Der Leser hatte noch was nachgelegt, nämlich ein Video zu Reichesdorf:
http://rutube.ru/video/e7fa2f60241be74af705ee55228cca81/?ref=search
Gut, ich kenne dieses Dorf, auch den Mann, von dem die Rede ist. Ein Unikat, in jedem Sinne, - ein seltenes Exemplar, - aber ein fabelhafter Mensch. Aber das betrifft nur die Situation auf den Dörfern, in den Städten siehts anders aus.
Mein Kommentar zu den Einwendungen von vorhin:
Was mir suspekt wirkt:
Wir haben seit anno 1350 Deutsche in Siebenbürgen.
Wir haben weiterhin eine Geschichte ebenda vorzuweisen, die bis nach Temesvar hin eine Kultur Deutscher hervorbrachte, die jener der des Kernlandes z.B. Mädchen und Buben in dieselbe Schule gehen zu lassen, um "Lichtjahre" voraus war.
Der Weltraum wäre für Wernherr von Braun nicht ohne Hermann Oberths Wissen und Lehren zu erschliessen gewesen, Oberth einen Deutschen Wissenschaftler aus Siebenbürgen, der sein Wissen aus den Lehren, die er in der Heimat genoss erschloss!
Mein Kommentar dazu: Als diese alte Garde bei der NASA abgetreten ist, die noch vom Wissen der Leute wie von Braun und Oberth profitierten, hats nur noch Pannen gegeben. Heute ist das NASA-Programm beendet.
Während Ceaucescu, freilich, aber auch noch danach, blutete das Land aus, im Sinne der fortziehenden Deutschen, die allesamt vielmehr in Deutschland ihre Zukunft sahen, als im 700 Jährigen Siedlungsraum Siebenbürgen.
Ich habe die letzten Jahre der Ceaucescu-Diktatur noch als Tourist erlebt, - das mit dem Ausbluten muss man differenziert sehen. Die Auslandsschulden waren vor der Revolution (die sowieso keine war) auf Null, allerdings auf Kosten der Bevölkerung. Dabei in erster Linie die Leute in der Stadt, - die auf dem Dorf hatten immer, was sie brauchten.
Ausgeblutet ist das Land, als die Deutschen nach der Revolution weiter ausgezogen sind und die ehemaligen Direktoren aus der Ceaucescu-Zeit freie Hand hatten. Die plünderten die Fabriken aus und hinterließen nur noch Ruinen, - natürlich ohne Arbeitsplätze. In der Stadt, in der ich lebe, waren über 50 namhafte Fabriken, die nicht nur Qualität produzierten, sondern auch jedem einen sicheren Arbeitsplatz garantierten. Heute brauche ich keine ganze Hand mehr, um die Fabriken noch aufzuzählen ,die verblieben sind und noch produzieren.
Das Ergebnis: Es waren die Auslandsschulden auf Null, und heute sind sie auf mehr als 150 Milliarden Euro. Aber es ist kein Gegenwert zu erkennen, was mit diesem Geld erschaffen wurde.
Es seien Hundertausende, die vor dort weggegangen sind, geblieben sind die Alten.
Haben sich die Weggehenden also grundsätzlich getäuscht?
Ich habe in meinem Betrieb in Deutschland immer Leute aus Siebenbürgen beschäftigt. Daher meine Verbindung und auch mein Wissen, oft Insider-Wissen. Es gab auch in Rumänien Leute, die außer Dummheiten nichts im Kopf hatten. Da gabs welche, die nichts gearbeitet hatten, ständig im Knast wg. irgendwelcher Delikte waren, usw. Davon gabs einige, die vom Regime einen Reisepaß bekommen haben (was die „anständigen“ Leute sich teuer erkaufen mußten), und die ohne Probleme ausreisen durften. Nach dem Motto: „Geh mit Gott, aber geh endlich“.
Die kommen nach Deutschland, in den 80er Jahren. Da wurden noch Arbeitskräfte gesucht. Der ließ sich in irgendeinem Betrieb anstellen, nach drei Monaten ging er mit den Lohnabrechnungen zur Bank und bekam seinen Dispo. Dann kaufte er sich einen alten, gebrauchten Schlitten, bezahlte den mit 500 DM an und war stolzer Besitzer eines 15 jahre alten Autos, von dem die meisten in Rumänien nur träumten. Dann stopfte er sich den Kofferraum mit Süßigkeiten, Jeans und sonstigem Zeug voll und fuhr schon nach einem halben Jahr, nachdem er aus RO draußen war, wieder auf Besuch in die Heimat zurück.
Alle haben dann Mund und Augen aufgerissen und diejenigen, die in seinem direkten Umfeld lebten, sagten sich: Wenn der Scherenschleifer, der dem Herrgott immer den Tag gestohlen hat, das bereits nach einem halben Jahr hingekriegt hat, was muß ich dann erst in Deutschland bewirken, wo ich doch von früh bis spät maloche. So wurde den meisten in Rumänien bewußt oder unbewußt Sand in die Augen gestreut.
Freilich kenne ich sogar eine Rückkehrerin, die aufgrund ihres Alters wieder nach Rumänien ging, weil ihr Deutschland, als ein zu fremdes Land vorkam.
Aber wäre der Entschluss des Fortzuges grundlegend falsch, müssten doch vor allem diejenigen, die ohnehin von da kamen, allesamt wieder die Heimreise antreten.
Tun sie das?
Der Siebenbürger Sachse ist ein sehr familienorientierter Mensch. Auch die Alten, die eigentlich niemals weggezogen wären, stellten sich irgendwann die Frage, was sie noch in ihrer angestammten Heimat sollten, wenn die Kinder und die Enkel in Deutschland lebten und sie diese nur mehr über Fotos sahen.
Manche, die zu sehr an ihrer Scholle hingen, sind ja auch geblieben. Aber viele gingen ins Lager und dann in irgendeine Drei-Zimmer-Wohnung im Wohnblock, - und sind daran ausgetrocknet. Ich kenne die genaue Dunkelziffer nicht, sie ist auch bei den Siebenbürgern tabu, - aber es ist eine sehr hohe Zahl von Selbstmorden von Leuten, die mit der Realität in Deutschland nicht zurechtgekommen sind. Wird aber totgeschwiegen.
Dazu kommt noch die Eigenart, der Stolz der Siebenbürger. Zurückgehen nach Rumänien würde für sie bedeuten, zuzugeben, dass sie es in Deutschland nicht geschafft hätten, und zu riskieren, sich von den verbliebenen Rumänen auslachen zu lassen.
Aber nach wie vor suchen sie den Ersten, der ausgewandert ist, damit sie ihn (bildlich gesehen) totschlagen können, weil dem geben sie die Schuld am Exodus der Volksgruppe.
Mir ist jemand persönlich bekannt der aus Russland hier her (D) ausreiste perfekt deutsch spricht, einen guten Job hatte und nach 2-3 Jahren (vor zwei Monaten) wieder zurück geht, weil er selbst in der Provinz (1.000km von Moskau entfernt) mehr Perspektive für sich und seine Familie erkennt, als hier.
Der Mann war einfach nur Realist, - und hat sich über Emotionen hinweggesetzt.
Die Sprache ist i.d.R. die Hürde, über welche viele nicht hinwegkommen - siehe auch umgekehrt die Türken hierzulande!
Kleiner Unterschied: Wenn man in der Schule Latein hatte, dann kommt man schnell ins Rumänische hinein, - mir ist es zumindest so gegangen. Es ist für den Rumänen ungleich schwerer, deutsch zu lernen als für den Deutschen rumänisch. Abgesehen davon kommt man im Geschäftsleben spielend mit Englisch zurecht, bezogen auf ganz Rumänien. In Siebenbürgen gehen die Uhren sowieso deutsch. Viele Unternehmen sind in deutscher, österreichischer, schweizer und holländischer Hand, - da braucht man nur deutsch können.
Demzufolge wäre eine Ausreise für jeden vielmehr willkommen, wenn er sich in eine quasi deutsche Kolonie, begibt, weil ihm dabei schonmal die sprachlichen Probleme erspart bleiben, sowie darüberhinaus man sich erfahrungsgemäß ohnehin lieber unter Gleichen als Fremden gesellt und früher oder später dort auch bevorzugt verweilt. (siehe Parallelgesellschaften in D)
Ich bin nur dehalb hierher gezogen, weil ich wollte, dass mein Sohn hier auf die deutschen Schulen geht, was alles problemlos geklappt hat. Die deutschen Strukturen sind in Siebenbürgen nach wie vor vorhanden. Dazu kommt die Vereinfachung in der Kommunikation, - weil man mit den Leuten auf höherem Niveau sowieso deutsch reden kann, auch wenn es sich um Rumänen oder Ungarn handelt. Traditionsgemäß haben die “besseren“ Rumänen ihre Kinder immer auf die deutschen Schulen geschickt.
Das ist für sich genommen völlig normal, denn auch eine Deutsche Wolgarepublik, hätte es ohne dieses völlig natürliche Verhalten niemals gegeben!
Was also gesucht wird, ist ein Siedlungsraum, der zum Einen eine noch signifikant hohe Zahl an Deutschen vorzuweisen hat, bestenfalls mit Wachstum. Gibt es einen solchen?
Ich meine ja, - gerade in Siebenbürgen. Gefördert durch die Merkel-Politik. Unter anderem.
Zum Zweiten, will man keinen solchen Schritt unternehmen, wenn man nicht sicher ist, daß sich die Entvölkerung, wie geschehen, wiederholt. Wie gesagt, siehe Oberth, Entvölkerung aus einem Gebiet mit höchstem wissenschaftlichem und kulturellem Niveau!
Aber quasi denken wir grad über denselben Fakt im Heimatland nach, eine Garantie gibts so gesehen wohl für nichts und Niemandem.
Das ist die Problematik. Wer weiß, wie es in Deutschland in 50 Jahren aussieht, wenn es so weitergeht? Für uns wirds ja vielleicht noch reichen, aber was ist mit den Kindern und Enkeln?