Komische Schreibweise
Sonst kommt das Gehirn schnell auf die Idee, die ganze Auschwitz-Geschichte
gefühlsmäßig um den Faktor 1000 zu relativieren.170' getötete Juden liest sich ja geradezu nett und unverfänglich.
Dachte, ich bin in der üblichen Schreibweise weitestgehend "gebildet", wie man so sagt. Anscheinend ist das nicht der Fall. Das mit dem Strichlein oben kenne ich nicht, - habe ich auch nie gesehen, - obwohl ich in meinem ach so kurzen Leben doch einiges geschrieben und gelesen habe.
Woher stammt das? Wer hat das erfunden? Ist das eventuell nur auf die Schweiz beschränkt?
Ich kenne die Verkürzung von z.B. 100.000 als 100T, das ist mir geläufig. Auch für 100.000 Einwohner kenne ich die Abkürzung 100T E.
Die Frage zu den Zahlen für die jüdischen Mitbürger, resp. meine Meinung dazu:
Seit dem Zeitpunkt, seit dem man die Diskussion über die Zahlen in das Strafrecht verfrachtet hat, ist alles, was man dazu sagen will, illusorisch, es sei denn, man sagt nur genau das, was vorgeschrieben ist.
Meine prinzipielle Anschauung darüber habe ich schon so manches mal hier kundgetan, aber ich wiederhole sie gerne:
Wenn ein Mensch aufgrund seiner Volkszugehörigkeit, seiner Hautfarbe, seiner Rasse, seiner Religion, seiner politischen Anschauung, seiner sexuellen Neigung (damit meine ich nicht Pädophilie) ums Leben kommt, dann ist es bereits ein Mensch zuviel.
Alles, was da mit Zahlen über Opfer diskutiert, verhandelt oder hochgejubelt wird, entwertet das Individuum Mensch als solches und ist nur dazu geeignet, persönliche politische Ziele zu verfolgen, Rechtsansprüche (insbesonders in finanzieller Form) daraus abzuleiten oder von anderen Vorgängen abzulenken, die mittelbar oder auch unmittelbar damit zu tun haben.
Ich erwarte nicht, dass jeder meine Meinung teilt, aber ich bin nach langem Nachdenken, auch als Nachfahre eines im Widerstand Umgekommenen, zu dieser Anschauung gelangt.
Ums besser verständlich zu machen:
Kein Mensch spricht mehr über die getöteten Juden in der Ukraine 1919, oder in Spanien, oder, oder , oder. In der Umkehrlogik bedeutet das nur soviel: Es muss nur genügend Zeit vergangen sein, dann ist jeder Massenmord in die Vergessenheitsschublade zu legen, - wird abgehakt, als wenn er niemals stattgefunden hätte.
Für mich ist jedes Verbrechen an Zivilisten ein Verbrechen, egal, ob es viele oder wenig waren, - ich orientiere mich da nach Vorgängen und klammere dabei keinen aus. Egal, ob es Ausschwitz, Srebreniza oder der Todesmarsch von Brünn war, - immer waren es Unschuldige, die ihr Leben lassen mussten.
Genauso verurteile ich das Verhalten vieler deutscher Politiker, die als einziges Unrecht "nur" den Massenmord an den Juden kennen, - der wurde ja schließlich von Deutschen begangen.
Ich behaupte:
Hätte man auch die Vertreibungsverbrechen an den Deutschen in der selben Form angeprangert und geächtet, dann wäre (vielleicht) so manches in der Weltpolitik nicht so abgelaufen, wie es in der Realität war.
Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen:
Wäre den serbischen Schergen von Milosevic, Karadzic, Mladic, - und wie sie alle heißen, durch die Praxis der europäischen und vor allem deutschen Politik klargewesen, dass jedes Verbrechen aktuell bleibt, solange es nicht gesühnt ist, - auch, wenn es von slawischstämmigen Paramilitärs begangen wird, dann hätte es (vielleicht) Srebreniza nicht gegeben.
So aber fühlten sich diese Nationalisten sicher; - von der praktizierten Geschichte her war ihnen bekannt, dass der Vorgang der Vertreibung einer Volksgruppe in einer Größenordnung von mehr als 3 Mio, die dabei nachgewiesen Getöteten mit knapp 20 T sowie die über 200T Vermißten, deren Schicksal ungeklärt ist (ich spreche hier nur von den Sudetendeutschen), schon nach 50 Jahren (Srebreniza fand 1995 statt) keinen europäischen Politiker mehr hinterm Ofen hervorholt; - also war das Risiko einer Konsequenz als gering für sie einstufbar.
Obwohl ich auf Opferzahlen keinen Wert lege, wie ich weiter oben erklärt habe, so benannte ich bei den Sudetendeutschen doch die Zahlen, um an diesem Beispiel klar zu machen, wie unsinnig diese Zahlenspiele sind. Man kann nicht Tote oder Ermordete gegeneinander aufrechnen, jeder Mensch, der durch so etwas umkommt, hat sein eigenes Schicksal.
Dazu kommt der Spruch, auf den ich seit langem gekommen bin:
Krieg ist eines von den grausamen Spielen, wo immer die einen für etwas bezahlen müssen, was eigentlich ganz andere zu verantworten haben.
Und dieser Spruch gilt auf der ganzen Welt.
Muss noch was ergänzen:
Grade, was die "Vergesslichkeit in der Politik" betrifft, - ein Paradebeispiel.
Ich erinnere an den 17. Juni 1953, als Österreicher, der damals noch nicht einmal zwei Jahre alt war. Die Vorgänge und Hintergründe um dieses Ereignis sind mir bekannt, - ich habe dieses Gedenken daran auch immer registriert. Als ich festgestellt habe, dass sich die gewählten Kommunalpolitiker in einer deutschen Kleinstadt, wo ich früher gelebt habe, immer schwerer damit taten, an den bestimmten Gedenkstein des 17. Juni zu gehen und einen Kranz für die Opfer niederzulegen, habe ich versucht, mit persönlichen Aktionen das am Leben zu erhalten.
Dazu habe ich nachgelesen, was die Inhalte der Gedenkreden der jeweiligen Bundeskanzler waren. Ich beziehe mich dabei auf die Reden zum 10.- 20. und 30. Jahrestag. Adenauer war kurz in seiner Ansprache, aber prägnant, - er sagte genau das, was Sache war. Danach wurden die Reden immer länger, hatten aber immer weniger Inhalt.
Nun hat man das Vergessen im Bundestag mit der Einführung des 3. Oktobers begründet, - ich habe die Tagesordnung vom 17. Juni 2016 angeklickt:
Heute im Bundestag (hib)
hib Nr. 368, Fr., 17. Juni 2016, 11.28 Uhr
Enge Kooperation mit privaten Akteuren
Auswirkungen von "Geisternetzen"
Mülltentfernung aus dem Meer
Motorensoftware nicht offengelegt
Störungen bei Stuttgarter S-Bahn
Einschränkungen der Religionsfreiheit
hib Nr. 367, Fr., 17. Juni 2016, 10.41 Uhr
Kein Schattenhaushalt geplant
Monitoringsystem geplant
Kurzflüge in Deutschland
Geplante Gesamtumfahrung B 29
Straßenprojekte in Baden-Württemberg
Transparenz beim Verkehrswegeplan
hib Nr. 366, Fr., 17. Juni 2016, 07.14 Uhr
G20-Gipfel 2017 in Hamburg
Drohnen-Einsatz zur Grenzüberwachung
Ausreise Minderjähriger nach Syrien/Irak
Makeni-Projekt in Sierra Leone gefährdet
Lage des wissenschaftlichen Nachwuchses
Exzellenz-Status keine Frage der Größe
Der 17. Juni 1953 ist hier nicht vorgesehen. Genauso hat man schon längst den 4.März 1919 vergessen, und so manches andere auch. Immer waren es aufrechte Menschen, die sich gegen ein Regime oder deren Auswirkungen gewehrt haben , - in eigenem und im allgemeinen Interesse. Sie sind nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere gestorben. Für mich sind es Märtyrer.
Sie hatten nur einen Fehler: Sie waren Deutsche.