Hallo Falkenauge,
danke für deine ausführliche Antwort.
Das hört sich für mich alles wie aus dem Marx Buch an, insb. die Begrifflichkeiten. Das Thema hatte ich damals auch mit meinem Bekannten durchgesprochen.
Ich werde erstmal deinen Artikel lesen und dann wenn ich Zeit habe ggf. nochmal im Detail auf die (aus meiner Sicht) grundlegenden Denkfehler eingehen, die beim Marx-Leser oft dazu führen zu glauben, man könnte ein Rädchen anders drehen und die restlichen Vorteile der Marktwirtschaft dennoch ungehindert genießen.
Das liegt m.E. daran, dass die Umstellung, die hier vorgenommen werden soll so gravierend in den Urantrieb des Wirtschaftens eingreift (Eigentumsrechte und staatliche Orchestrierung des für den Entrenpreneur zu erreichenden finanziellen Gewinns), dass das entstehende System mehr mit einer Planwirtschaft/ Sozialismus gemein hätte, als mit der Marktwirtschaft.
Noch ein ganz ganz wichtiger, zentraler Punkt in dem du m.E. irrst oder ggf. nicht die nötigen Erfahrungen in der freien Wirtschaft gemacht hast.
"Doch zunächst nur kurz vorweg zum Gewinn, vom dem ich nicht der Ansicht bin, dass er an alle Mitarbeiter zu verteilen sei. Für die Schulden haftet das Unternehmen, wie bisher auch."
Für Verluste (ungleich Schulden!) ist Haftung/ Konsequenzen mitnichten beim Unternehmen.
1) Bei Personengesellschaften haftet der Eigentümer direkt (verkürzt aber letztlich die Konsequenz)
2) Bei Kapitalgesellschaften (und haftungsbeschränkten PersG) trägt die Verluste indirekt ebenfalls der Eigentümer. Denn denk daran, der Wert seiner Anteile bemisst sich an der künftigen Ertragskraft und die basiert zunächst einmal auf den laufenden Geschäften. Die Anteile an dem Unternehmen sind Privateigentum und im Privatvermögen des Eigentümers! Die gehen nach ein paar Verlustjahren ruck zuck auf 0 bzw. den Substanzwert des Unternehmens zurück (je nach Branche oft auf Null oder weniger).
Geht die Verlustsituation mit Schulden einher, glaubst du denn die Banken geben Kredite ohne Sicherheiten. Null! Da steht ruck zuck alles im Feuer, Gebäude, Maschinen, Forderungen, sämtliche Anteile und Privatvermögen des Eigentümers samt Bürgschaften durch ihn stehen in den Kreditverträgen drin. Alternative ist Überschuldung und Insolvenz - Anteilswert der privaten Anteile -> Null.
Das ist ein Riesenmärchen von Gewinne sind für alle da, Verluste trägt das Unternehmen. Es ist ganz einfach (außer bei "systemrelevanten" Banken...)
Gewinne beim Eigentümer -> Verluste beim Eigentümer (Marktwirtschaft)
Gewinne bei allen Mitarbeitern -> Verluste bei allen Mitarbeitern (Sozialismus)
Gewinne beim Staat -> Verluste beim Staat (Planwirtschaft)
Nicht immer den Blick verengen auf 2-3 Konzerne, die scheinbar (!!!) "automatisch" gute Gewinne ohne Risiko und Gestaltungen der Eigentümer abwerfen - dem ist mitnichten so in unserer aktuellen globalisierten Marktwirtschaft. Schau dir die OEMs an mit dem Tesla Markteintritt und vergiss nicht die 60% Mittelständler und vielen kleinen Betriebe bis hin zu Start-Ups. Da sind die Überlebenschancen bei 10% (Start-Ups) und du willst bei den 10% noch staatlich eingreifen, die 90% wo es schief geht und massig Geld und Energie kostet sollen aber schön die Eigentümer tragen.
Und sag nicht, die Eigentümer machen ja gar nichts, die haben ja ihre superguten CEOs - ja was denkst du denn was die Kollegen kosten und wer das bezahlt. Der Eigentümer natürlich indem weniger Gewinne übrig bleiben am Ende des Jahres. Er investiert (!) durch ein gutes Board aus seinem (!) Geld, weil er die Früchte auch geniesst!!! Ist das nicht mehr der Fall, kann ich mir auch einen billigen GF für 1/5 des Gehalts holen und mir schnell alle Überschüsse selbst ausschütten bevor der Staat umverteilt (auf wen auch immer).
Das hat massive Konsequenzen für den unternehmerischen Antrieb überhaupt noch Risiken einzugehen und Vorfinanzierungen zu machen. WOZU DENN? Einfach Arbeitnehmer werden und schön profitieren von den Eigentümervorteilen, ohne je die Risiken tragen zu müssen. Planwirtschaft, keine Innovationen, Zusammenbruch.
Meine Meinung
Cliff