Debitistischer Zirkel - Japan Reloaded - HWS schreibt als heimlicher Debitist

Blum @, D, Freitag, 15.04.2016, 14:35 vor 3590 Tagen 4223 Views

Der nun in aktiver Rente befindliche Hans-Werner mit viel Sinn schreibt wieder anschaulich, dass man den gesunden Menschenverstand nur kurzfristig austricksen kann:

Debitismus in Japan - Reinkultur der wirkungslosen Altideen

Aufhänger ist die Japan-Situation und deren Geschichte von Verschlimmbesserungen mit Altideen, die nicht funktionieren.

Zitate:

A) Das grundsätzliche Problem der makroökonomischen Politik: ... Stets greifen die Maßnahmen nur kurzfristig. ... Jede Schuld muss ja bedient oder getilgt werden, was der Wirtschaft künftig so viel Stimulierung entzieht, wie sie heute hinzubekommt.

["oder getilgt" das ist abgeschrieben, ausgenullt gegen Gläubiger, nicht überlesen!]

B) Zum anderen wirkt auch die Geldpolitik nur kurzfristig, weil ihre Erfolge großenteils über eine Währungsabwertung zustande kommen.

[die Erläuterungen sind leicht zu überlesen, weil sie einfach geschrieben sind, ich lese es so: die Interdependenzen mit den ausländischen Akteuren werden einfach zu wenig beachtet.]

Dann kommt das Thema mit dem Ankurbeln, das nicht klappt wegen den Pferden und der Tränke. Dann kommt es zu den Gründen der Politik, diese falschen Methoden dennoch weiter anzuwenden. (Auch ZB gehören für mich zur politischen Sphäre.)

C) Es gilt, die nächste Wahl zu gewinnen, und dafür sind die keynesianischen und monetaristischen Aufputschmittel nützlich.

D) Ein wesentlicher Grund für die lockere Geldpolitik liegt im Übrigen nicht im Versuch, die Wirtschaft zu beleben, sondern darin, den Verfall der Immobilienpreise und der Preise anderer Vermögensobjekte wie langfristiger Staatspapiere oder Aktien zu stoppen. Es geht darum, die Entwertung des Kapitals der Vermögensbesitzer und den Zusammenbruch von Banken und Unternehmen zu verhindern. Etwas sarkastischer kann man auch sagen, dass Niedrigzinspolitik immer auch Konkurse verschleppen soll, um den politisch einflussreichen Besitzern von Aktien, Immobilien und langfristigen festverzinslichen Wertpapieren dabei zu helfen, den Folgen ihrer Fehlinvestitionen zu entgehen.

Aber dieses Bestreben führt nicht nur dazu, dass Risiken von den Anlegern auf die Steuerzahler übertragen werden, die auf dem Wege über die Zentralbank in immer größerem Umfang zu Eigentümern der Wertpapiere werden.

Sie sind auch insofern schädlich für die Wirtschaft, als die kreative Zerstörung überkommener Unternehmensstrukturen, deren segensreiche Wirkungen schon Joseph Schumpeter und Karl Marx beschrieben hatten, verzögert wird.

[dieses lange Zitat finde ich ein Beispiel für klare Sprache in respektvoller Form und im Grunde eine elegante Form vom Ohrfeigenverteilen. Dabei wird auch differenziert und Marx nicht "den Linken" überlassen, sondern geguckt, wo der nützliche Analysen gemacht hat. Nützlich, weil modellhaft passend.]

Die weitere Argumentation führt von Euro zu Überschuldung, dem Knick nach 2008, weil die neuen US-Verschuldungen nicht mehr möglich waren und den Immobilien-Blasen, die sich überall aufbauen, wo man "die Wirtschaft ankurbeln" will.

Der Appell richtet sich an die Politik, keine japanischen Verhältnisse entstehen zu lassen und Wettbewerbsfähigkeit zu fordern. Realistisch scheint dem Prof. Sinn das aber nicht zu sein, solange der Euro göttergleich mit Europa gesetzt wird.

Mein Fazit: die ganze Welt belügt sich selbst und kann so ihren Schutt nicht loswerden und erst Recht nicht neue Ideen innovieren, also marktreif machen. Das Puder der Maske verdeckt die Wirklichkeit und die Kurzatmigen schreien nach mehr Puder und merken nicht, wie sie stinken und krank sind darunter.

--
It's not what you don't know that gets you into trouble, it's what you know that just ain't so that gets you into trouble. (Satchel Paige)

"Sinn-volle" Einführung und Zusammenfassung ist dir sehr gelungen!

Wildheuer @, Schurkenstaat im Herzen Europas, Freitag, 15.04.2016, 15:46 vor 3590 Tagen @ Blum 2662 Views

Mein lieber Blum,

deine "Sinn-volle" Einführung und Zusammenfassung in die Thematik sind vorbildlichst!

Ich danke dir für deine sehr gelungene Vorarbeit.

vom
Wildheuer

Debitistischen Erleuchtung bei Sinn

CalBaer @, Freitag, 15.04.2016, 21:17 vor 3590 Tagen @ Blum 2812 Views

Die kam wohl mit den Erkenntnissen zu den Staatsschuldenkrisen.

Und eine gewisse Emotionalitaet ist hier nicht zu ueberhoeren - und das bei einem Haudegen von Oekonomen:
https://www.youtube.com/watch?v=lry2rL2ZqSg

--
Ein ueberragender Teil der Oekonomen, Politiker, Banker, Analysten und Journalisten ist einfach unfaehig, Bitcoin richtig zu verstehen, weil es so revolutionaer ist.
Info:
www.tinyurl.com/y97d87xk
www.tinyurl.com/yykr2zv2

Ich finde es immer wieder interessant, wie

Balu @, Samstag, 16.04.2016, 17:37 vor 3589 Tagen @ CalBaer 1996 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 16.04.2016, 17:59

solche Kreaturen, nachdem ihr Vertrag als Posaune staatlicher Missklänge zu arbeiten, ausgelaufen ist, urplötzlich in der Lage sind, harmonische Melodien in die Welt zu setzen; phänomenal, Chamäleons sind echt unifarben dagegen.

Balu

--
Nie wieder CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke.
Die wahren Feinde eines Volkes sind seine Terroristen, die sich als Politiker, Richter, Staatsanwälte, Polizei und Verwaltungsangestellte tarnen. Der Staat als einziger Hort allen Terrors.

Nicht alles von Prof. Sinn ergibt Sinn

Wellenreiter @, Sonntag, 17.04.2016, 10:04 vor 3588 Tagen @ Blum 2014 Views

Der nun in aktiver Rente befindliche Hans-Werner mit viel Sinn schreibt
wieder anschaulich, dass man den gesunden Menschenverstand nur kurzfristig
austricksen kann:


Debitismus in Japan -
Reinkultur der wirkungslosen Altideen

Aufhänger ist die Japan-Situation und deren Geschichte von
Verschlimmbesserungen mit Altideen, die nicht funktionieren.

Zitate:

A) Das grundsätzliche Problem der makroökonomischen Politik: ... Stets
greifen die Maßnahmen nur kurzfristig. ... Jede Schuld muss ja bedient
oder getilgt werden, was der Wirtschaft künftig so viel Stimulierung
entzieht, wie sie heute hinzubekommt.

["oder getilgt" das ist abgeschrieben, ausgenullt gegen Gläubiger, nicht
überlesen!]

B) Zum anderen wirkt auch die Geldpolitik nur kurzfristig, weil ihre
Erfolge großenteils über eine Währungsabwertung zustande kommen.

[die Erläuterungen sind leicht zu überlesen, weil sie einfach
geschrieben sind, ich lese es so: die Interdependenzen mit den
ausländischen Akteuren werden einfach zu wenig beachtet.]

Dann kommt das Thema mit dem Ankurbeln, das nicht klappt wegen den Pferden
und der Tränke. Dann kommt es zu den Gründen der Politik, diese falschen
Methoden dennoch weiter anzuwenden. (Auch ZB gehören für mich zur
politischen Sphäre.)

Das Ankurbeln funktioniert nicht, weil die Politik mit einer Überregulierung die Kreditvergabe an Unternehmen verhindert. Großzügige Kreditvergabe war bisher nur im Immobilienbereich möglich, aber auch das wird sich mit den "Wohnimmobilienkreditrichtlinien" demnächst ändern. Danach wird sich die Blasenbildung ausschließlich auf Aktien und Staatsanleihen konzentrieren, wo es noch keine Einschränkungen gibt.


C) Es gilt, die nächste Wahl zu gewinnen, und dafür sind die
keynesianischen und monetaristischen Aufputschmittel nützlich.

D) Ein wesentlicher Grund für die lockere Geldpolitik liegt im Übrigen
nicht im Versuch, die Wirtschaft zu beleben, sondern darin, den Verfall der
Immobilienpreise und der Preise anderer Vermögensobjekte wie langfristiger
Staatspapiere oder Aktien zu stoppen. Es geht darum, die Entwertung des
Kapitals der Vermögensbesitzer und den Zusammenbruch von Banken und
Unternehmen zu verhindern. Etwas sarkastischer kann man auch sagen, dass
Niedrigzinspolitik immer auch Konkurse verschleppen soll, um den politisch
einflussreichen Besitzern von Aktien, Immobilien und langfristigen
festverzinslichen Wertpapieren dabei zu helfen, den Folgen ihrer
Fehlinvestitionen zu entgehen.

Nicht ganz richtig: selbstverständlich zielt die aktuelle Politik auf die Entwertung des Kapitals zugunsten der Schuldner. Sonst würden ja nicht alle schreien, dass Spareinlagen, Lebensversicherungsverträge, etc. entwertet würden. Wenn es tatsächlich so ist, dass der Besitz von Aktien durch die Politik begünstigt wird, und es jeder weiß (wie auch Sinn), dann kann doch jeder davon profitieren, indem er seine Spareinlagen in Aktien wandelt. Aber so einfach scheint es wohl nicht zu sein, denn sonst würde Sinn diese konsequente Empfehlung aussprechen.


Aber dieses Bestreben führt nicht nur dazu, dass Risiken von den Anlegern
auf die Steuerzahler übertragen werden, die auf dem Wege über die
Zentralbank in immer größerem Umfang zu Eigentümern der Wertpapiere
werden.

Am Ende trägt der "Steuerzahler", Bürger, Arbeitnehmer, Sparer oder wie man ihn auch immer bezeichnen mag, immer das Risiko. Hier handelt es sich also um eine Binsenweisheit.


Sie sind auch insofern schädlich für die Wirtschaft, als die kreative
Zerstörung überkommener Unternehmensstrukturen, deren segensreiche
Wirkungen schon Joseph Schumpeter und Karl Marx beschrieben hatten,
verzögert wird.

[dieses lange Zitat finde ich ein Beispiel für klare Sprache in
respektvoller Form und im Grunde eine elegante Form vom Ohrfeigenverteilen.
Dabei wird auch differenziert und Marx nicht "den Linken" überlassen,
sondern geguckt, wo der nützliche Analysen gemacht hat. Nützlich, weil
modellhaft passend.]

Die weitere Argumentation führt von Euro zu Überschuldung, dem Knick
nach 2008, weil die neuen US-Verschuldungen nicht mehr möglich waren und
den Immobilien-Blasen, die sich überall aufbauen, wo man "die Wirtschaft
ankurbeln" will.

Der Appell richtet sich an die Politik, keine japanischen Verhältnisse
entstehen zu lassen und Wettbewerbsfähigkeit zu fordern. Realistisch
scheint dem Prof. Sinn das aber nicht zu sein, solange der Euro
göttergleich mit Europa gesetzt wird.

Und spätestens hier werden die Grenzen des Sinnschen Denksystems offenbart. Wer bitte wird Japan als Beispiel für geringe Wettbewerbsfähigkeit ernsthaft hernehmen wollen? Im Gegenteil. Japan konnte die Verschuldungsspirale trotz vergleichsweise guter Wettbewerbsfähigkeit nicht verhindern! Wie also soll das Europa gelingen? Indem wir bei den Löhnen versuchen China und Indien zu unterbieten? Und davon hätte der Steuerzahler mehr, als von der aktuellen EZB-Politik? Womöglich weil er dann seine Steuerlast auf 0 senken könnte, weil alle Löhne in Europa unter das Existenzminimum rutschen würden??


Mein Fazit: die ganze Welt belügt sich selbst und kann so ihren Schutt
nicht loswerden und erst Recht nicht neue Ideen innovieren, also marktreif
machen. Das Puder der Maske verdeckt die Wirklichkeit und die Kurzatmigen
schreien nach mehr Puder und merken nicht, wie sie stinken und krank sind
darunter.

Ja, hier stimme ich Dir zu. Die ganze Welt belügt sich. Aber das trifft leider auch auf den Professor in Ruhestand zu.

Die Grenze des Aussprechbaren

Fidel @, Sonntag, 17.04.2016, 12:51 vor 3588 Tagen @ Wellenreiter 1959 Views

Hallo Wellenreiter

Und spätestens hier werden die Grenzen des Sinnschen Denksystems
offenbart.
Wie also soll das Europa gelingen?
Indem wir bei den Löhnen versuchen China und Indien zu unterbieten? Und
davon hätte der Steuerzahler mehr, als von der aktuellen EZB-Politik?

Glaubst du wirklich H.W.Sinn wäre so naiv? Es ist nicht die Grenze seines Denksystems, sondern die Grenze des erlaubt Aussprechbaren.

Wie kann der historische Vorteil eines Sozialsystems in sein Gegenteil verkehrt werden, so dass z.B. Gesundheitsleistungen Arbeitsplätze gefährden?

--> Nur dann, wenn die Preise im Gesundheitssystem nicht durch Konkurrenz vom Markt, sondern durch Lobbyismus von Parasiten kalkuliert werden.

Wenn ein Chinese mit 30€ im Monat überleben muss, und die KV in Deutschland um die 500€ im Monat kostet, sind irgendwann auch Ingenieurleistungen in Europa passé - weil Chinesen international studieren und eher motivierter sind als Europäer. https://www.youtube.com/watch?v=PbaD2-2Ktwc

Ich verstehe Sinn so, dass wir um in Zukunft bestehen zu können, der Konkurrenz nicht entfliehen dürfen, sondern den Vergleich selbstkritisch führen müssen. D.h. alle unserer Preise sind zu hoch, auch die des Staates und seiner Diener.

Spricht ein Ökonom das aus, wird er sofort zerrissen, obwohl die Notwendigkeit auf der Hand liegt.

Bis es dazu kommt, versuchen wir es wie Japan und werden alt + arm.

Wir schaffen das.

Grüße
Fidel

Der Sinn im Sinn ist größer als Du denkst - Aufruf zum Nachsinnen und Hintersinn finden

Blum @, D, Sonntag, 17.04.2016, 14:01 vor 3588 Tagen @ Wellenreiter 2125 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 17.04.2016, 14:46

"The sweetest praise comes from those who are free in the highest degree."(Simonides to Hiero, the tyrant)

Hallo Wellenreiter,

wenn ich Deine Ausführungen ohne Bezug zu HWS nehme, kann ich Vielem zustimmen. Mit regelmäßiger Ausnahme des Spins, Deine Ausführungen stünden ja entgegen der Aussagen von Sinn. Darauf und auf meine mäßigenden Gedanken zu Deinen Thesen gehe ich im Folgenden ein.

Damit möchte ich auch @Balu, der sich in Polemik erschöpft und Dir, der Du Argumente vorbringst, ein Gespräch anbieten. @wildheuer danke ich für seine einleitenden Worte, die meine Zusammenfassung in günstiges Licht rückten und mich rot werden ließen, na ja, wäre ich eine Frau ...

Meine These, HWS sei ein Undercover-Debitist (der es noch nicht unbedingt selbst weiss), möchte ich als provokative Spitze aufrechterhalten. Wäre es nicht schön, wenn die größere Gemeinschaft der Systemkritischen, auch mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten und manchen Sackgassen, sich auf ihre Gemeinsamkeiten konzentrieren könnten und nicht ggs. als persona non grata definierten? Divide et impera wäre damit die strategisch erfolgreiche Antwort des erfolgreichen Mainstreams, dem dieses Verhalten am meisten nützt.

Das Ankurbeln funktioniert nicht, weil die Politik mit einer
Überregulierung die Kreditvergabe an Unternehmen verhindert.

Rahmenpolitik steuert das Kreditwesen in unproduktive Bereiche:
Kredite für Unternehmen haben einen bilanziellen, politischen Nachteil gegenüber solchen für Staaten, das wollen die Staaten so, um weiter Schulden machen zu können. Aber: Unternehmen investieren nur, wenn es sich zu lohnen scheint, gegen andere Alternativen.

Grenzen des Wachstums
Der Glaube an Marktwachstum, für innovative, investiv aufwendige Produkte sinkt. Daten unterstützen dies (Gordon) Die Wirtschaft wächst nicht wegen schlechter Politik allein, sondern wegen Überschuldung in der Vergangenheit, daraus folgend sinkender Verschuldungskapazität und technologischer Sättigung.

Ponzifinanzierung ist attraktiver als Unternehmertum mit Gewinnabsicht aus Produktion
Deshalb können oder brauchen Unternehmen nicht mehr sachinvestiv zu wirken. Dazu kommt die Geldpolitik, die den Unternehmen unproduktive Unternehmenskäufe, Aktienkäufe eigener Anteile, Dividendenausschüttungen und Finanz- sowie Immobilienspekulationen attraktiver rechnen lässt als Produktinnovation. Dieser Effekt wird durch Überregulierung noch verschärft, wie Du andeutest, aber er wird nicht im Grundsatz dadurch ausgelöst.

Großzügige
Kreditvergabe war bisher nur im Immobilienbereich möglich, aber auch das
wird sich mit den "Wohnimmobilienkreditrichtlinien" demnächst ändern.

Die großzügigste Kreditvergabe findet aktuell seitens der Zentralbanken ZB statt. Kunden sind die Leute nah am Tresen, zuvorderst Staaten und Banken sowie Multinationale.

Danach wird sich die Blasenbildung ausschließlich auf Aktien und
Staatsanleihen konzentrieren, wo es noch keine Einschränkungen gibt.

Ja, hier würde aber wie oben HWS nicht widersprechen, Du nennst einfach weitere Argumente und Zusammenhänge. Kein Widerspruch bisher aus meiner Sicht.

Nicht ganz richtig: selbstverständlich zielt die aktuelle Politik auf die
Entwertung des Kapitals zugunsten der Schuldner. Sonst würden ja nicht
alle schreien, dass Spareinlagen, Lebensversicherungsverträge, etc.
entwertet würden.

Hier auch kein Widerspruch so weit erkennbar, trotz des einleitenden Satzes. Du meinst weiter unten, widersprechen zu müssen:

Wenn es tatsächlich so ist, dass der Besitz von Aktien
durch die Politik begünstigt wird, und es jeder weiß (wie auch Sinn),
dann kann doch jeder davon profitieren, indem er seine Spareinlagen in
Aktien wandelt. Aber so einfach scheint es wohl nicht zu sein, denn sonst
würde Sinn diese konsequente Empfehlung aussprechen.

Stelter empfiehlt diese Mischung, Aktien, Sachwerte, Währungen, weil er sagt, man könne nicht wissen, wie die Experimente ausgehen (und wann welche Faktoren wirklich wirken). Sinn ist als gut abgesicherter Prof. und erfolgreicher Autor nicht auf Kapitalmärkte als Anleger angewiesen. Es zeigt sich, dass er hierüber nicht direkt nachdenkt, sich auch nicht als Anlageberater versucht wie ein in der freien Wirtschaft sozialisierter Stelter. Dennoch könnte diese Empfehlung ausgesprochen werden, da hast Du Recht. Es nicht zu tun, liegt neben des persönlichen Orientierungsmusters aber auch an der Bedingtheit. Keiner weiß, wann die Börse aus ihrer Blase aufwacht / aufplatzt.

Eine aktive Begünstigung der Aktien relativ zu anderen massetauglichen Anlagen gibt es weltweit seit langem, mind. seit den 80-er Jahren. Die größere Bevorzugung liegt aber bei den Staatsanleihen.

Änderungen hieran sind keine spezifische europäische Entwicklung und keine kürzliche Betonung von Vorteilen seit 2007.

Einen Faktor, den ich im Umfang schwer einschätzen kann, geht möglicherweise gegen das Argument: Solide Unternehmen gehen wegen Überregulierung und der perversen Kurzatmigkeit des Shareholder Value-Denkens gerne ins private Feld (Going Private). Damit sind sie auch weniger medial zu greifen. Oft ist entscheidender, was man nicht berichtet oder nicht hört. Diese Entwicklungen haben auch Effekte für Arm-Reich und für indirekte Machtausübung. (Anton Schlecker hatte einen eingetragenen Kaufmann ohne Berichtspflicht für ein relativ großes Unternehmen. Das ist ein Negativbeispiel für das unregulierte Privatfeld) Aus freiheitlicher Sicht würde ich solches Handeln als Privatperson, als Familie etc unterstützen. Steuern können gezogen werden, wenn man politisch will, auch gerecht (soweit man das bei Steuern als gewaltbewehrte Abgabe sagen kann), also nachhaltigere Konzepte als Börsen mit elektronischen Sekundenanlegern wären schon überlegenswert und es gibt sie (noch).

Am Ende trägt der "Steuerzahler", Bürger, Arbeitnehmer, Sparer oder wie
man ihn auch immer bezeichnen mag, immer das Risiko. Hier handelt es sich
also um eine Binsenweisheit.

Einerseits hast Du Binsenweisheiten benannt, andererseits ist das Gegenteil ja der Sozialismus für Reiche. da kann sich der Bürger, so er reich und vernetzt ist in die Politik, wegen deren Schwäche an Charakter, sich am Anfang herausstehlen, genau dann, wenn er selbst stürzen müsste. Das also müsste nicht so sein und genau das kritisiert Sinn. Insofern kein Widerspruch. Und Binsenweisheiten sind leider notwendig, manchen ideologisch verseuchten Lesern immer wieder ins Gedächtnis zu bringen. Angesprochen werden sich übrigens damit nur diejenigen fühlen, die aus Vermögenssubstanz etwas zu verlieren haben (!). Und diese Gruppe wird stetig kleiner.

Der Appell richtet sich an die Politik, keine japanischen Verhältnisse
entstehen zu lassen und Wettbewerbsfähigkeit zu fordern. Realistisch
scheint dem Prof. Sinn das aber nicht zu sein, solange der Euro
göttergleich mit Europa gesetzt wird.


Und spätestens hier werden die Grenzen des Sinnschen Denksystems
offenbart. Wer bitte wird Japan als Beispiel für geringe
Wettbewerbsfähigkeit ernsthaft hernehmen wollen? Im Gegenteil. Japan
konnte die Verschuldungsspirale trotz vergleichsweise guter
Wettbewerbsfähigkeit nicht verhindern! Wie also soll das Europa gelingen?
Indem wir bei den Löhnen versuchen China und Indien zu unterbieten? Und
davon hätte der Steuerzahler mehr, als von der aktuellen EZB-Politik?
Womöglich weil er dann seine Steuerlast auf 0 senken könnte, weil alle
Löhne in Europa unter das Existenzminimum rutschen würden??

Hier könntest Du weniger den HWS als mich kritisieren, meine Schlussfolgerung war nicht differenziert aufgestellt.

Dein Hinweis ist eine interessante Anregung für ein Vergleichsmodell D - EU - Japan:

D hat wie Japan eine patentreiche Industrie und weltweit - auch bei höheren Preisen - sehr wettbewerbsfähige Produkte. Demografisch gibt es in D ähnlich wenige Geburten pro 1000 Einwohner wie in Japan. [Dagegen haben beide 588 Kfz pro Einwohner gemeiner Vergleich, Bestände mit Zugängen zu vergleichen, gemerkt? [[zwinker]]

Die EU als Ganzes hat neben ein paar Leistungsfähigen viel weniger Patente als Japan, ist also nur partiell wettbewerbsstark. Die Divergenz ist viel größer als in Japan.

Die kulturelle Identität der Japaner ist homogener als die der Europäer.

Nun weitere Gemeinsamkeiten, nur auf der Zeitschiene versetzt:
EU und Japan halten sich Banken- und Unternehmenszombies, die Japaner nur eben länger.

Beide machen Schulden mit Niedrigstzinsen, um das Ponzispiel nicht auffliegen zu lassen, nur die Japaner eben schon länger.

Beide arbeiten sich also in der debitistischen Schuldenspirale nach oben, nur Japan eben länger und höher.



Großer Unterschied: Japaner verschulden sich in eigener Währung bei Japanern, Europäer verschulden sich - bei Deutschen! Und das ist der viel gefährlichere Feind des Friedens für Europa.

Wegen des Verschuldungsziels (Jap-Jap versus €-D), wegen der Kulturunterschiede und wegen der Leistungsdifferenzen sind wir in Europa bei sonst gleichen Voraussetzungen wie in Japan wirtschaftlich noch viel gefährdeter und schlechter aufgestellt!

Die Warnung, die gleichen systemischen Fehler Japans in der Geld- und Schuldenpolitik nachzumachen, bei gleichzeitig schlechteren Rahmenbedingungen, ist angesichts des zeitlich vorlaufenden Misserfolges der japanischen Modells der Lauf in den Abgrund. Das sagt HWS etwas weniger drastisch auch.

Ja, hier stimme ich Dir zu. Die ganze Welt belügt sich. Aber das trifft
leider auch auf den Professor in Ruhestand zu.

Dass es einen großen Schuldenerlass = Vermögensausbuchungen braucht, hat Herrhausen schon für die internationale Finanzwelt gesagt (und deshalb mit dem Leben bezahlt?) und das gilt heute auch für Europa, für die westliche Welt. Es braucht einen Reset: das tote Pferd nicht mehr weiterreiten oder schönreden, es kann ja nicht mehr trinken.

Der Wahrheit ins Gesicht sehen.

Der Professor ist auf dem besten Wege, das der Bevölkerung beizubringen. er belügt sich nicht. Er ist klug genug, die Wahrheit in kleinen Happen zu sagen, damit nicht um ihn herum die Lichter ausgehen, die Rolläden runtergelassen werden und die Wahrheit einsam im Keller ihr Dasein fristet*.

Blum dankt Wellenreiter für diese Wellen als große Vorlage, darauf reiten zu können [[top]]

[neben Fidel, der gerade autonom einen Teil meines Schlusswortes erläutert, möchte ich noch eine weitere Anmerkung machen, die den Satz "einsam im Keller ihr Dasein fristet ..." bezüglich des DGF pointiert fortsetzt: *...wie bald im DGF, dessen Außenwirkung stetig sinkt mit dem stetigen Sinken des Gesprächsniveaus, wie CM prognostiziert hat.]

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It's not what you don't know that gets you into trouble, it's what you know that just ain't so that gets you into trouble. (Satchel Paige)

In der Sache hart und klar bleiben, im Ton aber eher unterkühlt als überhitzt, das schafft Zuhörer und gibt denen Denk-Raum

Blum @, D, Sonntag, 17.04.2016, 14:05 vor 3588 Tagen @ CalBaer 1745 Views

Vielen Dank für Deinen Link. Man sollte diesen letzten Aufrechten des Denksystems Hochschule und volksnahen Dienern des Volkes Unterstützung geben, wo man kann.

Blum

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It's not what you don't know that gets you into trouble, it's what you know that just ain't so that gets you into trouble. (Satchel Paige)

Absolute Zustimmung: Deshalb ja auch die "Analphabeten-Migration".

Olivia @, Sonntag, 17.04.2016, 16:04 vor 3588 Tagen @ Fidel 2018 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 17.04.2016, 16:20

Es geht im Prinzip alles darum, dass man in Europa die "Anspruchshaltung" der ehemaligen Bürgerschicht den Gegebenheiten der "Globalisierung" anpassen wird.

Bekannte von mir, die 2008 aus dem Silicon Valley nach D kamen, erzählten, dass im mittleren/höheren Bereich der Programmierer und Systemanalytiker fast nur noch Asiaten tätig waren. Sie waren fleißiger. Weiße Amis waren kaum noch anzustellen, weil sie nicht mehr konkurrenzfähig waren. Vor einigen Tagen kam eine Studie der Hans-Seidl-Stiftung heraus. Sie betrifft das Ausbildungsniveau in D. Eine reine Katastrophe! Es wird überall nur noch "durchgewunken". Dafür haben dann über 50 % irgend eine Art von Abitur und fast alle studieren "irgend etwas". Die werden in der Regel genauso auf der Straße sitzen wie im restlichen Europa oder sie werden bei Mc Do. arbeiten, wie in den USA.

Die "Jugend" in Europa weiß bereits, was auf sie zukommt. Jetzt geht es darum, den "Alten" das überflüssige Vermögen zu entnehmen. Das macht man mithilfe von Masseneinwanderungen erwachsener, männlicher Analphabeten. Die sind zum überwiegenden Teil weder ausbildbar (zu hoher Testosteronspiegel um noch jahrelang auf der Schulbank zu sitzen) noch in das Berufsleben integrierbar (zumeist keine verwertbaren Kenntnisse). D.h. sie werden sich als hochexplosive Mischung, die von der Wiege bis zur Bahre alimentiert werden muss, in der Gesellschaft befinden. Also ein irrer finanzieller Aderlass in der Zukunft. Derzeit finden noch massenhaft "Betreuer", die sonst arbeitslos wären, einen Job. Vor Jahren "tanzten" z. T. 3 "Betreuer" um einen "Sozialfall" herum. Inzwischen braucht man mehr "Betreuer". Alles im wesentlichen unproduktive Arbeit, die lediglich dazu dient, den gesellschaftlichen Frieden halbwegs zu erhalten. Da man vermutlich auch die Art von Arbeit, die diese Menschen machen können, nicht nach D zurückholen wird, kann man sich die "Zukunft" und die "Unzufriedenheit" dieser jungen Männer "ausmalen". Das alles kostet immenses Geld. Und jetzt darf jeder alleine weiter rechnen. Die gesellschaftlichen Unruhen bzw. Spannungen werden aber möglicherweise dazu beitragen, dass die Reduzierung der Vermögen nicht mehr im Focus steht, sondern die Sicherheit. Alles ist relativ.

--
For entertainment purposes only.

Vom Bildungskongress für berufliche Integration von Migranten in MUC

Fidel @, Sonntag, 17.04.2016, 17:03 vor 3588 Tagen @ Olivia 1965 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 17.04.2016, 17:12

Hallo Olivia,

vergangenen Donnerstag fand ein Bildungskongress für berufliche Integration von Migranten/Flüchtlingen im Plenarbereich des bayrischen Landtages statt.

Praktisch vom Podium selbst kam die Forderung an die Politik den Lehrkräften an z.B. Berufsschulen endlich unbefristete Stellen zu bieten.

Die Einwanderungsnation BRDeutsch(e)land ist nicht fähig, den Lehrkräften der Zuwanderer anderes als prekäre Arbeitsverhältnisse zu geben. Neben Zeitverträgen sind das freiberufliche Honorarverträge...

Die Forderung eines Migrationsforschers nach Traumpädagogen und spezialisierten Psychologen für Migranten
mit ca. 10000 $ Schlepperschulden schien dagegen von einem anderen Planeten.

Makaber, wenn die einheimische Bevölkerung nicht bemerkt, in welchem Ausmaß die Um-fair-Teilung ohne beamtete Gutmenschen schon läuft:

2016 ca. 4.5Mrd.€ von Bayern für Flüchtlinge
2010-2015 ca. 1.5 Mrd.€ in Bayern für den Aufbau von Breitbandnetzen
--> gemäß Fraktionsvorsitzendem Thomas Kreutzer...

Wir erhöhen laufend die Kosten des Sozialsystems und wundern uns über die offene Globalisierung dt. Wertschöfpungsketten.
Der Markt, die dummen Manager, unfähige Unternehmer sind Schuld am Verlust von Wettbewerbsfähigkeit.

Wir schaffen das!

Grüße
Fidel

Ja, ich weiß! Die jungen Leute werden teilweise schlimm "ausgenommen" - Die "Alten" kapieren es nicht!

Olivia @, Sonntag, 17.04.2016, 17:46 vor 3588 Tagen @ Fidel 1919 Views

2016 ca. 4.5Mrd.€ von Bayern für Flüchtlinge
2010-2015 ca. 1.5 Mrd.€ in Bayern für den Aufbau von Breitbandnetzen
--> gemäß Fraktionsvorsitzendem Thomas Kreutzer...

Wir erhöhen laufend die Kosten des Sozialsystems und wundern uns über
die offene Globalisierung dt. Wertschöfpungsketten.
Der Markt, die dummen Manager, unfähige Unternehmer sind Schuld am
Verlust von Wettbewerbsfähigkeit.

.................

Eine angehende Medizinerin, die kürzlich bei uns war, erzählte, dass die jungen Ärzte sich die Finger wund schreiben mit Bewerbungen. Weitgehend hoffnungslos. Ich überlege die ganze Zeit, welche Weichenstellungen ich vornehmen kann, damit meine Tochter Zukunftschancen haben wird.
Sobald man mit "älteren" 55-60+ Leuten spricht, dann stößt man komplett auf Verständnislosigkeit. Die begreifen es nicht. Die konsumieren und sind happy. Die Rente ist sicher! Das glauben sie jedenfalls und sterben vielleicht auch noch rechtzeitig. Aber die jüngeren Menschen, die sind bereits jetzt damit konfrontiert. Die Dummen versuchen noch, das Sozialsystem auszubeuten, die Klugen überlegen sich, wohin sie auswandern können.

--
For entertainment purposes only.

Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WKR) - interessant für Häuslebauer und Betongoldfundis - mL

Centao @, Donnerstag, 07.07.2016, 13:43 vor 3507 Tagen @ Wellenreiter 1329 Views

Hallo @Wellenreiter,

ergänzend hier eine m.E. gute Quelle zur Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WKR).

Viele Grüße,
CenTao

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