Die Negation der Endlichkeit

DerSuchende @, Freitag, 22.04.2016, 22:17 vor 3582 Tagen 5565 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 23.04.2016, 16:25

Liebes Forum…

für mein Studium muss ich eine Transfer-Arbeit schreiben zum Thema Ethik. Ich wollte das Thema Peak Oil, Umweltverschmutzung durch unsere Wirtschaft, Debitismus und den daraus resultierenden Wirtschaftskriegen aufgreifen, um auf das Thema der Endlichkeit hinzuweisen, welches vom Bewusstsein der Menschheit negiert wird.

Meine persönliche Erfahrung hierzu ist, dass die meisten Menschen ein lineares Denkmuster angenommen haben. Als Beispiel hierzu möchte ich z.B. die Aktienkurse anführen. Seit der Einführung der Aktien sind diese über die Jahre konsequent gestiegen. Für die meisten Menschen gilt, dass die nächste Krise für sie den Punkt darstellt, an dem sie wieder Aktien kaufen, weil sie annehmen, dass diese wieder weiter steigen. Dies aber nicht mehr haltbar ist, sobald der Blickwinkel des Debitismus angenommen wird.

Als zweiten Punkt glauben die Menschen, dass Innovation die Probleme der Menschheit lösen werden. Jede Erfindung kann den Problembereich in einem Gebiet nur verschieben oder verschiebt diesen in einen anderen Bereich (Niko Paech). Als Beispiel dient hierfür die Kohleindustrie von England im 18. Jahrhundert, in der die Bergwerke Kohle förderten, aber dies nur oberhalb des Grundwasserspiegels. Dies war die natürliche Grenze, bis zu der es möglich war, Kohle zu fördern. Durch die Endlichkeit der Ressource musste eine Erfindung her, die es möglich machte, das Grundwasser abzupumpen. Die Dampfmaschine. Durch sie wurde die Kohle effizienter abgebaut und Grundwasser abgepumpt, was zur Folge hatte, dass weitere Kohlevorkommen erschlossen werden konnten. Als nächstes wurden die ersten Erdölquellen um 1860 entdeckt. Schnell wurde der höhere Energiegehalt zur Kohle festgestellt, was das Öl zur Zukunftsenergie machte. Heute sehen wir auch hier, dass die Technologie nur die Grenzen der Machbarkeit verschiebt. Mit der Erfindung des Elektroautos wird letztendlich das endliche Ölproblem nur wieder in einen anderen Bereich verschoben.

Meine konkrete Frage ist: Wieso unsere Psyche konsequent die Endlichkeit negiert? Für mich ist es fast so wie ein schwer kranker Patient, der seine Erkrankung nicht wahrhaben will. (Sterbephasen nach Kübler-Ross)
Es folgen Wut und Zorn, Verhandeln, Depression und zum Schluss die Akzeptanz.

Kann mir jemand noch Literatur zur dem Thema empfehlen? (Negieren der endlichen Aspekte und die Verschiebung der Probleme ins Unbewusste unserer Psyche?)

Vielen Dank schon mal…

--
Wer suchet, der findet. Dadurch erschaffen wir uns unsere eigene Welt!

... weil fast niemand das Wesen exponentiellen Wachstums begriffen hat!

Friedrich @, Freitag, 22.04.2016, 23:54 vor 3582 Tagen @ DerSuchende 5013 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 23.04.2016, 16:07

Wer nur etwas Englisch kann, sollte sich die folgende Vorlesung unbedingt mal reinziehen:
https://www.youtube.com/watch?v=DZCm2QQZVYk

Das Wesen einer Exponentialfunktion, so wie es der Zinseszins vorgibt oder das jährliche Wachstum um x %, haben selbst die wenigsten Naturwissenschaftler und Ingenieure wirklich begriffen, obwohl sie den ganzen Tag nix anderes tun, als mit der e-Funktion zu hantieren.

Mal ein Beispiel: Wenn etwas jedes Jahr um 7 % wächst, verdoppelt es sich innerhalb von 10 Jahren. Wenn es "nur" 5 % wächst, dauert so ein Verdoppelungszeitraum halt 14 Jahre.

Jetzt kommt aber der absolute Hammer, den unser lineares Denkvermögen nie für möglich hält: In dem aktuellen Verdoppelungszeitraum wird mehr "verbraucht" oder gewachsen (nur als Beispiel), wie in der Summe aller (!!) Verdoppelungszeiträume vorher!!!!!!

Kennt ihr die Geschichte von dem Schachbrett, wo auf dem ersten Feld ein Weizenkorn liegt, auf dem zweiten 2, dann 4, dann 8, dann 16 usw.? 16 ist mehr als 1+2+4+8! Und 32 ist mehr als 1+2+4+8+16. Das ist das wahre Wesen von ein paar % Wachsrum jedes Jahr! Jeder Verdoppelungszeitraum ist größer als die Summe aller vorangegangenen Verdoppelungszeiträume!

Daher glauben nur Ökonomen und Geisteskranke, dass exponentielles Wachstum ewig möglich ist! Ist es nicht. Niemals!

Der Zins zwingt uns zu exponentiellem Wachstum. Es ist egal, wie hoch er ist. Niedriger Zins verlängert nur die Verdoppelungszeiträume - aber der Wahnsinn geht weiter, auch wenn etwas verlangsamt! 1+2+4+8+16+32+64 ...

Dieser Zusammenhang ist so grundlegend und so schockierend, dass jeder sich ihn einmal im Leben klar gemacht haben sollte! Schaut Euch das Video an, und ihr werdet begreifen.

https://www.youtube.com/watch?v=DZCm2QQZVYk

Egal ob Öl oder Kohle oder sonst irgendeine Ressource, unser bisheriges Spiel wird keinesfalls noch lange aufrechterhalten werden können. Wir werden es die nächsten Jahre erleben ... todsicher!

Grüße - Friedrich

Endloses exponentielles Wachstum auch retrograd unmöglich.

Rotweintrinker @, Samstag, 23.04.2016, 11:49 vor 3582 Tagen @ Friedrich 4361 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 23.04.2016, 12:41

Der Zins zwingt uns zu exponentiellem Wachstum. Es ist egal, wie hoch er
ist. Niedriger Zins verlängert nur die Verdoppelungszeiträume - aber der
Wahnsinn geht weiter, auch wenn etwas verlangsamt! 1+2+4+8+16+32+64 ...

Jeder der 80 Millionen Deutschen hat (hatte) 2 Eltern, 4 Großeltern, 8 Urgroßeltern ....
Die Zahl der Ahnen klettert schnell in den Billionenbereich. Dabei soll
es doch zu Zeiten des römischen Imperiums nur 100 Millionen Menschen auf dem
ganzen Erdball gegeben haben.

Was nun? Problem des Ahnenschwundes. Nur zu lösen mit der Annahme, dass
wir letztlich alle sehr eng miteinander verwandt sind. Mein Nachbar z.B.
hatte die gleichen UR.....-eltern wie ich. Was ja auch erklärt, warum man
von einem 'Volkscharakter' spricht.
Oder eben mit Adam und Eva zu erklären ist.

Willkommen im Klub

CalBaer @, Samstag, 23.04.2016, 19:17 vor 3581 Tagen @ Friedrich 4057 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 23.04.2016, 19:23

Wer nur etwas Englisch kann, sollte sich die folgende Vorlesung unbedingt
mal reinziehen:
https://www.youtube.com/watch?v=DZCm2QQZVYk

Das Video wurde hier schon mal verlinkt.

Das Wesen einer Exponentialfunktion,

... und darueber wurde hier im Forum auch immer wieder diskutiert.

haben selbst die wenigsten
Naturwissenschaftler und Ingenieure wirklich begriffen,

Die begreifen das schon, denn es ist mathematisch sehr simpel. Gehoert sogar zum Stoff von Realschulen.

Das erste Problem ist, die Tragweite zu verstehen. Dagegen straeubt sich die menschliche Natur.

Das zweite Problem ist, dass Oekonomen nichts von Physik verstehen und Physiker nichts von Oekonomie.

Die Oekonomen sagen immer, die Physiker muessten nur eine unendliche Energiequelle zur Befriedigung unseres Wachstums finden und dann waere alles gut. Die Physiker sagen immer, dass ihre neue Energieqielle X Tausend Jahre reichte, weil sie kein exponentielle Bedarfssteigerung einrechnen.

Beide Gruppen leben scheinbar auf verschiedenen Planeten.

Egal ob Öl oder Kohle oder sonst irgendeine Ressource, unser bisheriges
Spiel wird keinesfalls noch lange aufrechterhalten werden können.

Das Problem, den exponentiell steigenden Ressourcenverbrauch endlos fortsetzen zu koennen, ist der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik: Wir heizen den Planeten derart auf, dass wir unseren Lebensraum unbrauchbar machen. Heute ist das noch voellig unbedeutend, aber bereits in ein paar hundert Jahren entspraeche das einer zweiten Sonne (wurde hier im Forum schon alles vorgerechnet). Daran sieht man auch, dass man mit erneuerbaren Energien nicht sehr weit kommt, einfach weil der Bedarf irgendwann die nutzbaren Ressourcen (Sonne, Wind, Gezeiten) schnell uebersteigt. Und selbst die sauberste und sicherste Kernfusion wuerde uns so umbringen.

Loesungen gibt es daher nur, wenn wir die Zivilisations-Struktur grundlegened dahingehend aendern, das Wachstum vollstaendig zu beseitigen, mindestens aber das Wachstum auf die Effizienzgewinne (falls es die sauber bilanziert ueberhaupt gibt) zu reduzieren.

--
Ein ueberragender Teil der Oekonomen, Politiker, Banker, Analysten und Journalisten ist einfach unfaehig, Bitcoin richtig zu verstehen, weil es so revolutionaer ist.
Info:
www.tinyurl.com/y97d87xk
www.tinyurl.com/yykr2zv2

als Theorie: Kognitive Dissonanz?

DerSuchende @, Samstag, 23.04.2016, 22:21 vor 3581 Tagen @ CalBaer 3940 Views

Vielen Dank für euere Antworten!

Das erste Problem ist, die Tragweite zu verstehen. Dagegen straeubt sich
die menschliche Natur.

Das wollte ich in meiner Frage auch ausdrücken. Warum sich die menschliche Natur dagegen sträubt. Weshalb ich heute noch weiter gesucht habe. Dabei bin ich auf folgenden Punkt gestoßen:

Kognitive Dissonanz (Leon Festiger):

Kognition heißt so viel wie Informationsverarbeitung im Menschen. Dissoziation ist die Abspaltung oder Teilung (der Information).

Im Bezug zu dem Problem, dass wir die Endlichkeit negieren. Auf der einen Seite haben wir die positiven Entwicklungen unseres Handelns. Durch Innovation sehen wir die Verbesserung unserer Produkte oder wir können uns einen besseren Lebensstandard leisten (mehr Ressourcenverbrauch). Was für uns insgesamt viele Annehmlichkeiten mit sich bringt.
Auf der anderen Seite realisieren wir durch unser Handeln die Zerstörung auf unserem Planeten. In der Konsumgesellschaft entspricht dies der Umweltverschmutzung. Durch das Realisieren kommen wir in einen Konflikt mit unserer Psyche.
Das heißt, wenn wir der positiven Punkten folgen, müssen wir weitere positive Gründe finden um die negativen auszugleichen. z.B. die Umweltverschmutzung ist vernachlässigbar, unser Planet ist so groß, da fällt der Müll nicht auf oder durch Innovation sind wir eben erst soweit gekommen, dass weitere Innovation helfen wird unsere Probleme zu lösen.
Beim Verfolgen der negativen Gründe müssten wir unser Verhalten komplett ändern, was in unserer Situation wohl kaum denkbar wäre.
Daraus schließe ich, dass wir die Wahrheit nicht wahrhaben wollen. Was nicht sein darf, soll nicht sein.

Kennt hier jemand noch andere Gründe die unser Verhalten erklären?

--
Wer suchet, der findet. Dadurch erschaffen wir uns unsere eigene Welt!

Was ist schon das Negieren der Endlichkeit gegen die unendliche Gier? (oT)

nemo, Samstag, 23.04.2016, 01:22 vor 3582 Tagen @ DerSuchende 4059 Views

- kein Text -

Die Verdrängung der eigenen Endlichkeit wird auf die Umwelt fortprojiziert

Phoenix5, Sonntag, 24.04.2016, 01:23 vor 3581 Tagen @ DerSuchende 6583 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 24.04.2016, 13:59

Lieber Suchender,

da hast du dir ja Einiges vorgenommen und ich weiß, wovon ich rede.

für mein Studium muss ich eine Transfer-Arbeit schreiben zum Thema Ethik.
Ich wollte das Thema Peak Oil, Umweltverschmutzung durch unsere Wirtschaft,
Debitismus und den daraus resultierenden Wirtschaftskriegen aufgreifen, um
auf das Thema der Endlichkeit hinzuweisen, welches vom Bewusstsein der
Menschheit negiert wird.

Die Frage ist, wie du dieses Thema aufschlüsseln willst, d.h. auf welcher Disziplin der Schwerpunkt liegen soll. So wie ich dich verstehe, ist deine Kernfrage eine psychologische, die mit ökologischen und ökonomischen Beispielen unterfüttert wird. Derart existenzielle Fragen sind der Kitt zwischen Psychologie und klassischer Esoterik/Mythologie/Religion - eine Kerbe, in die auch Carl Gustav Jung immer schlug, und an dem wirst bei diesem Thema kaum vorbeikommen.

Meine persönliche Erfahrung hierzu ist, dass die meisten Menschen ein
lineares Denkmuster angenommen haben. Als Beispiel hierzu möchte ich z.B.
die Aktienkurse anführen. Seit der Einführung der Aktien sind diese über
die Jahre konsequent gestiegen. Für die meisten Menschen gilt, dass die
nächste Krise für sie den Punkt darstellt, an dem sie wieder Aktien
kaufen, weil sie annehmen, dass diese wieder weiter steigen. Dies aber
nicht mehr haltbar ist, sobald der Blickwinkel des Debitismus angenommen
wird.

Der Ursprung dieses linearen Denkens liegt mehr als 10.000 Jahre in der Vergangenheit, am Übergang vom Paleo- bzw. Mesolithikum zum Neolithikum. Mit der Entstehung der Sesshaftigkeit, der Erfindung des Hackbaus, der Domestizierung von Tieren (ab ca. 9000 v.Chr.) und der Erfindung des Pfluges (ab ca. 7000 v. Chr.) wird die "matriarchale" (= matrilineare und matrifokale) Gesellschaftsform (= egalitär, akephal, segmentär, solidarische Produktion) durch eine patriarchale (= hierarchisch, Befehlsgewalt, kollektivistisch) ersetzt, in der neben der strukturellen Gewalt durch einen Patriarchen (bzw. durch die Hierarchisierung) noch die instituionelle Gewalt hinzukommt, wenn patriarchale Hirtenstämme (die sich aus sesshaften Stämmen herausentwickelten) sesshafte Bauernstämme unterwarfen, tributpflichtig machten und sich selbst als Adel festsetzten. Das war der Grundstein der Staatenbildung und des Wirtschaftens.


Viel interessanter ist aber, was hier auf psychoanalytischer Ebene passierte, denn diese gesamte Entwicklung ging einher mit der Entwicklung eines wacheren und selbstreflexiveren Bewusstseins. Der Mensch war nicht mehr eingegliedert in Mutter Natur und ihre zyklische Vegetation aus Werden und Vergehen wie der unbewusste Jäger/Sammler-Stamm, sondern er machte sich die Natur untertan, d.h. er versuchte die furchtbare Seite der Großen Mutter (Klimaschwankungen, Dürre, Naturkatastrophen) auszuschalten. Er akzeptierte nicht mehr das "So-sein" des Daseins, sondern wurde zum Problemlöser (wie du auch weiter unten schreibst) und startete so das große Debakel, das sich heute sukzessive zur großen mittelbaren Implosion des gesamten Patriarchats zuspitzt.

Psychoanalytisch gesehen emanzipierte sich der Mensch (das Menschenkind) von der zyklischen, triebhaften, gegenwartsbezogenen Mutter Natur und eiferte einem Vatergott nach (vergeistigt, triebfeindlich, linear denkend, Ziele in der Zukunft), den er einerseits verherrlicht, aber gleichzeitig vom Thron stoßen will, um Mutter Natur ganz für sich allein zu haben - als ihr Herr (Ödipuskomplex). Was hier in der Menschheitsentwicklung passierte, ist 1:1 die Entwicklungspsychologie eines Kindes und die wird in den nächsten hunderten von Jahren ihre kriegerischste Phase durchleben: Die Pubertät (und Abkapselung vom Vater).

Was das Patriarchat auszeichnet ist, dass es das ursprüngliche Paradies* - das beim Säugling dem Saugen an der Mutterbrust bzw. der Rundumpflege durch die Mutter entspricht - welches einen Urzustand bezeichnet, an das Ende der Entwicklung legt. Das Paradies ist also kein gegenwärtiger Zustand, wie bei den Stammesangehörigen eines Jägerstammes, sondern ein verlorengegangener Zustand in der Vergangenheit, den es in Zukunft wieder zu erreichen bzw. wiederherzustellen gilt. DAS ist der eigentliche Antrieb des patriarchalischen Menschen. DAS zeichnet seine Problemlösungsmentalität aus, die grundsätzlich nie Probleme löst, sondern bloß auf eine höhere Ebene verschiebt, wo sie - aufgrund der wachsenenden Kompexität seiner eigenen Schöpfung - irgendwann noch bedrohlicher und in neuem Gewand zum Vorschein kommen. Und all dem liegt eine Sache zugrunde, die eine Nebenwirkung seines wachen Bewusstseins war: Die Erkenntnis von seiner eigenen Sterblichkeit. Um diese kognitive Dissonanz von Dasein und "Bald nicht mehr sein" zu lösen, verdrängt der Mensch seine Sterblichkeit ebensogut wie jegliche andere Katastrophen, die wie ein Damoklesschwert über ihm schweben und meist auch von ihm selbst durch seine Verdrängungsarbeit geschaffen wurden. Er erschafft sich ein Paradies nach seinem Tod, ebenso wie ein zu erreichendes physisches Paradies als politischen/ideologischen/ökonomischen Endzustand und er verewigt sich in der patriarchalischen Geschichte (Jägerstämme kennen keine Geschichte) durch seine Taten, um den Tod auszutricksen und besser verdrängen zu können. Er denkt linear, weil jedes zyklische Denken ihn an den Zyklus von Geburt und Tod und damit an seine eigene Endlichkeit erinnert. Er ist nicht bereit loszulassen, denn loslassen würde Akzeptanz bedeuten und das Vergehen und die Dynamik von Zeit kann er nicht akzeptieren. Er sieht Zeit nur als Zwischenzustand und Werkzeug zur Errichtung des paradiesischen, ewigen Endzustandes, in der das Glück in der Zeitlosigkeit festgefroren ist und niemand mehr sterben muss. Und solange er so denkt, wird er statt Glück Völkermorde ernten.

*die glücklichsten Menschen sind noch heute erwiesenermaßen in Jägerstämmen zu finden, die von Mutter Natur alles bekommen, was sie benötigen bzw. könnte dieses Paradies auch ein Zustand großen lokalen Nahrungsüberflusses gewesen sein, der zur Sesshaftigkeit "ver-führte".

Als zweiten Punkt glauben die Menschen, dass Innovation die Probleme der
Menschheit lösen werden. Jede Erfindung kann den Problembereich in einem
Gebiet nur verschieben oder verschiebt diesen in einen anderen Bereich
(Niko Paech). Als Beispiel dient hierfür die Kohleindustrie von England im
18. Jahrhundert, in der die Bergwerke Kohle förderten, aber dies nur
oberhalb des Grundwasserspiegels. Dies war die natürliche Grenze, bis zu
der es möglich war, Kohle zu fördern. Durch die Endlichkeit der Ressource
musste eine Erfindung her, die es möglich machte, das Grundwasser
abzupumpen. Die Dampfmaschine. Durch sie wurde die Kohle effizienter
abgebaut und Grundwasser abgepumpt, was zur Folge hatte, dass weitere
Kohlevorkommen erschlossen werden konnten. Als nächstes wurden die ersten
Erdölquellen um 1860 entdeckt. Schnell wurde der höhere Energiegehalt zur
Kohle festgestellt, was das Öl zur Zukunftsenergie machte. Heute sehen wir
auch hier, dass die Technologie nur die Grenzen der Machbarkeit verschiebt.
Mit der Erfindung des Elektroautos wird letztendlich das endliche
Ölproblem nur wieder in einen anderen Bereich verschoben.

Der User @Lex Mercatoria hat hierzu mal einen schönen Text geschrieben:

www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=191624

Ich würde sogar sagen, dass jedes gelöste Problem mit noch größerer Wucht auf den Problemlöser zurückwirkt. Nimm dein Beispiel mit dem Öl: Wir haben eine komplette Gesellschaft auf Öl erbaut. Wenn nun das Öl ausgeht, haben wir weit größere Probleme als zuvor. Komplexität heißt das Zauberwort.

Meine konkrete Frage ist: Wieso unsere Psyche konsequent die Endlichkeit
negiert? Für mich ist es fast so wie ein schwer kranker Patient, der seine
Erkrankung nicht wahrhaben will. (Sterbephasen nach Kübler-Ross)
Es folgen Wut und Zorn, Verhandeln, Depression und zum Schluss die
Akzeptanz.

Kann mir jemand noch Literatur zur dem Thema empfehlen? (Negieren der
endlichen Aspekte und die Verschiebung der Probleme ins Unbewusste unserer
Psyche?)

Vielen Dank schon mal…


Ich würde dir auf jeden Fall mal Gerhard Bott "Die Erfindung der Götter" empfehlen, um ein Gespür für den großen Umbruch im menschlichen Bewusstsein beim Übergang vom "Matriarchat" zum Patriarchat zu bekommen. Dann solltest du unbedingt Erich Neumann (ein Schüler Carl Gustav Jungs) "Ursprungsgeschichte des Bewusstseins" lesen um die psychonalalytischen Stadien der Menschheitsgeschichte nachempfinden zu können. Und wenn das von mir Geschriebene den Kern deiner Frage trifft, kann ich dir auch gern mal mein Buch als pdf für deine Arbeit schicken, in dem Zusammenfassungen und Ergänzungen all der hier erwähnten Autoren im Text eingewoben sind. Mein Buch ist zwar nur für Suchende gedacht und deshalb keine wissenschaftliche Abhandlung - du findest darin aber bestimmt Inspiration, die deine Suche konkretisiert und vereinfacht und dich zu den Autoren führt, die für deine Arbeit wichtig sind.


Beste Grüße
Phoenix5

Wieder was für die Sammlung, danke. (oT)

Chef @, Sonntag, 24.04.2016, 14:06 vor 3580 Tagen @ Phoenix5 3710 Views

- kein Text -

Ich danke! (oT)

Phoenix5, Sonntag, 24.04.2016, 14:52 vor 3580 Tagen @ Chef 3567 Views

- kein Text -

Sicher?

SevenSamurai @, Sonntag, 24.04.2016, 14:19 vor 3580 Tagen @ Phoenix5 3722 Views

Pfluges (ab ca. 7000 v. Chr.) wird die "matriarchale" (= matrilineare und
matrifokale) Gesellschaftsform (= egalitär, akephal, segmentär,
solidarische Produktion) durch eine patriarchale (= hierarchisch,
Befehlsgewalt, kollektivistisch) ersetzt,

Ist das eine sichere, wissenschaftliche Erkenntnis oder feministische Propaganda?

--
Zitat des Jahres: "We have put together I think the most extensive and inclusive voter fraud organization in the history of American politics."

It's a big club, and you ain't in it.

Eine wissenschaftliche Streitfrage und ein Nebenschauplatz der die Grundaussage nicht berührt (+Edit)

Phoenix5, Sonntag, 24.04.2016, 14:51 vor 3580 Tagen @ SevenSamurai 3817 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 24.04.2016, 15:16

Pfluges (ab ca. 7000 v. Chr.) wird die "matriarchale" (=

matrilineare und

matrifokale) Gesellschaftsform (= egalitär, akephal, segmentär,
solidarische Produktion) durch eine patriarchale (=

hierarchisch,

Befehlsgewalt, kollektivistisch) ersetzt,


Ist das eine sichere, wissenschaftliche Erkenntnis oder feministische
Propaganda?

Ersetze bzw. definiere "Matriarchat" (das nie Frauenherrschaft war, deshalb immer die Anführungszeichen) durch/als: "akephal, egalitär, segmentär, gegenwartsbezogend lebend, archaisch/magisch - in Analogien denkend, stark vom Unbewussten getrieben, ahistorisch, instinktiv und rituell in das zyklische Wesen der Natur und die Stammestradition eingebunden" und du hast eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis, die auch heute noch bei den wenigen existierenden Jäger/Sammler-Stämmen beobachtet werden kann. Ob diese Gemeinschaften zusätzlich immer zwingend matrilinear, matrilokal und matrifokal waren, wie Gerhard Bott behauptet (dem ich persönlich in seiner Argumentationskette folge), ist meines Erachtens für die psychoanalytische Entschlüsselung der Menschheitsgeschichte nicht so immens wichtig. Wichtig ist, dass Befehlsgewalt und Hierarchie fehlten und es einen starken rituellen Bezug zu Mutter Natur gab, d.h. die Menschen ordneten sich ihr unter, während sie heute den Menschen untergeordnet wird.

Beste Grüße
Phoenix5

Ich würde die Bearbeitung des Themas nicht auf die psychoanalytische Theorie beschränken!

Olivia @, Sonntag, 24.04.2016, 19:02 vor 3580 Tagen @ Phoenix5 3671 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 24.04.2016, 19:16

Das ist zwar eine theoretische Richtung mit sehr vielen Anregungen, man kann sie aber immer noch nicht als wissenschaftlich fundiert betrachten. Zum Einen sind die "Stichproben" Freuds nicht repräsentativ und zu klein (im wesentlichen Frauen aus einer gesellschaftlichen Schicht), zum Anderen wurden die Arbeiten von den Adepten oft mit nahezu "religiös" anmutender Vehemenz verteidigt. Man sollte also stets im Blickfeld halten, dass es sich um eine Theorie handelt, die sich aufgrund der eigenen Theorie zu beweisen trachtet.

Dass sich diese Theorie so gut "hält" und immer noch so "einflussreich" ist, hängt mit Machtstrukturen und Pfründen zusammen.
Sie ist EIN Erklärungsmodell! Sie hat mit Psychologie und Sozialwissenschaften nicht das Geringste zu tun. ABER: Wenn der Therapeut überzeugend ist, WIRKT sie. Genauso aber wirken auch Religionen und Esoterik, wenn der ÜBERBRINGER der Nachricht den Empfänger der Nachricht überzeugt und dieser an das Dargebotene GLAUBT! Der menschliche "Mind" ist sehr flexibel und formbar und vermag gar wundersame Dinge zu vollbringen.

Die Bücher von Freud lesen sich gut und boten seinerzeit zumindest einen Ansatz zur "menschlichen" Behandlung von mental gestörten Personen und die Theorien von Jung sind ebenfalls interessant und bringen andere Aspekte ins Spiel. Beschäftigen sollte man sich also auf jeden Fall damit. ABER es reicht nicht. Es sei denn, Du notierst EXPLIZIT, dass Du deine Arbeit AUSSCHLIESSLICH unter pschoanalytischen Gesichtspunkten schreibst.

Ich würde Dir zum Einstieg Wittgensteins "Philosophische Untersuchungen" empfehlen. Er "räumt auf" mit vielen älteren Ansätzen. Sehr überzeugend übrigens. Seine Arbeit begründet eine ganze Reihe von neuen sozialwissenschaftlichen Ansätzen.

Es gibt übrigens auch eine kleine Broschüre bei Amazon "Ludwig Wittgensteins Philosophische Untersuchungen" - eine "Schnelleinführung" für Studenten - als Download zu kaufen.

--
For entertainment purposes only.

Freud vs. Jung vs. Wissenschaft - Antwort folgt, kann aber dauern. (oT)

Phoenix5, Sonntag, 24.04.2016, 22:43 vor 3580 Tagen @ Olivia 3490 Views

- kein Text -

Das freut mich :-) (oT)

Olivia @, Montag, 25.04.2016, 18:39 vor 3579 Tagen @ Phoenix5 3302 Views

Schreib "ihm" aber nicht die ganze Arbeit :-)))

--
For entertainment purposes only.

Hab es nicht vergessen. Die Muse fehlte bisweilen noch ;) (oT)

Phoenix5, Sonntag, 29.05.2016, 14:06 vor 3545 Tagen @ Olivia 2905 Views

- kein Text -

Sehr schöner Text

DerSuchende @, Sonntag, 24.04.2016, 21:19 vor 3580 Tagen @ Phoenix5 3665 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 25.04.2016, 13:21

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Ich habe dein Buch gelesen. Jetzt ist es ungefähr ein Jahr her. Es hat mich bereichert, und auch etwas von meinem blinden Fleck erhellt. Dadurch bin ich selbst weiter gekommen.

Wenn du mir die pdf zukommen lässt, wäre das super, denn ich habe schon manchmal versucht, etwas nachzuschlagen und einige Zeit mit Suchen verbracht. Mir fällt es generell sehr schwer, mich auf einen kleinen Punkt zu konzentrieren, da ich selbst erst begreifen bzw. verstehen muss, bevor ich zu einem Thema etwas schreibe, wenn ich die Zusammenhänge vorher nicht verstanden habe. Heute ist alles schon so komplex, es braucht unendlich viel Zeit, sich richtig einzuarbeiten.

Viele Grüße

--
Wer suchet, der findet. Dadurch erschaffen wir uns unsere eigene Welt!

pm

Phoenix5, Sonntag, 24.04.2016, 22:42 vor 3580 Tagen @ DerSuchende 3691 Views

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Gerne!

Ich habe dein Buch gelesen. Jetzt ist es ungefähr ein Jahr her. Es hat
mich bereichert, und auch etwas von meinem blinden Fleck erhellt. Dadurch
bin ich selbst weiter gekommen.

Vielen Dank! Freut mich, wenn es dich weitergebracht hat.

Wenn du mir die pdf zukommen lässt wäre das super, denn ich habe schon
manchmal versucht etwas nachzuschlagen und einige Zeit mit Suchen
verbracht. Mir fällt es generell sehr schwer mich auf einen kleinen Punkt
zu konzentrieren, da ich selbst erst begreifen bzw. verstehen muss, bevor
ich zu einem Thema etwas schreibe, wenn ich die Zusammenhänge vorher nicht
verstanden habe. Heute ist alles schon so komplex, es braucht unendlich
viel Zeit sich richtig einzuarbeiten.

Gerne, sende mir bitte deine E-mail-Adresse (über den mail-Button oben).


Mit besten Grüßen
Stefan Gruber

Zur Komplexität

Orlando ⌂ @, Dienstag, 26.04.2016, 12:05 vor 3579 Tagen @ Phoenix5 3436 Views

bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 26.04.2016, 15:51

Es scheint aber irgendeine Kraft die Lebewesen (oder das Leben) zu immer größerer Komplexität zu drängen, sonst wären wir Einzeller geblieben.

Auch das Großkollektiv bzw. der Staat, ist letztlich nur ein Lebewesen.

Ohne Ende bis zum Ende immer komplexer - Dottores Formel gilt nicht nur für das Staatsgebilde

Zarathustra, Dienstag, 26.04.2016, 12:24 vor 3579 Tagen @ Orlando 3443 Views

Es scheint aber irgendeine Kraft die Lebewesen (oder das Leben) zu immer
größerer Komplexität zu drängen, sonst wären wir Einzeller geblieben.

Auch das Leben wird nur ohne Ende bis zum Ende komplexer. Nach dem Ende des 'ohne Ende bis zum Ende' ist wieder alles vergleichsweise simpel, wie auf dem Mars oder anderswo.

Auch das Großkollektiv bzw der Staat ist letztlich nur ein Lebewesen.

So ist es, und folgedessen wird er sterben. Dottores Formel gilt universell.

Grüsse, Zara

Hin und wieder drängt das Leben auch zur Einfachheit

trosinette @, Dienstag, 26.04.2016, 16:18 vor 3578 Tagen @ Orlando 3528 Views

Guten Tag,

Es scheint aber irgendeine Kraft die Lebewesen (oder das Leben) zu immer
größerer Komplexität zu drängen, sonst wären wir Einzeller geblieben.

S. Remmler hat beispielsweise die von Zara angesprochene Universalformel des Dottore bereits 1986 in erschreckender Einfachheit und erschütternder Radikalität vorformuliert.

Mit freundlichen Grüßen
Schneider

Kollektive Verantwortung

nemo, Dienstag, 26.04.2016, 18:20 vor 3578 Tagen @ Orlando 3255 Views

bearbeitet von nemo, Dienstag, 26.04.2016, 18:36

Es scheint aber irgendeine Kraft die Lebewesen (oder das Leben) zu immer
größerer Komplexität zu drängen, sonst wären wir Einzeller geblieben.

Auch das Großkollektiv bzw. der Staat, ist letztlich nur ein Lebewesen.


Hallo Orlando,

für die Freiheit ist Risiko notwendig. So werden die freie Entscheidung und der
freie Wille zugunsten einer Abgabe der Verantwortung an andere Institutionen
geopfert. Freiheit, Autonomie und Selbstbestimmung bieten keine Sicherheit,
sondern Unsicherheit und Risiko, die aus Angst vermieden werden.

Der Unsicherheitsfaktor in der menschlichen und gesellschaftlichen Entwicklung
wird immer mehr minimiert und der Kontrolle der System-Mechanismen über-
lassen. Die daraus resultierenden Hierarchien und Herrschaftssysteme können
nur überleben, indem sie immer komplexer werden.

Das Risiko, das wir eingehen müssten, heißt Selbstbestimmung und Freiheit.
Das würde bedeuten, dass sich die kleinsten Zellen der Gesellschaft wieder
autonom verwalten könnten. Sie würden sich damit von der Hierarchie der
komplexen Systeme abkoppeln. Aber diese Art zu denken erzeugt in vielen
Menschen eine unbestimmte Angst. Wer heute von autonomen Nationalstaaten,
Ländern und Kommunen spricht, wird als Antidemokrat und Nationalist
gebrandmarkt und an den Pranger gestellt.

Solange alle gemeinsam brav und treudoof auf den Untergang zusteuern,
ist alles in bester Ordnung. Aber wehe, es scheren ein paar Leute aus und
wollen freiheitliche Werte leben.

Meiner Meinung nach ein psychologisches Problem und vor allem ein Problem
der Angst vor unsicheren Faktoren und Risiken. Wir sind eine Gesellschaft
der hysterischen Sicherheitsfanatiker, die keine Verantwortung und kein
Gewissen haben, da sie diese Dinge immer auf die nächst höhere Ebene der
Hierarchie schieben. Kollektive Verantwortung heißt der Trend. Und das
bedeutet letztlich, niemand ist verantwortlich, wie jeder weiß.

Die Umkehrung dieses Prozesses ist daher die Selbstbestimmung des
Individuums. Es beginnt immer bei uns selbst.

Gruß
nemo

Grundsätzliche Zustimmung, aber...

Phoenix5, Donnerstag, 28.04.2016, 01:46 vor 3577 Tagen @ nemo 3241 Views

...nichts wird sich ändern, solange viel zu viele Menschen auf diesem Planeten leben. Ein Ausreißer (eine Gruppe) genügt, der andere unterwirft, um das Spiel von vorne zu starten. Um eine Dezimierung kommt man nicht herum.

Gruß
Phoenix5

Irrationalität und Vernunft

nemo, Donnerstag, 28.04.2016, 11:03 vor 3577 Tagen @ Phoenix5 3132 Views

bearbeitet von nemo, Donnerstag, 28.04.2016, 11:08

...nichts wird sich ändern, solange viel zu viele Menschen auf diesem
Planeten leben. Ein Ausreißer (eine Gruppe) genügt, der andere
unterwirft, um das Spiel von vorne zu starten. Um eine Dezimierung kommt
man nicht herum.


Hsallo Phoenix5,

als Grund für die Zunahme der Komplexität habe ich die psychologische Schwäche
des Menschen beschrieben, Entscheidungen und Verantwortung aus Angst vor
dem Risiko auf eine immer breitere gesellschaftliche Basis zu schieben, was zu
immer größerer Abhängigkeit führt.

Die Umkehrung dieses Prozesses ist die Selbstbestimmung und Eigenverantwort-
lichkeit jedes Menschen. Das beinhaltet eine allgemeine Zunahme von Vernunft
und Intelligenz.

Aus diesem Prozess heraus können Entscheidungen getroffen werden, die wir
uns heute vielleicht nicht einmal vorstellen können. Zum Beispiel wenn das
kapitalistische Prinzip der Ausbeutung und Verschuldung durch Kooperation
und alternative Geldsysteme ersetzt werden, die Menschen nicht länger in
Abhängigkeit von Banken und Staaten halten. Also der Verzicht auf Zwang
und Gewalt. Was jedoch nicht gleichzeitig die Aufgabe der Wehrhaftigkeit
bedeuten muss.

Die Zunahme der Vernunft und Intelligenz bedeuten immer Unsicherheit in
Bezug auf die Zukunft. Und gerade in dieser Unsicherheit liegt die Chance
Möglichkeiten zu erkennen, die im Zustand der Angst nicht erkannt werden
können.

Die eigentliche Lähmung geschieht doch durch die Angst vor der Angst.
Wobei die Angst meist unbegründet und irrational ist und die Angst vor
der Angst eine Steigerung dieser Irrationalität darstellt.

Gruß
nemo

Alles ist zum Sterben verdammt

Phoenix5, Donnerstag, 28.04.2016, 01:42 vor 3577 Tagen @ Orlando 3390 Views

Es scheint aber irgendeine Kraft die Lebewesen (oder das Leben) zu immer
größerer Komplexität zu drängen, sonst wären wir Einzeller geblieben.


Jedes System innerhalb eines Energiegefälles, nimmt den energetisch günstigsten Zustand ein. Dieser kann etwa dadurch erreicht werden, dass aus Einzeller Metazeller werden, d.h. dass Aufgaben "outgesourct" werden. Das geschieht so lange (im Sinne der energetisch optimalen Zustandes) bis eine Art vorläufiges Gleichgewicht entstanden ist, welches mit einem Zustand hoher Komplexität einher geht. Hier genügt dann ein winziger Auslöser, um die Komplexität zum Einsturz zu bringen. Herabgebrochen auf das Beispiel mit den Lebewesen: Alle ca. 62 Millionen Jahre kommt es zu einem Massensterben auf diesem Planeten (gegenwärtig findet gerade das. 6 Massensterben statt). Für jedes Massensterben sucht die Wissenschaft nach irgendwelchen Ursachen katastrophaler Natur. Für mich sind diese Extinktion nicht mysteriöser als ein Kondratjew-Zyklus. Das Kollabieren der Preise eines einzelnen Marktes (z.B. Immobilien-Markt in den USA 2007) genügt, um das gesamte System zum Einsturz zu bringen. In der Natur genügt, bei hinreichend großer Komplexität, das Aussterben einer einzigen Tierart in der hochkomplexen Flora und Fauna, um eine Kettenreaktion auszulösen.

Auch das Großkollektiv bzw. der Staat, ist letztlich nur ein Lebewesen.

Ja, und wenn wir uns den Kredit bzw. das Geld als Energiequelle des Kapitalismus vorstellen, dann versucht auch dieser (der Kapitalismus, Anm.) durch Outsourcing einen Zustand geringstmöglicher Energie zu erreichen, der ihn umso anfälliger für externe Schocks macht. Nichts kann komplexer werden, als der Enegiegradient (das Energiegefälle) erlaubt und sobald ein System den Zustand geringstmöglicher Energie gefunden hat, kollabiert es aufgrund kleinster Schwarzer Schwäne. Nichts hat die Tendenz zur ewigen Zunahme der Komplexität. Alles ist zum Sterben verdammt.

Beste Grüße
Phoenix5

Leben trotz Sterben

Orlando ⌂ @, Donnerstag, 28.04.2016, 10:18 vor 3577 Tagen @ Phoenix5 3197 Views

Alles ist zum Sterben verdammt.


Das hast Du schön gesagt.

Unser Problem darin ist wahrscheinlich, dass wir statisch denken wollen, also nach dem Zustand suchen, in dem "alles erledigt", "alle Arbeit getan" ist und man sich "am Ziel" zurücklehnen und das Paradies/Schlaraffenland endlich mit einem Drink in der Hand genießen darf.

Tatsächlich aber gibt es wohl nur Prozesse, die durchlaufen werden und die banal scheinenden, jedem bekannten Sprüche wie "Alles fließt" und "der Weg ist das Ziel" tragen doch ganz tiefe Weisheit in sich.

Der individuelle Tod ist zwar ein Skandal, aber kein Grund vorher nicht zu leben.

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Wandere aus, solange es noch geht.