Gehört der Islam zu den Fundamenten europäischer Kultur?

Falkenauge, Montag, 20.06.2016, 11:05 (vor 3530 Tagen)2132 Views

Begriffsverwirrungen eines Historikers.

Wissenschaft schützt vor Torheit nicht, insbesondere dann, wenn historische Ereignisse mit undifferenzierter Begrifflichkeit erfasst werden. Am 12.5.2016 sagte der Berliner Mittelalterhistoriker Michael Borgolte zu Focus-online:

„Der Islam gehört zu den Fundamenten europäischer und deutscher Kultur. … Muslimische Gelehrte im Mittelalter (haben) ganz wesentlich dazu beigetragen, das Wissen über griechische Philosophie und Naturwissenschaften zu erhalten und ins lateinische Europa zu übertragen. Ob in Bagdad oder im muslimischen Spanien: Islamische Gelehrte haben die Texte der griechischen Philosophen und Denker in die Volkssprache übertragen und von dort wurden sie ins Lateinische übersetzt. Ohne den Islam keine Scholastik, keine Universitäten und keine Wissenschaft in unserer heutigen Form.“

Hier wird der Islam mit Teilen der arabischen Kultur, dem sogenannten Arabismus des Mittelalters verwechselt. Beide haben ganz verschiedene Ursprünge und waren sogar starke Gegensätze: Der Islam hat seinen Ursprung im Koran Mohameds, die parallel dazu verlaufende arabische Wissenschaft geht auf die in der persischen Akademie von Gundischapur gepflegte griechische Philosophie und Naturwissenschaft zurück; sie gründet also nicht im Islam. Dass die Gelehrten dieser Wissenschaftsströmung – unausweichlich - zugleich Muslime waren, macht ihre Wissenschaft nicht islamisch.

Dem Islam wird hier eine Bedeutung für Europa untergeschoben, die er auf keinen Fall hat. Dem wird in diesem Artikel entgegengetreten.


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