Woher kommen die Schulden der DDR?

mh-ing @, Freitag, 01.04.2016, 18:36 vor 3604 Tagen 4468 Views

Anlässlich der ganzen Beweihräucherung aller jener, welche die Wiedervereinigung usw. eingefädelt und umgesetzt haben, möchte ich auf eine zentrale Frage hinweisen, welche bislang weder in der Diskussion und den Medien ausreichend berücktsichtigt ist:

Zum Zeitpunkt der Auflösung der DDR 1990 wurden die Auslandsschulden der DDR auf ca. 30 Mrd. DM taxiert. Tatsächlich wurden dann aber daraus 400 Mrd. DM. Es entstanden ca. 370 Mrd. DM aus dem Nichts oder woher sonst?
Bei Telepolis ist hier ein Artikel vorhanden, der einiges anspricht, jedoch auch nur ab der Oberfläche kratzt, weil die wirklichen Informationen noch immer streng unter Verschluss sind. http://www.heise.de/tp/artikel/36/36931/1.html

Aus meiner Sicht wäre diese Geschichte dringend aufzuklären, da das Theme "Unrechtsstaat" in diesem Punkt wohl mit Zahlen und Daten deutlich zu klären wäre.

Kosten der Deutschen Einheit

CalBaer @, Freitag, 01.04.2016, 18:52 vor 3604 Tagen @ mh-ing 3685 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 01.04.2016, 19:01

Irgendwie musste die ja finanziert werden. 110 Mrd DM braucht man allein fuer den Umtausch der DDR-Privatguthaben. Dazu kommen Renten und Sozialleistungen, die nach der Einheit in DM ausgezahlt und langsam auf Westniveau angehoben wurden. Guthaben=Schulden, man musste nur die Schulden hochrechnen, dann konnte man auch Guthaben einraeumen und die Kosten der Einheit schoen verstecken. Allein von dem Soli haette man das nie finanzieren koennen.

--
Ein ueberragender Teil der Oekonomen, Politiker, Banker, Analysten und Journalisten ist einfach unfaehig, Bitcoin richtig zu verstehen, weil es so revolutionaer ist.
Info:
www.tinyurl.com/y97d87xk
www.tinyurl.com/yykr2zv2

400-30-110 = 260

mh-ing @, Samstag, 02.04.2016, 08:25 vor 3603 Tagen @ CalBaer 2656 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 02.04.2016, 20:09

Irgendwie musste die ja finanziert werden. 110 Mrd DM braucht man allein
fuer den Umtausch der DDR-Privatguthaben. Dazu kommen Renten und
Sozialleistungen, die nach der Einheit in DM ausgezahlt und langsam auf
Westniveau angehoben wurden. Guthaben=Schulden, man musste nur die Schulden
hochrechnen, dann konnte man auch Guthaben einraeumen und die Kosten der
Einheit schoen verstecken. Allein von dem Soli haette man das nie
finanzieren koennen.

Selbst wenn dem so wäre, bleiben da immerhin noch 260 Mrd DM übrig.
Was ist mit den Bankendeals, die bei TP mit angesprochen wurden? Dort liegt doch ein ganz großes Problem, wenn man Banken mit Mrd.-Wert für Millionen "verkauft".

Steht doch alles da

CalBaer @, Samstag, 02.04.2016, 09:04 vor 3603 Tagen @ mh-ing 2649 Views

Dazu kommen Renten und
Sozialleistungen, die nach der Einheit in DM ausgezahlt und langsam auf
Westniveau angehoben wurden.

...ausserdem Infrastrukturinvestititionen usw. usf.

DM-Umtausch der privaten Ersparnisse war eben nicht der einzigste Kostenpunkt der Deutschen Einheit.

Zu den Bankendeals: Die Forderungen koennen nur Schulden von maroden DDR-Betrieben (auch die man denen nach der Wende "aufgehalst" hatte) gewesen sein. DDR-Buerger hatten kaum Schulden, bis auf sog. Ehekredite und Haeuslebauer, aber die meisten lebten zur Miete. Bei allg. Warenknappheit kam man sowieso nur mit Barzahlung zum Zuge. Welche Ratings hatten denn diese Forderungen? Drastische Abschlaege sind normal, wenn die Schulden kaum eintreibbar sind. Dann gibt es nur "Pennies on the Dollar", wie der Ami sagt.

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Denkfehler?

mh-ing @, Samstag, 02.04.2016, 09:39 vor 3603 Tagen @ CalBaer 2422 Views

Wenn ich die Bank mit 100 MRD DM als auch den Schuldner mit 100 MRD Miese bei der Bank übernehme, welches Vermögen besitze ich dann?

Die staatseigenen Banken mit den Schuldscheinen wurden genauso wie die staatseigenen LPG´s usw. von der BRD übernommen. Daher haben sich faktisch die Schulden egalisiert, wenn das normal verlaufen wäre. Es hätten rechnerisch und faktisch nur die Schulden gegenüber Dritten bleiben müssen, alle öffentlichen Schulden innerhalb der DDR hätten sich völlig aufheben müssen.

Die Sache mit den Umtausch, den Renten usw. sind Schulden nach der Wiedervereinigung und keine Anfangsschulden. Daher sind diese Posten hier nicht einzurechnen.

Entweder habe ich in meinen Überlegungen einen großen Denkfehler oder es ist hier ein rießiger Betrug passiert.

sehr gutes Hörspiel dazu: die Plünderlandverschwörung

rahim @, Samstag, 02.04.2016, 12:41 vor 3603 Tagen @ mh-ing 2861 Views

Die Plünderlandverschwörung

--
Die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten, können wir nur überwinden durch die Bilder einer Zukunft, die wir wollen.
(Wilhelm Ernst Barkhoff, Gründer der GLS-Bank)

Kann nicht sein

Taucher @, Samstag, 02.04.2016, 21:01 vor 3603 Tagen @ mh-ing 2284 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 03.04.2016, 13:31

Ich habe heute zum ersten Mal gelesen, dass die DDR 400 Mrd. Auslandsschulden gehabt haben soll. Deshalb gehe ich davon aus, dass Schindler eine Minderheitenmeinung bringt.
Die von Norbert Schindler reingerotzten Zahlen sind nicht der Rede wert. Nicht nachvollziehbar, warum einer im offiziellen Rahmen solchen Unfug rauslässt.

Die 400 Milliarden Inlandsschulden klingen realistisch, aber die kann man vielleicht irgendwie unsichtbar machen.
Mit den angeblichen 400 Milliarden Auslandsschulden geht das nicht.
Wenn am 03.11.1990 die Wiedervereinigung vollzogen wurde, hätten diese 400 Mrd. in der staatlichen Bilanz auftauchen müssen. D.h. von 1989 zu 1990 hätten die Staatsschulden der BRD um ungefähr diesen Betrag größer sein müssen. Tatsächlich sind die Schulden von 473 auf 536 angestiegen.

Es war auch vollkommen ausgeschlossen, dass der Pleitestaat DDR, ohne eigene Rohstoffe und ohne nennenswerte Exportartikel, bei den Banken so viel Kohle kriegt. Das schafft nicht mal der gerissenste Kreditbetrüger, die Geldgeber derart an der Nase herumzuführen.

Allein die offiziellen 18,4 Mrd. Auslandsschulden regelmäßig so zu überrollen, dass die Geldgeber keinen Verdacht schöpfen, das war ein finanztechnisches Kunststücken des Schalck-Golodkowski, was im Nachgang in der Szene einige Ver- und Bewunderung evozierte.

Man sollte bei der ganzen Betrachtung die Kategorien trennen.
Die Kosten der Einheit sind erheblich, vielleicht sogar größer als die benannten 400 Mrd. Aber die kamen hinterher und haben mit den angeblichen 400 Mrd. Auslandsschulden der DDR nichts zu tun.

Nullsummenspiel

TaFw @, Sonntag, 03.04.2016, 08:17 vor 3602 Tagen @ mh-ing 1785 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 03.04.2016, 13:27

Wenn das Geldsystem der DDR ebenso ein Nullsummenspiel war, dann geb ich dir aus meiner Sichtweise bei deiner Denkweise recht.

Jeder, der weiß, wie man Bewertungen von Gütern mit Zahlen durch positive oder negative Darstellungen beeinflussen kann, kann sich sehr leicht vorstellen, wie die Schulden entstanden.

Wer hat die Schuldscheine?

mh-ing @, Sonntag, 03.04.2016, 09:03 vor 3602 Tagen @ TaFw 1771 Views

Man hat bei der Treuhand und ihrer Vorgängerbehörde die Banken mit den Schuldscheinguthaben und die Genossenschaften getrennt, d.h. man hat nicht die Schulden beider gegenseitig aufgelöst.
Dann hat man in der letzten Volkskammersitzung die Zinsen von 0,5 auf über 9% angehoben.
Dann wurden die Banken verkauft und auch soweit möglich die LPG´s usw.
Da die LPS´s meist pleite waren oder wurden, musste der Bund deren Schulden übernehmen und zahlt daran bis heute ab und noch hohe Zinsen dafür.

Die Frage ist nun, wer hat die Schuldscheine und für welchen Preis?

In diesem Prüfbericht des Rechnungshofs wurde kritisiert, dass die Banken absolut viel zu billig verkauft wurden. Jedoch ich kenne niemanden, der diesen Bericht direkt vorliegen hat, auch die Verkaufsdaten sind völlig unbekannt (nach meinem Wissensstand).

Aus meiner Sicht ist genau hier der Betrug passiert. Man hat die DDR-Banken an die Banken verschenkt. Diese erhalten üppige Zinsen und Geld. Da diese völlig unter Preis erstanden wurden, bleibt beim Staat dann die Differenz aus den Schulden der LPG´s und dem zu billigen Verkaufspreis.

Jedoch ist hier vieles nebulös, spekulativ, zu viele wenn und indirekte Informationen. Daher meine ich, dass jemand als Journalist der Sache genau auf den Grund gegehen sollte. Die ganze Öffentlichkeit wurde auf Leuna und Co gelenkt, derweil in dem anderem Bereich der hauptsächliche Betrug statt fand.

danke

mh-ing @, Sonntag, 03.04.2016, 11:30 vor 3602 Tagen @ rahim 1851 Views

Danke für den Link
Ich hatte bislang nur einen Teil gesehen, hier wird das ganze Ausmaß deutlich. Es ist eigentlich so, dass man sich nur noch ärgern kann. R. Mey hat in seien Liedern "sei Wachsam" und "Narrenschiff" gut umschrieben. "Nach den schlimmsten werden Straßen und Flughäfen benannt..."

Was ich aber nicht ganz verstehe, dass seitens der AFD und den alternativen Medien das Ganze nicht viel mehr ins Licht der Öffentlichkeit gestellt wird.

Wie soll das gehen, wenn die Schuldner pleite waren?

CalBaer @, Sonntag, 03.04.2016, 21:41 vor 3602 Tagen @ mh-ing 1535 Views

Aus meiner Sicht ist genau hier der Betrug passiert. Man hat die
DDR-Banken an die Banken verschenkt. Diese erhalten üppige Zinsen und
Geld.

Wie soll das gehen, wenn die Schuldner pleite waren? Die Glaeubiger erhalten dann gar nichts. Vermutlich haben die Banken diese Schulden laengst abgeschrieben und das war der Grund fuer den niedrigen Kaufpreis, denn die Schulden wurden mark-to-market bewertet und nicht nominal.

Ich schliesse ja nicht aus, dass es "Geschenke" und "Unregelmaessigkeiten" gab, aber nicht in der Groessenordnung (400 Mrd).

Der Hintergrund war, dass man die Deutsche Einheit in 1990 nicht auf einen Schlag aus dem Staatshaushalt finanzieren konnte (allein 110 Mrd DM Umtausch der Privatguthaben), sondern ueber externe Traeger einfach die Bilanzen so rechnete, dass man es viele Jahre auf den Staatshaushalt verteilen konnte. Bis 2015 wurden so die Kosten umgelegt:

Die Schulden der Treuhand wurden am 1. Januar 1995 in den Erblastentilgungsfonds eingebracht.

Der Fonds wurde zum 1. Januar 1995 mit einem Anfangsschuldenstand von 336 Milliarden DM (umgerechnet 171,79 Mrd. Euro) errichtet und durch den Bund verzinst und getilgt.

Der deutsche Erblastentilgungsfonds führte 1995, als Sondervermögen des Bundes, die Schulden der Treuhandanstalt und des Kreditabwicklungsfonds sowie Teile der alten Schulden der kommunalen Wohnungswirtschaft zusammen (siehe auch Kosten der deutschen Einheit). Er wurde zum 31. Dezember 2015 aufgelöst.

Quelle: Wikipedia

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Info:
www.tinyurl.com/y97d87xk
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Es haftet die BRD

mh-ing @, Sonntag, 03.04.2016, 22:10 vor 3602 Tagen @ CalBaer 1526 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 04.04.2016, 13:08

Wie soll das gehen, wenn die Schuldner pleite waren? Die Glaeubiger
erhalten dann gar nichts. Vermutlich haben die Banken diese Schulden
laengst abgeschrieben und das war der Grund fuer den niedrigen Kaufpreis,
denn die Schulden wurden mark-to-market bewertet und nicht nominal.

Falsch: Für diese Schulden haftet der Staat und damit die BRD komplett. Jegliche dieser Schulden sind über die BRD abgesichert und daher immer beglichen.

Ich schliesse ja nicht aus, dass es "Geschenke" und "Unregelmaessigkeiten"
gab, aber nicht in der Groessenordnung (400 Mrd).

Vermutlich wird sogar diese Zahl noch gering sein, da noch mehr Betrug passiert ist.

Der Hintergrund war, dass man die Deutsche Einheit in 1990 nicht auf einen
Schlag aus dem Staatshaushalt finanzieren konnte (allein 110 Mrd DM
Umtausch der Privatguthaben), sondern ueber externe Traeger einfach die
Bilanzen so rechnete, dass man es viele Jahre auf den Staatshaushalt
verteilen konnte. Bis 2015 wurden so die Kosten umgelegt:

Die Schulden der Treuhand wurden am 1. Januar 1995 in den
Erblastentilgungsfonds eingebracht.

Der Fonds wurde zum 1. Januar 1995 mit einem Anfangsschuldenstand von
336 Milliarden DM (umgerechnet 171,79 Mrd. Euro) errichtet und durch den
Bund verzinst und getilgt.

Der deutsche Erblastentilgungsfonds führte 1995, als Sondervermögen
des Bundes, die Schulden der Treuhandanstalt und des Kreditabwicklungsfonds
sowie Teile der alten Schulden der kommunalen Wohnungswirtschaft zusammen
(siehe auch Kosten der deutschen Einheit). Er wurde zum 31. Dezember 2015
aufgelöst.

Quelle: Wikipedia

Der Betrug erfolgte mehrfach:
- es wurden Mittelzuweisungen im Sinne eines Umlageverfahren, welche Gewinne und Verluste ausglich, einseitig als Kredit verbucht, diese Kredite verkauft, so dass plötzlich viele Kommunen enorme Bankschulden hatte, die sie nie aus eigener Initiative oder Verantwortung aufgenommen hatten.
- Die Gewinne der LPG wurde auf selbe Art zu Schulden. Die LPG mussten abführen und erhielten entsprechend auch Mittelzuweisungen, die dann plötzlich zu Krediten wurden und damit zu Schulden.
Hätte die Treuhand - wie es normal wäre - Schulden und Guthaben verrechnet, würde es in der Summe 0 sein. Das aber wurde nicht gemacht. Die Schulden wurden in Form von Banken an andere Banken verschenkt, die damit Milliarden geschenkt bekamen.

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