Flüchtlinge in GR: Der Druck im Kessel steigt, Explosion steht kurz bevor

Gaby, Mittwoch, 20.04.2016, 10:19 (vor 3584 Tagen)8408 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.04.2016, 12:15

Moin,

da ja - wie immer - der See in deutschen Medien sehr still ruht, was die Lage der Flüchtlinge hier in GR betrifft, ein paar Worte dazu.

Zusammengefasst denke ich kann man sagen: Der Druck im Kessel ist gewaltig, bald knallt es. Zu den einzelnen Begebenheiten.

- Im Lager von Idomeni ist ein Syrer bei einem Unfall mit einem Polizeiwagen schwer verletzt worden. Wie es zu dem Unfall kam, ist bislang noch unklar. Der Syrer wurde in ein Krankenhaus nach Thessaloniki gebracht. Die aufgebrachte Menge verwüstete danach ein (oder mehrere, auch hier sind die Berichte nicht eindeutig) Polizeiwagen bis zur schrottreife.

- Seit bereits einem Monat haben Flüchtlinge die Bahngleise bei Idomeni besetzt und campen auf ihnen. Das blockiert eine wichtige Balkan-Transitroute, Güter können nicht passieren. Die Gleise sind vor einigen Tagen sanft geräumt worden. Wenige Stunden später saßen die Flüchtlinge wieder drauf. Griechische Spediteure klagen über Umsatzausfälle in Millionenhöhe, Waren stehen und verderben.

- eine siebzehnjährige Syrerin, die im Lager in Piräus lebte, ist heute gestorben. Sie ist bereits Mitte April wegen "völliger Erschöpfung" in ein Krankenhaus eingeliefert worden und heute verstorben. Offizielle Stellen sprechen schwammig von "katastrophalen hygienischen Bedingungen" in Piräus als Grund. Sie wird sich also irgendeine Krankheit aufgesackt haben, denke ich. Allgemein hört man, in den Lagern breite sich Durchfall und Krätze sowie Lebensmittelvergiftungen aufgrund der ungewöhnlich warmen Wetterbedingungen rasant aus.

- Im "Hotspot" Polykastro bei Nea Kavala in Nordgriechenland (dort leben 4000 Menschen) sind Unruhen ausgebrochen (die Medien schweigen über den Grund), ein Syrer wurde durch Messerstiche ins Genick lebensgefährlich verletzt

- Beim Versuch der Teil-Räumung des Lagers in Piräus gab es Zwischenfälle zwischen Polizei und Vertretern merkwürdiger "NGO", die Busse an ihrer Weiterfahrt nicht nur hinderten, sondern die Busse auch bestiegen und mit Namenslisten festlegen wollten, wer gehen soll und wer nicht, immer mit großem Medientross hinter sich.

- Der zuständige Minister hat stets beteuert, Griechenland könne die rund 50.000 Flüchtlinge, die derzeit im Land sind, versorgen. Die Realität straft ihn Lügen. Der Aufbau der Lager geht extrem schleppend voran, die Räumung der Lager in Idomeni und Piräus steht. (Anmerkung von mir: die griechische Polizei ist sonst eher nicht dafür bekannt, Samthandschuhe zu tragen. Warum setzt man nicht durch, was man durchsetzen will?)

- von den Asylverfahren, die zu Zigtausenden beantragt worden sind, hört man gleich gar nichts mehr. Ich gehe davon aus, dass hier überhaupt nichts passiert, gar nichts.

- Die griechische Grenzpolizei hat gestern in einer Pressekonferenz einen dramatischen Hilferuf abgesetzt. Für die Bewachung von Lagern bis 4000 Personen gebe es pro Lager sechs Polizisten, die das unmöglich leisten könnten. Zwar hätte es nach offiziellen Angaben über 4000 Neueinstellungen gegeben, diese hätten auch ein spezielles Training absolviert - die Hälfte sei aber abgeordert worden, um andere Jobs zu erledigen ("Fußballspiele beaufsichtigen"). Ihr Flehen, die Menschen in Flüchtlinge und (illegale) Migranten zu trennen und auch getrennt unterzubringen bzw zu betreuen, sei bei der Politik auf taube Ohren gestoßen. Nach ihrer Erfahrung sei der Zustrom von Dschihadisten nach Griechenland auch nach wie vor nicht gestoppt. Ob diese sich nun weiterhin im Land aufhielten oder ihren Weg weiter gefunden hätten, sei nicht bekannt. (Anmerkung: Das provozierte sofort eine Reaktion des zuständigen Vizeminister, der sagte, das sei alles nicht wahr und man würde prüfen, ob die Vorwürfe der Polizisten nicht strafrechtlich zu verfolgen wären. Immerhin seien diese Aussagen "schädlich für Griechenland.")

Die Grenzschützer beklagen, dass es nicht mal eine geregelte Prozedur für diejenigen gäbe, die - aufgrund der Situation - lieber doch freiwillig in ihre Heimat zurück kehren wollten. Dies sei eben aufgrund der nicht vorhandenen Struktur nicht möglich. De facto seien alle Lager derzeit reine Haft- bzw. Aufbewahrungsanstalten und keine Hotspots, da sich nichts bewegen könne. Die Lage sei hoch gefährlich und außer Kontrolle.

- Die Frontex bestätigt: Die Rücksendung von Flüchtlingen in die Türkei ist zum Stillstand gekommen, niemand geht derzeit zurück.

- Gestern hat die EU 80 Millionen Euro für die Flüchtlinge in GR frei gegeben (von 700 Mio war die Rede - wann kommen die?). Diese sollen an acht ausgewählte NGO verteilt werden. Wer diese sind und welche Legitimation sie haben, ist nicht bekannt.

Ich kann mir nicht helfen: Nach meinem Eindruck SOLL hier was provoziert werden. Ein Knall. So wenig (heißt: Nichts) zu tun, das ist nicht mal für Griechenland typisch. Da ist ein Plan dahinter. Sag ich mal so.

Viele Grüße

Gaby

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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci


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