Mittelstand nach Mexico

Sligo @, Sonntag, 19.06.2016, 19:22 vor 3531 Tagen 3556 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 19.06.2016, 20:14

Gruß an alle,

deutsche (und sicher auch aus A, CH) Mittelständler verlegen vermehrt die Produktion ihrer Betriebe nach Mexico.

"Ein Beispiel vom am 16. Juni 2016 stattgefundenen Wirtschaftstag Mexiko in der Kölner Industrie- und Handelskammer. Der interessanteste Teilnehmer war so ein deutscher Mittelständler. Seine Firma sitzt in Krefeld. Dort und in Berlin fertigt sie mit 130 Mitarbeitern Flexwellen für elektronische Sitzverstellungen und Antriebskabel für Schiebedächer. In 40 Prozent aller weltweit produzierten Schiebedächer werden diese Teile eingebaut. Das ist deutsche Wertarbeit in einer lukrativen Nische."

http://www.welt.de/debatte/kolumnen/die-strenge-stausberg/article156358192/So-vertreibe...

Vielleicht kann unser wertes Forumsmitglied @dottore zur Situation des deutschen Mittelstandes in Mexico einige Aussagen beisteuern; er ist ja ausgewiesener Mexico-Fachmann und Fan![[top]]

Weitere Beispiele bitte posten.

Sligo


P.S. Even though the ECB’s Mario Draghi has committed to do “whatever it takes,” the Eurozone has become a dangerous place for savings and investment.

Ich wünsche dem Mittelständler viel Spaß in Mexiko

Plancius @, Sonntag, 19.06.2016, 20:23 vor 3531 Tagen @ Sligo 3282 Views

Durch meine Tätigkeit im SAP Geschäft habe ich mehrere SAP Implementierungen im und Rollouts ins Ausland durchgeführt. Gerade in den Bereichen Vertrieb und Finanzbuchhaltung kommt man hier notgedrungen mit den lokalen rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen in Berührung.

Hier kann ich sagen, dass Mexiko neben der Ukraine, Russland und auch Polen eines der am bürokratischsten Länder ist. Jede Rechnung, die in Mexiko an den Kunden geschrieben wird, muss beim dortigen Finanzamt angemeldet werden und bekommt eine eindeutige Nummer, die auch auf der Rechnung ausgewiesen werden muss. Die Stornierung eines falsch gebuchten Geschäftsvorfalls, wie z.B einer Rechnung, ist in Ländern wie Mexiko ein sehr aufwändiger Vorgang und kommt einer EDV-technischen Katastrophe gleich. Überhaupt ist die durchgängige EDV-gestützte Abbildung von Geschäftsprozessen in solchen Ländern wie Mexiko kaum durchführbar. Es können deshalb auch keine Produktivitätsgewinne in diesem Umfeld realisiert und abgeschöpft werden.

Ich bin daher nach wie vor sehr skeptisch, wenn deutsche Firmen im Ausland ihr Glück versuchen. Viele haben sich dort schon die Finger verbrannt. In der Ukraine z.B. trägt selbst der Speiseplan in der betriebseigenen Kantine einen Stempel von der örtliche "Steuerpolizei" (ja so wir dort tatsächlich das Finanzamt genannt). Und bei ausländischen Firmen ist man besonders pingelig.

Den richtigen Weg sind die baltischen Länder gegangen. Dort hat mein ein sehr einfaches Steuersystem etabliert, wo praktisch jeder Laie seine Unternehmenssteuern via Internetplattform anmelden kann.

Gruß Plancius

--
Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.

Umgang mit Behörden

Rainer ⌂ @, El Verger - Spanien, Sonntag, 19.06.2016, 23:49 vor 3531 Tagen @ Plancius 2488 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 20.06.2016, 12:17

Hier kann ich sagen, dass Mexiko neben der Ukraine, Russland und auch
Polen eines der am bürokratischsten Länder ist. Jede Rechnung, die in
Mexiko an den Kunden geschrieben wird, muss beim dortigen Finanzamt
angemeldet werden und bekommt eine eindeutige Nummer, die auch auf der
Rechnung ausgewiesen werden muss. Die Stornierung eines falsch gebuchten
Geschäftsvorfalls, wie z.B einer Rechnung, ist in Ländern wie Mexiko ein
sehr aufwändiger Vorgang und kommt einer EDV-technischen Katastrophe
gleich.

Mit „Katastrophen“ habe ich jahrelang die Behörden beschäftigt. Durch EDV hätte man noch viel mehr Möglichkeit. <img src=" /> Wer keine Angst mehr hat vor dem "die werden dir das Leben schwer machen", macht denen das Leben schwer.

Schlussendlich ist alles so gelaufen, dass die Finanzbehörden uns recht gaben, um ihre Arbeit noch machen zu können. Schließlich haben die noch andere „Kunden“.

Bei mir ist alles steuerlich verjährt, deshalb kann ich frei von der Leber sprechen. Meine erste Erfahrung als Selbständiger mit dem Finanzamt bestand darin, dass ich den Beamten darauf aufmerksam machte, dass seine Ansicht falsch ist und nicht dem Gesetz entspricht. Der hatte immerhin soviel Substanz im Hirn, im Gesetz nachzuschauen. Danach hat er mir recht gegeben. Weil ich in der Folge ein störrischer „Kunde“ blieb, bekamen wir einen eigenen Sachbearbeiter. Der achtete penetrant darauf, dass kein Eindruck aufkam, wir würden zu viel Steuern bezahlen. Eines Tages kam es trotzdem zum Disput. Erwähnen muss ich noch, dass aus strategischen Gründen die Firma mittlerweile auf meine Frau transportiert wurde. Im Namen meiner Frau habe ich einen „harten“ Brief ans Frauenministerium geschrieben, dass ich mich als Frau vom Finanzamt diskriminiert fühle. Der Erfolg war durchschlagend. Unser persönlich „in unser ar***kriechender“ Sachbearbeiter wurde durch eine „persönlich uns ar***kriechende“ Sachbearbeiterin ausgetauscht.

Die ganze Geschichte bekomme ich nicht mehr zusammen, aber Tränen haben wir gelacht. Das Absurde waren die Forderungen und dass wir am Ende jede Menge Geld bekommen haben.

Ich bin denen einfach lästig geworden. Funktioniert bei Behörden immer. Man muss aber kampfbereit sein. Der Gegner ist einfach lächerlich, wenn man das Spiel durchschaut.

Rainer

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