Agrarindustrie – die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft

Ostfriese @, Freitag, 06.05.2016, 13:24 vor 3572 Tagen 6769 Views

In Ergänzung zu

Da ich auf einem Bauernhof groß geworden bin, könnte ich auch über die gegenwärtige Entwicklung hin zur industriellen Landwirtschaft – dem heutigen großen Bauernlegen in Westdeutschland – berichten. Ostdeutschland hat das ja schon seit Jahrhunderten nach einigen Wechseln von Groß- und Kleinbetrieben hinter sich. Zehn kleinbäuerliche Milchvieh-Betriebe verlieren täglich ihren Bestand in Deutschland – wegen der Logik des debitistischen Ablaufes kann ich das verstehen!

aus meinem Beitrag „Gut Ding will Weile haben.“ möchte ich auf den Bericht aus der ZDF-heute Sendung vom 03.05.2016 über die sinkenden Milchpreise hinweisen – die Discounter reduzieren gerade die Preise um mehr als 20%. Die Dokumentation zeigt das gegenwärtige große Bauernlegen in Westdeutschland an dem Beispiel
– eines Hofes aus dem Hegau, der offensichtlich mit einer Besenwirtschaft und einer Biogasanlage erfolgreich diversifiziert und überleben kann.
– eines Hofes aus dem Limpurger Land, der am Ende – auch wegen technischer Überalterung – aufgegeben wird und mit dem bäuerlichen überlieferten Selbstverständnis: “Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“, brechen muss.
– eines industriellen Agrarunternehmers von der Eifel mit 800 Tieren und mehr als 300 Milchkühen. Am Ende wirkt der Unternehmer angesichts der hohen Verschuldung auch sehr ängstlich und nachdenklich.
– der knallharten Verhandlungen um die Preise zwischen der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Milchland Baden Württemberg und dem industriellen Verarbeiter der Milch Zott unter Moderation eines Beraters und Coachs von der Bayern MEG – zuletzt geht es nur noch um die 3.Nachkommastelle im Cent-Bereich.

Die Verwendung von Futtermitteln aus weltweiten Importen und der Einsatz von Melkrobotern erzwingen dann auch die ganzjährige Stallhaltung, um die Leistung der Herdentiere mit allen Konsequenzen „auszufüttern“. Bei vielleicht einer zukünftigen durchschnittlichen Herdenzahl von 500 Milchkühen reichen in Schleswig-Holstein 800 Betriebe.

Wir sehen die Zukunft der Landwirtschaft – Wahnsinn!

Es ist schon bemerkenswert, wie es dem Imperium mit seinen Beraternetzwerken und seinen Schuldenverwaltern dann gelingt wird, den verpfändeten Grund und Boden der bäuerlichen Insolvenzler zu übernehmen, um die Wirtschafts- und Haftungsräume zu erweitern und weitere Macht durch neue finanzielle Abhängigkeiten auszuüben. Der Ausverkauf von Wald und Flur an amerikanisch-britisch-niederländische Anlagegesellschaften ist in Ostdeutschland und vor allem in Polen schon sehr viel weiter fortgeschritten. Die ungarische Situation ist anders. Nach der Wende haben insbesondere österreichische Bauern Nutzungsrechte (Nießbrauchrechte) an landwirtschaftlichen Flächen erworben, was im Laufe der Jahre immer restriktiver gehandhabt und rückgängig gemacht wurde. Orban sprach von „Diebstahl“ und Ausverkauf.

Diese Entwicklungen verlaufen unabhängig von TTIP – der Vertrag wird alles nur noch beschleunigen. Phoenix5 hat es formuliert: „Und über allem schwebt der Debitismus, der seine Zyklen abspult, egal welche Tricks die Politik anwendet.“

Ich denke, dass es viel Raum und Zeit zur individuellen Erholung, Ruhe, Entspannung und Gelassenheit bedarf, um den unvermeidbaren gewaltsamen Zwang des debitistischen Ablaufes – einerseits die Schulden als Instrument des Machterhalts und andererseits das Geld als zuckersüße Verlockung – mit seiner desillusionierenden Aussichtslosigkeit einer Handlungsanweisung – jenseits einer bedingungslosen Akzeptanz des Bankrotts – zu ertragen.

Kleinbäuerliche Landwirtschaft in Apulien Süditalien

modesto, Samstag, 07.05.2016, 09:04 vor 3571 Tagen @ Ostfriese 3987 Views

bearbeitet von modesto, Samstag, 07.05.2016, 09:37

Guten Morgen Ostfriese,

im Gegensatz dazu erscheint bei uns im Süden die Landwirtschaft geradezu vorsintflutlich.
Fast jede Familie hat ein kleines Stück Land vor den Toren des Ortes.
Das geht bei ca. 2000m² los bis zu 2-3 Hektar.
Wobei diese zwecks Verkauf auch schonmal geteilt werden, denn ab 5.000m² darf man im Außenbereich bauen.
So bringt ein Teilverkauf Geld in die Kasse und der Rest wird genutzt für Oliven, etwas Wein, Obst und Gemüse.

Diese Erzeugnisse werden von der Familie verbraucht und der Überschuss meist am Straßenrand verkauft.

Was man bei uns am Stiefelabsatz überhaupt nicht sieht, sind große Monokulturen, riesige Maschinen und auch ein Silo habe ich noch nicht entdeckt. Durch die Trockenheit ist größere Viehhaltung nicht machbar ohne teure Bewässerung.
Damit entfällt auch die Belastung von Boden und Grundwasser durch die Gülle, welche immer unkontrollierter ausgebracht wird.
Nur die Schäfer treiben die genügsamen Ziegen und Schafe durch die Gegend, unausgesprochenes Gesetz: Wo nicht eingezäunt und sichtbar angepflanzt ist, darf der Schäfer seine kleine Herde drübertreiben, damit sie fressen.

Es ist auch keine Veränderung absehbar.
Denn, so freundlich und offen der Pugliese gegenüber (euopäischen) Fremden ist, so uneins ist er unter sich.
Hier 3 Leute zusammenzubekommen, um eine staatlich geförderte Cooperative zu gründen, ist fast unmöglich.
Jeder hat seinen eigenen Kopp und mit dem geht er lieber durch die Wand, als sich mit anderen zusammentzutun, um einen Betrieb aufzumachen.
Jeder "puddelt" vor sich hin und statt mehr Geld genießt man lieber die Sonne und das Meer.

Investoren gibts auch hier, sie kaufen gern Land auf, aber es sind immer nur Einzelstücke zwecks Umrubelung in Realwerte und vor allem Hausbau, das lohnt sich an der sauberen ionischen Küste vor allem für die Vermietung an Touristen.

Die Kommunen haben jeweils eigene Gesetze geschaffen, was die Bebauung betrifft.
Beispiel:
Ab 5.000m² darf man ein Haus bauen - Index 1% + Lagerraum.
So kommt man auf ca. 75m² Haus.

Bedenkt man, dass diese 5.000m² für ca. 30.000 Euro zu haben sind, ist es nicht verwunderlich, dass sich Investoren tummeln.

Die Region Apulien, für andere kann ich nicht sprechen, hat auch auf diese Flächen im Außenbereich die Grunderwerbssteuer so erhöht, dass es für viele uninteressant ist, riesige Flächen zu erwerben.

Beispiel:
(offizieller) Verkaufspreis für 4.000m² - 8.000€
Kosten für Notar und Grunderwerbsteuer - 2.500€

Der Gesamtpreis ist damit immer noch spottbillig, aber die Grunderwerbssteuer steigt prozentual ab einem (offiziellen) Kaufpreis von über 8.000€ sprunghaft an.

Wenn ich in die alte Heimat nach D. fahre, sehe ich jedoch - je weiter ich in den Norden Italiens komme, vermehrt riesige Flächen mit Monokulturen, die von großen Maschinen bearbeitet werden.

Insgesamt schätze ich unsere Gegend an der ionischen Küste so ein, dass sie weiterhin für große Investoren uninteressant ist und (noch) ein Eldorado für kleine Investoren. Sei es, um seine Euros in reale Werte wie nicht ausgelaugten Boden und Trinkwasser (Tiefbrunnen) umzuwandeln oder in Stein zu stecken, um die sehr guten Mieteinnahmen in der Saison mitzunehmen.

Für alles andere fehlt einfach die Infrastruktur, die Fläche und die Verschuldung der Bevölkerung, welche Papierwerte meiden wie der Teufel das Weihwasser und an ihrem Grund und Boden hängen.

Ein angenehmes Wochehende wünscht
modesto

Interessanterweise war schon vor 1800 Jahren so etwas wie ein Hang zu "LPGs" zu sehen. (mB)

DT @, Samstag, 07.05.2016, 11:26 vor 3571 Tagen @ Ostfriese 3702 Views

[image]

Zu Römerzeiten waren Gegenden mit gutem Lößboden wie die Wetterau oder die Vorderpfalz mit Villae Rusticae (großen Landgütern) übersät, die zT. bis oder über 100 ha Grundfläche hatten. Diese Größe wurde erst als Durchschnittswert wieder um das Jahr 2000 herum erreicht. Selbst in den 1980er Jahren waren die Durchschnittsgrößen der landwirtschaftlichen Betriebe in der Pfalz im Bereich von 20 ha.

Die Größen dieser Villae Rusticae und ihre Repräsentanz sind beeindruckend. Die frühen Besatzer-Oligarchen, sozusagen:

[image]

Auch noch heute zu sehen:
[image]

Wahrscheinlich beginnen die Grundmauern nur wenige 10 cm unter dem Boden.

In Hechingen ist so eine Villa Rustica einmal nachgebaut:

[image]

Noch heute kann man im Norden Englands, in der Gegend westlich von Newcastle, in Yorkshire und nahe der Dales, eine solche Güterstruktur, die sich unwesentlich von der römischen unterscheidet, vorfinden.

Interessanterweise wurden im Napa Valley solche Strukturen geschaffen für die Weingüter, und die Größen der dortigen Gutshäuser entsprechen ziemlich genau römischen Villae Rusticae mit 75 oder 100 m Frontgröße.

[image]
Domaine Carneros

Mit dem kleinen Unterschied

Mephistopheles @, Datschiburg, Samstag, 07.05.2016, 13:38 vor 3571 Tagen @ DT 3329 Views

[image]

Zu Römerzeiten waren Gegenden mit gutem Lößboden wie die Wetterau oder
die Vorderpfalz mit Villae Rusticae (großen Landgütern) übersät, die
zT. bis oder über 100 ha Grundfläche hatten. Diese Größe wurde erst als
Durchschnittswert wieder um das Jahr 2000 herum erreicht. Selbst in den
1980er Jahren waren die Durchschnittsgrößen der landwirtschaftlichen
Betriebe in der Pfalz im Bereich von 20 ha.

Die Größen dieser Villae Rusticae und ihre Repräsentanz sind
beeindruckend.

Damals benötigte man zur Bewirtschaftung eines solchen Gutes etwa 100 - 150 Vollzeitarbeitskräfte, die alle in der Villa Rustica unterkommen mussten. Daher die Größe. Der Einzelne hatte nicht mehr Raum als ein kleines Zimmerchen. Dazu noch eine Menge Tagelöhner (Erntehelfer), die nur saisonal beschäftigt wurden.

Heute benötigt man 1 Vollzeitkraft + 1 Teilzeitkraft + paar Erntehelfer.

Die Villae Rusticae wurden im 3. + 4. Jhd. wegen des Flüchtlingsstroms von Allemannen und Franken, in Ostrom die gotischen Flüchtlinge, weitgehend aufgegeben, weil sie sich nicht mehr sicher bewirschaften ließen.

Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

Erweiternd zum Thema

Waldläufer @, Sonntag, 08.05.2016, 08:04 vor 3570 Tagen @ Ostfriese 2802 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 08.05.2016, 13:40

Buch: Der kritische Agrarbericht 2015
Z.B. hier: http://www.ebay.de/itm/MANUEL-SCHNEIDER-LANDWIRTSCHAFT-DER-KRITISCHE-AGRARBERICHT-2015-...

Beschreibung: Die bäuerliche Landwirtschaft erlebt gerade eine Renaissance - rhetorisch zumindest. Die Vereinten Nationen riefen für 2014 ein "Internationales Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft" aus. Auch jenseits der landwirtschaftlichen Kreise ist neuerdings viel von Bäuerlichkeit die Rede. Die urban geprägte Gesellschaft entwickelt eine große Sehnsucht nach dem Ländlichen. Magazine, die die Landlust bereits im Titel tragen, erreichen immense Auflagenhöhen. Sie vermarkten ein Bild von den "schönen Seiten des Landlebens", das mit der Realität zwar wenig zu tun hat, wohl aber die Erwartungen der Gesellschaft an das Leben und Wirtschaften auf dem Land deutlich macht. Meist sind es genau die Bilder einer traditionell-bäuerlich geprägten Landwirtschaft, die auch von der Agrarindustrie für ihre Werbezwecke noch benötigt werden - ansonsten aber von der gleichen Industrie als "nicht zukunftsfähig" diskreditiert werden. Der diesjährige Schwerpunkt: "Agrarindustrie und Bäuerlichkeit" zeigt die Pole auf, zwischen denen der politische Diskurs verläuft. Um Weichenstellungen zwischen diesen Polen wird es auch 2015 in den anstehenden Debatten in Berlin und Brüssel gehen: EU-Agrarreform, TTIP, nationale Anbauverbote für gentechnisch veränderte Pflanzen und die Novellierung der Düngeverordnung in Deutschland sind nur vier der zentralen agrarpolitischen Themen, die wir im Bericht behandeln. Die Frage der Abgrenzung von Agrarindustrie zu bäuerlichen Betrieben wird in verschiedenen Beiträgen diskutiert. Vielleicht entscheidet sich das Bäuerliche ja auch weniger an der Frage der Betriebsgröße oder der Rechtsform als vielmehr an einer wertebezogenen Grundentscheidung? Sollte man sich nicht bewusst zu machen, dass Landwirtschaft sich im Kern von industriellen Prozessen unterscheidet? So versucht der diesjährige Kritische Agrarbericht neben den aktuellen politisch drängenden Fragen auch Anregungen zu geben, für ein vertieftes Nachdenken über Landwirtschaft und die Grundlagen unseres Lebens.

--
Ich mag das Wort schützen nicht. Es erinnert mich so an Schützengraben und an Schutzgeld.
(sinngemäß, geklaut von M. Burchardt)

Nur wenige wissen, wie viel man wissen muss, um zu wissen, wie wenig man weiß.
-Werner Heisenberg

… und mit einem großen Unterschied

Ostfriese @, Sonntag, 08.05.2016, 08:37 vor 3570 Tagen @ Mephistopheles 2844 Views

Hallo Mephistopheles,

die geringe Anzahl


Heute benötigt man 1 Vollzeitkraft + 1 Teilzeitkraft + paar Erntehelfer.

der Beschäftigten in der heutigen Landwirtschaft ist ohne die Technisierung – (AMS oder „Von der Sense bis zum Mähdrescher – Giganten im Kornfeld“ Teil 1 und Teil 2) nicht denkbar.

Die Vorstellung von Wirtschaftssektoren – zu welchem Sektor gehören eigentlich die Beschäftigten der Landmaschinenindustrie? – sollte durch die Betrachtung des Machtkreislaufes ersetzt werden, der von einer immer größer werdenden Komplexität und Ausdifferenziertheit bei gleichzeitig zunehmender Instabilität der zugrundeliegenden Verschuldung (Kontraktion der Laufzeiten) geprägt ist.


Gruß Mephistopheles

Gruß zurück

Ostfriese

Klingt gut, aber verstehen tue es ich ehrlich gesagt nicht..

J. v. Liebig @, Sonntag, 08.05.2016, 11:23 vor 3570 Tagen @ Ostfriese 2588 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 08.05.2016, 13:47

Hallo Ostfriese,

AMS würde ich mit Agrar Management Systems übersetzen.
Und ja, die landwirtschaftliche Produktion wird von hochkomplexer Industrie auf hohem Niveau begleitet. Dieses macht Sie effizient und gleichzeitig fragil. Die tragenden Säulen dabei sind über Generationen vertikal übermittelte Lebenserfahrungen, und zwar sowohl auf dem Acker wie auch in der begleitenden Industrie. Gerade die Landtechniker sind heute mehr denn je ein essentieller Baustein in der Produktionskette.

Gruß v.L.

Die Landwirte glaubten eben, Land genüge und das Wirtschaften könnten sie sich sparen. Das war ein Fehler, wie sich nun zeigt

Mephistopheles @, Datschiburg, Sonntag, 08.05.2016, 13:38 vor 3570 Tagen @ Ostfriese 2844 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 08.05.2016, 13:45

In Ergänzung zu

Da ich auf einem Bauernhof groß geworden bin, könnte ich auch über
die gegenwärtige Entwicklung hin zur industriellen Landwirtschaft – dem
heutigen großen Bauernlegen in Westdeutschland – berichten.
Ostdeutschland hat das ja schon seit Jahrhunderten nach einigen Wechseln
von Groß- und Kleinbetrieben hinter sich. Zehn kleinbäuerliche
Milchvieh-Betriebe verlieren täglich ihren Bestand in Deutschland –
wegen der Logik des debitistischen Ablaufes kann ich das verstehen!

Den Rest erspar ich mir. Er trieft nur von Larmoyanz, ohne die selbstverantworteten Fehler zu erkennen.

Wer die Kontrolle über den Vertrieb seiner Produkte bis zum Endverbraucher aufgibt, ist eben kein Unternehmer, sondern Produzent und damit in keiner anderen Position als jeder angestellte Arbeiter. Allerdings dachten die Landwirte, die meinten, sie könnten sich wie die Barone früherer Zeiten das Wirtschaften sparen, zusätzlich noch, sie seien besonders schlau, wenn sie sich außerdem noch die Sozialabgaben sparen, die jeder Arbeiter aufbringen muss.

Der Aufbau eines Vertriebs bis zum Endkunden ist aber mühsam, langwierig, zeitintensiv und erfordert sehr viel Findigkeit. Welcher Landwirt es aber geschafft hat, seine Produkte direkt an die Endkunden zu verkaufen, die höre ich nicht jammern.

Ich bin der Überzeugung, dass selbst heute noch ein Bauernhof, der seine Produkte direkt an Endkunden vertreibt, mit 20 ha oder weniger ein auskömmliches Einkommen erzielen kann, allerdings ist es da mit einer Arbeitskraft bei weitem nicht getan. Mitarbeitender Ehepartner und nach Möglichkeit noch helfende Kinder sind erforderlich, ohne geht es nicht.


Gruß Mephistopheles

PS: Wieso erzwingt eine Melkmaschine eigentlich Stallhaltung?

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

von Italienern lernen

aliter @, Montag, 09.05.2016, 12:22 vor 3569 Tagen @ modesto 2346 Views

Für alles andere fehlt einfach die Infrastruktur, die Fläche und die
Verschuldung der Bevölkerung, welche Papierwerte meiden wie der Teufel das
Weihwasser und an ihrem Grund und Boden hängen.

Wie ist denn die Vorsorge der Italienern im Ggs. zu den Deutschen? Um es in Erinnerung zu rufen, so ist der genuine Deutsch zuallererst sicherheitsbewusst. Seit DM-Zeiten war das Sparbuch das Mass aller Dinge, vielleicht modifiziert als Festgeld, als Versicherung etc. Jedenfalls hatte der Deutsche die Sicherheit, es wird zwar nicht viel mehr aber es schwindet nicht wie z.B. die "Volksaktie Telekom" etc.
Hingegen lebten die romanischen Völker schon immer mit der finanziellen Unsicherheit.
Da fanden Währungsreformen in Frankreich statt (mir wurde vor vielen Jahren auf dem Pariser Flohmarkt eine Taschenuhr zu einem hohen Preis angeboten, bis ich darauf kam, dass es "alte Francs" waren), die italienische Lira verfiel beim Zusehen.

Kurzum, die Bewohner dieser Länder mussten ihr Vermögen entweder schnellstens verbrauchen oder irgendwie anders sichern.

Diese Überlegung kam mir, als die Draghische Gelddruckmaschine angeworfen wurde, die schon jetzt, was Vermögenswerte betrifft, zu einer Inflationierung geführt hat. Unabhängig, dass von interessierter Seite von zu geringer Inflation (Käse, Butter, Eier etc) geredet wird. Gebühren, Mieten, Häuser Autos, Grundstücke etc steigen enorm im Preis.
Welche Erfahrungen und welche Strategien haben die Süd und Westländer sich zurechtgelegt, haben sie fleckchenweise Erdboden erworben oder in erstlassige natürliche Lebenmittel gesteckt oder was?
Vielleicht können wir davon lernen.

Erklärung

Ostfriese @, Montag, 09.05.2016, 14:47 vor 3569 Tagen @ J. v. Liebig 2300 Views

Hallo Ostfriese,

Hallo J. v. Liebig,


AMS würde ich mit Agrar Management Systems übersetzen.

da die Milchbauern im Mittelpunkt meines Beitrages stehen, ist AMS die Abkürzung

https://de.wikipedia.org/wiki/Automatisches_Melksystem

für „Automatisches Melksysteme“ – also Roboter, die in Zukunft vermehrt installiert werden, weil kein direkte Einsatz von Beschäftigen – im Gegensatz zum Melkkarussell wie beim Agrarunternehmer von der Eifel – mehr nötig ist. Also weniger Verschuldung! Entscheidend ist natürlich, dass der 24/7 Service sichergestellt ist.

Und ja, die landwirtschaftliche Produktion wird von hochkomplexer
Industrie auf hohem Niveau begleitet. Dieses macht Sie effizient und
gleichzeitig fragil. Die tragenden Säulen dabei sind über Generationen
vertikal übermittelte Lebenserfahrungen, und zwar sowohl auf dem Acker wie
auch in der begleitenden Industrie. Gerade die Landtechniker sind heute
mehr denn je ein essentieller Baustein in der Produktionskette.

Mein Hinweis auf die Getreideernte, dessen 2000jährige Geschichte in dem von mir verlinkten 90minütigen Film „Von der Sense bis zum Mähdrescher – Giganten im Kornfeld“ des hr-Fernsehens zur Sprache kommt, ist als Reaktion auf … + paar Erntehelfer. … aus dem vorangehenden Beitrag zu verstehen.

Gruß v.L.

Gruß zurück

Ostfriese

Sicher …

Ostfriese @, Montag, 09.05.2016, 22:59 vor 3568 Tagen @ Mephistopheles 2169 Views

Hallo Mephistopheles

… ist, dass Milchbauern so


Ich bin der Überzeugung, dass selbst heute noch ein Bauernhof, der seine
Produkte direkt an Endkunden vertreibt, mit 20 ha oder weniger ein
auskömmliches Einkommen erzielen kann, allerdings ist es da mit einer
Arbeitskraft bei weitem nicht getan. Mitarbeitender Ehepartner und nach
Möglichkeit noch helfende Kinder sind erforderlich, ohne geht es nicht.

mit „helfende Kinder“ nach dem GO überleben.


Gruß Mephistopheles

Letzte Grüße ohne Träume

Ostfriese

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