Broder: Wie kam "Blümchen" in Idomeni zu sehen (die Frage ist so korrekt)?

azur, Freitag, 18.03.2016, 11:03 (vor 3618 Tagen) @ Kaltmeister4531 Views

Hallo Kaltmeister,

dazu gibt es auch ein Zeit-Artikel, mit einer heißen Leserdikussion: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-03/norbert-bluem-fluechtlinge-eu-gip...

Angeblich braucht Blüm die EU vorwiegend als christliches Projekt. Da haben die Finanziers seiner Partei bisher aber anders gehandelt.

Der böse Broder analysiert scharf: Was Blümchen in Idomeni zu sehen bekam

Aus welchem Grund war der ehemalige Arbeitsminister in Idomeni? Norbert Blüm, 80 Jahre alt, wollte wissen, aus welchem Grund die Flüchtlinge nach Deutschland streben. Not allein ist nicht ihr Motiv.

"Dass Blüm in diesem Zusammenhang die deutsche Kanzlerin verschonte, konnte mit den bevorstehenden Wahlen in drei Bundesländern zu tun haben. Oder auch damit, dass die Kanzlerin erst vor Kurzem gesagt hat, es gebe "genug Übernachtungsmöglichkeiten in Griechenland". Weil er diesen Worten offenbar nicht ganz traute, hatte Blüm ein eigenes Zelt mitgebracht, in dem er eine Nacht verbringen wollte – Seite an Seite mit den Flüchtlingen, die etwas länger ausharren müssen, bis auf einem der kommenden EU-Gipfel über ihr weiteres Schicksal entschieden wird.

Besaß Blüm ein eigenes Dixi-Klo?

Was mir in diesem Zusammenhang durch den Kopf ging, waren zwei Fragen. Erstens: Wie ist Blüm von Bonn, wo er lebt, nach Idomeni gekommen? Hat er den Zug genommen? Oder ist er geflogen? Wer hat ihm bei der Logistik geholfen, das Zelt besorgt und den Proviant eingekauft? Hat er auch ein eigenes Dixi-Klo mitgebracht oder musste er am Morgen mit den anderen Flüchtlingen Schlange stehen?

War rein zufällig ein Kamerateam vor Ort, als Blüm eintraf? Oder wurde er schon erwartet? Und was wollte er mit seiner Aktion erreichen, außer dass man seit dem 13. März auf Wikipedia lesen kann: "Norbert Blüm übernachtete in der Nacht vom 12. auf den 13. März 2016 im Flüchtlingslager Idomeni, um seine Solidarität mit den Flüchtlingen im Lager zu bekundigen. (sic!)" Bravo, Blümchen!

Die zweite Frage ist etwas komplexer: Was wollen die Flüchtlinge? ..."

Und das ist nicht so, wie es hier gern verkauft wird.

"Die mehrfache Fortsetzung des "Dramas von Idomeni" ließe sich nur vermeiden, wenn "Mama Merkel" jeden einzelnen Flüchtling persönlich abholen oder Hunderte von Bussen schicken würde, um sie unterwegs einzusammeln. Mit beidem ist derzeit nicht zu rechnen. Das könnten, müssten die Flüchtlinge eigentlich wissen.

Sie haben Smartphones, sind untereinander vernetzt und informieren sich gegenseitig über Fluchtrouten und die Zustände beim Lageso in Berlin und anderen "Erstaufnahmeeinrichtungen" entlang des Weges. Entgegen anderslautenden Berichten wird auch kein Flüchtling gezwungen, in Idomeni zu verharren.

Aber nur wenige nehmen das Angebot der griechischen Stellen an, in anderen Lagern untergebracht zu werden, wo wenigstens eine Grundversorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten gesichert ist. Die meisten wollen in Idomeni bleiben, ganz nah an der Grenze, um den Moment der Öffnung nicht zu verpassen. Ein Teil allerdings versucht, zu Fuß die Grenzanlagen zu umgehen, wohl wissend, dass sie nicht weit kommen werden..."

Und er bleibt auch weiter scharf an den Tatsachen, wonach die Anreisenden einen ganz eigenen Umgang mit Leid haben - man mache andere verantwortlich, die dann aber gut genug seien herzugeben:

"gilt in der arabisch-islamischen Kultur das Leiden als ein Wert an sich.

Das festzuhalten grenzt in Zeiten der Political Correctness an "kulturellen Rassismus", macht die Feststellung aber nicht weniger wahr. Märtyrer zu werden, sich zu opfern ist in der arabisch-islamischen Welt als Lebensziel ebenso weitverbreitet wie unter deutschen Jugendlichen der Wunsch, Eventmanager zu werden. Familien von Märtyrern genießen großes Ansehen. Der Stolz auf ihre Kinder – vor allem Söhne, aber auch immer öfter Töchter – lässt weder Trauer noch Scham aufkommen.

Dazu kommt noch etwas. Das Gefühl, für das eigene Schicksal verantwortlich oder wenigstens mitverantwortlich zu sein, ist, freundlich formuliert, extrem schwach entwickelt. Geht etwas schief, sind immer andere schuld: der Kolonialismus, der Kapitalismus, der Imperialismus, der Zionismus, der Westen an sich und die Unmoral, die er überall verbreitet. Wenn es allerdings darum geht, Klimaanlagen zu bauen oder sich den Blinddarm rausnehmen zu lassen, begibt man sich gerne in die Hände westlicher Experten, deren Lebensstil man ansonsten verachtet."

Das steht ihnen alles zu, sagen sich auch hierzulande einige, die ihre Ansicht zum Gebot anderer machen wollen:

"Es ist eine Frage der Ehre, die ebenso wie der Märtyrerkult zu den Säulen der arabisch-islamischen Kultur gehört, dass man sich von Ungläubigen nicht vorschreiben lässt, wie und wo man leben soll. Eine Berlinerin, die sich seit Monaten in der Flüchtlingshilfe engagiert, bringt es auf den Punkt: "Sie finden, dass wir ihnen dankbar sein sollten, dass sie zu uns kommen."

Solche Kundgebungen der Dankbarkeit sind inzwischen Teil der verbalen Willkommenskultur. Ins Demo-Deutsch übersetzt lauten sie: "Kein Mensch ist illegal!" und "Bleiberecht für alle!" Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, jubelte kürzlich bei einer Synode der EKD: "Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt", mit deren Hilfe werde Deutschland "religiöser, bunter, vielfältiger und jünger". Und auch ein wenig gewaltaffiner, wie man spätestens seit der Silvesternacht in Köln und andernorts weiß, ohne dass dies einen Generalverdacht rechtfertigen würde.

Bitte keine schlichte Rettung!

Das Verhalten der Flüchtlinge ist aus ihrer Sicht logisch und nachvollziehbar, stellt aber einen Fall von moralischer Erpressung dar. "Geschieht euch recht, wenn uns die Finger abfrieren, warum kauft ihr uns keine Handschuhe?!" Noch nie waren Menschen, die sich auf der Flucht befinden, dermaßen auf eine Option fixiert."

Quelle: http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article153311048/Was-Bluemchen-in-Idomeni-zu...

Ein paar ganz Gemeine dagegen berichten das aus den Gemeinden:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article147154375/Wenn-Gemeinden-Fluechtlinge-gut...

Oder das: http://www.rundschau-online.de/region/oberberg/unterbringung-von-fluechtlingen-ein-kuen...

http://www.pz-news.de/region_artikel,-Koenigsbach-Stein-Kuendigung-fuer-zwei-Familien-w...

http://www.suedkurier.de/region/hochrhein/herrischried/Gerhard-Jansen-soll-wegen-Fluech...

Reisen dann Norbert und andere Aktivisten auch dorthin? Und auch in die ordentlichen sicheren Unterkünfte in Griechenland?

Viele freundliche Grüße

azur

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