Hallo BillHicks,
Jetzt kommt man zu der Einsicht, dass eine Geldpolitik zumindest nach
Vorlage der Bundesbank nicht für ein größeres Gebiet möglich ist,
wo
die Produktivitäten und die Arbeitseinstellung der Bewohner
unterschiedlich ist, siehe z.B. Deutschland oder Holland vs
Griechenland.
natürlich erzählen wir uns das gerne... Wir sind halt einfach zu
fleißig für die faulen Südländer...
Na ja, anders sozialisiert (Verlierer des WKII) wohl schon mit dem kollektiven Anspruch, es alles besser machen zu wollen als vorher und wenn möglich, wieder freundlich in der Staatengemeinschaft aufgenommen zu werden.
Aber wo bleibt in dieser Sicht die Berücksichtigung der Rechtssysteme?
Könnten unterschiedliche Rechtssysteme - bei einmal angenommen völlig
identischer Arbeitseinstellung - nicht allein schon für Probleme sorgen?
Probleme für wen? Nur für die Bewohner? Vielleicht auch ein bisschen für den Staat?
Ist die "Arbeitseinstellung" nicht etwas, das mit "Pflichterfüllung",
d.h. mit Termin, mit Schulden, d.h. mit "Recht" zu tun hat?
Ist denn etwas von Wert, wenn es sanktionslos ist?
Wie würde sich die "Arbeitseinstellung" der fleißigen Deutschen
etwickeln, wenn diese morgen feststellten, dass weder ihre
Steuerverbindlichkeiten, noch ihre privaten Forderungen und
Verbindlichkeiten verlässlich durchsetzbar wären?
Genau, es geht um die Durchsetzbarkeit mit Androhung von Sanktionen.
Wenn sich Sanktionen aber wegkorrumpieren lassen, was dann?
Bei den Amis dagegen, leben die Südstaatler in Louisiana oder
Mississippi
auf wesentlich niedrigerem Niveau, als die fleißigen "caucasian" Denker
um
Boston herum.
Es leben aber allesamt unterm Dach des US-Bundesrechts.
Demnach hat das Bundesrecht keinen Einfluß auf den unterschiedlichen Lebensstandard in einzelnen Bundesstaaten.
In €uroland gibt es das nicht.
Gäbe es ein Bundesrecht, wären damit unterschiedliche Lebensstandards in den Bundesstaaten aufgehoben?
Und welches System schwebt Dir für €uroland vor?
USA – Staaten gehen bankrott, oder BRD – Ausgleich per Zahlungstransfer?
Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: eine Forderung,
nominiert in €, die in Deutschland besteht ist nominell (quantitativ)
identisch mit einer Forderung gleicher Höhe, die in Griechenland besteht.
Sie sind beide ERFÜLLBAR (juristischer Vorgang) mit demselben
Zahlungsmittel (z.B. per Übergabe von Banknoten der ΤÏάπεζα της
Ελλάδος (griechische ZB) oder der Bundesbank).
Sind die Forderungen aber auch QUALITATIV gleich?
Selbstverständlich nur dann, wenn die unterschiedlichen Rechtssysteme, in
welchen diese Forderungen bestehen, ebenfalls QUALITATIV gleich wären.
Das ist doch nichts Neues und hat auch mit €uroland nichts zu tun (siehe den der Welt aufgestülpten US$).
Jeder hat gegenüber jedem Ausländer, egal ob Staat, Unternehmen oder Bürger, mit unterschiedlichen Rechtssystemen, bzw. unterschiedlichen Gesetzen und deren Durchsetzbarkeit zu tun.
Dies betrifft ÖR und PR und ebenso supranationaes Recht.
Und für jeden Bereich hat sich ein mehr oder weniger praktikabler Weg des Ausgleichs herausgebildet (z.B. Handelsabkommen mit Schiedsgerichten).
Und welcher Hybris unterliegt der Gedanke, daß unseres oder irgendein anderes das bessere ist?
Sind sie das? Z.B. bzgl. Vollstreckbarkeit von Forderungen?
Nein? Nicht identisch?
Wer bitte kommt dann auf die Idee eine gemeinsame (= identische) Währung
für unterschiedliche (= qualitativ nicht identische) Rechtssysteme zu
machen? Das waren nicht zufällig Entscheidungsträger, die von Ökonomen
beraten wurden, welche das Recht für eine unwichtige Nebensache halten,
die den "ökonomischen Notwendigkeiten" unterzuordnen sei?
Bei der Einführung haben doch nicht nur Ökonomen beratenden Einfluß gehabt.
Und selbst wenn, hätten die am ehesten fachkundig auf früher gescheiterte Versuche von Währungsverbünden hinweisen und die Einführung „verhindern“ können.
Es ging halt nicht um Ökonomie, es ging um Ausweitung staatlicher Macht, um die Erweiterung des Konstruktes EU.
Ist es nicht langsam an der Zeit die ökonomischen Ideen ohne juristische
Basis in den Köpfen der Entscheidungsträger durch Ideen, die mit der
juristischen und chrematistischen Wirklichkeit Kontakt haben, zu ersetzen?
Wird das nicht seit Jahrzehnten versucht mit der politischen Ausweitung der EU und der fortlaufenden Normierung selbst kleinster Bereiche jeden Bürgers?
Hat sich dadurch an der in den Ländern sehr unterschiedlichen chrematistischen Wirklichkeit etwas geändert?
Der große Durchbruch zu einem Staatenbund/Bundesstaat ist noch nicht gelungen und rückt täglich in weitere Ferne. Nicht alle Länder sind bereit, ihre Staatsmacht zugunsten eines Überbaus aufzugeben oder sie wesentlich einschränken zu lassen. Und das Recht, die Gesetzgebung ist halt ein wichtiges Staatsmonopol.
Freundliche Grüße
KK