelligenz u.U. dennoch nicht genug.

Daß man mit Videos und Podcasts dem nicht beikommen kann, hat verschiedene Gründe. U.a. ist es etwas anderes, ob Information über den auditiven Kanal (Gehör) oder visuell (Lesen) aufgenommen wird. Die "Kanalkapazität" des Hörens ist unvergleichlich niedriger, als die des Gesichtssinns, vgl. auch die nötige Überwindung der Subvokalisation.

Die Sprechgeschwindigkeit bei Podcasts/Audiobooks bzw. Videos beträgt zudem nur ein Bruchteil dessen, was schnelle Leser in der gleichen Zeit aufnehmen können. (Nichts gegen Audiobooks bei Autofahrten oder beim Zwiebelschneiden!)

Mangelnde Lesegeschwindigkeit und vor allem -verständnis wächst sich auch zu einem Problem der Demokratie aus.

Zudem läßt sich Lesen individuell steuern, anders als die vorgegebene "Taktgeschwindigkeit" eines Sprechers. "Lernen funktioniert am besten, wenn sich niemand von außen einmischt und den Weg und die Geschwindigkeit vorgibt" gibt eine Leserzuschrift zu bedenken.

Nicht jeder ist von den Vorteilen schnellen Lesen überzeugt, insbes. das von @Kurt angeregte Computerprogramm, das er dann in einem bebilderten Beitrag näher erläuterte, stieß nicht überall auf Gegenliebe.

600 Wörter pro Minute (wpm) gilt bereits als recht zügiges Lesen. "Lesen bildet, weshalb es so unbeliebt ist" ... "Das mit dem richtigen Lesen, das hat auch nachgelassen" ...

"Lesen wäre wesentlich geeigneter und schneller, um gute Orthographie zu vermitteln als (schriftliche) Übungen zu dem Thema." ...

Es gab noch ein paar weitere Beiträge im Gelben Forum zu Lesetechniken, vgl. auch die Literatur von Vera F. Birkenbihl.

Die Diskussion um @Kurts Beitrag nehme ich mal zum Anlaß, hier die Literatur zu sammeln, die es auf dem Gebiet gibt.

Lange waren die Schnelllese-Methoden dadurch gekennzeichnet, daß man sich darauf beschränkte, immer ausgefeiltere Methoden der Augenführung zu entwickeln, um größere Satzstücke schneller zu überblicken und zu überfliegen. In Deutschland waren namhafte Vertreter z.B. Günther Beyer (vgl. z.B. "Rationelles Lesen leicht gemacht") oder Wolfgang Zielke (vgl. z.B. "Schneller lesen selbst trainiert"). Im englischen Sprachraum brachte es Tony Buzan hier zu einiger Berühmtheit, auch bekannt als Erfinder des "Mindmapping" (vgl. z.B. "Speed Reading: Schneller lesen - Mehr verstehen - Besser behalten").

Mit Paul Scheeles PhotoReading ergab sich dann noch mal ein völlig neues Paradigma: es werden ganze Seiten mit einem unfokussierten Blick "abgespeichert", also in etwa das genaue Gegenteil der vorher üblichen Empfehlungen. Allerdings seien zwei mögliche Mißverständnisse vorsorglich ausgeräumt: ein "PhotoReader" muß zuerst ein sehr guter Leser sein, um davon richtig zu profitieren, und: an das "Lesen mit dem weichen Blick" in der ersten Phase schließen sich dennoch weitere Lesephasen an, in denen bewußt nach bestimmten Passagen gesucht wird und diese dann ggf. dennoch "fokussiert" werden. Alles in allem erlaubt jedoch PhotoReading eine nochmalige Leistungssteigerung gegenüber den früheren Verfahren.

Heute werden sogar schon einzelne Berufsgruppen gezielt angesprochen, vgl. etwa "Speed Reading für Controller und Manager" oder "Speed Reading für Ärzte".

Der Vollständigkeit halber sei noch das "Syntopische Lesen" als Weiterentwicklung des PhotoReading für größere Themenkomplexe (etwa Literatur eines Semesters) erwähnt (nicht zu verwechseln mit dem, wenn auch ähnlichen, synoptischen Lesen).


Schnell-Lese-Kurse für Erwachsene bzw. altersübergreifend

Schnelllesen allgemein    |    SpeedReading Allgemein - Deutsche Bücher    |    SpeedReading Allgemein - Englische Bücher    |    SpeedReading Englische Bücher    |    SpeedReading | Autoren von Sonderformen des Schnelllesens, vgl. z.B. "QSR - Quantum Speed Reading", Frank W. Demanns "Highspeed Reading", Dr. Udis M. Lords "Supersonic Speed Reading", Norman C. Maberlys "Dynamic Speed Reading", oder die Programme von Marion Schultheiss, z.B. auch "Schultheiss Speed-o-nom".

Schnellesen - Visual Reading

Lesetechniken - Sonstiges


Fremdsprachige Schnell-Lese-Kurse/-Systeme, andere Autoren

Mittlerweile sind sehr viele Autoren auf den "Schnelllese-Zug" aufgesprungen, vgl. z.B. außer den unten genannten Buzan, Zielke, Scheele auch

Tina Konstant    |    Richard Sutz    |    James T. Rose    |    Henry McKinnon    |    Bernard Wechsler/Arthur Bell und Abby Marks Beale.

Zu den frühen Klassikern dagegen zählt Evelyn Wood, vgl. die Bücher von Stanley D. Frank zu ihrer Methode.


PhotoReading (Paul Scheele)

Paul Scheele rollte den Lesemarkt mit seinem Buch "PhotoReading" in den neunziger Jahren auf. Ein ähnliches Verfahren von sich nannte er "RapidReading". Mit "Natural Brilliance" widmete er sich der allgemeinen Intelligenz- und Kreativitätssteigerung.


Tony Buzans Bücher (MindMapping, SpeedReading u.v.a.m.)

Tony Buzan ist vor allem bekannt durch das MindMapping-Verfahren, das sachliche Zusammenänge "gehirngerecht" zusammfassen soll. Sein "SpeedReading" ist auch heute noch der bekannteste Klassiker der Schnelllese-Literatur. Siehe auch seine "Study Skills", eine Kombination dieser und anderer Methoden.


Günther Beyer - Deutscher Lese-, Gedächtnis-, Motivations- und Kreativitätstrainer

(Das meiste von Günther Beyer scheint heute vergriffen und auch antiquarisch selten angeboten zu werden.)


Wolfgang Zielke - Schneller Lesen, Konzentrationsübungen u.v.a.

Wolfgang Zielkes Schneller lesen - besser lesen machte in den Siebzigern die Runde in allen Zeitungen, er bot auch Schnelllese-Kurse für Manager, Ingenieure u.a. Zielgruppen an, sowie "Methoden zur Gedächtnisschulung" oder zur Effizienzsteigerung.


Sonstiges: Kreativitätstraining, Legasthenie, Mnemotechnik

Titel, die im Zuge der Recherchen als verwandte Themen in der Amazon-Suche mit aufschienen:

Kreativitätstraining    |    Legasthenie | Lese-/Rechtschreibschwäche    |    MindMapping    |    Mnemotechnik | Gedächtnistraining

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Die Geburt der Schnelllesetechniken - typisch Zivilisation

trosinette @, Montag, 03.04.2017, 13:52 vor 3244 Tagen @ Literaturhinweis 2128 Views

Guten Tag,

da will man sich was Gutes tun und geht nichtsahnend auf die Suche nach ein Bisschen Online-Training in Sachen Speed-Reading und dann sowas:

"Schnelles lesen hat den Ursprung beim Militär. Begonnen hat alles zu Zeiten des Ersten Weltkrieges. Die Wahrnehmungsfähigkeit der Kampfflieger der Royal Air Force wurde so weit trainiert, dass diese innerhalb kürzester Zeit – 500 Millisekunden um genauer zu sein – Freund vom Feind unterscheiden konnten. Da die Erfolge sehr gut waren, lies der Transfer in andere Bereiche nicht lange auf sich warten."

Die böse Absicht geht mal wider der guten voraus und meine Sammlung an unbefleckten zivilisatorischen Hochleistungen bleibt überschaubar.


Mit freundlichen Grüßen
Schneider

Sorry, das ist Geschichtsklitterung zwecks besserem Buchverkauf

Literaturhinweis @, Montag, 03.04.2017, 14:11 vor 3244 Tagen @ trosinette 2143 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 03.04.2017, 14:15

da will man sich was Gutes tun und geht nichtsahnend auf die Suche nach ein Bisschen Online-Training in Sachen Speed-Reading und dann sowas:

Das Zitat stammt aus der Werbung für dieses Buch.

Daß irgendwas "beim Militär" eingesetzt wird, ist immer ein gutes Werbeargument, zumindest bei Männern.

Es ist aber insofern Unsinn, als die Mehrzahl der von mir genannten Lesetechniken, jedenfalls die "holistischen" wie das PhotoReading von Paul Scheele, auf genau entgegengesetzten Prinzipien basieren.

Dort wird die gesamte Seite erfaßt, keine einzelnen Buchstaben, und die Nachverarbeitung erfolgt über mindestens 24 Stunden, d.h. über eine Schlafperiode hinweg, und erfordert den sog. "weichen Blick".

Mit der Hau-Drauf-Pilotenmanier ist da nichts gewonnen.

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Plädoyer für das langsame Lesen

Oblomow @, Leipzig, Montag, 03.04.2017, 14:22 vor 3244 Tagen @ Literaturhinweis 2240 Views

Warum sollte man denn schnell lesen, wenn man auch langsam lesen kann? Verstehen hat vermutlich etwas mit Muße zu tun und mit Lust. Man kann natürlich auch Speed-Fr(Essen) betreiben. Das ganze Speedy-Gonzales-Gemähre kann ich nicht nachvollziehen. Falls es Berufe gibt, wo so etwas einen Vorteil bringt, bitteschön.

Ich dachte immer, dass es methodisch darum geht, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und dem Wichtigen möglichst viel Zeit einzuräumen. Leider wird man während seiner Schulzeit mit zuviel Mist belastet und man muss selbst die Lebensbücher suchen oder finden. Könnte man einen Text von Nietzsche speedlesen? Oder einen Text von Ashitaka z.B.?

Das, was man Speedlesen kann, das will ich garnicht lesen. Wie gesagt, es mag Berufe geben, wo das hilfreich ist, Informationen zu fressen wie ein Berserker, z.B. als Börsenhändler. Das verstehe ich ad hoc. Aber auch hier geht es wohl eher um die Urteilskraft und Erfahrung als allein um die Quantität der Informationen.

Mir scheint, dass wir keine Computer sind.

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"Wer die Fähigkeit, Schönheit zu sehen, behält, der altert nicht." F.K.

Tut mir leid, aber Du sprichst selbst-eingestandenermaßen als Laie und widerlegst "Argumente", die niemand gebracht hat

Literaturhinweis @, Montag, 03.04.2017, 14:55 vor 3243 Tagen @ Oblomow 2142 Views

Warum sollte man denn schnell lesen, wenn man auch langsam lesen kann?

Wie langsam soll's denn sein, Deiner Meinung nach? Hier ist schon Dein erster Denkfehler.

Wenn langsam lesen etwas mit "Verständnis" zu tun hätte, wären die Subvokalisierer die gebildetsten.

Verstehen hat vermutlich etwas mit Muße zu tun

Eher nicht. Es geht die Sage, daß der Intelligente und Gebildete (nicht immer dasselbe) auch schneller einen Sachverhalt erfassen kann, als der, dem diese Fähigkeiten abgehen.

Auch im Schachspielen wird der Ungeübte dem Großmeister nie Paroli bieten können, auch wenn er noch so lange "nachdenkt".

und mit Lust.

Lust hat hiermit auch wenig zu tun. Z.B. bereitet Menschen Geschwindigkeit ebenso Lust (Rollschuhlaufen, Fahrradfahren, Autorennen usw.) wie Langsamkeit. Es ist höchstens der Wechsel der Tempi, vgl. die großen Musikschöpfungen, der den Genuß ausmacht.

Man kann natürlich auch Speed-Fr(Essen) betreiben.

Ja, aber die Verdauung spätestens geht wieder ihren normalen Gang. Beim Essen ist das Einspeicheln und Zerkleinern wichtig, auf's Lesen ist das aber nicht direkt übertragbar.

Das ganze Speedy-Gonzales-Gemähre kann ich nicht nachvollziehen.

Frage: redest Du von etwas, das Du kennst? Wie willst Du dann urteilen? Vielleicht kann man ja mit bestimmten Schnelllesetechniken sogar mehr behalten und verarbeiten? Wer wärest Du, das zu beurteilen?

Falls es Berufe gibt, wo so etwas einen Vorteil bringt, bitteschön.

Im Gegenteil: könnte es nicht so sein, daß nur der klassische Literatur genießen kann, der anderes, vorwiegend z.B. technisches, Material schneller lesen kann? Nur dann hat er, sofern er nicht reich geboren wurde, die Muße, sich mit der Klassik in dem ihr gebührenden Tempo zu befassen, oder nicht?

Ich dachte immer, dass es methodisch darum geht, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und dem Wichtigen möglichst viel Zeit einzuräumen.

GENAU. Auch hier wieder: Du redest leider, so sehr ich Deine meist intelligenten Beiträge sonst schätze, von etwas, von dem Du mehr als eine Überschrift nie gelesen zu haben scheinst, geschweige denn praktiziert.

Leider wird man während seiner Schulzeit mit zuviel Mist belastet und man muss selbst die Lebensbücher suchen oder finden.

Hier kommt stets dasselbe Muster zum Ausdruck: schulgeschädigte wehren sich am ehesten gegen Schnell-Lernmethoden, weil sie fälschlich meinen, in der Schule ginge es um Geschwindigkeit und Präzision. Mitnichten.

Könnte man einen Text von Nietzsche speedlesen? Oder einen Text von Ashitaka z.B.?

Einen von Ashitaka nicht, denn dessen Texte lassen Klarheit vermissen. Nietzsche schon eher, aber: bevor Du Dich nicht mit den verschiedenen Verfahren auseinandergesetzt hast, kann man Dir das schwer erklären.

Das, was man Speedlesen kann, das will ich garnicht lesen.

Erst fragst Du, dann redest Du, als ob Du wüßtest. Also, um Dich für immer Nietzsche-abstinent zu machen: ja, man kann Nietzsche "speedlesen". Ich hoffe, Du findest Ersatz.

Wie gesagt,

Was gesagt? Bisher hast Du Behauptungen aufgestellt. Im Englischen: "Some advertise their ignorance by the questions they ask".

es mag Berufe geben, wo das hilfreich ist, Informationen zu fressen

Du merkst schon, daß Du hier eristisch eine petitio principii vertrittst?

wie ein Berserker,

Noch ein Strohmann.

z.B. als Börsenhändler. Das verstehe ich ad hoc. Aber auch hier geht es wohl eher um die Urteilskraft und Erfahrung als allein um die Quantität der Informationen.

Aha, wenn nun aber der Börsenhändler A dank Schnellesetechniken mehr Information VOR einem Trade hätte, als der Müßiggänger B, wer wäre dann u.U. erfolgreicher auf dem Börsenparkett?

Und wer hätte danach mehr Muße, sich langsamlesend seinen Klassikern (oder seinen Kindern) zu widmen?

Mir scheint, dass wir keine Computer sind.

Wir sind auch keine Asteroiden, Pferde oder Gänseblümchen.

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Langsam lesend

Oblomow @, Leipzig, Montag, 03.04.2017, 16:45 vor 3243 Tagen @ Literaturhinweis 2210 Views

motivieren mich meine laienhaften (idiōta) Überlegungen und Ihre Entgegnung nun doch, das Speed-Reading genauer kennenlernen zu wollen. Ich frage mich, ob es ein angemessenes Tempo des Lesen gibt, das gewissermaßen vom Text selbst ausgeht, der in einem angemessenen Tempo zur rechten Zeit mit mir sprechen will. Über diese Kategorien denkt das System des Speed-Readings sicherlich nach. Dazu muss ich mir mehr Gedanken über das Wesen der Klugheit (phronesis) machen. Danke. [[top]]

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Paralipomena

Oblomow @, Leipzig, Montag, 03.04.2017, 21:25 vor 3243 Tagen @ Literaturhinweis 2208 Views

Auch im Schachspielen wird der Ungeübte dem
Großmeister
nie Paroli bieten können, auch wenn er noch so lange "nachdenkt".

Was meinen Sie damit? Was wissen Sie vom Schach?

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Nix

Literaturhinweis @, Montag, 03.04.2017, 22:11 vor 3243 Tagen @ Oblomow 2217 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 03.04.2017, 22:16

Was wissen Sie vom Schach?

Wenn es unentschieden stand, hat mich mein Trainer immer eingewechselt, damit ich den tumben Bauern mit einem gezielten Elfmeter die Kastanien aus dem Feuer holte. Damals war das Schwarzweiß-Denken in der Schachwelt noch nicht so verbreitet wie heute, und wenn ein Bauer müde wurde, standen genügend Springer da, um einzuwechseln. Damen gab es auch noch nicht, das war, wie bis vor kurzem Golf, noch ein reines Männerspiel. Auch gab es keine gemischten Mannschaften - schwarz und weiß blieben fein säuberlich getrennt. Als ich dann bei der Grenzkompanie stationiert war, merkte ich erstaunt, daß der Kamerad, der mit mir im Wachtturm nach Westen blickte, ein Schachfreund war, sagte er doch mehrmals: "Genosse, denkst Du auch immer an die Mehrzahl von Turm?". Im sozialistischen Schach gab es natürlich keinen König, was das Spiel oft etwas matt erscheinen ließ. Aber immerhin war es damals Ehrensache: egal, wieviele Steine einer dem andern abgenommen hatte, man gab sie immer anstandslos zurück. Bis auf die Läufer, die lagen meist vor'm Bett.

Die Paralipomena parergerte sich immer über die Lipome, die sie verunstalteten und wer über ihr Geschlecht nicht Bescheid wußte, sagte oft hinter vorgehaltener Hand "Er is dik!", was aber vielleicht auch am fettigen Eindruck ihrer Paralipomenade gelegen haben mag.

Hoffe, gedient zu haben.

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Oder gleich gar nichts groß lesen

trosinette @, Montag, 03.04.2017, 15:47 vor 3243 Tagen @ Oblomow 2097 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 03.04.2017, 16:58

Guten Tag,

Mir scheint, dass wir keine Computer sind.

dem Wesen des Menschen an sich wird man sich vermutlich eher in der Muße als im Speed Reading nähern. Die Effizienz der Informationsverarbeitung im eigenen Oberstübchen ist aber trotzdem ein interessantes Thema.

Wenn es beim Lesen hauptsächlich um Informationsverarbeitung und nicht um das Erleben geht, ist es, wie auf vielen anderen menschlichen Tätigkeitsfeldern, am effizientesten, andere für sich lesen zu lassen und nur den Nektar zu saugen. Du musst natürlich Fingerspitzen- und Bauchgefühl dafür entwickeln, wem zu trauen ist, flexibel bleiben, Eitelkeiten ablegen und dich mit solchen Leuten nicht unnötig anlegen. So habe ich beispielsweise den Debitismus kennengelernt und konnte mir ca. 1,547 Mrd. eng bedruckte Seiten an Wirtschaftsliteratur sparen.

Mit freundlichen Grüßen
Schneider

Dachte ich so ähnlich

Oblomow @, Leipzig, Montag, 03.04.2017, 17:12 vor 3243 Tagen @ trosinette 2071 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 03.04.2017, 17:23

Ja, wo lernen wir das eigentlich, wem zu trauen ist. Man muss schon klug sein, um zu erkennen, was, wer klug ist. So muss man überhaupt lesen vermögen, um lesen zu können.

"Begegnung

Da ging einmal ein Mensch ins Büro und traf unterwegs einen anderen Menschen, der soeben ein französisches Weißbrot gekauft hatte und sich auf dem Heimweg befand.
Das ist eigentlich alles."

Daniil Charms

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Vertrauen ist OUT, besser Wissen ist IN

trosinette @, Montag, 03.04.2017, 18:03 vor 3243 Tagen @ Oblomow 2049 Views

Ja, wo lernen wir das eigentlich, wem zu trauen ist.

Nirgendwo. Zurzeit steht der kantsche Übermut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, auf der Agenda.

Mit freundlichen Grüßen
Schneider

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