Wechselnde Identifikationsangebote

Hinterbänkler @, Schweiz - tief im Emmental, Samstag, 11.06.2016, 00:59 vor 3540 Tagen 7247 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 11.06.2016, 01:11

------- Disclaimer -------
Alles Folgende ist subjektiv, es erhebt - obwohl möglicherweise klar und pointiert formuliert - nicht den Anspruch die Wahrheit zu sein, sondern es sind schlichte Erzählungen oder subjektive Ableitungen aus meinem persönlichen Weltbild.
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Ein langer Gruß in die gelbe Runde!

Also, da war dieser schöne Beitrag von Fidel über den Waldgänger des Ernst Jünger (danke nochmals).
Mir hat der Vortrag sehr gefallen und ich habe ihn unter Freunden verschickt.
Kommt von Freund D. folgende Antwort:

Danke für den Link zum Video.

Der Waldgänger ist also kein opportunistischer subversiver Anarchist,
sondern ein freigeistiger lustorientierter Nihilist <img src=" />
Und das sage ich als autopoietischer provokativer Humanist :-)

Bis aber eine Mehrheit von uns Menschen die schicksalshafte Lust verspürt
das unveräußerliche Selbst als authentische Existenz zu verwirklichen,
braucht es noch einiges an individueller Bewusstseinsentwicklung.

Stimmt, am Eingang zum Tempel in Delphi steht "Erkenne dich selbst."
Nur wenige wissen aber, dass im Inneren des Tempels über der nächsten
Tür steht: "Damit du Gott erkennst."

Ich wünsche uns allen, dass möglichst viele von uns erwachen, erkennen
dass sie bereits im Wald sind und sich (trotz leviathanischer
Vereinnahmung) aufmachen tiefer in die Wildnis vorzudringen, die als
Schattenreich ja überall zu finden und letztlich in uns selbst, in
unseren (Helden-)Mythen und in unserem Seelenleben zu entdecken ist.

Meine Frage ist, ob wir als Waldgänger vorsichtig und verschwiegen werden
müssen, um nicht von den Vertretern der konservativen Restaurierung und
der Volkshetze zum gesellschaftlichen Schafott gezerrt zu werden? Denn
tot nützen wir der Sache wenig, oder?


Diese abschließende Frage - von mir hervorgehoben - hat mich gereizt, weil ich mich dieser seit langer Zeit widme und für mich mittlerweile einige Klarheit diesbezüglich erarbeitet habe.
Ich möchte meine Antwort hier auch mit Euch teilen:

Lieber D.,
[...]
Ich würde, wenn es denn eines Tempels bedarf, ihn eher unter das Motto stellen:
Gestalte dich selbst... / ...damit du Gott gestaltest.

Aufgrund Deiner Fragen zum Schluss des Mails ergeben sich bei mir folgende - zugegeben etwas pathetische - Gedanken:

Wir sind zivilisatorisch sozialisiert, d. h. wir sind 100% Zivilisten.
Zivilisten unterwerfen sich der staatlichen ordnenden Macht, die aufgrund ihres Gewaltmonopols oder ihrer -übermacht die Unterwerfung fordert.
Widerstand, Rebellion oder Umsturz sind ebenfalls Formen der Unterwerfung, weil sie Reaktionen auf die ordnungsschaffende Macht darstellen.
Sie benötigt für ihre Konfrontation die Werte der staatlichen Ordnungsmacht.
Wir können quasi nicht anders als den neuen Götzen (siehe Bonusmaterial unten) anbeten.

Die Waldgänger sehen, ahnen oder erleben eine lange vergessene menschliche Alternative: die nicht-domestizierte Wildheit.
Die Übung der Waldgänger besteht darin, den 'Montagepunkt' der Bewusstseinsrealität zwischen zwei oder mehr Alternativen des menschlichen Seins hin- und her zu 'switchen'. *)

Damit wird der Waldgänger gleichzeitig zum Bewohner zweier Welten.
In der einen Welt unterwirft er sich 100 Prozent der staatlichen Ordnung und seiner Werte, kauft und verkauft, fährt 50 innerorts, gibt seine biometrischen Daten für den Pass und kommuniziert über Facebook.
In der anderen Welt bedeutet dies ihm zu 100 Prozent gar nichts.
Weil er gelernt hat, die beiden Welten nach Belieben zu wechseln, identifiziert er sich eigentlich mit keiner, bzw. weiß, dass die Identifikation nicht 'real' ist und nach Bedarf beliebig gewechselt werden kann.
Er weiß, dass das Bewusstsein ihm immer eine Identifikationsmöglichkeit bereitstellen muss, gleichzeitig weiß er, dass er diese wechseln kann.

Der animistische wilde Mensch (Begriff anstelle des Waldgängers) - das ist der nicht-zivilisierte - ist Freibeuter.
Er findet, was er braucht.
Er nimmt sich, was er braucht.
Er tötet, wenn er etwas findet, was er braucht (Bakterien, Pflanzen oder Tiere) und lässt sich töten (durch Bakterien oder Tiere)
Er weiß, dass alle Biomasse wieder zu Biomasse wird.
Jede lebendige Zelle ist Nahrung für andere lebendigen Zellen.
Es geht nicht anders.
Der animistische wilde Mensch liebt und bejaht das Leben und weiß, dass Leben fortlaufende Transformation ist.
Damit bejaht er, dass kein Ding, Pflanze oder Tier bleiben wird, sondern sich laufend verändern und letztlich sterben wird.
Der Wandel, die Veränderung ist das Leben und das betet er an.
Er bejaht seinen eigenen Wandlungsprozess, auch den finalen.
Der Zeitpunkt des Sterbens ist ihm nicht wichtig, er kann niemals zur falschen Zeit kommen.
Er bejaht auch das Schafott - als Ausdruck der aktuellen Wandlungsmethoden.

Der animistische Mensch unterstellt sich keiner Sache, um nützlich zu sein.
Folglich muss er nichts tun, sondern wählt als Option immer die eigene Gestaltungslust.
Gestaltung ist immer Verändern - also wieder: Transformation, Leben...
Er will nur während seiner Zeit gestalten, nicht darüber hinaus.
Darüber hinaus hat er das unerschütterliche Vertrauen, dass das Leben, die Evolution, die Transformation immer weiter geht.
Auch andere Lebewesen, wie ein Staat, eine Gesellschaft, ein Volk werden sich laufend wandeln und sterben.
Insofern weiß er, dass jeder aktuelle patriarchalische Staat sterben wird, dass Patriachalität sterben wird, auch dass Gemeinschaft - z. B. Hinterbänklers Steckenpferd - sterben wird...
Diesen großen Wandlungsprozess muss er nicht selbst tun.
Er kann sich zurück lehnen und vertraut.

Der animistische Mensch braucht nicht vorsichtig und verschwiegen sein, sondern braucht nur seinen Impulsen nachgehen und das gestalten, wozu er Lust hat.
Vielleicht macht es ihm Lust (und damit Sinn) ein schönes Gestaltungsprojekt zu haben.
Das kann sich im geistigen Widerspruch zu staatlichen oder gesellschaftlichen Regeln oder zum Staat selbst befinden.
Muss aber nicht zwingend als Widerspruch verstanden werden.
Schließlich ist der Animist der klügere und flexiblere Mensch.

Animismus ist Glaube an das Resonanzprinzip:
Alles ist belebt, alles ist be'geist'ert, alles ist in Schwingung und alles wird durch alles beeinflusst und verändert sich so laufend (Autopoiese).

Alles Leben - auch Staatlichkeit - ist Resonanz auf auf Bedingungen und anderes Leben.
Domestifikation ist beiderseitige Resonanz auf Unterwerfung, Macht, Abrichtung usw.
Für den Domestifizierten eher unbewusst.
Animismus ist Resonanzen spüren und sehen - also mehr bewusst.


Ich habe mich z. B. vor Kurzem entschlossen aktiv und mit Klarnamen auf Facebook zu agieren.
Wenn ich nicht gegen das System kämpfe, sollten mir im Leben als Zivilist keine Nachteile daraus erwachsen.
Ich denke nicht, dass das Zusammenleben in Gemeinschaften oder das Organisieren von unpolitischen Zusammenkünften als subversiv gewertet werden wird.
[...]

*) Der Montagepunkt ist Teil eines Konzepts von Carlos Castaneda zur Bewusstseinserklärung.
Bei Interesse kann ich das noch einmal etwas ausführen.
Einen alten Entwurf hierzu habe ich hier bereits gepostet.

Zum Schluss möchte ich sagen, dass das keine fertige Gedanken sind.
Auch sie unterliegen dem 'Lebenswandel'.

Danke und Gruß
Hinterbänkler


-------------- Bonusmaterial 1 --------------
(im Gelben schon mehrmals zitiert, der Vollständigkeit halber hier nochmals

Vom neuen Götzen

Irgendwo gibt es noch Völker und Herden, doch nicht bei uns, meine Brüder: da gibt es Staaten.

Staat? Was ist das? Wohlan! Jetzt tut mir die Ohren auf, denn jetzt sage ich euch mein Wort vom Tode der Völker.

Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: "Ich, der Staat, bin das Volk.''

Lüge ist's! Schaffende waren es, die schufen die Völker und hängten einen Glauben und eine Liebe über sie hin: also dienten sie dem Leben.

Vernichter sind es, die stellen Fallen auf für viele und heißen sie Staat: sie hängen ein Schwert und hundert Begierden über sie hin.

Wo es noch Volk gibt, da versteht es den Staat nicht und hasst ihn als bösen Blick und Sünde an Sitten und Rechten.

Dieses Zeichen gebe ich euch: jedes Volk spricht seine Zunge des Guten und Bösen: die versteht der Nachbar nicht. Seine Sprache erfand es sich in Sitten und Rechten.

Aber der Staat lügt in allen Zungen des Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt - und was er auch hat, gestohlen hat er's.

Falsch ist alles an ihm; mit gestohlenen Zähnen beißt er, der Bissige. Falsch sind selbst seine Eingeweide.

Sprachverwirrung des Guten und Bösen: dieses Zeichen gebe ich euch als Zeichen des Staates. Wahrlich, den Willen zum Tode deutet dieses Zeichen! Wahrlich, es winkt den Predigern des Todes!

Viel zu viele werden geboren: für die Überflüssigen ward der Staat erfunden!

Seht mir doch, wie er sie an sich lockt, die Viel-zu-vielen! Wie er sie schlingt und kaut und wiederkäut!

"Auf der Erde ist nichts Größeres als ich: der ordnende Finger bin ich Gottes'' - also brüllt das Untier. Und nicht nur Langgeohrte und Kurzgeäugte sinken auf die Knie!

Ach, auch in euch, ihr großen Seelen, raunt er seine düsteren Lügen! Ach, er errät die reichen Herzen, die gerne sich verschwenden!

Ja, auch euch errät er, ihr Besieger des alten Gottes! Müde wurdet ihr im Kampfe, und nun dient eure Müdigkeit noch dem neuen Götzen!

Helden und Ehrenhafte möchte er um sich aufstellen, der neue Götze! Gerne sonnt er sich im Sonnenschein guter Gewissen, - das kalte Untier!

Alles will er euch geben, wenn ihr ihn anbetet, der neue Götze: also kauft er sich den Glanz eurer Tugend und den Blick eurer stolzen Augen.

Ködern will er mit euch die Viel-zu-vielen! Ja, ein Höllenkunststück ward da erfunden, ein Pferd des Todes, klirrend im Putz göttlicher Ehren!

Ja, ein Sterben für viele ward da erfunden, das sich selber als Leben preist: wahrlich, ein Herzensdienst allen Predigern des Todes!

Staat nenne ich's, wo alle Gifttrinker sind, Gute und Schlimme: Staat, wo alle sich selber verlieren, Gute und Schlimme: Staat, wo der langsame Selbstmord aller - "das Leben'' heißt.

Seht mir doch diese Überflüssigen! Sie stehlen sich die Werke der Erfinder und die Schätze der Weisen: Bildung nennen sie ihren Diebstahl - und alles wird ihnen zu Krankheit und Ungemach!

Seht mir doch diese Überflüssigen! Krank sind sie immer, sie erbrechen ihre Galle und nennen es Zeitung. Sie verschlingen einander und können sich nicht einmal verdauen.

Seht mir doch diese Überflüssigen! Reichtümer erwerben sie und werden ärmer damit. Macht wollen sie und zuerst das Brecheisen der Macht, viel Geld, - diese Unvermögenden!

Seht sie klettern, diese geschwinden Affen! Sie klettern über einander hinweg und zerren sich also in den Schlamm und die Tiefe.

Hin zum Throne wollen sie alle: ihr Wahnsinn ist es, - als ob das Glück auf dem Throne säße! Oft sitzt der Schlamm auf dem Thron - und oft auch der Thron auf dem Schlamme.

Wahnsinnige sind sie mir alle und kletternde Affen und Überheiße. Übel riecht mir ihr Götze, das kalte Untier: übel riechen sie mir alle zusammen, diese Götzendiener.

Meine Brüder, wollt ihr denn ersticken im Dunste ihrer Mäuler und Begierden! Lieber zerbrecht doch die Fenster und springt ins Freie!

Geht doch dem schlechten Geruche aus dem Wege! Geht fort von der Götzendienerei der Überflüssigen!

Geht doch dem schlechten Geruche aus dem Wege! Geht fort von dem Dampfe dieser Menschenopfer!

Frei steht großen Seelen auch jetzt noch die Erde. Leer sind noch viele Sitze für Einsame und Zweisame, um die der Geruch stiller Meere weht.

Frei steht noch großen Seelen ein freies Leben. Wahrlich, wer wenig besitzt, wird um so weniger besessen: gelobt sei die kleine Armut!

Dort, wo der Staat aufhört, da beginnt erst der Mensch, der nicht überflüssig ist: da beginnt das Lied des Notwendigen, die einmalige und unersetzliche Weise.

Dort, wo der Staat aufhört, - so seht mir doch hin, meine Brüder! Seht ihr ihn nicht, den Regenbogen und die Brücken des Übermenschen? -

Also sprach Zarathustra.

Friedrich Nietzsche

Anmerkung Hinterbänkler:
Übermensch ist ein von Nietzsche eingeführter Begriff für den künftigen, evolutionär weiterentwickelten Menschen.
Die nächste Evolutionsstufe sozusagen.
Diese Bezeichnung für einen 'moralisch und mental höherstehenden Menschen' zu verwenden, haben die Nationalsozialisten für ihre Politik missbraucht.

-------------- Bonusmaterial 2 --------------


Die sieben Siegel (Oder: das Ja- und Amen-Lied)

1
Wenn ich ein Wahrsager bin und voll jenes wahrsagerischen Geistes, der auf hohem Joche zwischen zwei Meeren wandelt, -
zwischen Vergangenem und Zukünftigem als schwere Wolke wandelt, - schwülen Niederungen feind und allem, was müde ist und nicht sterben, noch leben kann.-
zum Blitze bereit im dunklen Busen und zum erlösenden Lichtstrahle, schwanger von Blitzen, die Ja! sagen, Ja! lachen, zu wahrsagerischen Blitzstrahlen: -
- selig aber ist der also Schwangere! Und wahrlich, lange muss als schweres Wetter am Berge hängen, wer einst das Licht der Zukunft zünden soll! -
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, - dem Ring de Wiederkunft!
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!

2
Wenn mein Zorn je Gräber brach, Grenzsteine rückte und alte Tafeln zerbrochen in steile Tiefen rollte:
Wenn mein Hohn je vermoderte Worte zerblies, und ich wie ein Besen kam den Kreuzspinnen und als Fegewind alten verdumpften Grabkammern:
Wenn ich je frohlockend saß, wo alte Götter begraben liegen, weltsegnend, weltliebend neben den Denkmalen alter Welt-Verleumder: -
- denn selbst Kirchen und Gottes-Gräber liebe ich, wenn der Himmel erst reinen Auges durch ihre zerbrochenen Decken blickt; gern sitze ich gleich Gras und rotem Mohne auf zerbrochnen Kirchen -
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, - dem Ring de Wiederkunft!
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!

3
Wenn je ein Hauch zu mir kam vom schöpferischen Hauche und von jener himmlischen Not, die noch Zufälle zwingt, Sternen-Reigen zu tanzen:
Wenn ich je mit dem Lachen des schöpferischen Blitzes lachte, dem der lange Donner der Tat grollend, aber gehorsam nachfolgt:
Wenn ich je am Göttertisch der Erde mit Göttern Würfel spielte, dass die Erde bebte und brach und Feuerflüsse heraufschnob: -
- denn ein Göttertisch ist die Erde, und zitternd von schöpferischen neuen Worten und Götter-Würfen: -
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, - dem Ring de Wiederkunft!
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!

4
Wenn ich je vollen Zuges trank aus jenem schäumenden Würz- und Mischkruge, in dem alle Dinge gut gemischt sind:
Wenn meine Hand je Fernstes zum Nächsten goss und Feuer zu Geist und Lust zu Leid und Schlimmstes zum Gütigsten:
Wenn ich selber ein Korn bin von jenem erlösenden Salze, welches macht, dass alle Dinge im Mischkruge gut sich mischen: -
- denn es gibt ein Salz, das Gutes mit Bösem bindet; und auch das Böseste ist zum Würzen würdig und zum letzten Überschäumen: -
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, - dem Ring de Wiederkunft!
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!

5
Wenn ich dem Meere hold bin und allem, was Meeres-Art ist, und am holdesten noch, wenn es mir zornig widerspricht:
Wenn jene suchende Lust in mir ist, die nach Unentdecktem die Segel treibt, wenn eine Seefahrer-Lust in meiner Lust ist:
Wenn je mein Frohlocken rief: "die Küste schwand, - nun fiel mir die letzte Kette ab -
- das Grenzenlose braust um mich, weit hinaus glänzt mir Raum und Zeit, wohlan! wohlauf! altes Herz!'' -
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, - dem Ring de Wiederkunft!
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!

6
Wenn meine Tugend eines Tänzers Tugend ist, und ich oft mit beiden Füssen in gold-smaragdenes Entzücken sprang:
Wenn meine Bosheit eine lachende Bosheit ist, heimisch unter Rosenhängen und Lilien-Hecken:
- im Lachen nämlich ist alles Böse bei einander, aber heilig- und losgesprochen durch seine eigne Seligkeit: -
Und wenn das mein A und O ist, dass alles Schwere leicht, aller Leib Tänzer, aller Geist Vogel werde: und wahrlich, das ist mein A und O! -
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, - dem Ring de Wiederkunft!
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!

7
Wenn ich je stille Himmel über mir ausspannte und mit eignen Flügeln in eigne Himmel flog:
Wenn ich spielend in tiefen Licht-Fernen schwamm, und meiner Freiheit Vogel-Weisheit kam: -
- so aber spricht Vogel-Weisheit: "Siehe, es gibt kein Oben, kein Unten! Wirf dich umher, hinaus, zurück, du Leichter! Singe! sprich nicht mehr!
- "sind alle Worte nicht für die Schweren gemacht? Lügen dem Leichten nicht alle Worte! Singe! sprich nicht mehr!'' -
Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, - dem Ring de Wiederkunft!
Nie noch fand ich das Weib, von dem ich Kinder mochte, sei denn dieses Weib, das ich lieb: denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!
Denn ich liebe dich, oh Ewigkeit!


Friedrich Nietzsche
Also sprach Zarathustra

Danke!

Sylvia @, Samstag, 11.06.2016, 06:51 vor 3540 Tagen @ Hinterbänkler 3707 Views

Danke, Hinterbänkler, dafür, dass Du diese Deine Gedanken mit uns teilst. Ich hätte (vorerst) nur eine klitzekleine Frage:

Ich habe mich z. B. vor Kurzem entschlossen aktiv und mit Klarnamen auf
Facebook zu agieren.

Was ist denn Dein Facebook-Account?

Liebe Grüße,
Sylvia

--
"Der Computer ist die logische Weiterentwicklung des Menschen: Intelligenz ohne Moral." (John Osborne)
"Der Gutmensch ist die logische Rückentwicklung des Menschen: Moral ohne Intelligenz." (unbekannt)

Ich sammle keine Facebook-Freunde

Hinterbänkler @, Schweiz - tief im Emmental, Samstag, 11.06.2016, 21:27 vor 3539 Tagen @ Sylvia 3035 Views

Was ist denn Dein Facebook-Account?

Danke Sylvia,

ich bin schon seit 18 Jahren in schrägen Foren unterwegs und habe mir manche Feindschaft z. B. von fundamentalistischer Seite zugezogen.
Keine Ahnung, aber es gibt Leute, die dann doch irgendwie meine Adresse rausbekommen haben und mich richtig bedroht haben.
Erst wieder vor nicht allzulanger Zeit.

Daher versuche ich auch hier in zwei Welten zu agieren: Die Welt mit den Feinden [[freude]] und die Welt mit den Freunden [[zwinker]]
Facebook-Freund/in wird bei mir nur jemand, den/die ich persönlich kenne.

Komm doch mal bei Gelegenheit vorbei, dann kannst Du Deinen Status ändern [[zwinker]]

Danke und Gruß
Hinterbänkler

--
...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...

Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'

Staat und Volk

Falkenauge @, Samstag, 11.06.2016, 09:27 vor 3540 Tagen @ Hinterbänkler 3375 Views

Aus Zeitgründen möchte ich nur kurz auf die von Nietzsche gemachte strikte Unterscheidung von Staat und Volk eingehen.

Nietzsche sieht den Staat als das große Lügenmonster, das sich mit dem Volk identifiziert und vorgibt, seine Interessen zu vetreten. Er erhebt sich zum Götzen, der sich über die Menschen stellt und sie für seine mörderischen Ziele verführt und einspannt. Wie wahr.

Aber man muss es noch konkreter fassen. Der Staat als heute noch immer hierarchische Organisationsform - von der gerne suggeriert wird, der Staat sind wir doch alle - wird in seinen entscheidenen Schaltstellen von einer "Elite", einer Parteienclique beherrscht, die hinter der Fassade einer formalen Demokratie eine Oligarchie betreibt. Sie übt Macht über das Volk aus, und Macht ist das, was den Staat zum Monster macht, das sich nur mit Lügen halten kann.

Wahre Demokratie ist mit Macht nicht vereinbar. Die Entwicklung des Staates ist eine Entwicklung der Herrschaft einer überlegenen Minderheit, die ihre Macht von Göttern übertragen empfand, zu einem Zustand, in dem alle sich als Gleiche empfinden, also von einer vertikalen Herrschaft zu einer Form horizontaler Koordination. Diese Entwicklung wird hier etwas nachgezeichnet.

Staat = Organ'isationsform einer Gesellschaft/Volkes ..

Beo2 @, NRW Witten, Samstag, 11.06.2016, 14:37 vor 3539 Tagen @ Falkenauge 2824 Views

Nietzsche sieht den Staat als das große Lügenmonster, das sich mit dem Volk identifiziert und vorgibt, seine Interessen zu vetreten. Er erhebt sich zum Götzen, der sich über die Menschen stellt und sie für seine mörderischen Ziele verführt und einspannt. Wie wahr.

WER soll das denn sein, der Staat bei Nietzsche, wenn nicht das irgendwie organisierte Volk selbst? Gab es da sonst noch Jemanden .. vielleicht Außerirdische?

Aber man muss es noch konkreter fassen. Der Staat als heute noch immer hierarchische Organisationsform - von der gerne suggeriert wird, der Staat sind wir doch alle - wird in seinen entscheidenden Schaltstellen von einer "Elite", einer Parteienclique beherrscht,

Aha, da kommen wir der Sache schon näher: Das Volk wird also beherrscht von einer kleinen Minderheit, einer selbsternannten Elite, einer Parteienclique (.. vielleicht der neudeutschen SED?), von den Reichsten 5% und ihren politischen Zuträgern (den Schleppern und Bauernfängern), die die Macht im Staat gebündelt und an sich gerissen haben = Machtkonzentration in immer weniger Händen (vgl. parallel dazu Vermögens- und Kapitalkonzentration).

die hinter der Fassade einer formalen Demokratie eine Oligarchie betreibt.

"Formale Demokratie" .. was soll das denn sein? Du meinst wohl: die Fassade einer Scheindemokratie.

Übrigens, das Wort Demokratie bedeutet wörtlich: Bürger- oder Volksherrschaft. Der Prototyp davon, ja sogar von Direkter Demokratie, gab es (abgesehen von den ursprünglichen Stammesgesellschaften) im antiken Griechenland (Region Athen/Attika) in ca. 570-320 v.Chr., mit Unterbrechungen (durch Tyrannei) fast 200 Jahre lang netto! Und, es hat ziemlich gut funktioniert.
Es war die Zeit des Sokrates, des Platon, des Aristoteles, des Xenophon u.a., damals Athener Bürger. DEMOS waren die freien Männer in Athen/Attika, welche Wahlrecht besaßen.

Sie übt Macht über das Volk aus, und Macht ist das, was den Staat zum Monster macht, das sich nur mit Lügen halten kann. Wahre Demokratie ist mit Macht nicht vereinbar.

Ein Machtvakuum kann es im ganzen Universum gar nicht geben; wo denn? Jemand muss doch unvermeidlich mehr oder weniger Macht besitzen; erst recht in einem Staat. Auch in der wilden Natur herrschen verbindliche Gesetze und Macht des Stärkeren .. bei Missachtung droht die Todesstrafe!

Also: Wie wäre es mit einer Dezentralisierung der Macht im Staat durch eine ausgefeilte Direkte Demokratie?

Die Entwicklung des Staates ist eine Entwicklung der Herrschaft einer überlegenen Minderheit, die ihre Macht von Göttern übertragen empfand ....

Ja, das ist zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit "in Mode gekommen" und dauert bis heute an. Es war eine gewalttätige Machtergreifung innerhalb der ursprünglich direkt-demokratischen Stammesgesellschaften .. eine Machtergreifung derjenigen "hinter der Burgmauer" gegen diejenigen "vor der Burgmauer" (und Entstehung der ersten Klassengesellschaften).

Mit Gruß, Beo2

Ich versuch´s mal andersrum....

Balu @, Samstag, 11.06.2016, 17:18 vor 3539 Tagen @ Beo2 2793 Views

Volk
Parlamentarier
Lobbyisten/Interessenverbände
Unternehmen/Feudalreste
Gläubiger

Wer die Macht inne hat, wird sie sich nie entreißen lassen, es sei denn er ist zu doof oder wird ermordet.

Gehe ich zurück zu den Gläubigern, lande ich mit meinem, mir bisher angeeigneten Wissen mindestens bei den Fuggern, Welfen, Hanse-Kaufleuten, also im Spätmittelalter, wo Kaufleute schon mal Fürsten und Königen die Erweiterung deren Macht finanzierten.

Das politisch/ideologische System, welches gerade existiert ist dabei vollkommen egal. Wir wissen inzwischen, dass sowohl Lenin´s Bolschewismus als auch Hitler´s Nationalsozialismus von denselben Geldgebern=Gläubigern finanziert wurden.

Machen wir uns auf die Suche nach den Gläubigern, denen, die ihre wie auch immer erlangten Vermögen immer wieder und wieder einbringen als Wetteinsatz um zu "helfen" und vergessen dabei nicht den Spruch: "Die Bank gewinnt immer".

Denn es war die Hilfe der Fugger, Welfen und anderer, die dem Streben nach Erweiterung der Machtbasis der aktuellen Herrscher zum Erfolg verhalfen. Natürlich ließen sie sich dies hernach "fürstlich" vergüten.

Die Gläubiger sind die (Sekundär)-Quelle allen Ursprungs, sie halten die Schuldtitel in ihren Händen und fordern deren Bedienung. Da wir nahezu alle Gläubiger und Schuldner sind, sind wir Ursache und Wirkung zugleich.

Gruß
Balu

--
Nie wieder CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke.
Die wahren Feinde eines Volkes sind seine Terroristen, die sich als Politiker, Richter, Staatsanwälte, Polizei und Verwaltungsangestellte tarnen. Der Staat als einziger Hort allen Terrors.

Ich habe kein Interesse die Gesellschaft zu verändern...

Hinterbänkler @, Schweiz - tief im Emmental, Samstag, 11.06.2016, 18:48 vor 3539 Tagen @ Falkenauge 3050 Views

Wahre Demokratie ist mit Macht nicht vereinbar. Die Entwicklung des
Staates ist eine Entwicklung der Herrschaft einer überlegenen Minderheit,
die ihre Macht von Göttern übertragen empfand, zu einem Zustand, in dem
alle sich als Gleiche empfinden, also von einer vertikalen Herrschaft zu
einer Form horizontaler Koordination. Diese Entwicklung wird
hier
etwas nachgezeichnet
.

Hallo Falkenauge,

Danke für Deine Antwort.
Ich habe mal den verlinkten Text von Dir in Teilen durchgelesen und zitiere den letzten Absatz:

Man muss sich endlich klar werden, dass diesem sozialpathologischen Wahnsinn nur Einhalt geboten werden kann, wenn die Allmacht des Staates aufgelöst, er auf das reine Rechtsleben beschränkt wird und das Wirtschafts- und Geistesleben in die horizontal koordinierende Selbstverwaltung der dort tätigen sachkundigen Menschen entlassen werden. Die herrschenden Egomanen können nur entmachtet werden, indem ihnen ihr staatliches Machtinstrument aus der Hand genommen wird (vgl. Die Überwucherung). Sonst wird die Selbstzerstörung der Menschheit weiter fortschreiten.

Wie wird denn die Allmacht des Staates aufgelöst?
Wie wird denn der Staat auf das reine Rechtsleben beschränkt?
Wie wird das staatliche Machtinstrument aus der Hand genommen?

Für mich klingt das alles genauso phantasielos wie ein 'Merkel muss weg!'.
Eine weitere politische Forderung eines Ohnmächtigen, mehr nicht.
Mach' doch mal konkrete Umsetzungsstrategien.
Dann wirst Du merken, dass Du Machtinstrumente brauchst um Deine Forderungen durchzusetzen.
Nein danke, so wird das nichts.
Und es interessiert mich als Hinterbänkler und auch als Waldgänger halt zu 100 Prozent überhaupt nicht.
Politische Implikationen sind für mich nur langweilig, da geh' ich lieber in den Wald [[zwinker]]
Ich habe kein Interesse die Gesellschaft zu verändern und habe im Ausgangsposting und in vielen weiteren Postings erläutert warum.
Denn Verändern der Gesellschaft ist per Definition Politik.
Verändern der Gesellschaft ist ohne Ausnahme Machtpolitik.
Und wozu soll ich denn so was machen?
Die Gesellschaft, der Staat wird sich doch komplett selbst auflösen.
Das ist doch das debitistisches 1x1, oder etwa nicht?

Danke und Gruß
Hinterbänkler

--
...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...

Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'

Macht macht untertan

Falkenauge @, Sonntag, 12.06.2016, 12:33 vor 3538 Tagen @ Hinterbänkler 2358 Views

Wie wird denn die Allmacht des Staates aufgelöst?
Wie wird denn der Staat auf das reine Rechtsleben beschränkt?
Wie wird das staatliche Machtinstrument aus der Hand genommen?

Indem Volksvertreter im Parlament entsprechende Gesetze beschließen. Das setzt natürlich voraus, dass solche Leute in das Parlament gewählt werden und dazu in die Form einer Partei schlüpfen müssen, wie es jetzt die AfD versucht, deren Programmpunkte ich z. Teil teile und die zeigen, dass noch eine Veränderung trotz heftigstem Gegenfeuer möglich scheint.

Die Gesellschaft, der Staat wird sich doch komplett selbst auflösen.
Das ist doch das debitistisches 1x1, oder etwa nicht?

Das halte ich für eine romantische Illusion. Der Staat wird sich von selbst nicht auflösen, und die Gesellschaft, wenn es so weiterläuft, in der Selbstzerstörung enden. Die Dinge sind menschengemacht und können und müssen auch durch Menschen verändert werden.

Anstatt sich dem durch innere Weltflucht zu entziehen, werden gerade solche tiefer denkenden Leute wir Du gebraucht.
Schon im klaren Durchschauen und ins Rechte-Denken liegt eine geistige Kraft, die sich durch immer mehr Menschen potenziert.
Vielleicht liest Du den Artikel doch noch zu Ende und noch den daran anschließenden dazu.

Staat und Gesellschaft lösen sich auf

Zarathustra, Sonntag, 12.06.2016, 12:40 vor 3538 Tagen @ Falkenauge 2431 Views

Die Gesellschaft, der Staat wird sich doch komplett selbst auflösen.
Das ist doch das debitistisches 1x1, oder etwa nicht?


Das halte ich für eine romantische Illusion. Der Staat wird sich von
selbst nicht auflösen, und die Gesellschaft, wenn es so weiterläuft, in
der Selbstzerstörung enden.

Eben. Du widersprichst Dir wieder selber. Staat und Gesellschaft sind Synonyme und lösen sich selber auf (zerstören sich selber). Debitistisches Einmaleins.

Staat und Gesellschaft

Falkenauge @, Sonntag, 12.06.2016, 12:50 vor 3538 Tagen @ Zarathustra 2354 Views

Du widersprichst Dir wieder selber. Staat und Gesellschaft sind
Synonyme und lösen sich selber auf (zerstören sich selber).
Debitistisches Einmaleins.

Staat und Gesellschaft sind nur im jetzigen Einheitsstaat nahezu eins, aber nicht vom Begriff her. Durch die Reduktion des Staates auf seine Kernaufgaben würde sichtbar, dass Wirtschaft und Kultur weitere Bereiche der Gesellschaft sind.
Logisches Einmaleins.

verschiedene Einmaleinse

Hinterbänkler @, Schweiz - tief im Emmental, Sonntag, 12.06.2016, 12:59 vor 3538 Tagen @ Falkenauge 2341 Views

Debitistisches Einmaleins.

Staat und Gesellschaft sind nur im jetzigen Einheitsstaat nahezu eins,
aber nicht vom Begriff her. Durch die Reduktion des Staates auf seine
Kernaufgaben würde sichtbar, dass Wirtschaft und Kultur weitere Bereiche
der Gesellschaft sind.
Logisches Einmaleins.

Hallo Falkenaufge

Zumindest der Staatsapparat hat sich schon lange auf seine Kernaufgabe reduziert: Verwaltung des Machtmonopols und seiner Derivate. Damit bestimmt er (das ist was Macht tut) Wirtschaft und Kultur. Also alles ist so, wie es sich im Staat gehört.
Ich sehe keinen Handlungsbedarf.
Hinterbänklerisches 1x1.

Danke und Gruß
Hinterbänkler

--
...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...

Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'

Einmaleins der Fiktion

Zarathustra, Sonntag, 12.06.2016, 15:43 vor 3538 Tagen @ Falkenauge 2308 Views

Du widersprichst Dir wieder selber. Staat und Gesellschaft sind
Synonyme und lösen sich selber auf (zerstören sich selber).
Debitistisches Einmaleins.


Staat und Gesellschaft sind nur im jetzigen Einheitsstaat nahezu eins,

Nein, schon immer.

aber nicht vom Begriff her.
Durch die Reduktion des Staates auf seine
Kernaufgaben würde sichtbar, dass Wirtschaft und Kultur weitere Bereiche
der Gesellschaft sind.
Logisches Einmaleins.

Durch die 'Reduktion' des Löwen auf ein Schaf wäre der Löwe ein Schaf.
Einmaleins der Fiktion.

Und zur sogenannten Kultur:

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=164238

Schaum der Zeit ohne historisches Gewicht

Fidel @, Samstag, 11.06.2016, 09:40 vor 3540 Tagen @ Hinterbänkler 3579 Views

Hallo Hinterbänkler,

dieser Vortrag ist für mich eine ständige Fundgrube und spendet Trost. Ich hoffe auf die angekündigte schriftliche Veröffentlichung.

Der Schluss hat es mir besonders angetan:
https://www.youtube.com/watch?v=7yNWwyTdcz8&feature=youtu.be&t=33m10s

--> Radikaler Individualismus gegen totale Kollektivierung.
Der Waldgänger erkennt das eigentliche Wesen derartigen Menschenzuchtversuche, sie alle waren und sind nicht mehr als Schaum der Zeit. Das gilt auch für das aktuelle leviathanische Gewölk. Die Vorstellung von Menschen als gleiches, gutmeinendes, identitäts- und geschlechtsloses Neutrum, die Lehre von der Selbstvernichtung zum eigenen Wohle, die Toleranzaufmärsche, Facebookgeschlechter und die Absage an die Biologie, der Vaganismus, der One World Gedanke und die vielen, vielen neuen Erbschuldkulte… Das alles ist nicht mehr als Blasenbildung auf einer mehr denn je aufgewülten Zeit. Dementsprechend ist ihr historisches Gewicht, sie haben nämlich keines. Sobald derjenige, der in den Wald geht dies erkennt, beginnt die Selbstbefreiung. Er versteht nun zu unterscheiden zwischen der Geschichte und ihrem hohlblasigen Auswurf, zwischen der Neuauflage eines 1400hundertjährigen Konfliktes und dem kosmischen EIN GOTT DISNEY LAND der Herrschenden…. <--

--------------

Wenn ich nicht gegen das System kämpfe, sollten mir im Leben als Zivilist
keine Nachteile daraus erwachsen.

Ich denke nicht, dass das Zusammenleben in Gemeinschaften oder das
Organisieren von unpolitischen Zusammenkünften als subversiv gewertet
werden wird.

Die Mahnwache war als Angebot gedacht. Genau so verstehe ich auch deine Idee. Dabei warte ich auf das Verbot solcher Freiheiten, weil dann das zwanghafte Wesen der Herrschenden offenbar wird...

Aus Zeitgründen konnte ich bisher nicht das Emmental besuchen, was sich hoffentlich ändert

Herzliche Grüße
Fidel

Danke für diese Perlen!

Wildheuer @, Schurkenstaat im Herzen Europas, Samstag, 11.06.2016, 11:47 vor 3540 Tagen @ Hinterbänkler 3086 Views

Lieber Hinterbänkler,

deine diese Perlen gehören in die Sammlung, auf dass sich auch die Sammlung weiterentwickle.

Verrückt, dass (wie im Falle Nietzsches' "Übermenschen" geschehen) so wichtige Gedanken nicht vor Missverständnis, -griff und -brauch sich schützen und wahren lassen, solches ist eine Tragödie.

Schöner Gruss
vom Wildheuer.

--
Gibt es denn keinen Boden auf dieser absurden Welt? Ich dachte wir wären längst aufgeschlagen. --nereus

Der Weg zum Individuum

nemo, Samstag, 11.06.2016, 12:49 vor 3539 Tagen @ Hinterbänkler 3048 Views

Damit wird der Waldgänger gleichzeitig zum Bewohner zweier Welten.
In der einen Welt unterwirft er sich 100 Prozent der staatlichen Ordnung
und seiner Werte, kauft und verkauft, fährt 50 innerorts, gibt seine
biometrischen Daten für den Pass und kommuniziert über Facebook.
In der anderen Welt bedeutet dies ihm zu 100 Prozent gar nichts.
Weil er gelernt hat, die beiden Welten nach Belieben zu wechseln,
identifiziert er sich eigentlich mit keiner, bzw. weiß, dass die
Identifikation nicht 'real' ist und nach Bedarf beliebig gewechselt werden
kann.
Er weiß, dass das Bewusstsein ihm immer eine Identifikationsmöglichkeit
bereitstellen muss, gleichzeitig weiß er, dass er diese wechseln kann.


Das ist rein theoretisch. Es gibt nur den Weg des klugen Menschen.
Der kluge Mensch ist weder zivilisatorisch sozialisiert noch ein animistischer
Wilder. Der kluge Mensch handelt ausschließlich nach seinen eigenen
Einsichten und nicht nach allgemeinen gesellschaftlichen Vorstellungen.

Der kluge Mensch ist nicht Bewohner zweier Welten, denn es gibt nur
eine Welt – die Welt in der er lebt. Daher kann sich der kluge Mensch
niemandem unterordnen – auch nicht dem Staat, denn der Staat
verlangt unmögliches von ihm, wie z.B. im Kriegsfall andere Leute zu
töten oder sich einer Ideologie zu unterwerfen. Das steht im völligen
Gegensatz zu den Handlungsmaximen, die aus eigenen Erkenntnissen
resultieren.

Der kluge Mensch hat sich ein eigenes Verständnis erworben nach dem
er handelt. Er weiß, dass es nur diesen Weg gibt. Alle anderen Wege
sind für ihn unwürdig. Daher ist er weder ein Zivilist noch ein Wilder –
er ist einfach er selbst und tut das, was er als sinnvoll erachtet.

Der kluge Mensch weiß, dass er von niemandem verlangen kann,
sich seinen Maßstäben unterzuordnen, sondern dass es immer darum
geht, eigene Maßstäbe zu erwerben. Das ist der Sinn der Evolution.
Das Gegenteil davon ist ebenso einleuchtend. Keine eigenen Maßstäbe
zu haben und den Vorstellungen (Maja) anderer zu folgen, bedeutet
zu degenerieren – sein Menschsein zu verlieren und einfach im großen
Strom der Zeit mit zu schwimmen.

Die Bedingung für den klugen Menschen ist, dass er wenigstens eine
Sache wirklich durchdringt und beherrscht. Es ist egal welche Sache.
Der Grund ist, dass wenn er eine Sache wirklich beherrscht, erkennen
kann, dass die Dinge immer nur oberflächlich betrachtet werden und
Menschen meist nur oberflächliche Kenntnisse haben. Das betrifft auch
den Menschen selbst. Der Mensch kennt sich nicht. Und er weiß nicht,
dass er sich nicht kennt.

Der heulende Kojote

Der kluge Mensch kann gesteigert werden

Hinterbänkler @, Schweiz - tief im Emmental, Samstag, 11.06.2016, 19:38 vor 3539 Tagen @ nemo 2741 Views

Es gibt nur den Weg des klugen Menschen.
Der kluge Mensch ist weder zivilisatorisch sozialisiert noch ein
animistischer Wilder.

Nun nemo, was machen wir beide jetzt?

Ich anerkenne, dass Dein kluger Mensch kein animistischer Wilder ist.
Denn ich habe geschrieben: Schließlich ist der Animist der klügere und flexiblere Mensch.
Ich möchte daher jetzt so antworten: OK du redest vom klugen Menschen und ich halt vom klügeren [[zwinker]]
Und: Es gibt von mir aus nur den Weg des klugen Menschen.
Aber: Es gibt auch eine Bewusstseinsmöglichkeit des klügeren Menschen.

Danke und Gruß
Hinterbänkler

--
...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...

Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'

Ich als Zivilist

Nonpopulo @, Samstag, 11.06.2016, 15:08 vor 3539 Tagen @ Hinterbänkler 3032 Views

Hallo Hinterbänkler!

> Wir sind zivilisatorisch sozialisiert, d. h. wir sind 100% Zivilisten.

Genau! Und was weiss schon ein Zivilist! Schon gar einer, der nie Krieg, Hunger und Not gelitten hat? Nichts weiss er. Doch gerade der (und auch ich) philosphiert ständig über den Weltensinn! Warum? Weil er soweit davon entfernt ist!

Einen Monat Hunger zu leiden oder ein Dutzend Menschen sterben zu sehen, und kein Konstrukt des Geistes hätte noch Bestand oder Legitimation. Alles wäre anders. Ich würde sogar behaupten: Das Leben würde erst dann echt.

In diesem Leben aber und beim schöngeistigen Nachsinnen über den Waldgänger, hier scheint mir gar nichts echt, ausser dem Drängen meines Verstandes mitzumischen, mir meine Meinung zu bilden und geistige Klarheit zu schaffen, kurz: Die Affen im Kopf zu füttern.

Doch vielleicht ist der Waldgänger gerade das nicht, wozu er verführt: Ein Philosophierender, ein Erkenntnissucher, ein Enttarner der leviathanischen Vereinnahmung. Vielleicht ist der Waldgänger nur ein Mensch, der ein einfaches, anständiges Leben führen will. Als Animist geboren ist er ein einfacher, anständiger Animist, als Zivilist geboren, ist er ein einfacher, anständiger Zivilist. Er verbiegt sich nicht, um seinem Geist zu gefallen und seinem Ideal nachzueifern. Sein Wald ist die Wildnis in ihm, mit der er lernt, in Freundschaft zu leben, auch in den vielen Momenten, in dem sie ihn quält und ihm seine Grenzen aufzeigt. Schliesslich weiss er, dass sie das Mass der Dinge ist und nicht sein immerwährend falsches und niemals zu überwindendes zivilisatorisches Denken.

> Damit wird der Waldgänger gleichzeitig zum Bewohner zweier Welten.
[quote]In der einen Welt unterwirft er sich 100 Prozent der staatlichen Ordnung
und seiner Werte, kauft und verkauft, fährt 50 innerorts, gibt seine
biometrischen Daten für den Pass und kommuniziert über Facebook.
In der anderen Welt bedeutet dies ihm zu 100 Prozent gar nichts.
Weil er gelernt hat, die beiden Welten nach Belieben zu wechseln,
identifiziert er sich eigentlich mit keiner, bzw. weiß, dass die
Identifikation nicht 'real' ist und nach Bedarf beliebig gewechselt werden
kann.
Er weiß, dass das Bewusstsein ihm immer eine Identifikationsmöglichkeit
bereitstellen muss, gleichzeitig weiß er, dass er diese wechseln kann.
[/quote]

Der Zivilist ist grösstenteils damit beschäftigt, sich Geschichten über sich selbst zu erzählen. Sich selbst zu erzählen er befinde sich in dieser oder jener oder gar keiner Welt, tröstet, motiviert, deprimiert, belustigt oder ärgert ihn, weshalb er sich immer diejenige aussucht, die am besten zu ihm passt. Aber welche er auch immer wählt, die Geschichte bleibt eine Geschichte (natürlich mit den typisch zivilisatorisch-verheerenden Auswirkungen auf die Realität).

Ich glaube der Waldläufer hat aufgehört, sich Geschichten über sich selbst zu erzählen. Er ist was er ist und arrangiert sich damit.

> Der animistische wilde Mensch (Begriff anstelle des Waldgängers) - das
[quote]ist der nicht-zivilisierte - ist Freibeuter.
Er findet, was er braucht.
Er nimmt sich, was er braucht.
Er tötet, wenn er etwas findet, was er braucht (Bakterien, Pflanzen oder
Tiere) und lässt sich töten (durch Bakterien oder Tiere)
Er weiß, dass alle Biomasse wieder zu Biomasse wird.
Jede lebendige Zelle ist Nahrung für andere lebendigen Zellen.
Es geht nicht anders.
Der animistische wilde Mensch liebt und bejaht das Leben und weiß, dass
Leben fortlaufende Transformation ist.
Damit bejaht er, dass kein Ding, Pflanze oder Tier bleiben wird, sondern
sich laufend verändern und letztlich sterben wird.
Der Wandel, die Veränderung ist das Leben und das betet er an.
Er bejaht seinen eigenen Wandlungsprozess, auch den finalen.
Der Zeitpunkt des Sterbens ist ihm nicht wichtig, er kann niemals zur
falschen Zeit kommen.
Er bejaht auch das Schafott - als Ausdruck der aktuellen
Wandlungsmethoden.
[/quote]

Schön herausgearbeitet und formuliert! Irgendwie schade bin ich kein Animist und werde ich auch niemals einer sein. Aber schade ist noch so vieles, dass ich Tag und Nacht mit Bedauern verbringen könnte. Ich bin ein Zivilist, aus einem der zivilisiertesten, hochentwickeltsten Ländern der Welt und mir wurden Eigenschaften verpasst, diese Zivilisation auszuhalten, auch wenn es manchmal schwer ist.

Ich könnte natürlich aus lauter Bewunderung für den Animismus diesen zu meiner Religion, Philosophie oder meinem Orientierungspunkt machen, aber inzwischen weiss ich, es wäre bloss eine Lüge. Denn ich bin ein Zivilist.

> Der animistische Mensch unterstellt sich keiner Sache, um nützlich zu
[quote]sein.
Folglich muss er nichts tun, sondern wählt als Option immer die eigene
Gestaltungslust.
[/quote]

Auf jeden Fall ist er vom Joch befreit, sich seine Nützlichkeit selbst zu suchen. Im Setting, das die Natur vorgibt, ist auch die Nützlichkeit des Einzelnen schon vorgegeben.

> Der animistische Mensch braucht nicht vorsichtig und verschwiegen sein,
[quote]sondern braucht nur seinen Impulsen nachgehen und das gestalten, wozu er
Lust hat.
[/quote]

Mein Impuls ist, meine Antwort jetzt unfertig stehen zu lassen und mich dem EM-Gruppenspiel Schweiz-Albanien zu widmen, auch wenn dies wahrscheinlich nicht genau das ist, was du mit gestalten worauf man Lust hat meinst. Ich bin halt Zivilist. [[zwinker]]

Beste Grüsse Nonpopulo

--
Mich widern alle Ideologien an, egal ob sie von links oder rechts kommen, sie ignorieren die Natur des Menschen. (Claude Cueni, Script Avenue)

Blue Moon Baby

Danke, ich finde leider keinen Zugang zum Sinn Deines Postings. (oT)

Hinterbänkler @, Schweiz - tief im Emmental, Samstag, 11.06.2016, 18:50 vor 3539 Tagen @ Leserzuschrift 2487 Views

- kein Text -

--
...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...

Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'

Sorry, Link hinzugefügt (oT)

Leserzuschrift @, Samstag, 11.06.2016, 19:24 vor 3539 Tagen @ Hinterbänkler 2509 Views

Im Wald der Rue de Rivoli

Hinterbänkler @, Schweiz - tief im Emmental, Samstag, 11.06.2016, 23:28 vor 3539 Tagen @ Leserzuschrift 2769 Views

Ernst Juenger (der Waldgaenger) zu Pferde auf der rue de Rivoli
sieht nicht nach Wald oder "zu Fuß" aus.


Hallo Liebe/r 'aus Suedfrankreich'

Danke für die Antwort, die für mich - wenn ich sie richtig verstehe - meine Idee unterstreicht.

Ich musste den Text von Google übersetzen lassen, da ich kein Französisch kann.
Weil so übersetzt ein Text ungenießbar wird, habe ich ihn nur ansatzweise verstanden.

Es geht Dir - nach Deinem Betreff zu urteilen - wohl um Ernst Jünger als Komplize der Nazis oder von mir aus auch als Nazi.
Das ist natürlich ein beliebter, fast zwangsläufiger Wechsel des Fokus.
Den man beim kleinen Flieger- und Kriegerprinzen Antoine de Saint-Exupéry typischerweise nicht so macht.
Wiederum sagt der Text wohl mehr aus, dass eben Jünger intensivst Krieg, Moral und Nationalsozialismus innerlich bearbeitet hat.

Ernst Jünger und seine persönliche Geschichte ist mir egal.
Hinterbänkler und seine persönliche Geschichte ist Dir egal.
Was den Über-Jünger-Vortrag betraf, ging es mir nur um den Inhalt, wie Du z. B. auch nur den Inhalt meines Beitrags hast und nicht mehr.
Dass ich als Kind die Bibel auswendig lernen und Kirchenlieder singen musste, ändert nichts an meinen geäußerten Gedanken.

Wiederum passt der Nazi-Jünger vielleicht doch ein wenig zu meinem Thema.
Wenn ich mit 50 durchs Dorf zu Dir fahre, beim Einkauf eines Gastgeschenks 19 Prozent Mehrwertsteuer entrichte, am Flughafen meinen biometrischen Pass vorzeige, bin ich eben auch der 'Komplize' des Staates.
Nicht anders, wenn ich gezwungenermaßen bei den Nazis die Hacken zusammenschlage oder bei der Bundeswehr den Lauf des Gewehres putze.
Ich kann natürlich als heutiger Zivilist nicht mehr Komplize des Nazi-Staates sein, aber des Bundesrepublik-Staates.

Der Jünger-Wald ist aber überall, auch auf dem Rücken des Paradepferds.
Es geht mir um die Ich-Identifikation mit dem Zivilisten, bei Jünger mit dem Soldaten.
Es ist möglich auf einem Paradepferd sitzend die Ich-Identifikation zu verlassen und zwischen den Häusern der Rue de Rivoli in den Wald zu gehen.
Es ist möglich - wie Jünger - dabei den Krieg als das Feuer, das das Gold prüft, zu empfinden.
Fasziniert vom Anblick der Häuser, vom Klackern der Pferdehufe, vom Glück, wild...
...und anstelle von Heil Hitler.

Danke und Gruß
Hinterbänkler

--
...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...

Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'

Das Leben ist schön

Hinterbänkler @, Schweiz - tief im Emmental, Sonntag, 12.06.2016, 13:06 vor 3538 Tagen @ Leserzuschrift 2418 Views

Ein fiktives Beispiel für einen Waldspaziergang im Konzentrationslager:

La vita è bella

--
...und es gibt überhaupt gute Gründe dafür, zu mutmassen, daß in einigen Stücken die Götter insgesamt bei uns Menschen in die Schule gehen könnten. Wir Menschen sind - menschlicher ...

Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'

Wir sind 100% Zivilisten?

Silke, Samstag, 11.06.2016, 20:49 vor 3539 Tagen @ Hinterbänkler 2766 Views

Wieder ein schönes Diskussionsangebot lieber Hinterbänkler,

Wir sind 100% Zivilisten?
Das bezweifle ich.

Ich habe immer noch einen Anteil Nichtzivilistin in mir.
Ich wurde nicht als Zivilist geboren, sondern als Mensch.
Rückbesinnung auf die Kindheit mit anderen Kindern erlaubt mir Erinnerung und Ausbau unzivilisierten Verhaltens.
Die Pubertät war auch eine wichtige Chance der Auseinandersetzung mit der Zivilisation.
Wir sind schon auch noch zu gewissen Teilen unzivilisiert [[zwinker]].

Liebe Grüße
Silke

OK, vielleicht hat jeder Mensch seinen Wald

Hinterbänkler @, Schweiz - tief im Emmental, Samstag, 11.06.2016, 22:31 vor 3539 Tagen @ Silke 2723 Views

Wir sind 100% Zivilisten?
Das bezweifle ich.

Ich habe immer noch einen Anteil Nichtzivilistin in mir.
Ich wurde nicht als Zivilist geboren, sondern als Mensch.
Rückbesinnung auf die Kindheit mit anderen Kindern erlaubt mir Erinnerung
und Ausbau unzivilisierten Verhaltens.
Die Pubertät war auch eine wichtige Chance der Auseinandersetzung mit der
Zivilisation.
Wir sind schon auch noch zu gewissen Teilen unzivilisiert [[zwinker]].

Hallo liebe Silke,

danke für Deine gute Antwort.

Ja, als Mensch geboren und dann zivilisatorisch sozialisiert.
Ja, mit der 'Rückbesinnung auf die Kindheit' gehst Du wohl in Deinen Wald.

OK, vielleicht hat jeder Mensch seinen Wald, wo er ab und zu lustwandelt.
Und wir sind vielleicht zu unserem Glück noch nicht zu 100 Prozent Zivilisten.
Ich möchte mich auch nicht als etwas Besonderes hinstellen.
Ich wollte nur einerseits den Zivilisten und andererseits den Waldgänger als zwei sich aufhebende Montagepunktpositionen für meine Bewusstseinsübung mit dem bewussten Identifikationswechsel nehmen.
DAS zu sagen war mir wichtig.
Ist kompliziert ausgedrückt, scheint kompliziert - ist es vielleicht auch [[freude]]


Danke und Gruß
Hinterbänkler

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Friedrich Nietzsche 'Jenseits von Gut und Böse'

Ein Bericht an eine Akademie - Kafka, vom Verlust der Freiheit

Fidel @, Sonntag, 12.06.2016, 10:51 vor 3539 Tagen @ Silke 2518 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 12.06.2016, 10:59

Hallo Silke,

hast du Franz Kafkas "Ein Bericht an eine Akademie" im Theater gesehen?
Wenn die Inszenierung klug ist, erkennt der Zuschauer unsere (zwangsweise) zivilisierte Art.

Kafka ist an der Zivilisation verzweifelt - den Schlüsselsatz habe ich hier verlinkt:
https://www.youtube.com/watch?v=NnmGJIgldDc&feature=youtu.be&t=7m26s

Nachdem der Affe einmal gefangen genommen war und ihm bewußt wurde, dass er seine Freiheit für immer verloren haben würde,
begann er nach der Suche um einen Ausweg.....

Glücklich, wem es gelingt sich zu befreien.

Beste Grüße
Fidel

Einer der wenigen Helden bei Kafka, der nicht verzweifelt ist.

Silke, Sonntag, 12.06.2016, 16:24 vor 3538 Tagen @ Fidel 2247 Views

Lieber Fidel,

hast du Franz Kafkas "Ein Bericht an eine Akademie" im Theater gesehen?

Leider nein, aber gelesen.

Wenn die Inszenierung klug ist, erkennt der Zuschauer unsere
(zwangsweise) zivilisierte Art.

Ich bin ja auch zivilisiert, aber eben nicht zu 100 %.
Diese Möglichkeit hat ja der @Hinterbänkler auch eingeräumt.
Jeder hat seinen eigenen Wald und kann mitentscheiden, wie oft er sich lieber dort aufhält. Wir sind grau und nicht schwarz-weiß.

Wenn ich geduldig und offen mit kleinen Kindern spiele oder mich unvoreingenommen mit Jugendlichen beschäftige oder mit Leuten, die sich lieber am Rande der Gesellschaft bewegen, erlebe ich viel weniger "zivilisiertes" Verhalten als unter Kollegen und Bekannten.
Jeder kann mitentscheiden, mit wem er lieber mehr Zeit verbringen möchte, wie sehr er sich einbinden will in zivilisierten Umgang.

Kafka ist an der Zivilisation verzweifelt - den Schlüsselsatz habe ich
hier verlinkt:
https://www.youtube.com/watch?v=NnmGJIgldDc&feature=youtu.be&t=7m26s

Zweifeln ist, gut, Verzweifeln ist schade.

Nachdem der Affe einmal gefangen genommen war und ihm bewußt wurde, dass
er seine Freiheit für immer verloren haben würde,
begann er nach der Suche um einen Ausweg.....

...wobei er nicht deutlich macht, was denn nun der Ausweg wäre, den er dauern suchen muss.

Glücklich, wem es gelingt sich zu befreien.

"Freedom's just another word for nothin' left to loose..."
Nun von den Bändern der Liebe und der Verantwortung für meine Familie und für viele andere interessante Menschen möchte ich mich eher nicht befreien [[zwinker]].
Auch zivilisierte und wildfremde Menschen können sehr achtsam und geradezu menschlich miteinander umgehen, wenn ich menschlich mit ihnen umgehe (sieht man auch hier in den produktiven Phasen im Forum).

Liebe Grüße
Silke

Wir alle können uns gegenseitig helfen, zum Gelingen des Lebens

Fidel @, Sonntag, 12.06.2016, 17:02 vor 3538 Tagen @ Silke 2267 Views

Hallo Silke,

Auch zivilisierte und wildfremde Menschen können sehr achtsam und geradezu > menschlich miteinander umgehen, wenn ich menschlich mit ihnen umgehe (sieht > man auch hier in den produktiven Phasen im Forum).

danke.

Ein Schlüsseslsatz von posting des Hinterbänklers:

Stimmt, am Eingang zum Tempel in Delphi steht "Erkenne dich selbst."
Nur wenige wissen aber, dass im Inneren des Tempels über der nächsten
Tür steht: "Damit du Gott erkennst."

Wenn man diese beiden Aussagen kombiniert wäre die Konsequenz immer wieder Angebote/Anstöße zur Selbstbefreiung zu machen.

Wir alle können uns gegenseitig helfen, zum Gelingen des Lebens.

(Ich halte es für kulturelles Versagen, dass der dekonstruierte Menschen von 2016 so orientierungslos ist. Die Erkenntnis war schon weiter)

Herzliche Grüße
Fidel

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