OT: Suche Pharmakologen (oder entsprechend fitten Arzt) als Ansprechpartner

Gaby @, Montag, 16.05.2016, 15:42 vor 3560 Tagen 4398 Views

Moin gelbe Gemeinde und gelbe Leser,

für mein Buchprojekt komme ich an einigen Stellen mangels spezifischer Ausbidlung nicht weiter bzw. möchte einige Sachen genauer wissen. Dazu brauche ich einen Pharmakologen.

Um eine Idee zu geben: Wer erklärt mir den Unterschied zwischen Acetylhomotaurinat und Taurin? Dass das ein anderes Molekül ist, das ist mir ja klar, so weit geht es noch :-). Nur: Was ist biochemisch gesehen der Unterschied zwischen dem genannten Molekül und der Aminosäure? Was passiert im Stoffwechsel? Was moduliert die Acetylgruppe? Wann und wo wird die ggf. abgespalten?

Davon habe ich noch ein paar Fragen mehr. Wer Zeit und Lust hat, mir als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen, ich wäre super dankbar. Ganz grobe Marschrichtung: Das Thema ist Alkohol/Angst und Aminosäuren bzw. Vitamine.

Kontakt per PN oder via Chef, der ist bestimmt so lieb, und leitet das weiter. Ich melde mich.

Viele Grüße

Gaby

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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci

Vielleicht kann dir der.. da weiterhelfen....

ottoasta @, Montag, 16.05.2016, 17:35 vor 3560 Tagen @ Gaby 3011 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 16.05.2016, 18:07

.........hier der Link:

http://kongress2011.agnp.de/preis.html

Viel Erfolg!

Übrigens, wenn man ein wenig Herrn Google befragt, kommen schöne Ergebnisse!

Otto

--
Solange es Schlachthäuser gibt, wird es Schlachtfelder geben.
Tolstoi

Kleine Erläuterung dank Google (-;

Vanitas, Montag, 16.05.2016, 18:21 vor 3560 Tagen @ Gaby 2681 Views

bearbeitet von Vanitas, Montag, 16.05.2016, 18:30

Hallo Gaby,

ich bin zwar weder Neurologe noch Biochemiker, aber Einiges lässt sich schon im Netz zum Thema Acamprosat vulgo Campral eruieren. Vielleicht hilft's Dir weiter!

Ad Acamprosat

NMDA-Antagonisten und NMDA-Agonisten zur Behandlung von Suchterkrankungen
DE 10120159 A1

http://www.google.dm/patents/DE10120159A1?cl=de&hl=de

Veröffentlichungsnummer DE10120159 A1
Publikationstyp Anmeldung
Anmeldenummer DE2001120159
Veröffentlichungsdatum 31. Okt. 2002
Eingetragen 25. Apr. 2001
Prioritätsdatum 25. Apr. 2001
Auch veröffentlicht unter WO2002085352A1
Erfinder Gerd Bartoszyk, Christoph Seyfried, Helmut Pruecher
Antragsteller Merck Patent Gmbh

......
Man geht inzwischen davon aus, dass das Gehirn durch den Suchtmittelmissbrauch eine Konditionierung erhält. Wird zum Beispiel Alkohol konsumiert, um eine negative Stimmungslage zu überwinden, verfestigt sich dieses Verhalten mit fortgesetztem Missbrauch. Es entwickelt sich eine Abhängigkeit und der Abhängige reagiert regelmäßig auf negative Stim- mungszustände mit der Aufnahme von Ethanol. Ethanol scheint mit verschiedenen Elementen unterschiedlicher Neurotransmitter- Rezeptorsysteme in Wechselwirkung zu treten, wobei diese Wechselwirkungen für einen positiv-verstärkenden Effekt verantwortlich zu sein scheinen. Betroffen zu sein scheinen Neurotransmitter und Rezeptorsysteme wie das γ-Aminobuttersäure (GABA)-, das Glutamat-, und Serotoninsystem, wie auch das System der opium-ähnlichen Peptide, die alle Teile des mesokortikolimbischen Dopaminsystems und dessen Verbindungen zum Nucleus accumbens und zur Amygdala sind. Alkohol greift damit in das Belohnungssystem des Gehirns ein. Bei fortwährendem Missbrauch werden sich selbst verstärkende Anpassungsphänomene beobachtet. Der Alkoholabhängige benötigt immer größere Dosen der Droge, um sich "normal" zu fühlen (s. George F. Koob et al., Science 278, 1997, 52-58). Diese Adaptionen bleiben auch nach der körperlichen Entgiftung erhalten. Damit zeigt der Patient Verhaltensmuster, die durch die Störung des Belohnungssystems des Gehirns verursacht werden. Erfährt der Patient nach dem körperlichen Entzug eine negative Stimmungslage, verspürt er als Reaktion ein Verlangen nach Alkohol, um durch die Alkoholaufnahme das Stimmungstief zu kompensieren. In derartigen Situationen unterliegt er also einem hohen Rückfallrisiko.

Man hat nun versucht, diesen Missbrauchskreislauf, der seine Ursache in biochemischen Vorgängen im Gehirn hat, durch Gabe von Medikamenten zu unterbrechen, also das Verlangen nach Alkohol bzw. einem anderen Suchtmittel als Reaktion auf negative Stimmungszustände medikativ zu unterdrücken.

Als aussichtsreiche Ansätze für die Behandlung der Alkoholabhängigkeit wird die Gabe von Naltrexone, das vor allem in den USA eingesetzt wird, sowie die Gabe von Acamprosat, das als Wirkstoff Kalzium-Acetyl- Homotaurinat enthält, angesehen. Daneben werden noch weitere medikamentöse Therapieansätze verfolgt, die jedoch bisher zu keinen deutlichen Erfolgen geführt haben.

Naltrexon ist ein Opioidrezeptorantagonist. In klinischen Studien konnte eine niedrigere Rückfallquote bei Patienten nachgewiesen werden, die Naltrexon erhalten hatten (O'Brian et al., Alcohol, 13, 1996, 35-39). Naltrexon ist in den USA zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit zuge- lassen.

Ein weiterer therapeutischer Ansatz, der vor allem in europäischen Ländern verfolgt wird, besteht in der Gabe von Acamprosat, das als Wirkstoff Kalzium-Acetylhomotaurinat enthält. Man nimmt an, dass Acamprosat über das glutamatergische System wirkt, wobei der genaue Wirkungsme- chanismus jedoch unbekannt ist. Acamprosat verringert in vitro die post- synaptische Wirksamkeit exzitatorischer Aminosäure-Neurotransmitter und die neuronale Erregung im Neocortex der Ratte. Acamprosat beeinflusst die Flüssigkeits- oder Nahrungsaufnahme nicht. Weiter verstärkt es die akute oder chronische toxische Wirkung von Ethanol nicht und zeigt keine hypnotische, antidepressive, anxiolytische oder muskelrelaxierende Wirkung im Tierversuch. In klinischen Studien betrug die Abstinenzrate bei Gabe von Acamprosat nach 6 bzw. 12 Monaten 35 bzw. 33% gegenüber 25 bzw. 21% bei einer Kontrollgruppe, die lediglich Placebos erhalten hatte. Man nimmt an, dass Acamprosat antagonistisch auf die Aktivität exzitatorischer Aminosäuren, insbesondere auf die Aktivität von Glutamat gegenüber NMDA-Rezeptoren wirkt und den Fluss von Calciumionen durch spannungsgesteuerte Kanäle beeinflusst. Ein Überblick über das pharmakologische und klinische Potential von Acamprosat bei der Behandlung von Alkoholabhängigkeit ist beispielsweise in M. I. Wilde, A. J. Wagstaff, Drugs, 53, 1997, 1038-1053 gegeben.


Acamprosat

N-Acetylhomotaurin

C5H11NO4S

https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/71158


Calcium-Acamprosat

= Calcium-Acetylhomotaurinat

= Campral

https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/155434#section=Top


17.07.14: Campral (Acamprosat): Eine experimentelle Studie (R. Spanagel; Neuropsychopharmacology (2014) 39, 783–791) über die Wirksamkeit von Acamprosat (Campral) kommt zum Schluss, dass das darin enthaltende Molekül N-Acetylhomotaurinat selber biologisch unwirksam ist. Der in 450 Studien nachgewiesene Effekt ist wahrscheinlich durch den Zusatz von Calcium erklärt.
https://www.fosumos.ch/fosumos/index.php/de/d

https://www.zi-mannheim.de/fileadmin/user_upload/downloads/institut/KuM-PM_2011/111007_...

https://books.google.de/books?id=RBOpBgAAQBAJ&pg=PA174&lpg=PA174&dq=Acetylh...

https://de.wikipedia.org/wiki/Acamprosat


Acamprosat s, Calcium-N-Acetylhomotaurinat, E acamprosate, HO3S-(CH2)3-NHC2H5, Abkömmling der Homotaurinsäure, der als Medikament zur Behandlung von Alkoholkranken (Alkoholismus), vor allem zur Milderung der Entzugserscheinungen, eingesetzt wird ( siehe Zusatzinfo ). Strukturell ist Acamprosat der γ-Aminobuttersäure (GABA) ähnlich und fördert die GABAerge Neurotransmission. Zusätzlich antagonisiert es indirekt den excitatorischen Neurotransmitter Glutaminsäure. Im Gegensatz zu anderen Substanzen wie Disulfiram wird durch Acamprosat die Alkoholwirkung nicht nach dem Aversionsprinzip (Aversion) verstärkt. Acamprosat vermindert die beim Alkoholentzug auftretenden Unruhe- und Spannungszustände, verursacht im Gegensatz zu den Benzodiazepinen jedoch keine Müdigkeitserscheinungen.

Die Wirkung von Acamprosat in der Rückfallprophylaxe bei Alkoholkranken ist moderat, aber in klinischen Studien nachweisbar. In einer einjährigen Doppelblindstudie lag die Zeitdauer bis zum ersten Alkoholrückfall unter Acamprosat durchschnittlich bei 165 Tagen, dagegen unter Placebo bei 112 Tagen. Nach einem Jahr waren noch 22% der Acamprosat- und 12% der Placebo-Patienten alkoholabstinent.
Copyright 2000 Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg

http://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/acamprosat/62



Taurin

2-Aminoethansulfonsäure

C2H7NO3S

https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/1123#section=Top


Noch schnell mein Senf dazu:

N-Acetylhomotaurin hat also eine CH2-Gruppe mehr im Sulfonsäureanteil(=Propansulfonsäure) als Taurin und noch dazu die Acetylgruppe, die die Aminogruppe formal zu einer Peptidgruppe aufboostet. Das Letztere könnte durch Kondensation der Aminogruppe mit Essigsäure erfolgen, bin mir da aber nicht sicher, da wohl primär Ammoniumsalze der Aminopropansulfonsäure gebildet werden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Taurin

Zum Metabolismus von Taurin rspkt. Acamprosat gibt's auch noch gute Hinweise im Netz, aber das würde hier jetzt zu weit führen ...


Gruß Vanitas

Link funzt nicht .. (oT)

Gaby @, Montag, 16.05.2016, 22:19 vor 3560 Tagen @ Griba 1853 Views

- kein Text -

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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci

Aktueller Link und Info

Reffke @, Dienstag, 17.05.2016, 03:27 vor 3560 Tagen @ Gaby 2001 Views

Hallo Gaby,

Hoffentlich ist das weiterführend...
https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/alkoholismus-molekulare-g...

Kontakt:
https://www.zi-mannheim.de/forschung/personen/person/26.html

MfG, Reffke

--
Die Lüge ist wahrer als die Wahrheit, weil die Wahrheit so verlogen ist. André Heller
------------------------------
==> Fundgrube zur Lage: www.paulcraigroberts.org

Hoffentlich funktioniert der hier:

Griba @, Dunkeldeutschland, Dienstag, 17.05.2016, 14:36 vor 3559 Tagen @ Gaby 1677 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 17.05.2016, 14:40

Preis für die Aufklärung des molekularen Wirkmechanismus bei der medikamentösen Behandlung der Alkoholabhängigkeit

Kernaussage:
Aktuelle Folgeexperimente zeigten nun überraschenderweise, dass das eigentliche Wirkmolekül Acetylhomotaurinat wirkungslos ist. Stattdessen sind für die Antirückfallwirkung ausschließlich Calciumionen verantwortlich! In weiteren Untersuchungen soll nun geklärt werden, inwieweit eine Calciumtherapie verhaltensaktiv ist und pathophysiologische Mechanismen beeinflusst.

Korrektur der Korrektur:
Das PDF scheint nur noch im Google-Cache zu finden zu sein

--
Beste Grüße

GRIBA

Danke an alle, aber die Recherchearbeit habe ich gar nicht gemeint

Gaby @, Dienstag, 17.05.2016, 07:17 vor 3560 Tagen @ Gaby 2195 Views

Danke noch mal für die Tipps und Links. Aber das, was da drin steht, das weiss ich alles, das habe ich auch schon gefunden und auch tw. kritisch hinterfragt.

Um was es mir ging war, ob hier vielleicht wirklich ein Leser sich persönlich mit diesen Dingen auskennt und mir Rat geben könnte. Denn da das tw. noch ein nicht ganz erforschtes Gebiet ist (und auch tw. heftige Interessen von BigPharma/Big Business mit mischen) ist durchaus zu erwarten, dass nicht jeder gleich ganz offen mit einer Journalistin spricht, die er gar nicht kennt.

Ich kenne das von anderen Büchern, die ich tw. schon vor Jahren gemacht habe - geändert hat sich nicht viel. Was ich meine ist: Ich suche so eine Art Info-Mentor, der hier mit liest, "mich" vielleicht schon länger "kennt" und man dies als eine Art Basis nehmen könnte. Vertrauensbildende Maßnahme, so zusagen. Denn wie gesagt: Zum Hörer zu greifen und einen Prof anzurufen, von dem man im Web was gefunden hat, ist tw. schwer.

Danke aber trotzdem noch mal an alle!

Gaby

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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci

Versuch einer Antwort

Diego2 @, Mittwoch, 18.05.2016, 21:35 vor 3558 Tagen @ Gaby 1636 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 19.05.2016, 12:58

Hallo Gaby, was willst Du genau wissen? Mir ist die Fragestellung nicht ganz klar bzw. ich weiss nicht genau, worauf Du eigentlich hinaus willst. Möglicherweise ist die Antwort recht trivial oder auch sehr kompliziert.

Taurin ist als Aminosäure nicht patentiert und daher für die Industrie unbrauchbar, obwohl für bestimmte Indikationen evtl. wirksam. Homotaurin ist kein natürlicher Körperbestandteil, es entsteht aus Taurin durch ein zusätzliches Kohlenstoffatom. Es ist vor einigen Jahrzehnten entdeckt und patentiert worden. Man wollte ursprünglich eine Behandlung für Alzheimer finden. Es war diesbezüglich unwirksam. L-Aminosäuren sind Säuren und schmecken oft bitter. Man verwendet sie daher lieber in Salzform (Taurinat- oder Homotaurinat), was die Compliance verbessern kann/soll. Dann muss man es aber mit einer Base verbinden oder modifizieren.

Eine Acetylierung von Aminosäuren bewirkt oft eine Verbesserung der Aufnahme im ZNS (acytelierte AS überwinden die Bluthirnschranke besser). Bei entsprechenden Indikationen somit sinnvoll. So kommt man von Taurin zu Acetylhomotaurinat. Acetylhomotaurinat ist ein schwacher Antagonist / Blocker des NMDA Rezeptors, welcher erregende Impulse im ZNS weiterleitet. Somit ist es nicht weit, zumindest an entsprechende Einsatzgebiete und Indikationen mit ZNS Übererregbarkeit (z.B. neurologisch Epilepsie, psychiatrische Erregungszustände wie bei Alkoholentzug) zu denken. (Dh. jetzt aber noch lange nicht, dass es bei diesen Indikationen wirken muss. Ich habe nicht geprüft, bei welchen Indikationen entsprechende Studien durchgeführt worden sind).

Ich hoffe, dass dies ein wenig hilfreich war. Ansonsten findet sich sicher entsprechende Kollegen. Ggf. Kontakt über PN.

Freundliche Grüsse Diego

Mehr zum Taurinstoffwechsel hier : http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3816653/pdf/pharmaceuticals-05-01128.pdf

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