Verehrtes Nordlicht (gibts ja bei Euch nicht, - ich habs aber in Hammerfest und am Nordkap gesehen)!
Hab das alles mal so durchgelesen, weil ich selbst zu den Typen gehöre, die schon einiges im Leben durchgezogen haben, wo sich andere entweder an den Kopf gegriffen oder mit 10 gespreizten Fingern in meine Richtung gezeigt haben. Wollte mal sehen, ob ich noch was dazulernen kann, auf meine alten Tage.
Bin auch mal von D aus nach Spanien in den Urlaub gefahren, mit unserm Wohnwagen (ein 12m Schiff mit 2,5 to, und hab den an einen kleinen Ford-Bus drangehängt (2l Benziner, altes Modell), weil das eigentliche Zugfahrzeug überraschend fahruntüchtig wurde und sich die Fahrt nicht verschieben ließ. Sah lustig aus, - so wie Pat und Patachon. Am gefährlichsten wars in D, - da bin ich nur so zwischen 4 Uhr und 8 Uhr gefahren, sowieso nur auf Straßen der 3. Kategorie. Auch in Frankreich und Spanien meist nur auf Nebenstraßen, ist aber alles gutgegangen. Von meinen Umzugsfahrten von D nach RO rede ich erst gar nicht, da kannn ich ein Buch drüber schreiben.
Einmal bin ich in Spanien von der Streife aufgehalten worden. Dachte mir schon, dass ich nun gefressen werde. Sie haben mir aber nur eine Strafe aufgebrummt, weil das Gespann länger als 12 m ist und man in Spanien dafür hinten ein extra Schild anbringen muß. Dass der Bus nur 2 to ziehen darf und der Wohnwagen lt. Zulassungschein schon 2,5 to hatte (reden wir nicht davon, wieviel er tatsächlich wog, - weiß ja jeder Wohnwagenurlauber), haben sie gar nicht bemerkt. Zuhause angekommen, hat mir kein Mensch geglaubt, dass ich mit dem Unikum in Frankreich und Spanien am Meer war und bis in die Nähe von Madrid zu Bekannten gefahren bin.
Ein einziges Mal wurde es haarig, als ich eine Steigung erwischte, die nicht richtig beschildert war (wie gesagt - absolute Nebenstraßen), und die der Ford mit dem Gewicht nicht gepackt hat. Da mußte ich mangels Umkehrmöglichkeit 150 m zurückstoßen, - meine Frau ging brav eine Stunde lang hinter dem Fahrzeug, damit der Verkehr hinter mir unter Kontrolle war. Aber auch die Serpentinen in Andorra hinauf zum Paß packte der Ford ganz anständig.
Zum Thema:
Der Vorschlag von Matthias erscheint mir etwas kurios, müßte aber genau abgeklopft werden. Aber auch der Vorschlag von zip mit dem Spendenprojekt bedarf einer Überprüfung der Realisierung. Beide Vorschläge klingen auf den ersten Blick verrückt, aber meist funktioniert das Verrückte in Deutschland (siehe Immigranten).
Ich kann Dir nicht sagen, wie Du es machen sollst, da ich die Behörden weder im einen noch im anderen Kreis kenne und das Vehikel nicht persönlich in Augenschein genommen habe. Aber ich kann Dir sagen, wie ich es machen würde.
1) Der Anhänger ist schön, die Holzbauweise gefällt mir. Was mir dazu nicht gefällt, ist das Dach. Das würde ich auf alle Fälle ändern. Entweder würde ich mir ein Wellblechdach (Ziegelimitation) draufmachen, zumal Ziegel wahrscheinlich zu schwer sind. Dazu kann man bei diesen Blechelementen auch verschiedene Farben auswählen, - ist Geschmackssache. Dazu kommt, dass man auf diesen Blechdächern auch nachträglich Solarelemente anbringen kann, - was sich vielleicht später aus Wirtschaftlichkeitsgründen empfehlen läßt.
Bei dieser Gelegenheit würde ich das Dach eben abmontieren, einschl. der Sparren, und das Ganze mit stabiler Plane abdecken, - weil man ja auch mit Regen rechnen muss. Der Rauchabzug muss ohnehin bei der Fahrt weg. Kann mir gut vorstellen, dass man da deutlich unter die 3 m - Marke kommt, wodurch sich vieles vereinfacht. Wenn es nicht sogar dann schon unter der 2,50 m Marke ist.
2) Der auch hier schon gefallene Rat mit der absoluten Prüfung auf Fahrtüchtigkeit (insbesonders Reifen und auch Bremsen (evtl. Auflaufbremse, oder existiert gar keine?) muss auf alle Fälle genau beachtet werden, - nichts schlimmer, als unterwegs deshalb eine Panne zu haben.
3) Ich würde mich aus Kostengründen mit einem Bauern resp. Traktorfahrer in Verbindung setzen, weil das wahrscheinlich die preisgünstigste Variante ist. Auch, wenn das Gespann nur 30 km/h fährt (mehr würde ich mir auch nicht zutrauen), so ist man doch nach 3 - 4 Stunden am Zielort.
4) Ich würde mir absolute Nebenstrecken aussuchen, wenn möglich auch Feldwege, die der Traktor ja befahren darf. Das natürlich erst mal abfahren (nach Möglichkeit mit dem Traktorfahrer, um späteren Diskussionen vorzubeugen).
5) Das Gesetz mit den 5-Tageskennzeichen und dem TÜV ist natürlich kontraproduktiv, aber auch da gibts einen Trick, - nachzulesen in:
http://www.autobild.de/artikel/kurzzeitkennzeichen-neue-regeln-5335645.html
Ich würde mir aus dem Umkreis von zwei oder drei Karrosseriewerkstätten eine kurze Bestätigung einholen, dass sie "leider derzeit nicht in der Lage" sind, den Auftrag zur Modernisierung des Anhängers zu übernehmen. Alles eine Sache der Argumentation, ich hab auch im Kreis Cuxhaven früher verständnisvolle Leute getroffen. Dann würde ich mir eine Werkstatt aussuchen, die hinter meinem eigentlichen Zielort liegt. Wenn diese Werkstatt noch einen kurzen Wisch ausstellt, so in etwa :"Die genauen Kosten für Ihren gewünschten Umbau einschl. TÜV-Untersuchung können wir erst aufgeben, wenn wir das Fahrzeug in unserer Werkstatt haben", - dann ist das kein großer Schreibaufwand für die Werkstatt und Du hast Dir einen wichtigen Punkt erspart: Du brauchst dann keinen TÜV.
Denn in dieser Werkstatt würde dann der TÜV gemacht werden, - auch, wenn sie selbst kein TÜV-Standort ist (gibt ja auch mobile TÜV-Institutionen, z.B. auch DEKRA)
Wenn dann das Fahrzeug kurz vorher und zufällig in der Nähe Deines Bestimmungsgrundstückes eine Reifenpanne hat und nicht mehr weiterfahren kann, - wer kann denn dann was dafür?
6) Sollte die Sache so ablaufen, dann würde ich mir trotzdem aus meinem Bekanntenkreis noch zwei Fahrzeuge organisieren, die vor und hinter dem Gespann - wenn notwendig mit Warnblinker - fahren würden.
7) Da der Wohnwagen wohl kaum eine StVZO-Anlage haben wird, würde ich mir auf alle Fälle eine mobile Schiene aus einer Werkstatt ausleihen, die Blinker und Bremslichter hat, und man das Ding mittels Kabel am Traktor anschließt. Denke, dass man die Punkte ausgeräumt hat, wo einem die Herrschaften in Uniform ans Bein pinkeln können.
8) Sollte man doch im Überbreitenbereich liegen, dann gäbs noch eine andere Variante: Ich würde mich mit einer Transportfirma in Verbindung setzen, die solche Transporte durchführt, - aber nicht mit Tieflader, - das ist schweineteuer. Ich würde mit denen einen Preis ausmachen, worin enthalten ist, dass die sich um die Papiere und Fahrgenehmigung kümmern und ggf. noch ein Begleitfahrzeug (mit gelber Rundumleuchte) stellen. Die verfügen übrigens auch über die mobilen Rücklichter (Pkt. 7).
Der Grund dafür ist, dass diese Kerle, die das beruflich machen, ihre Pappenheimer bei den Behörden so gut kennen, dass sie meistens schon per Du mit denen sind. Dadurch geht das ganze wesentlich problemloser vor sich, denn der Beamte weiß ja, mit wem er es zu tun hat und dass es sich um eine professionelle Firma handelt. Beim Privatmann prüft der ganz anders und sagt im Zweifelsfalle immer "Nein". Denn wenn er "Ja" sagt und es passiert was, dann ist er auch dran.
9) Wenn man unter der Überbreite ist und das Ganze mit Traktor und zwei Begleitfahrzeugen durchzieht, würde ich mich trotzdem vorher schlau machen, ob man das auch an einem Sonntag machen kann (am besten 6 Uhr früh). Kenne die aktuellen Kriterien nicht, was das aktuelle Sonntagsfahrverbot in Deutschland betrifft. Gibts in RO nicht. Wenns nicht am Sonntag geht, dann jedenfalls am Samstag, - auch dann ist viel weniger Verkehr (und auch nur der Bereitschaftsdienst der Uniformierten) vorhanden.
10) Der wichtigste Punkt: Ich hab Dir gesagt, wie ich es machen. würde. Du machst das, was Du für richtig hältst. Nicht, dass Du mir die Schuld gibst, wenn irgendwas in die Hose geht. Wichtig ist - kühles Blut. Aber im Norden habe ich meistens Leute getroffen, die nicht viel geredet haben (im Gegensatz zu mir), dafür aber Nerven wie Stahlseile hatten.
Wenn Dir mein Geschwafel etwas geholfen hat, dann soll es mich freuen.
Noch ein schönes Wochenende!
Helmut