Nach Tagen der Schreibenthaltsamkeit (ich war absolut überbelastet), nun auch meinen Senf dazu:
Generell finde ich es gut, dass man sich an der Korrektheit der deutschen Sprache sowie der Grammatik orientiert. Ich sehe keinen Sinn darin, da irgendwelchen Leuten entgegenzukommen, die (1) ihre Birne dafür nicht anstrengen wollen oder (2) denen man nach Merkels Anschauung in jeder Richtung entgegenkommen muss, weil sie ja schon damit Schwierigkeiten haben, von links nach rechts zu schreiben (damit meine ich nicht die hebräische Schriftform).
Zu 1): Derjenige, dessen Kenntnisse dazu nicht ausreichen, was Grammatik betrifft und wo auch kein Wille (oftmals aus Bequemlichkeit) nicht vorhanden ist, das zu verbessern, ist von einer Art Oberflächlichkeit gestrickt, sodass sich auch die Kommentare zu aktuellen Themen in ähnlicher Form darstellen.
Wo ich absolut unschlüssig bin, das ist der Fall des Legasthenikers. Da meine Tochter mit solchen Kindern arbeitet, kenne ich da mehr Einzelheiten und bin mir sehr unsicher, wie man das in so einem Forum handhaben soll.
Zu 2): Jeder, der nicht nur zum Kassieren in Europa aufkreuzt, sondern aus gewissen Sachzwängen oder persönlicher Einstellung sich hier dauerhaft niederlassen will, wird auch ernsthaft daran interessiert sein, hier auf eine bestimmte Linie bei der Sprachverwendung, - einschl. Grammatik - zu kommen. Auch ich lebe in einem mir ursprünglich fremden Land, habe genauso Probleme mit der fremden Grammatik, - aber ich habe eines festgestellt: Nur diejenigen, die echte Freunde sind, verbessern mich. Den anderen geht das am A. vorbei. Aber ich selbst muss auch dafür was tun und Interesse haben.
Ich persönlich mache genauso Fehler bei meinen Kommentaren, oft aus Flüchtigkeit, aber auch aus Unkenntnis der neuen Grammatikregeln. Klar könnte ich es mir einfach machen und die automatische Rechtschreibkorrektur einsetzen. Genau das aber tue ich nicht, um mich nicht zu automatisieren und das Gehirn auszuschalten. Bei meiner gesamten Korrespondenz kommt es durchschnittlich zweimal im Monat vor, dass ich mir die richtige Schreibweise eines Wortes (und oft auch die Begründung dafür)aus dem Internet raushole.
Inwieweit ich diese Rechtschreibreform für das Ei des Kolumbus halten soll, das weiss ich nicht. Einerseits bin ich froh, dass man die Sprache so konzipiert, dass sich die Grammatikregeln an nachvollziehbare Regeln halten und nicht bestimmte Wörter und deren Schreibweise als besondere Ausnahme auswendig zu lernen sind. Aber es soll dabei die Logik und auch der Verstand mitwirken. Inwieweit das bei der Rechtschreibreform zutrifft, kann ich nicht beurteilen.
Ich kann mich noch an eine kontroverse Diskussion in der Ing.Schule in Deutschland erinnern. Die Deutschlehrerin beharrte darauf (das war 1973), dass es kein wechselbezügliches Fürwort mehr gäbe, und die Worte (einander, miteinander, gegeneinander, etc.) passé wären. Ich widersprach ihr ständig, auch mit Argumenten wie diese:
Wie soll ich beurteilen können, wenn "sich zwei Frauen die Haare kämmen", ob nun jede ihr eigenes Haar kämmt oder jeweils das der anderen Frau, zumal beides in der Praxis üblich ist. Wenn es heißt: "Es kämmen zwei Frauen einander die Haare", dann wäre es klar.
Egal, - ich blieb auf meinem Standpunkt und bekam deshalb eine schlechtere Note in Deutsch.
Prinzipiell muss ich anerkennend feststellen, dass es sich beim Gelben um wahrscheinlich das einzige Forum handelt, wo noch auf die Sprache sowie deren Verwendung Wert gelegt wird. Das betrachte ich als Festhalten an kulturellen Traditionen, die ohnehin in vielen anderen Bereichen schon verloren sind.
Die Eigenheit, generell alles klein zu schreiben, betrachte ich nicht als positive Errungenschaft, sondern als einfaches Ausklammern der Lernproblematik in der deutschen Sprache. Dazu kommt, dass man vieles dann erst aus dem Kontext erfahren muss, wenn man hinter den Sinn kommen will.
Beispiel:
Überschrift einer Zeitungsmeldung: ein gefangener floh
Oder eine andere Passage, wenn man auch noch die Problematik der Falschverwendung von Plural-Endungen im Akkusativ oder Dativ miteinbezieht. Wobei man hier auch durch den Kontext nicht draufkommt, was hier wirklich gemeint ist, solange man nicht die richtige Form der Wortendung herausgefunden hat:
(Schüleraufsatz)
es ist winter. es liegt schnee, und es ist kalt draussen. der see im park ist gefroren, die bänke sind leer und vögeln sieht man auch keine mehr.
Abschließend:
Ich persönlich finde es gut, wenn man hier sporadisch diese Problematik so wie mit dem vorgegebenen Beispiel anspricht. Ein oder zwei Punkte waren für mich auch dabei, wo ich wieder was davon profitiert habe.